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Morgenausgabe

Nr. 45

A 23

-46. Jahrgang

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Der Borwarts" erscheint wochentag lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abendausgaben für Berlin und im Handel mit dem Titel Der Abend". Illustrierte Beilagen Voll und Zeit" und Kinderfreund". Ferner Unterhaltung und Biffen", Frauen. ftimme".

Techni!"" Blid in die Bücherwelt" und Jugend- Borwärts

Vorwärts

Berliner Bolksblatt

Sonntag

27. Januar 1929

Groß- Berlin 15 Pf. Auswärts 20 Pf.

Die einipaltige Ronpareillezetle 40 Bfennig. Reklame eile- Reichs­mart. Kleine Anzeigen das ettge. brudte Bort 25 Pfennig( zuläffig ame lettgedruckte sorte), jedes weitere Bort 2 Pfennig. Steuengesuche das erste Wort 15 Bfennig, jedes weitere Bort 20 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben sählen für amei Borte Arbeitsmarkt Zeile 60 Pfennig Familienanzeigen für Abonnenten Zeile 40 Pfennig. Anzeigen. annahme im Hauptgeschäft Linden. traße 3. wochentägi, Don 81%, bis 17 Ube,

Bentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands

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Vorwärts Verlag G. m. b. H.

Demobilmachung in China .

Der Wille zum inneren Frieden.

Nanking, 26. Januar.

( Bom Sonderberichterstatter des WTB.) Die Konferenz der militärischen Führer ist geschlossen worden, nachdem sie ständige Kommiffionen eingefeßt hatte, die die Aus­führung der Konferenzbeschlüsse über die 3ivilbeschäfti= gung der entlassenen Soldaten und die Reorganisation des Heeres und der Finanzen überwachen sollen. In den Schluß­reden versicherten die Führer, daß sie entschlossen seien, die Be­schlüsse auszuführen und damit die Grundlage für den gesamten Wiederaufbau des Landes zu legen. Das Gesamtergebnis der Konferenz darf trotz offensichtlicher erheblicher Schwierig teiten für die Ausführung der Beschlüsse als erfreulich bezeichnet werden, weil, selbst wenn einzelne Militärs nicht ge willt sein sollten, die Beschlüsse auszuführen, oder die Ausführung.

durch Mangel an Geld verzögert werden sollte, die Konferenz und die Entwicklung der Dinge in jüngster Zeit überhaupt eine

noch fürzlich nicht vorauszusehende psychologische Atmo= sphäre geschaffen hat, die die anfangs widerstrebenden oder der neuen Entwicklung ungläubig gegenüberstehenden militärischen

Gie profeftieren gegen alles.

Rehmen ist feliger, denn geben!

In der Grünen Woche" der deutschen Landwirte erfährt man auch, wie die Organisationen der deutschen Landwirtschaft zu den auch, wie die Organisationen der deutschen Landwirtschaft, zu den aktuellen Nöten des Staates ſteben. Der deutsche& anb wirt schaftsrat hat das finanzielle Natjahr des Deutschen Reiches so gewürdigt, daß er gegen alles' ist, was die deutsche Reichsregierung vorschlägt: Gegen die Vermögens- und Erbschaftssteuer, gegen die Bier und Branntweinfteuer, gegen das Steuervereinheitlichungs­gesez und gegen die geringe noch bestehende Steuerfreiheit der öffent­lichen Unternehmungen. Das ist natürlich das leichteste, was sich tun läßt. Aber da fürzlich die sieben gewerblichen Spizenverbände der Unternehmer auch schon alles abgelehnt hatten, hätte sich der deutsche Landwirtschaftsrat, dem sich natürlich der Landbund, außerdem die von Dr. Hermes geführten Bauernvereine, sowie die landwirtschaft lichen Genossenschaften( Raiffeisen und Reichsverband ) angeschlossen haben, auch die beschlossene Entschließung sparen fönnen. Die Er­flärung hätte genügt, daß er sich als achter Spitzenverband den fieben Unternehmerverbänden anschließt. Politif ist das feine, son­dern ein Verzicht auf Politit, der Leute und Verbände allerdings nicht gut fleidet, die bei Reich und Staat immer nur die Hände aufhalten.

