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Freitag
28. Dezember 1928
10 Pfennig
Die eintsaftige Nonpareillezetle 80 Pfennig. Reflamezeile& Reichs urart. Aleine Anzeigen" das fettge brudte Wort 25 fennig( zulässig zwet fettgebrudie Borte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengefuche das erite Wort 15 Bfennig, jedes weitere Bor 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben Arbeitsmartt sählen für zwei Worte. Beile 60 Pfennig. Familienanzeigen für Abonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzeigen. aunahue im Hauptgeschäft Linden ftraße 3, wochentägl. von 8 bis 17 Uhr,
Bentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands
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Redaktion und Berlag: Berlin S 68, Lindenstraße 3 Ferniprecher Donboft 293-297 Telegramm- Adr.: Sozialdemokrat Berita
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Borwärts- Verlag G. m. b. H.
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Bankkonto: Banf der Arbeiter, Angestellten und Beamten Ballftr. 65. Diskonto- Gesellschaft. Depofttentoffe Lindenstr.&
Union der Menschendiebe.
Marodeure der chinesischen Revolution.
Shanghai , im Dezember.( Eigenbericht.)
Der hiesigen Polizei ist es nach jahrelangen Bemühungen enblich gelungen, den entscheidenden Schlag gegen eine Ber brederbande zu führen, deren Spezialität die Entführung reicher Staufleute und Finanziers gewesen ist, um von ihnen in die Sunderttausende gehende Löjegelder zu erpressen. Der durch die Gesellschaft für Menschenfang
berbreitete Schreden war so groß, daß sich reiche Chinesen nicht mehr ohne den Schutz von Bewaffneten auf die Straße wagten und fich selbst in ihren Häusern von Geheimagenten bewachen ließen, um lez: nicht eines Tages in die Hände der Bande zu fallen.
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Bon Zeit zu Zeit gelang es der Polizei, Mitglieder der Geheimpalizei habhaft zu werden, aber es handelte sich stets um solche & minderen Grades. Die Person thres Leiters blieb lange in tiefes Dunkel gehüllt. Es bedurfte einer wissenschaftlichen Kombinations. methade, um aus den Bruchstücken der von den Gefangenen cr langlen Geſtändnisse ein Bild von der Arbeitsweise und der Zu fammenlegung der Bande zu gewinnen. Daber ergab sich die über. raschende Feststellung, das es sich bei den Menschenfängern um eine ganz nach dem Muster eines modernen Wirtschaftsunternehmens aufgezngene Organisation handelte, die einen Direktor, höhere und niedere Berwaltungsbeamte unb fogar eine regelrechte Binanzierungsabteilung hatte Die. Aufgabe dieses Ref. forts bestand darin, Verbindungen mit Geldwechilern zu pflegen, nan denen die zur Borbereitung eines Coups nötigen, oft sehr hohen Gummen gegen unerhörte Zinsen vorgestreckt wurden. Die Vorbereitungen zu einer Entführung vollzogen sich mit einer Boraussicht und Sorgfamkeit, die einer befferen Sache würdig gewesen wäre. Das Opfer wurde oft
monatelang durch einen Spionagedienst überwacht,
in dem Frauen als Lodmittel eine wichtige Rolle spielten. Sehr pft traten Mitglieder der Bereinigung als Hausangestellte in den Dienst der Bersönlichkeit, gegen die ein Anschlag geplant war, um genau über feine Gepflogenheiten unterrichtet zu fein. Mar das Rez endlich gesponnen, so wurde ein Haus gemietet, in dem der Gefangene so lange mit allem Komfort untergebracht wurde, bis das Löfegelt eriegt wurde.
Obwohl Schanghai das Hauptbetätigungsfeld der Bande war, hielten sich ihre Führer forgfältig fern nom Schauplatz der Opera. tionen Erst nach einer mehrmonatigen Expedition, die von den fähigsten Beamten der Schanghaier Geheimpolizei freuz und quer burch China unternommen wurde, gelang es, Kenntnis über das Gehirn der Bereinigung zu erhalten. Es war ein gewisser Gian Rofo, der nicht weniger als 40 mal wegen Mordes und Erpreffung zum Tode verurteilt war und der es bisher immer wieder verstanden hatte, sich dem Arm der Gerechtigkeit zu entziehen.
