Morgenausgabe
Nr. 559
A 283
45.Jahrgang
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Dienstag
27. November 1928
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Schulreform.
Eine Schlußbemerfung zur Diskussion über das nächste Schulprogramm.
Von Wilhelm Paulsen.
Was will die Volkspartei?
Einspruch gegen die Unterstützungsaktion für die Ausgesperrten?
im Parlament treiben. Die Volkspartei soll in die Bresche springen, eine Demissionierung der Minister der Volks partei soll die Einstellung der Unterstützung an die Ausgesperrten bewirken. Der Plan ist einfach und klar; die der Volkspartei nahestehende Presse läßt über ihn teine Zweifel. Beim Wiederzufammentritt des Reichstags wird man sehr schnell erfahren, ob mehr da= hinter stedt als nur ein frommer Wunsch des Unternehmertums oder ob in der Tat die Volkspartei Neigung zeigt, die Front der Katastrophenpolititer gegen den Staat, feine Autorität und das Gesetz zu verlängern.
Auf meine Ausführungen im ,, Borwärts" antworteten Das Urteil des Duisburger Landesarbeitsgerichts hat das wahre| in Duisburg wollen sie es anscheinend noch bis zum offenen Konflikt Dr. Wuesstng und Frau Dr. Bäumer, beide nach meiner Wesen der Aussperrung in aller Schärfe aufgezeigt. Sie ist ein Meinung im fachlich zustimmenden Sinne. Da es mir in Bruch des Rechts, ein Machtkampf der Scharfmacher gegen den Bruch des Rechts, ein Machtkampf der Scharfmacher gegen den der gegenwärtigen politischen Konstellation notwendig er- Staat und das Gesetz. Bei diesem Machtkampf muß der Staat scheint, über alle Einwendungen hinweg zu einem die Deffent- den längeren Atem haben, sofern seine Organe von dem lichkeit überzeugenden und miteifernden Aktionsprogramm Billen erfüllt sind, die Achtung vor dem Gesez und vor der Auzu kommen, sei es mir gestattet, meine Ansicht noch einmal torität des Staates zu erzwingen. Der Beschluß des Reichstags, den furz zusammenzufassen und Gegensätzliches, hinwegzuräumen. Ausgesperrten Interſtügung zu gewähren, bedeutet in diesem Mach: Ich verwerfe aus fozialen und pädagogischen Gründen fampf einen sehr schwerwiegenden Faktor.. Die Unternehmer jede Schulgliederung, die auf Grund eines einseitigen Ausfürchten diese Unterstützungsaktion, fie versuchen deshalb systematisch Iefe verfahrens durchgeführt wird. Die Schule, als die öffentliche Meinung und die ihnen nahestehenden ParlamentsSammel, Bildungs- und Lebensstätte der Jugend, ist eine frattionen Einheit. Ausleseschulen im heutigen Sinne zerstören diese Einheit und zerreißen die Jugend wie die erwachsene Gesellschaft nach Ständen und Klassen. Gesellschafts- und BildungsPlassen, höhere und niedere Klassen sind innerhalb unseres heutigen Schulsystems scharf ausgeprägt. Sie bleiben be stehen, wenn der Gegensatz zwischen Maffen und Sonder schule nicht aufhört, wenn die Volksschule nicht zu einer Maffeninstitution, zur Boltsbildungsanstalt er hoben wird.
gegen die Durchführung des Reichstagsbeschlusses auf Grund der preußischen Richtlinien
mobil zu machen.
Die der Volkspartei nahestehende Presse veröffentlicht An griffe gegen die Unterstüßungsattion und behauptet, daß die Unterstügung gegen die Reichsgrundfäße zur Fürsorgepflicht verordnung verstoße und deshalb eine Berlegung der Staatsautorität bedeute. Diese Behauptung ist rechtlich so unhaltbar wie jene Unternehmerbehauptung, daß der Schiedsspruch nicht zu Recht gefällt worden sei. Sie soll verschleiern, daß die Unternehmer unter Mizachtung des Rechts den Kampf gegen den Staat fort fehen wollen. Die Unternehmer stehen nun einmal auf dem Stond punkt, daß der Staat mir den Unternehmern helfen darf, niemals aber den Arbeitern.