Bayerische Vereinfachung. Ersparnis: noch nicht eine Million!

München , 26. Jamiar.( Eigenbericht.)

In Bayern spielt die Frage der Staatsverein. fachung seit Jahren eine besondere Rolle. Mit ihr sollte die große unzufriedenheit besänftigt merken, die breite Schichten der Bevölkerung über die Aufblähung des bayerischen Verwaltungs­apparates ergriffen hat.

Durch die Maiwahlen im vergangen Jahre wurde die erfte Bereinfachungsaktion der Regierung Held aufgehalten; denn die wegen der Borlage entstandenen Koalitionsschwierigkeiten drohten ihr vor einem Jahre zum Verhängnis zu werden. Jetzt hat Dr. Held auf der Grundlage seiner früheren Vorschläge eine neue Borlage ausgearbeitet, die in den nächsten Wochen die Regierungsparteien beschäftigen wird. Diese Vorlage charakterisiert. sich dadurch, daß der früher vorgesehene Aemterabbau jetzt auf ein viel geringeres Maß beschränkt werden soll. Nach dem vorjährigen Entwurf sollten z. B. 61 Amtsgerichte auf­gehoben werden, während es jetzt mur 45 sein sollen. Das Kompro­miß, mit dem allen foalitionspolitischen Schwierigkeiten aus dem Wege gegangen werden foll, erkennt man aber am besten daran, daß die großen Behörden in Gestalt der acht Kreisregierungen bestehen bleiben sollen, obgleich nach neueren objektiven Urteilen drei vollständig genügen würden.

Die Einsparungen durch die jetzt geplanten Maßnahmen be­giffern sich auf noch nicht einmal eine mittion für das Jahr!

Zeitungspleite des Faschismus.

Stärtster Leserschwund.

Mailand , 26. Januar.( Eigenbericht.) Die Auflagen der italienischen Zeitungen, die unter dem fashi­stischen Regime ständig zurückgingen, sind ganz besonders im ver­flossenen Jahr gesunken. Der Messagero" brudte 1922 noch 150 000 Exemplare, heute 50 000. Das Giornale d'Italia" hatte eine Auflage von 500 000, heute nur noch 10 000; die Auf

Führer in ihren Bann zu ziehen begonnen hat, und bie, falls der innere Frieden anhält, auf die Dauer stärker werden dürfte als ein etwaiger Widerstand einzelner, 1

Zwischenfall in Hanfau.

Hankau über Totio, 26. Januar. Ein japanischer Marinejobbat ericho ß einen Chinesen, als, dieser sich einem japanischen Panzertreuzer nähern wollte. Es tam zu einer Rundgebung vor der japanischen Konzeffion. Bier japanische Geschäftslokale wurden zerstört und geplündert. Die japanische Regierung hat beschlossen, ein Minen boot nach Hantau zu entferden.

Ausnahmegesetz gegen Kommuniffen.

Nanking, 26. Januar.

Die Rantingregierung hat beschlossen, ein Ausnahme gesetz zur Bekämpfung des Kommunismus herauszugeben. Jede Berbindung mit dem Kommunismus wird unter Todes strafe verboten. Kommunisten werden aus der Armee und dem Staatsdienst ausgeschlossen. Chinesischen Bürgern wird ver boten, die Sowjetunion zu besuchen.

lage des Corriere bella Sera ging von 700 000 auf 300 000 zurüd. Für den offiziölen Jl Popolo d'Italia mußte das Abonnement jogar obligatoris eftlärt werden, um( die Auflage aufrechterhalten zu fönnen. Vor dem Marfch auf schnitt 400 000, der verschiedensten Zeitungen, heute werden durch Rom verkauften 592 3eitungsverkäufer in Rom täglich im Durch schnittlich nur noc, 140.000, am Tage verkauft.

Schweizer Liebesdienst.