Siau Rofo gehört zu den großen
Marodeuren der chinesischen Revolution, die in dem Chaos für ihre persönlichen Zwede im Trüben fischen. Aus einem fleinen Ort Südchinas gebürtig, war sein Ruf in der Heimat als Brigant und Erpresser so anrüchig geworden, daß Siau Roto es vorzog, einen größeren Wirkungsfreis zu suchen. Zur Zeit der ersten Revolution betrieb er in Ranking das Einbrechergewerbe im großen Stil Bon hier ging er nach Kanton und brachte es nach dem Besuch der dortigen Kriegsschule zu einem höheren Bosten in der nationalistischen Armee. Aus dem Heere wurde Siau Koko wegen einer Reihe von Unregelmäßigkeiten ausgestoßen. Er fam nach Schanghai , wo er sich in der Unterwelt durch verschiedene Fühne Ueberfälle den Ruf eines Führers verschaffte. Dieses Prestige gab Siau Stofp sehr bald die Möglichkeit, zu einem Großunternehmer des Berbrechens
zu werden. Er schuf die Bereinigung der Menschendiebe. Giau Stoto hielt unter seiner Bande eiserne Disziplin. Das geringste Berjehen murde mit dem Tode, bestraft, schwerere Berstöße gegen feine Anordnungen mußte nicht nur die ganze Familie des Täters mit dem Tode mitbüßen, sondern den Unglüdlichen traf die für dinejiiche Begriffe allerschwerste Strafe, die Verbrennung der Ge beine feiner Borfahren.
Eine im Jahre 1925 von der Bolizei veranstaltete Razzia feste mit einem Schlage 350 Mitglieder der Bande feft, als fie eine Zu fammentunft abhielt, in beren Berlauf ein Adjutant Giau Rotos Berhaltungsmaßregeln über die Abwehr der verschärften Polizei( Bortlegung auf Der 2. Geite.)
Ant 4. Mai d. 3., um 4 Uhr nachmittags, ertönten an der Kreuzung der zwei wichtigsten Verkehrsadern Warschaus hintereinander zwei Schüsse. Im selben Augenblick flirrten zerbrochene Scheiben eines Autps; ein junger Mensch lief, so schnell ihn seine Beine trugen, verfolgt vom Bublifum in das Faus Nr. 68 der Darschaffomffa. Hier war der Mittelpunkt der russischen Organisation Warschaus .
Die Schüffe galten dem Sowjetauto; fie verlegten leicht den Handelsvertreter der Sowjetregierung, Lisarem, der sich in Begleitung zweier anderer Sowjetangestellten befand. In Wirklichkeit hatte der Attentäter es auf den Sowjetgefandten Bogomplom abgefchen.
am 7. Juni 1927
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Heute begann vor dem Warschauer Bezirksgericht der Prozeß gegen den jetzt 23jährigen Attentäter, Student der politischen Soch lule, Juri Boizedowify. Die Schüffe medten sowohl in Bolen als auch in Sowjetrußlanb stärksten Widerhall. Kaum ein Jahr war vergangen, seitdem der Sowjetgefandte Boikow dem neunzehnjährigen russischen Emigranten Kowerda zum Opfer fiel. Die Sowjetpreise machte damals pon ihrer Enttäuschung über die nicht vollstreckung der Todesstrafe am Mörder keinen Hehl. Sie forderte, daß die polnische Regierung endlich einmal mit den fonter revolutionären Umtrieben der Weißgardisten" in Bolen aufräume, die Sowjetregierung drohte mit diplomatischen Berwicklungen. Nach dem Attentat auf Lisarem wurde diese Drohung noch dringlicher, die Forderungen nach Maßnahmen gegen die russischen Emigranten noch nachhaltiger. Tatsächlich verhaftete man etwa vierzehn Berfonen, darunter auch den Vorsitzenden der russischen Komitees und
Wer wird es?
Staatssekretär a. D. Hughes( oben links), Botsch fter Morrow ( oben rechts), Bankier Young( unten links) und Vizepräsident General Dawes( unten rechis) werden als Kandidaten für die beiden amerikanischen Sachverständigenposten der nächsten Reparationskonferenz genannt. Es heißt, daß zum ersten Sachverständigen Owen Young ernannt wird. Er besitzt als Vorgänger Parker Gilberts im Amte des Reparationsagenten große Erfahrungen in der Kriegsschuldenfrage.
verwies mehrere von ihnen aus Polen . Das genügte der Sowjetregierung nicht. Sie wollte ein Erempel statuiert haben, ihre Vertreter in Polen gegen Attentate meißrussischer Emigranten gesichert wissen. So wurde unter ihrem Druck die Anklage gegen Boizechowsky geändert; sie lautet nicht mehr einfach auf versuchten Mord, sondern auf versuchten Mord an einem Be amten.