Die Rölnische. 3eitung" fündigt gleichzeitig on, daß ein neuer Schritt der Volkspartei in der Frage der Unterstützung im Eisenstreit bevorstehe.
Ich habe die Gefahren jeglicher Art von Ausleseklassen scharf gelennzeichnet. Aufbau und Oberklassen der Bolts schule sind Behelfs- und Noteinrichtungen. Sie stoßen für eine geringe Zahl theoretisch Begabter niederer Boltsschichten ein Bildungstor auf, laffen das Massenbildungsproblem aber ungelöst. Das Bildungselend der Volksschule und mittelbar auch das der höheren Schule, bleibt bestehen. 90 Broz. unjerer Jugend verkümmern nach wie vor in ihrer geistigen Entwicklung. Für die Wirtschaft und Kultur ist die Volksschule fafi ohne Bedeutung. Ihr Niveau muß gehoben werden, Aufbau und Gliederung müssen dem Reich Es ist bekannt, daß die Bolkspartei vor dem Beschluß des Reichs tum und der Mannigfaltigkeit individueller Begabungen tages einer Unterstügungsaktion des Reiches zunächst erheblichen entsprechen. Die Bildungsziele müssen den Bedürfnissen der Widerstand geleistet hat, so daß in dieser Zeit der Krisengerüchte Gesellschaft und der Wirtschaft angepakt werden. Die Bil- und Krisengespräche bereits öffentlich von einer Regierungsfrise über dungswege in die Braris des Lebens münden. Eine Aus- den Eisenkonflikt gesprochen wurde. Die Volkspartei hat schließlich lefe von unten muß erfolgen, nicht von oben. Die Gach der Unterstüßungsaftion zugestimmt. Würde es sich bewahrheiten, gliederung der Schule fordert das können der Jugend her daß fie jest gegen die Durchführung Einspruch zu erheben gedenkt, aus, macht ihre Qualitäten sichtbar, legt innere Berechti o müsse der Eindruck entstehen, daß sie vor dem Stirnrunzeln der gungen" bloß. Je fchlechter das Schulwesen, Scharfmacher ihre beffere Einsicht preigsgibt. An fräftigen Drohundesto höher das Ansehen der Berechtigungen der ausgesprochenen Scharfmacherpreise hat es ja nicht gefehlt. gen, Diplome und Prüfungen. Die Riel und hat doch eine Zeitung mit dürren Borten erklärt, Herr Curtius Ranlosigkeit unseres Bildungswesens hat zur Erfindung der habe sein Amt als Reichswirtschaftsminister nur von der Gnade Intelligensprüfung geführt. Je größer die Ohnmacht und der Industriellen..... das Unvermögen der Schule. Intelligenzen zu wecken und zu formen, desto raffinierter und lückenloser die Tests, dennoch Intelligenz zu entdecken.
An anderer Stelle formulierte ich es so:., Je unerbittlicher und härter der Prüfungsmechanismus ift. ie differenzierter die Systeme und Brogramme. je lauter, selbstbewukter, unbefcheidener und tattloser die Methoden werden, geistige Qualitäten zur Aeußerung, zur Entäußerung", au drän gen. desto größer und unheilvoller sind die Mächte der Intelligenzzerstörung. Es gibt nur ein Mittel, unserer geistigen Wirtschaft zu helfen: natürliche Intelligenz bildung nicht zu hindern."
