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BERLIN Freitag 25. Januar 1929

Der Abend

Erieint täglich außer Sonntags. Fugleich Abendausgabe des Vorwärts". Bezugspreis beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, 3,60 m. pro Monat. Redaktion und Expedition: Berlin SW 68, Lindenfir.3

10 P1.

Nr. 42

B21 46. Jahrgang.

Bunjelgenpreis: Die einfaltige Nonpareillezetle

Spätausgabe des Vorwärts"

80 Vf., Reklamezeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. Bekscheckkonto: Vorwärts- Verlag G. m. b.., Berlin Nr. 37 536. Fernsprecher: Donhoff 292 bis 297

Millionenraub an Briefmarken.

Für 830000 M. Wertzeichen im Postamt W. 8 gestohlen.

Ein in der Berliner Kriminalgeschichte seltener Fall, der Einbruch in den Wertzeichenaufbewahrungs­raum eines Poftamtes, beschäftigt die Berliner Kriminal­polizei. Es wurden für nicht weniger als 830 000 M. Wert­zeichen gestohlen.

Im Postamt 8 in der Französischen Straße 9/12 fiegt zwischen Friedrich- und Mauerstraße im zweiten Stod des linten Flügels ein großer Raum, dessen Fenster nach der Franzö­fischen Straße hinausgeht. In diesem Raumme werden die von der Druderei gelieferten Bost mertzeichen aufbewahrt. Bon hier aus werden sie an Einzelämter eines größeren Bezirkes verteilt und von Beauftragten dieser Aemter abgeholt. Der Raum, an den sich lediglich Bureaus ohne großen Berkehr anschließen, hat zwar starte Bände, aber feine Panzerung. Die Verbrecher find mahr­scheinlich durch den Umstand angelodt worden, daß gegenwärtig Maurer in dem Hause Treppen und Wände ausbessern. Das mußte ihr Unternehmen begünstigen. Der diensttuende Ausgabe beamte ging gestern nachmittag wie gewöhnlich um 3 1hr 30 zum Mittagessen meg. Ulm 3 Uhr 40 Minuten stach der Wächter die Uhr und fand alles in Ordnung. Als er 8 Minuten nach 4 Uhr wieder fam, fonnte er die drei Schlösser wie immer ohne jede Behinderung öffnen. In dem Verwahrungsraum aber sah er sofort eine große

Unordnung.

Mehrere Schränke waren erbrochen, Briefmarken lagen auf dem Fußboden umher, der Geldschrank stand auf. Der Wächter schlug Lärm und benachrichtigte den Direktor des Amtes, der fofort erschien und die Polizei in Kenntnis fezte. Einige der Schränke waren mit den Schlüsseln, die in den Schlössern stecken geblieben maren, einfach aufgeschlossen. Andere, verschlossen ge­wejene, waren mit einem kleinen bis 2 Zentimeter breiten Stemmeisen gewaltsam aufgebrochen worden. In einem der Schränke hatten die Berbrecher den Schlüssel zum Geldschrank gefunden. In dem Schranke hatten sie jedoch nicht einen Pfennig ge­funden. Ihre Beute beschränkt sich deshalb lediglich auf Wertzeichen. Insgesamt sind ben Tätern für 830 760 M. Wertzeichen in die Hände gefallen. Es handelt sich um Briefmarten in Höhe von 45 260 m., Invalidenversicherungsmarten in Höhe von 277 000 Mart, Angestelltenversicherungsmarten in Höhe von 472 000 m. und Einkommensteuermarkèn in Höhe von 36 500 M. Das ergab sich aus einer Bestandsaufnahme, die bis 11% Uhr abends douerte. Aus der großen Menge der Bostwert­zeichen ist zu schließen, daß die Verbrecher mindestens zwei Säde voll weggeschleppt haben müssen in einem Gewicht pon je 1 bis Zentner. Für Geldschrankeinbrecher sind das keine schweren Lasten.

Auf die Ermittlung und Ergreifung der Täter sind von der Oberpostdirektion 5000 M. und für die Wiederherbeischaffung des gestohlenen Gutes 10 Pro 3. des Wertes ausgesetzt worden. Wertzeichendiebstähle sind bei der Poſt immerhin selten. Eine Zeit­lang wurden Banderolen gestohlen, die von unlauteren Zigarren­und Zigarettenfabrikanten gern abgenommen wurden. Briefmarken dagegen sind namentlich in größeren Mengen schwer abzu­feßen. Die Verbrecher wissen genau, daß jeder, der auf einem Poftamt Marken in größeren Mengen verkaufen will, angehalten wird. Die Verbrecher müssen sich also namentlich bei einer so großen Masse wie in diesem Falle ohne Zweifel an Geschäftsleute wenden, um ihre Beute zu Geld machen zu können. Alle Geschäftsinhaber, denen Marken angeboten werden, wenn auch in fleinen Beträgen, werden dringend gebeten, unter Hinweis auf die hohe Belohnung, sich sofort an Kriminalfommissar Zapfe, Dienststelle B 6 im Zimmer 89 des Polizeipräsidiums, zu wenden.

