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Morgenausgabe

Rr. 607

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45.Jahrgang

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Der Berwirty ericheta sentäg ich gmeimal, Sonntags und Montags einmal, die bendausgaben für Berlin and un Handel mit dem Titel Dez Abend Flustrierte Beilagen Bol and Zeit und Kinderfreund". Fernez Unterhaltung und Biffen". Grauen Stimme". Technit Bild in Bis Büderwelt und Jugend- Borwärts

Vorwärts

Berliner Volksblatt

Dienstag 25. Dezember 1928

Groß- Berlin 10 Pt. Auswärts 15Pf.

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Der Kampf ums Licht.

Länderfarte Europas zeigt die nerrüdten Fegen einer

Eine Weihnachtsbetrachtung.arrentappe vom fälieſten Weiß bis zum brennendsten Rot.

Von Max Barthel

Brometheus, erzählt die griechische Sage, ftieg in den Olymp. Ihn jammerte die Menschheit. Hier oben bei den Göttern war Frieden und Bicht Da unten bei den Menschen auf der Erde mar nichts als Nacht. Und da raubte Prometheus für die Menschen vom Zeus das Feuer. Er murde bafür an den taukasischen Felsen geschmiedet Dann fam der Adler und hadte mit frummem Schnabel im Leibe des Gefesselten und fraß seine Leber. Jeden Tag tam der Abler, hadte unb fraß. Jede Nacht heilte die Wunde. Jeden Tag wurde sie wieder aufgerissen. Prometheus schrie und litt. Manchmal lächelte er durch alle Schmerzen. Er ver­fluchte die Götter, er liebte die Menschen. Bon seinem Marterstein sah er das Feuer lobern.

"

Das Feuer loberte, aber es war noch nicht gebändigt. Die Menschen standen im Licht, aber sie stanben bald wieder in der Nacht. Das Feuer verfant im Blutnebel vieler Ariege, es ging unter in den Tränenmeeren geschlagener Geschlechter. Das Feuer wurde zum Fluch, verheerte ganze Bänder und legte auf sie die schwarzen Tücher der Trauer und der Aiche Aus der Trauer, aus der Afche aber flog immer und immer wieder ein unsterblicher Funke empor, nermählte sich mit anderen Punkten zur leuchtenden Flamme, und in diesem neuen Licht bauten die Böller neue Städte, neue Staaten. Der Schrei nach Prometheus , und das war der Schrei gegen die Götter, der Schrei nach Frieden und Wohlgefallen, der Schrei nach Prometheus ging durch die Jahrtausende bis in unsere Lage.

Der Schrei nach Prometheus war der Schrei nach Bändi­gung des Feuers, der Schrei nach Gerechtigkeit und Erlösung. Und dieser Schrei gebar neue Götter, gebar neue Heilslehren. Der meffianische Schrei nach Frieden in allen Ländern, in allen Zonen ballte und schallte. Prometheus am laukasischen Felsen und Christus am judaischen Kreuz murben Brüder: aus Leid und Opferung soll Freude und Seligkeit

tommen.

Bis zur Freude und Seligkeit für alle Menschen ist noch ein weiter und mühsamer Weg. Auch heute ist das Feuer Ländern zusammen, frißt den Frieden, zündet den Haß und beleuchtet pathetische Manifeste, die in den Meeren aus Blut und Tränen schwimmen. Das Wehegeschrei der Zertrampel ten, bas Butgebrüll der Aufständigen rast um die Erde. Das Feuer ist mit dem Blute verschwistert. Die Hymnen an dem heutigen Tag, die Erlösung lobfingen sollen und wollen, fingen wie Trauergefänge. An den kaukasischen Felsen der Armut und Ausbeutung sind in unserer Zeit die unterdrückten Klassen und Bölker geschmiedet. Viele Ketten flirren. Einige Retten sind schon zerfeßt.

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Die Haupttette riß in Deutschland vor zehn Jahren. Bor zehn Jahren- vier Beihnachtsfefte wurden im Kriege ermordet, die feurigen Gloden naher und ferner Trommelfeuer läuteten sie zu Grabe vor zehn Jahren aber flog wieder ein unsterblicher Funke des ewigen Feuers empor: Revolution in Deutschland ! Umfturz des Atten! Lichtblizz des Neuen! Bor zehn Jahren saufte das promethische Feuer in den roten Fahnen, die von den Arbeitern und Sol­daten durch die Straßen der Städte getragen wurden. Bor zehn Jahren begann in Deutschland der große erschütternde Kampf um die Bändigung des Feuers. das heißt: der Kampf für den Frieben, der Kampf um den Sozialismus, der Kampf um die neue Form des Staates, der Kampf um und für die

Republit.

Behn Jahre Krieg und Frieden!

Zehn Jahre Weltumsturz!

Was war in Deutschland ?