Basel , 26. Januar. Der Schweizer Bundesrat hat die für Ostern im Kanton Tessin von den Kommunisten geplante Sundgebung gegen den Faschismus verboten. Gleichzeitig hat sich der Bundesrat noch einmal mit dem Einreisegesuch des italienischen Geschichtsprofessors Salve. mini beschäftigt, der in Lugano zwei Borträge halten wollte. Der Bundesrat bleibt dabei, daß er gegenwärtig eine Einreise nicht für erwünscht halte. Professor Salvemini lehrt gegenwärtig an der Universität London italienische Geschichte.

Die Rote Armee wird gereinigt.

Ausschluß der Oppositionellen.

Kowno , 26. Januar.( TU.) Wie aus Moskau gemeldet wird, ist der Kampf gegen die troztistische Oppofition noch nicht beendet. Die Parteileitung hat an­geordnet, fofort sämtliche trogtistischen Elemente aus der Roten Armee und Marine zu entfernen Die politische Leitung der Roten Armee mit dem Führer Bubnow an der Spize hat schon entsprechende Maßnahmen für den Ausschluß der Trozfisten aus der Partei getroffen.

Was das weitere Schidfal der Führer der troßfistischen Oppo­fition, Ratowiti( ehemaliger Botschafter in London und Paris ), Sofntowiti( leitender Redakteur der Prawda") und Karl Radet( Romintern) betrifft, so verlautet, daß sie bis auf weiteres in der Berbannung bleiben werden, weil die Führer dieser Oppo­fition erneut ihre Sympathien gegenüber Tropki und dem Trogfis. mus geäußert heben.

Amanullahs Anmarsch. Angeblich 40 Kilometer vor Kabul .

Kairo , 26. Januar.

Wie aus Rabul gemeldet wird, mobilisiert Habibullah alle feine Streitkräfte gegen Amanullah . Habibullah befürchtet einen Umsturz in Rabul und hat deshalb eine besondere Bache für das Schloß gebildet. Der Gegner steht 40 Kilometer von Kabul . Amanullah hat Kandahar verlassen und sich an die Spitze seiner Truppen gestellt.

Babibullah in Not.

Condon, 26. Januar.

Der Umschwung, der sich in Afghanistan vorbereitet, wird durch neuere Meldungen bestätigt. Die Widerstände gegen Habibullah Der mehren sich derart, daß man ein baldiges Ende seiner Herrschaft vorausfagt. In verschiedenen Teilen Afghanistans ist es zu neuen fchweren Kämpfen zwischen den Anhängern Habibullahs und den ihm feindlichen Stämmen gekommen, wobei seine Gegner erhebliche Fortschritte machten. Mahmud Khan, ein Mitglied der töniglichen Familie, steht in der Umgebung von Kabul , und es wird berichtet, daß Habibullah seine Abdan fung zugunsten dieses Thronprätendenten erwäge.

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Notjahr 1929.

Wer arbeitet für die Erwerbslosen?

Das Wort Notjahr 1929" hat für die Arbeiterschaft schwere und ernste Bedeutung. Sie empfindet die Not un mittelbar. Die Arbeitslosigkeit steigt, mit der Arbeits­losigkeit die Not. Die Wirtschaftsentwicklung ist auch für die Arbeiterschaft eine sehr schmere Sorge geworden. Am Ende vorigen Jahres war jeder fünfte der in den Gewerkschaften organisierten Arbeiter als vollarbeitslos anzusprechen, und gegen die Zeit vor einem Jahre ist die Bollarbeitslosigkeit der Gewerkschaftsmitglieder um 30 Prozent, die Kurzarbeit jogar um über 100 Prozent gestiegen. Mit dem besonders harten und anhaltenden Winter läßt sich diese gestiegene Ar­beitslosigkeit nicht mehr erklären. Die Konjunktur ist scharf zurückgegangen. Die Wirtschaftsdepression ist da, und wenn man auch noch nicht sagen kann, wie schwer sie sein wird, so wird sie doch mit Sicherheit sehr hartnädig sein. Wir werden also auf lange Zeit hinaus mit einem großen Prozent­faz von Arbeitslosen, d. h. für einen großen Teil der Ar­beiterschaft, mit einer sehr schlechten Lebenslage und für Staat und Gemeinden mit großen neuen Wohlfahrtslasten rechnen müssen. Die Arbeiterschaft weiß, was das für sie be­deutet. Es bedeutet neue und sehr schwere Kämpfe, um die Lebenslage der Arbeiterschaft nicht in unerträglicher Weise verschlechtern zu lassen.

