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Abendausgabe

Nr. 518 15. Jahrgang 190

258

Böchentlich 853 monatli 3,60 m. tm voraus zahlbar, Boftbezug 4,32 m. einschl. Bestellgeld, Auslandsabonne ment 6,-. pro Monat,

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Der Borwarts" erfcheint mochentags lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abendausgaben für Berlin und im Handel mit dem Titel Der bend", Illustrierte Beilagen Bolt und Zeit" und Kinderfreund". Ferner Unterhaltung und Biffen"," Frauen. Stimme"," Technif"," Blid in die Bücherwelt" und Jugend- Borwärts"

Vorwärts

Berliner Boltsblatt

Donnerstag 1. November 1928

10 Pfennig

Die einipaltige Nonpareillegeile 80 Pfennig. Reklamezeile 5.- Reichs mart. Kleine Anzeigen" das fettge brudte Wort 25 Pfennig zulässig zmet fettgedruckte Borte), jedes weitere Bort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Pfennig, jedes weitere Bort 10 Pfennig. Borte über 15 Buchstaben sählen für zwei Worte. Arbeitsmartt Beile 60 Pfennig. Familienanzeigen für Abonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzeigen annahme im Hauptgeschäft Linden Straße 3, wochentägl. von 8 bis 17 Uhr,

Bentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands

Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Donhoff 292-297. Telegramm- Adr.: Sozialdemokrat Berlin

Vorwärts- Verlag G. m. b. H.

Bostschedkonto: Berlin 87536.

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Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten

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Riesenkampf an der Ruhr. Wie ,, Zeppelin" landete.

Die offene Auflehnung.

Die Unternehmer haben gestern die bürgerliche Bresse zusammenberufen, um ihren Standpunkt zu verteidigen. Die Schwerindustriellen wollen eine Feststellungsflage beim Reichsarbeitsgericht anhängig machen auf ungültig feitserklärung des Schiedsspruches. Der Schiedsspruch sei Der Schiedsspruch sei aus formellen wie aus materiellen Gründen nichtig. Er sei entgegen den Bestimmungen der Schlichtungsverordnung vom 10. Oftober 1923 lediglich vom Schlichter, nicht mit einer Kammermehrheit gefällt worden. Er greife sodann in bestehende Bestimmungen des noch laufenden Rahmen­tarifs ein. Die Berbindlichkeitserklärung sei daher gesetzlich unzulässig und konnte feinen rechtsgültigen Tarifvertrag schaffen.

Damit geben die Unternehmer in Wirklichkeit im selben Augenblid, wo sie es abzuleugnen suchen, offen zu, daß ihr Borgehen eine

Auflehnung gegen die Staatsautorität und zugleich ein Rechtsbruch ist. Die Unternehmer und ihre Syndici wiffen sehr wohl, daß die Mehrheit der Schieds­sprüche vom Schlichter allein gefällt werden. Sie wissen sehr wohl, daß dies gesetzlich zulässig ist und zwar auf Grund des§ 21, Absatz 5 der. Ausführungsverordnung zur Schlichtungsverordnung. Es ist geradezu eine Heraus forderung der öffentlichen Meinung, mit einem derartigen Argument zu operieren.

Noch schlechter steht es mit dem materiellen Ein­wand. Seit vier Jahren ist in der Schwerindustrie genau so verfahren worden wie diesmal. Neben dem Rahmentarifvertrag sind im Lohntarif die Zulagen vor­gesehen. Auch diesmal ist so verfahren worden.

Wenn es sich aber wirklich, wie die Unternehmer glauben zu machen versuchen, um eine Rechtsfrage allein handelte, wenn es sich nur darum handeln würde, festzu stellen, ob es rechtlich zulässig ist, daß die Akkord- und Prämienarbeiter eine weitere Zulage von 2 Pfennig erhalten sollen oder nicht, so bedurfte es dazu feiner Aussperrung. Die Unternehmer brauchten nur eine innerhalb einer Woche zur Entscheidung fommende Klage beim Arbeits­gericht einzureichen. Sie fonnten sich auch weigern, die im Schiedsspruch festgelegte Lohnerhöhung zu zahlen und es auf eine Klage der Gemertschaften vor den Ar­beitsgerichten anfommen lassen. Um diese Rechtsfrage zu entscheiden, brauchten die Unternehmer feineswegs

213 000 Arbeiter aussperren, die Produktion stillegen und im weiteren Verlauf das gesamte Wirtschaftsleben einer schweren Erschütterung auszusetzen.

Nein! Darum geht es nicht. Wenn auch die Rechts­lage ganz tlar zu ungunsten der Unternehmer ist, wenn die Unternehmer auch ganz offenbar sich einer Gesegesverletzung huldig gemacht haben und durch die Aussperrung Tarif­bruch begehen, so ist diese Aussperrung weit mehr als das. Sie ist eine offene Auflehnung gegen den Staat, sie ist ein Versuch, das Schlichtungswefen in die Luft zu sprengen, fie ist darüber hinaus der Berjuch, dem Staat den Willen der fleinen Gruppe von Unternehmern aufzuzwingen. Diese Tatsachen versuchen die Unternehmer vergebens mit baltlosen Argumenten zu verschleiern.

Die Durchführung der Aussperrung.

Die Altion der Gewerkschaffen.

Effen, 1. November.( Eigenbericht.) Auf Anweisung des Arbeitgeberverbandes der nordwestlichen

Metallindustrie ist die Aussperrung im gesamten Tarifgebiet durch­geführt worden. Die Arbeiterschaft ist entlassen und nur werden ausgeführt. Insgesamt

die of standsarbeiten

erden 213 000 Arbeiter von der Aussperrung betroffen. Heute bormittag ist der Hauptvorstand des Deutschen Metallarbeiterverban­des in Effen zusammengetreten, um die notwendigen Maßnahmen Führung des Kampfes zu treffen. Der Kampf wird ge­( Fortjeßung auf der 2. Seite.)