Hunger, Arbeitslosigkeit, Inflation, Butsch, Meuchel mord, Aussperrung, Korruption, Berarmung, Bereicherung, Kriegslaften, Berleumdungen und die wahnsinnigen Kämpfe der Arbeiter untereinander. Das waren die legten zehn Jahre, und wenn wir bennach in jedem Jahr einen oder zwei Schritte vorwärts geschritten sind zur Eroberung des Staates, so haben wir gleichzeitig versucht, diesen Staat neu bauen und die Thesen seiner Weimarer Verfassung in das lebendige Leben und Wirten zu stellen und sie selber lebendig und wirklich zu machen. Der Geist der neuen Verfassung, dunkelste Schreibstube dringen, die Staatsgewalt foll wirklich

und das ist der Geist der sozialen Gerechtigkeit, foll in die

vom Bolte ausgehen.

Bir glauben nicht mehr an die strahlenden Helden, die mit verzüdten Händen das Bolf erlösen wollen. Wir haben zuviel Strahlenglanz verschwinden lehen, zupiele Helden haben sich als Narren oder Dummfäpfe entlarnt. Das Brole tartat befreit sich selbst. Aus unsern alten Sturmfahnen leuchtet das Licht, es leuchtet aus den Anfängen unserer Be megung, es schimmert purpurn auch aus den zwölf Jahren der Berfolgung während des Sozialistengeleges. Die Gräber unserer Båter und die Wiegen unserer Kinder sind vom Feuer der aufsteigenden Klasse beschienen,

Geſchichte des heroiſchen Kampfes, eine Geschichte triumphie.

Die Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung ist eine renden Aufstiegs. Die neuen Formen des gesellschaftlichen Lebens sind durch die neuen Formen der modernen Arbeiter bemegung schon geschaffen: die Bartei, die Gewerkschaft, die Genossenschaft, die Kulturbewegung. Die Anfänge der Pro­duftionsregelung durch eigene wirtschaftliche Unternehmun­gen sind verheißungsvoll. Nach beinahe tausendjähriger Ohn. macht und Zersplitterung einigten sich die deutschen Stämme unter den Hohenzollern . Das alte Reich ist zerbrochen. Die

fortschrittlichsten Bürger einigen fich im neuen Reich unter der Führung des deutschen Proletartats, das sich immer mehr als Nation manifestiert.

Die alte Botschaft von der Erlösung durch den Messias wird vielen Millionen Menschen nichts weiter geben können als ein bitteres Gefühl der Ohnmacht. Die Arbeitslosen wer den nicht satt davon. Ihre Kinder nicht fröhlich. Die Berg­leute an der Ruhr, die Obdachlojen in den Asplen, die Metall­arbeiter von Berlin und die Hafenarbeiter in Hamburg hören andere Botschaft, die Botschaft nämlich: Schließt euch zu fammen! Bormärts! Kämpft! Wir wollen schon hier auf Crden glücklich fein!

Aus dem Winter der Not marschieren wir alle in den Frühling unferes fieghaften Maitages. Das Feuer auf der Erbe ist aber erst dann gebändigt, wenn es aus den roten Fahnen der befreiten Böller leudjtet.

Wir wünschen den Selbstmord"!

Karl Renners Antwort an Briand .

Sllusionen der Politit überlegen zu belächeln, ist ein Fehler, denn Sie werden praktisch ebenso wirksam wie bewährte Erfenntnisse. Wer in einer Musion handelt, mag zuweilen noch leidenschaftlicher vorgehen als der Mann gesicherter Wahrheit. Nicht immer ist es ein Borteil, wenn der Gegner unter dem Einfluß unzutreffenber

Borstellungen handelt, und für die Freunde des Anschlusses ist gerade die Tatsache, daß die ganze franzöfifche Ration unter einer offenkundigen 3llusion handelt, am allerbella genswertesten. Die Debatte in der franzöfifchen Stammer nom 4. De zember berrät deutlich, daß nicht nur alle Selten bes Haules, fon­aber Beraubenpolitiſcher Biber Brianb, ber aufrichtigste Mann ber Berständigung und des Friedens, in diesem Buntie

auch

der Gefangene falscher Boraussetzungen

ftellung gefestigt: Die Franzosen sind eine Natton, eine einzige, unteilbare Nation- jede andere Annahme ift findisch. Die Deutschen aber das sind verschiedene Bolterschaften, für die ihre Monarchen auf der Tribüne der Welt, handeln: Der Gegensatz dieser Monarchen, die Möglichkeit, ihre Zwiftigkeiten für Frankreich

auszunüßen, den Norden gejen ten Süben, Hohenzollern gegen Habsburg auszuspielen das ist ein arworbenes Recht, ein Brund­recht grantreichs! So die Borstellung der Franzosen .

Der Quai d'Orfan mar es jedoch, ber 1919 pollig unge..

fchtch tItch gebacht hat. Als die Kaiser, Könige, Großherzöge ufm. zum Teil von Napoleons Gnaden abgabanfi moren, fiebje,

ba blieb nichts anderes übrig als die Nation, die deutsche Nation. ble nun selbstverständlich auch ein Staat sein wollte. Die Beljen Don 1919 haben sich in einem Kardinalpunkte ihrer Konstruktion

ift. Die ganze Konzeption des Friedens von St Germain, diefes nöllig verrechnet und tönnen noch immer nicht von dem Irrium los ureigenjte Wert des Qual d'Orfan von 1919, beruht auf einer

Jusion.