DON

Die Wertzeichen werden zu 10 000 und 20 000 Stüd gebündelt und diese Bündel werden zu noch größeren Paketen zusammengefaßt. Die Hülle wird mit einem wasserlöslichen Leim verbunden, der gleich zerfließt, wenn jemand die Pakete öffnen follte, um fleinere Mengen herauszunehmen. Der gestrige Einbruch ist sicher von gewerbsmäßigen Verbrechern langer Hand vorbereitet worden. Sie müssen genau ausgetundschaftet haben, wann der Ausgabebeamte nicht in dem Lagerraum war und zu welchen Zeiten der Wächter die Kontrolluhr stach. Das Bostamt W. 8 ist eines der größten Aemter Berlins mit einem starken Berkehr, in dem unbefugte Besucher sich wohl bewegen fonnten, ohne aufzufallen. Es ist auch nicht ausgeschlossen, daß sich die Einbrecher eine Postuniform angelegt hatten, um noch sicherer gehen

Baldwin eröffnet den Wahlkampf.

Kampffront gegen die Verstaatlichung.

Amerika droht mit neuen Kreuzern. Die fünfzehn 10 000 Zonnen- Kreuzer im amerikanischen Genat.

Newcastle- on- Tyne , 25. Januar. Premierminister Baldwin eröffnete in einer Versammlung von ungefähr 3000 Personen den Wahlkampf mit einer Rede, in der er vor allem auf Wirtschaftsfragen einging. Die Schwierigkeiten, mit denen die britische Industrie zu kämpfen hat, New York , 25. Januar. sind darauf zurückzuführen, daß seit dem Kriege sich die Zahl der Gestern begann im Senat der Vereinigten Staaten mit uns fonfurrierenden Länder vermehrt hat. Die Möglichkeit die Debatte über die von der Regierung eingebrachte Vors eines Erfolges liegt für uns nur darin, daß wir die Qualität lage des Baues von 15 Kreuzern zu 10 000 Tonnen. Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses, Borah, er­unserer Erzeugnisse hoch halten und es mit der Konkurrenz aufklärte, daß Amerika und England am Vorabend eines nehmen. Die Wähler müssen sich für eine Regierung aussprechen, Wettrüstens zur See ständen, das dem Wettrüsten zwischen die besser in der Cage iff, zu helfen. Wir glauben, daß eine Regie- England und Deutschland von 1905 bis 1914 nicht un­rung helfen kann, indem sie innerhalb der praktisch möglichen ähnlich sei. Falls das Recht der freien Schiffahrt Grenzen die Reichsvorzugszölle ausbaut und unsere In- für die neutralen Mächte während eines Krieges nicht duftrien ich üht. Eine tonservative Regierung würde Nahrungs­mittel nicht besteuern. Was die Frage der Nationalisierung anginge, wies er auf die Verluste der dem Staate gehörenden Schiffahrtslinien in Australien , kanada und den Ber. einigten Staaten hin. Was die Bergwerke anbelange, jo seien in der Zeit von 1917 bis 1921, während der die Bergwerke von der britischen Regierung fontrolliert wurden, 40 millionen Pfund Sterling vom Schatzfanzler für sie gezahlt worden. Deutsch­ land , ein hochindustrielles Land, habe einen Versuch mit der Natio­nalisierung gemacht, diesen jedoch aufgegeben. Selbst in Ruß­ land , wo, wie man denken sollte, alle Borbedingungen für einen folchen Verfuch günstig feien, feien die Berluste außerordentlich groß gewesen. Die Industrie gehe dort in jeder Weise zurück und ein Teil der reichsten Bergwerte Rußlands jei einem auslän. dischen Syndikat überlaffen worden. Nationalisierung führe nur za Berluffen und Mißerfolgen in jeder Hinsicht.

Die Bluttat des Achtzehnjährigen 40000 Weber ausgesperrt

Berichte 2. Seite

ständen"

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gesichert werde, müsse Amerika eine Flotte bauen, groß genug, um den amerikanischen Handel ,, unter allen Um­soll heißen, auch gegen England zu schützen. Borah beantragte schließlich, daß die Kreuzervorlage zwar vom Senat angenommen, aber die Baufrist= flausel gestrichen werde, daß der Kreuzerbau innerhalb drei Jahren begonnen werden würde. Wenn die Regie­

rung freie hand darüber behielte, wann sie den Bau der Kreuzer beginnen wolle, so habe sie damit in zukünf tigen Marincabrüstungsverhandlungen ein Druckmit­tel und könne für den Ausgleich der Seerüstungen ein­treten, ohne große Summen für den Bau neuer Kriegs­

schiffe aufzuwenden.

Ghandi gegen Europäerkleidung.

London , 25. Januar.

Nach Meldungen aus Bombay hat Ghandi in Uebereinstimmung mit den Beschlüssen des Kongresses von Kalkutta einen Plan für den Bontott ausländischer Kleidung ausgearbeitet. Der Plan sieht vor, daß Freiwillige in allen Städten und Dörfern Indiens won Tür zu Tür gehen, um alle ausländische Kleidung ein­zufammeln und zu verbrennen. Vor allen Geschäften, in denen aus­ländische Kleidung verkauft wird, sollen Posten aufgestellt werden. Der Regierung wird die Forderung auf Verbot der Einfuhr aus­ländischer Kleidung unterbreitet werden.

Fischzug

auf dem Eise.

Unser Bild zeigt die Massenbeteiligung bei dem Fischzug auf dem Eis des Müggelsees. Das Netz wird mit vereinten Kräften ans Licht gezogen. Aber trotz­dem manch aller Knabe" unter den gefangenen Fischen war, entsprach das Gesamtergebnis nicht der:

Erwartunger