Soviel von der grundsäglichen und inneren Seite der Schulreform. Für den organisatorischen Aufbau forderte ich die Einheitlichkeit des Schulmefens bis zum 10. Schuljahr, für die legten vier Jahre mit Beschränkung auf den allgemein bildenden Unterricht. Die fechsjährige Bolfsgrund Ichule, ich muß auf meine früheren Ausführungen zurück berweisen( Borwärts" vom 3. Juni 1928), hat die Aufgabe. die Gesamtkräfte der Jugend zu mobilisieren, sie in Arbeit und Spiel natürlich sich formen und auswirken zu laffen. Unsere Stunden- und Lehrpläne verlagen hierin vollständig, in dilettantischer Weise vermitteln sie dürftigste Gelehrten bildung. Eine Umkehr ist unter der Einwirkung neuester piychologischer und pädagogischer Erkenntnisse bereits er:
tennbar.
Die vierjährige Boltsmittelschule, obligatorisch in den ersten, fakultativ in den letzten Jahren. fegt bei völlig umzugestaltender Arbeit, unter Verzicht auf den drückenden Stoffzwang und unter Herabjekung der verwirrenden Stunden- und Fächerzahl die allgemeine Bildung fort, gliedert sich aber nach den Hauptbegabungsrichtungen, wie es die Bedürfnisse des Gewerbes, des Handels. der Technik. der Kunst oder der Wissenschaft es erfordern. Die Fach- und Die Gesamtheit Berufsschulen fnüpfen hier organisch an. ihrer Oberstufen bildet die Boltsoberschule, neben der vorläufig, verbunden mit ihr, die höhere Schule bestehen
bleibt.
uessing bekennt sich zu dieser Gliederung im vollen Umfange, er fordert mit mir die fechsjährige Grundschule und den Ausbau der Boltsschule bis zum zehnten Jahre. Bäumer will in diesem System- ob fachlich mit Recht oder nicht die heutigen Mittel- und Realschulen belassen,
Es scheint die Absicht der Führer der Scharfmacher zu sein, ihre Front gegen den Staat zu verlängern bis in den Reichs tag hinein. Nach ihrer Niederlage vor dem Landesarbeitsgericht
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Wir glauben, daß es im gegenwärtigen Augenblick fein stärkeres Mittel gibt, um eine Partei, ihre Rechtsauffassung und Staatsgejinnung in den Augen der überwältigenden Mehrheit des Volkes zu diskreditieren, als der Versuch, sich im Eifenkonflikt auf die Seite der Rechtsbrecher gegen die Opfer der Aussperrung zu stellen. Ein Sturm der Empörung im ganzen Botte würde sich gegen den Versuch erheben, den Scharfmachern mit Silfe einer leichtherzig heraufbeschworenen Regierungsfrise zu Hilfe zu kommen.
Die parlamentarische Auseinandersetzung über einen derartigen Versuch würde zu einer sehr flaren Trennung der Geister führen. lieber die Stimmung innerhalb der Arbeiterschaft unterrichtet eine Rundgebung der christlichen Metallarbeiter, in der die Reichsregierung aufgefordert wird, ihrer Hoheit und dem Recht Geltung zu verschaffen,
erforderlichenfalls durch ein Notgesek, auf Grund dessen die Betriebe wieder geöffnet werden könnten. Diese Kundgebung der christlichen Metallarbeiter wird von der ,, Kölnischen Zeitung " als Katastrophenpolitik bezeichnet. Nun auf einmal Katastrophenpolitik! Vier Wochen lang haben die Scharf. macher an der Ruhr unverantwortliche Katastrophenpolitik getrieben
nun auf einmal soll die Forderung an den Staat, daß er dem Recht Geltung verschaffen solle gegenüber den Saboteuren des Rechts, Katastrophenpolitik sein?
Es ist allerdings zu wünschen, daß die Notwendigkeit, 230 000 Arbeiter und ihre Angehörigen zu unterstüßen, bald aufhört! Die Betriebe müffen geöffnet werden!
