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Abendausgabe

Fr. 564

B 281

45. Jahrgang

Böchentlich 83 31. monetfi 8,60 m. tm voraus zahlbat. Boftbezug 4.32 22. etnicht Bestellgeld, Auslandsabonne ment 6,- pro Monat.

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Der Borwärts erichetnt wochentag lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, bie Abenbausgaben für Berlin : und im Handel mit dem Titel Der Abend", Illuftrierte Beilagen Bolf and Zeit und Rinderfreund. Ferner Unterhaltung und Biffen", Frauen timme". Lecnif. Blid ta bie Bücherwelt" und Jugend- Borwärts

Vorwärts

Berliner Boltsblatt

Donnerstag

29. November 1928

10 Pfennig

Die enipaltige Ronparetlegesle 80 Bfennig. Reflamezeile 5.- Reichs mart. Kleine Anzeigen" das fetige. druckte Bort 25 Biennig( zuläffig zwei fettgebrudte Borte), jedes weitere Bort 12 Bfennig. Stellengefuche das erste Wort 15 Pfennig, jedes mettere ort 10 Pfennig. Borte über 15 Buchstaben adblen für zwei Borte. Arbeitsmart Belle 60 Pfennig. Familienanzeigen für Abonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzeigen annahme im Hauptgeschäft Linden Straße 3, wochentägl. von 8 bis 17 11br.

Bentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands

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Diebe im Juwelenladen.

28 Ringe im Wert von 200000 Marf erbeutet.

Einer der größten Jumelendiebstähle, die jemals in Berlin verübt wurden, hat sich am geftrigen Mittwoch in einem belannten Juweliergeschäft Unter den Linden ereignet. Dem Geschäft wurden 28 Plafinbrillantringe im Wert von 200 000 2. gestohlen. Bereits am Tage vorher mar dem­felben Geschäft ein Ring im Wert von 12 000 m. gestohlen morden.

3mei gutgefleibete Herren, anscheinend Amerikaner, die nur ge­brochen Deutsch sprachen, betraten den Laden, und einer von ihnen, der fleinere, gab zu verstehen, daß er etne ram atfernadel zu faufen wünschte. Er nahm am Badentisch Platz und legte seine Handschuhe und einen Stodschirm auf die Platte. Sein Begleiter, der viel größer mar, stand zunächst neben ihm, ent fernte sich dann aber und schien in die Auslagen einer Bitrine vertieft. Diese Bitrine, die genau der Kaffe gegenüber. steht, enthält verschiedene Fächer, in denen Samttabletts mit Schmud ftüden aufbewahrt merden. Jedes Fach wird burch eine Glasflappe gejchloljen. Der Meinere Stunde taufte nach fängerem Wähien eine Kramatheunadel für 26 M. und bezahlte mit einem Tausendmartfchein, wodurch natürlich eine Berzöge rung der Abfertigung durch das Wechseln eintrat. Inzwischen mar der größere nicht non der Bitrine gemichen, an die er sich mit dem. Rüden scheinbar ganz unintereffiert onlehnte. Als nach Abferti gung des Käufers die Angestellte das Tablett mit den Kramatten­nadeln in die Bitrine zurücklegen mollte, hielt der größere Mann fie danon ab und bemerfte baß er selbst auch eine Nodel aussuchen mollte. Rachbem fein Gefährte bezahlt hatte, verließen beide bas Geschäft, und die Berfäuferin munderte sich noch, daß der andere offenbar feine Kaufabficht aufgegeben hatte. Handschuhe und Stod. fchirm des einen Kunden waren auf dem Ladentisch vergessen morden. Einer der Angestellten lief den Kunden nach, um sie auf die Bergeßlichkeit aufmerksam zu machen. Da tamen die beiden auch schon zurüd und nahmen ihr Eigentum an der Tür in Empfang. Als min die Verkäuferin das Tablett mit den Nadeln in die Bitrine zurüdftelite, fiel ihr

das Fehlen eines anderen Tabletts auf, auf dem fich 28 fostbare Ringe befunden hatten.

Sie glaubte aber, daß die Platte in der Regiftratur oder einer anderen Stelle des Betriebes sei und sagte zunächst nichts. Erst bei einer späteren Nachfrage stellte es fich heraus, daß der größere der Kunden das ganze Tablett mit den Ringen ge­stohlen hatte. Der Wert der entwendeten Ringe beträgt an­nähernd 200 000 M. Allem Anschein nach hat der Amerikaner, der sich mit dem Rücken gegen das Schränkchen lehnte, es ver. standen, unbemerkt die Glasflappe zu öffnen und das Tablett mit dem Inhalt herauszuziehen. Wie geschickt der Dieb, offenbar ein internationaler Fachmann", zu Werke gegangen ist, sieht man schon daraus, daß feiner der nur lose eingesteckten Ringe beim Herausnehmen des Tabletts ins Gleiten fam und herunterfiel. Daß der fleinere der Männer Handschuhe und Schirm liegen ließ, ist ficher auch nur ein Trid gewesen. Die beiden Fremden standen im Anfang der vierziger Jahre.

Schon am Tage zuvor, am Dienstag, murde

dasselbe Geschäft von einem anderen Ladendieb um einen werf. vollen Ring bestohlen.

Hochwasser der Ruhr

Der Sturm, der dieser Tage über Norddeutschland wütete, hat die Ruhr über die Ufer treten lassen und die anliegenden Ländereien überschwemmt. Vom Wasser um­spülte Häuser bei Essen .