Welches waren aber die Motive, die den jungen Emigranten zu seinem Attentat veranlaßt hatten? Aehnlich Conradi, dem im Jahre 1923 im Jahre 1923 in der Schweiz freigesprochenen Mörder Borowitys, mußte auch Boizechowity die Erfchichung feines Vaters erleben. Chemaliger Hauptmann, später Beamter beim Generalgouverneur von Kiem, wurde dieser im Jahre 1919, zufammen mit 127 anderen hingerichtet. Der vierzehnjährige Knabe spielte sich zum Führer einer fonterrevolutionären. Jugendorganisation auf, die vermundete weißgardistische Difiziere pflegte inib sie über die Grenze schaffte. Er wurde nerhaftet, die Ticheta unterzog ihn der üblichen seelischen Folter: man zeigte ihm feine angeblich erschossene Mutter, die zugleich mit ihm als Geisel ver
haftet worden war und versuchte jedes Mittel; um ihn zum Berrat seiner Genossen zu veranlassen. Suri blieb standhaft; er wurde schließlich dem Jugendgericht übergeben; es gelang ihm zu flüchten und im Jahre 1921 Rußland zu verlassen.
In Warschau entwickelte der Siebzehnjährige eine intensive politische Tätigkeit. Er wurde Borsitzender der Vereinigung weißgardistischer Jugend. Der Kampf gegen den Bolschewismus und persönliche Radhe motive erfüllten ihn voll und ganz. An fang dieses Jahres erlebte Boizechowsky eine seelische Krise. Zu einer unglücklichen Liebschaft gesellten sich unangenehme Vermicklungen innerhalb seiner Jugendorganisation, verursacht durch übertriebene Geldausgaben. Seine pessimistische Grundstimmung wurde zum günstigen Nährboden für den hirnverbrannten Gedanken, ein Attentat zu vollbringen. Begünstigt murde dieser Entschluß durch die aktivistischen Grundsätze weißgardistischer Kreise. Boizechowsky behauptet, daß er ganz auf eigene Faust gehandelt habe. Die finn lose Ausführung der Tat mag dafür sprechen. Die russische demofratische Deffentlichkeit ist aber von dem Attentat mit aller Entschiebenheit ab gerüdt, sie hat noch einmal ihren alten Standpunkt, der jeden individuellen Terror verneint, mit größter Bestimmtheit zum Ausdruck gebracht.
Zur Gerichtsverhandlung ist eine große Anzahl Zeugen gelaben. Weber den Berlauf und Ausgang des sensationellen Prozesses wird besonders zu berichten sein.
Faschistische Bauernenteignung. Gegen deutsche Bauern zugunsten von Italienern. 3nnsbrud, 28. Dezember.
Mie den Junsbruder Nachrichten" aus Bojen gemeldet wird, werden durch eine Entscheidung des italienischen Ministerrats unter dem Titel von meliorationen 1200 Hektar der sogenannten Etschaue, die sich von Siegmundskron bei Bozen bis in die Nähe von Meran hinzicht, den gegenwärtigen Besitzern, ungefähr 2000 fast durchweg deutschen Kleinbauern, abgenommen und Mitgliedern der opera di combattanti"( Frontkämpferbundes) zu Siedlungszweden zugeteilt. Die Abfindungsfummen für die bisherigen Besitzer follen nicht einmal 50 Proz. des Grundverkehrspreises betragen. Sollte der für Meliorationen enteignete Grund zur Sicherheit der wirtschaftlichen Existenz der neuen Siedler nicht ausreichen, so kann nach dem bezüglichen Dekret guter Kulturgrund benachbarter Güter im Enfeignungswege herangezogen werden..
Die Türfen lernen neues Alphabet. Zwangsunterricht für die ganze Bevölkerung. Ronftantinopel, 28. Dezember. Der Gouverneur der Stadt hat eine tägliche Lese- und Schreib. ftunde für die ganze Bevölkerung im Alter von 16 bis 45 Jahren im neuen lateinischen Alphabet angeordnet. Der Kurfus dauert vier Monate. 28 Sonderschulen werden in der Stadt eröffnet.