Das Reich muß die Arbeiter unterstützen, weil 12 Menschen einen Privatkrieg gegen das Recht des Staates führen. Es wäre beffer, wenn sich die Bolkspartei bemühen würde, die Unternehmer zum Abbruch der rechtswidrigen AusSperrung und zur Anerkennung des Schiedsspruch s zu bewegen, als daß sie einen Schritt gegen die Unterstützung der Opfer des Rechtsbruchs oder auch nur eines Teiles von ihnen anfündigen läßt!
Zum Gelingen verurteilt."
Blum über die Reparation- für die Räumung.
heute damit rechnen, daß die bevorstehenden Sachverständigenverhandlungen um Gelingen verurteilt sind".
Die Reparationsfommiffion ernennt die Sachverständigen.
Der Führer der Sozialistischen Partei, Leon Blum , veröffent licht heute im Populaire" einen grundsäglichen Artikel über die Frage der Rheinlandräumung. Leon Blum betont zunächst, daß die Sozialistische Internationale beffen militärische Besetzung, vor allem aber die Rheinlandräumung, die nicht weniger als 15 Jahre dauern follte aufs schärfte verurteilt. Selbst die wildesten Militaristen in Frankreich hätten so fährt Leon Blum fort, der Räumungsforderung Deutschlands nicht ein einziges ftichhaltiges Argument entgegenzusehen. Die Berufung auf den Artikel 431 des Bersailler Bertrages fönne nur zugunsten Deutschlands sprechen. Deutschland habe abgerüstet, es habe den Dames- Plan und den Locarno - Bertrag angenommen und damit Sicherungen anerkannt, diese Frage in ihrer Demarche vom 30. Oktober offengelassen, weil die die Sicherung der Rheinlandbesezung ersetzen.
Am Montag vormittag fand im Elysee unter dem Borsiz des Präsidenten der Republik ein Ministerrat statt, der sich wiederum mit den laufenden Reparationsverhandlun= gen befaßte. Innenminister Tardieu erklärte noch Schlüß der Sigung, daß die erwartete Ernennung der Sachverständigen for= mell nicht den alliierten Regierungen, sondern der Repara= tionsfommission obliege. Die deutsche Regierung hatte
sie selbst keinerlei Initiative ergreifen wollte. An sich können Es sei klar, daß Deutschland für die Räumung feinen Preis zu gegen die Ernennung durch die Reparationstommiffion grundsäß-zahlen brauche und daß es dies auch nicht tun werde. Deutschland liche Bedenken schon deshalb kaum erhoben werden, weil ihr im werde mit diesem Standpunkt auch unbedingt durchdringen. Es| Friedensvertrag die Mission zugeschrieben wird, von Zeit zu Zeit habe nicht nur das Recht auf seiner Seite, sondern es fönne schon die Zahlungsfähigkeit und die Hilfsquellen Deutschlands zu prüfen.
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ihre grundfäßlichen Erörterungen sind dieselben. Alle schul- I um das Reichsschulgefeß ich wiederhole es ist der Kampf reformistischen und schulfortschrittlichen Kreise erheben die um eine vernünftige und fachliche Gestaltung unseres Schulgleichen Forderungen. Die Lehrerschaft wird in ihrer er- und Bildungswesens. Konfessioneller Hader verstummt vor brüdenden Mehrheit hinter ihnen stehen. Jugend und Eltern den praktischen Aufgaben des Lebens. Eine Schule der prosehnen sich nach Erlösung. Die schwer fämpfende Wirtschaft duktiven Arbeit, die Schule der schaffenden, werktätigen Beverlangt die neue Bildungsordnung. Die Sozialdemokratische völkerung, wird die Jugend binden über alle weltanschau Partei fieht in ihr die Erfüllung des wichtigsten Stüdes ihres lichen und parteipolitischen Grenzen hinaus. Zugleich wird Kulturprogramms. An uns ist es, die Parlamente an die gerade fie am wenigsten ihre allgemeine humanistische Au gefeggeberische Arbeit zu bringen. Wichtiger als aller Rampf gabe versäumen.