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Der Kampf um die Arbeitsstatt.

Gerüchte im Industriegebiet.- Vermittler der Reichsregierung.

Im übrigen ist der Deutsche Metallarbeiter. verband finanziell start genug, um die Bewegung aus eigenen Mitteln zu führen. Er hat also nie daran ge­dacht, und denkt auch jetzt nicht daran, irgend eine Silfe der anderen Gewerkschaften in

Ein rechtsparteiliches Morgenblatt behauptet, Reichsaußen­minifter Dr. Stresemann werde die Persönlichkeit von be­fonderer Autorität fein, die für die Reichsreglerung einen lehten Vermittlungsversuch im Ruhrkampf unternehmen werde. Ein Mittagsblatt nennt dafür den Reichsgerichtspräsidenten Dr. Simons. Beide Meldungen werden von der Reichsregierung als unzutreffend Anspruch zu nehmen. erklärt. Es wird jedoch nicht angegeben, welche per­fönlichkeit für diese Affion in Aussicht genommen ift.

Unsinnige Gerüchte.

Essen, 29. November.( Eigenbericht.)

In der Presse werden Gerüchte verbreitet, wonach die Gewerkschaften die Verkündung eines General. it reits planen. Es genügt, darauf hinzuweisen, dan der Deutsche Metallarbeiterverband in Uebereinstim mung mit den anderen am Ruhrlouflift beteiligten Gewerkschaften seine Bereitschaft erklärt hat, den Vor men. Dieser Vorschlag geht bekanntlich darauf hin, die Arbeit sofort zu den alten Bedingungen wieder aufzunehmen, vorbehaltlich der Eut scheidung des Reichsarbeitsgerichts. Es kann also, feine Rede davon sein, das irgendwie eine Streifattion ge plant wäre.

Es erschien dort ein Mann, bersih, Martelec nannte und' angab, daß er in ber französischen Botschaft zu er­reichen sei. Er sprach mir franzöfifch, legte eine mit Brillanten besezte Blatinherrenuhr auf den Tisch und bat, fie ihm gegen einen gleichwertigen Brillantring umzutauschen. Man legte ihm ein Tablett mit Ringen zufällig dasselbe, daß am Mittwoch dann vor, der Kunde konnte sich aber nicht ent­gestohlen wurde fchließen, und aus den Geschäft wurde nichts. Obwohl mehrere Anschlag des Regierungspräsidenten Bergemann anzuneh­gestellte um den Stunden herumftanden, war es ihm doch möglich, mit einem Taschenspielertr id einen der echten Ringe mit einer gut gearbeiteten aber mertlosen französischen Bijouterie zu vertauschen. Der Ring, den er erbeutete, hat einen Stein im Gewicht von 6,12 Karat und ist 12 000 m. mert Der Umtausch" wurde erft enidedt, als der Kunde sich schon entfernt hatte. Ob zwischen den beiden Diebftählen ein Zufammenhang befteht, läßt sich nicht fagen. In der franzöfifchen Botschaft ist von einem Herrn Mar telec" natürlich nichts befannt. Dieser Ladendieb ist sicher auch ein internationaler Gauner. Für die Ermittlung der drei Diebe und die Wiederbeschaffung der gestohlenen Juwelen hat das Geschäft eine Belohnung von 10 000 m. ausgesetzt. Mitteilungen zur Muftlärung erbittet Kriminaltommiflar Albrecht im Polizeipräsidium.

Der fingierte Raubüberfall Die ,, Bettelprinzeß"

Berichte 2. Seite

Die Verhandlungen vom Dienstag.

Düffeldorf, 29. November.( Eigenbericht.)

Die Berhandlungen haben mit einigen Unterbrechungen bis in die siebente Abendstunde hinein gedauert. Um die Mittagszeit Luden beide Seiten einen größeren Kreis ins Regierungsgebäude ein, damit er in jedem Stadium der Verhandlung mit zur Entscheidung heran­gezogen werden konnte. Wenn es auch diesmal zu keinem praktischen Ergebnis fam, so hauptsächlich aus folgendem Grunde:

Die Unternehmervertreter verlangen über den verbind. lich erflärten Schiedsspruch hinweg ein Definitipum, das heißt ein Lohnabkommen auf möglichst lange Dauer, ganz gleich, wie das Urteil des Reichsarbeitsgerichts über den perbind­lichen Schiedsspruch ausfällt. Den verbindlich erklärten Schieds­spruch wollen fie auf irgendeine Weise unter allen Umständen aus der Welt schaffen, angeblich, meil es für fie wirtschaftlich nicht tragbar sei. Daß dieser Bormand selbst durch die immerwährende Wiederholung nicht zur Wahrheit wird, geht schon daraus herpor, daß die gesamte Lohnerhöhung, die der Schiedsspruch bringt, nach ber gewerkschaftlichen Nachrechnung nicht mehr als 12% millionen Mart im Jahr ausmacht, also etwa soviel, wie eines der großen Eisenwerte in feiner Jahresbilanz verstedt. Die Unternehmerver treter bestehen darauf, daß der Lohn auf lange Frist vor der Eröff­nung der Betriebe festgesetzt werden müsse. Wie weit die Unter­nehmer mit ihrem Lohnangebot für das neugeplante Abkommen an