Mar hat die alte Donaumonarchie in sieben Zeile geteilt, von denen einer an Italien fiel und sechs zur Konftituterung der Nationalstaaten Polen , Tschechoslowakei , Rumänien , Ungarn , Ingo fowlen und Desterreich dienen sollten! Die Desterreicher follien bie Rangerhöhung zu einer felbftändigen und souveränen Nation erfahren und sich am Ende über einen solchen Glüdsfall noch begeistert zeigen! Warum benn nicht? Haben nicht fleinere Böller wie etwa die 3ren oder Eften und Betten jabr. hundertelang um ein solches Ziel gekämpft?

Belch eine Illusion?

Die Desterreicher waren niemals eine Nation für fich

und haben niemals gewünscht, es zu fein. Defterreich war durch Jahrhunderte der führende Stamm der Deutschen , Bien mar ebenjolang die Hauptstadt des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation gewejen. Bien hat allezeit die Geschichte und das Gepräge einer Reid; shauptstadt gehabt. Das Reich, das in den Friedens verträgen den Namen Defterreich fartzuführen gezwungen worden ist, ist ein fo gefchloffenes deutsches Land wie

Franfieich franzöfifch ift.

Der Versuch, ein solches Band und Bolf als eine besondere Nation mit einer Souveränitä zu fonftituieren, ist ebenso fühn, wie das Unterfangen eines Siegers wäre, Burgund pon ranfrei unveräußerlichen Souveränität zu begnaden!

tommen!

Es ist diese Illusion, daß eine Idee, auf ble jeber Bronzose stolz ift, für die andere Nation, die baneben wohnt, niemals Birtlichkeit merten fönnte und dürfte, weil das die außenpolitische Kaltulation der Aemter stören und zunichte machen müßte, es ist diese Ilusion, was unfere Nachbarnation in Weften in ihren handeln beſtimmt.

Man hat dem Restösterreich die Souveränttät verliehen, bat

heißt einem armen Mann, der nach Brot und Arbeit geht und an bem Rufturtisch seiner Nation fizen mill,

eine paplerne, mit Rauschgold verzierte Krone gegeben, mit ber er nichts anzufangen meiß, nichts anfangen fann! Nun fagt Brland: Und doch darf das Selbstbestimmungsrecht ber Voffer unter feinen Umständen bahin ausgelegt werden, als habe bas Boll das Recht, zu verschwinden und Selbstmord zu ver üben.

Bei dem hohen Refpeft, den jeder Desterreicher Briand zollt,

hat wohl kein Desterreicher umhia fönnen, bei diesen Worten ( merzlich zu lächeln uns selbstmorden, indem wir die

Krone aus Rauschgold wegwerfen?

Eben damit beganne erft unser Leben!

Ich will nicht die moralische Gegenfrage stellen: Geſetzt Bogrenzen trennen unb ihm die Souveränität dafür geben ben Fall, ein Sieger würde Burgund von Frankreich politisch durchs wiri­

Die asiatischen Bölfer rühren sich und führen ihre Revo loszulojen, ihm wieder einen König zu geben unb es mit einer Schaftlich ein Todesstoß, politisch eine Verbannung aus bem Mutter­lutionen durch oder bereiten sie vor.

Wie aber tommt es, daß bie so überflugen Männer des Quai

d'Orsay 191s eine solche offenbare Fiftion für eine Realität anzusehen und zum Crpfeiler ihres europäischen Staatenbaues zu

machen imftande waren?

baus! Jeder Burgunder murde die Stunde fegnen, wo das Land ben Selbstmord seiner Wiedervereinigung mit Frankreich

pouziehen könnte! Aber wir wollen nicht in Sentimentalitäten, fonbern in Tatsachen reben! Nur in ein paar Tatsachen!

Unsere Fabriten sind auf ein Wirtschaftsgebiet von 50 mil lionen eingestellt- fie arbeiten für 63 Millionen Menschen. In

Die Bereinigten Staaten von Nordamerika erobern fich burch ihre Ideologien. Golbvorräte und technischen Spitzen leistungen Europa und beinahe die ganze Welt. Die Barnecht Englands wird durch die eigenen Kolo­nien gebrochen: Canada , Australien und Südafrika löfen fio rangojen feit dem Dreiß gjährigen Krieg, Deutschland in anderer| Deutsch 'and, auf einem Martt von 60 Millionen Menschen, würde immer mehr vom Mutteriande.

Sie hatten zwei Gründe. Erftens leht in der Borstellung aller Gestalt als ihr eigenes Land Königtum, Revolution, die Nera Bona- ein großer Zell von ihnen bestehen, so aber fönnen alle intjeinander partes und das ganze 19. Jahrhundert haben bei ihnen die Borel nur vegetieren!

I harrig

Umgang mit ber Benalnfigiche, Die hon h Ser Nähe

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