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Die große von beispielloser Anteilnahme Ser ganzen Welt begleitete Amerikareise des Luftschiffes Graf Zeppelin", Sin- und Rückfahrt zum erstenmal mit Passagieren, gehört der Geschichte an. Nach 71stündigem Flug ist das Luftschiff heute früh 7 Uhr 5 Minuten vor der Luftschiffhalle in seinem Heimathafen am Bodensee glatt ge landet. Eine vieltausendköpfige Menge hielt trok der frühen Morgenstunde den Plak vor der Halle besett.

Der Verlauf der Landung.

play hinaus. Die Autos fonnten sich durch das Menschengewühl nur schwer einen Weg bahnen. Am Außentor schon mußten sie an­halten, weil die Werft Störungen befürchtete, wenn der Autoverfehr sich bis auf den Plaz erstrecken würde. Schußpolizei und Militär sorgten für Absperrungen, die in der Dunkelheit nicht gerade leicht durchzuführen sind. Ein seltsames Gefühl, als plößlich die altbea fannte Stimme der Motoren zu hören ist, als sich bald darauf gegen den Nachthimmel der Riesenleib des Schiffes ab hebt und die erleuchtete Gondel die kleine Welt zeigte, die in diesen Nächten und Tagen über den weiten Ozean zurückgefunden hat. Aus dem vorderen Teil der Gondel wurden Zeichen gegeben und im selben Augenblick setzte Glockengeläut ein. Wieder verschwand das Luftschiff, um dann nochmals über der inneren Stadt zu kreisen und fich bald darauf für längere Zeit in der Richtung Bodensee wieder zu Menschenmasse umfäumt, wie er sie wohl noch nie gesehen hat, und entfernen. Inzwischen ist jetzt der weite Blaz an der Werft von einer

immer neue Massen strömen herbei. Genau eine Stunde nach seinem ersten Eintreffen über Friedrichshafen , nämlich um 5.35 Uhr erscheint das Luftschiff über der Werft. Auch jetzt wiederholen sich die Szenen wilden Jubels. Als großer dunkler Schatten steht das Schiff gegen den Himmel,

Begrüßung in der Halle.

treuzt war, und es zum erstenmal furz vor 47 Uhr so ausgesehen Rachdem das Luftschiff mehrfach über dem Landungsplatze ge­batte, als ab die Landung fofort erfolgen würde, zog sich die end­gültige Landung doch noch längere Zeit hin. Edener wartete offen bar, ab, bis es ganz hell gemorden war. Kurz vor 7 Uhr wurde das Luftschiff wieder sichtbar und näherte sich mit abgestellten Motoren dem Landeplatz. Der Bug neigt sich ziemlich ſtart. Kurz nach 7 Uhr wurde vom Bug die erste Landeleine heruntergeworfen. Dann wurden die Positionslaternen und auch die Lichter der Kabinen ge­löscht. Unmittelbar danach fiel auch die hintere Landeleine, so daß Ueber dem Landeplatz herrschte fast völlige Windstille, für die Ein­das Luftschiff um 7.05 Uhr 10 Meter über dem Boden stand. Damit bringung des Luftschiffes in die Halle, das idealste Better. Nachdem war die Landung vollzogen. Im Augenblick der Landung stürmte die Lauffagen befestigt waren, gleitet das Schiff mit dem Bug zuerst die Menge auf den Zeppelin zu, der in wenigen Augen- langsam durch das weit geöffnete Tor in den von strahlenden Bogen­bliden von einer Menschenmenge umgeben war. Absperrungsmann lampen hell erleuchteten Innenraum. Der württembergische schaften waren zwar gestellt worden, ein ernsthafter Versuch, die Staatspräsident und Vertreter der württember Menge zurückzuhalten, wurde aber gar nicht erst gemacht, da dies gischen Regierung, der amerikanische Generalton­doch zwecklos gewesen wäre. Die Menge tobte förmlich vor Begeiste- ul und die Angehörigen der Besagung sowie eine kleinere Anzahl rung und schrie zeitweilig so start, daß der auf dem Platz befindliche Gäste hatten in der Halle Aufstellung genommen und ließen den Rundfunksprecher nicht mehr zu verstehen war. Die Menge begrüßte filbernen Rumpf des Luftriefen an sich vorüberziehen. Um 7.40 Uhr Edener mit nicht endenwollenden Hoch- und Hurrarufen. Böller- lag das Schiff in seiner ganzen majestätischen Größe in der Halle. schüsse ertönten und der Blaz rings um den Zeppelin schien zeitweilig Ein ungeheurer Jubel erfüllte den weiten Raum. Alle Gerüste und weiß vor winkenden Taschentüchern. Leitern waren mit Zuschauern dicht besät, die begeistert das Deutsch­lanplied anstimmten. Als erste begaben sich 3wei Zollbeamte

Nacht hinter sich, und die Unruhe erreicht ihren Höhepunkt, als um Das sonst jo ruhige Friedrichshafen hat eine unruhige

4 Uhr Böllerschüffe und Sirenengeheul einen furchtbaren Lärm machen und die ganze Stadt alarmieren. Bald darauf schon strömte in die Passagiergondel, worauf die Menge fautes Gelächter an ganz Friedrichshafen in hellen Scharen zum Flugftimmte. Schon zwei Minuten später verließen die ersten Paffagiere

Vorbereitung für die Landung.

POCHEN VERSATEN

Ein Fesselballon verläßt die Halle, um zur Beobachtung aufzusteigen,