Die Situation wird für die Arbeiterschaft noch durch politische Momente sehr erschwert. Der Drud der Re parationen hat sich um Hunderte von Millionen ver= schärft. Der Reichshaushalt braucht neue Einnahmen. Die deutschen Unternehmer haben ihre Konsequenzen aus der Lage schon gezogen. Für den Arbeitskampf an der Ruhr, allen großen Industrien war der Kampf gegen das Schlich­für die ihm vorhergehenden Massenaussperrungen in fast tungssystem nur eine Maste für den in Zukunft beabsichtigten scharfen Druck auf die Löhne. Für den Reichs­ verband der deutschen Industrie hat Professor Dr. Schum­peter mit seiner Theorie von der in Deutschland getriebenen Ueberfonfumtion, für die Vereinigung der deutschen Arbeit­geberverbände hat Professor Be cerath mit seiner Theorie Don der Unterkapitalbildung die geistigen Waffen für den zu erwartenden Lohndruck der Unternehmer geliefert. Die Unternehmer denken allen Ernstes daran, das beweist die fürzliche Erklärung der sieben Spizenverbände, sich nach allen Kräften von den neuen Steuerlasten zur Zahlung der Reparationen zu drücken; sie wollen entweder überhaupt feine Steuererhöhung, wenn sie aber fommt, wollen sie die Abwälzung auf die breiten Massen.

Die Arbeiterschaft soll also nach dem Willen der Unter­nehmer einmal meniger verdienen, dann soll sie noch mehr zahlen. Es ist selbstverständlich, daß die Arbeiterschaft sich ihrer Haut wehren muß. Sie wird einen schweren Kampf führen müssen um die Verteidigung ihrer Lebenshaltung, der zugleich ein Kampf für die Verteidigung der Rauftraft sein wird. Da der Kampf um Lohn und Kauftraft, deren Hochhaltung allein zur Üleberwindung der Wirtschaftsdepression führen kann, ein politischer Kampf ist, wird sie den Kampf auch mit politischen Mitteln führen müssen. Das Schlichtungswesen darf nicht, wie es das Ziel der Unternehmer ist, zur Senfung der Massentauf­traft mißbraucht werden, sonst verliert das Schlichtungs­wesen jeden wirtschaftlichen Sinn. Da die Kaufkraft der Löhne auch durch Breissenkungen erhalten oder erhöht wer­den fann, muß die staatliche Kartell politit gar Senkung der Preise beitragen. Die deutschen Unternehmer haben im Jahre 1928 mindestens wieder so viel verdient, wie in dem guten Konjunkturjahr 1927. Die unvermeidlic neue Steuerbelastung restlos auf die Arbeiterschaft abzuwälzen, ist ungerecht und wirtschaftsschädigend. Auch diese Abwälzung muß im politischen Kampf unmöglich ge­macht werden.

Der Ernst der wirtschaftlichen Lage hat eine trübe partei­politische Begleiterscheinung. Je größer die Not der Er­werbslosen, je höher das Ansteigen der Arbeitslosenziffern, Drahtzieher, die für den Ernst der Lage und die Not der Ar­um so freudiger wird die Stimmung der fommunistischen beiterschaft noch nie Verständnis gezeigt haben. Sie haben inzwischen gelernt, daß Steigen der Erwerbslosenziffern nicht den unmittelbaren Zusammenbruch des kapitalistischen Sy stems und die bolschemistische Revolution bedeutet aber sie erblicken heute wie einst in der Zunahme der Arbeitslosigkeit eine Gelegenheit, um Berwirrung und Spaltung in die Ar­beiterbewegung zu tragen.

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Die tommunistische Parteileitung hat Anweisungen für ihre Funktionäre herausgegeben, die auf die Borbereitung eines sogenannten Reichserwerbslosentages abzielen. So wie während des Ruhrkampefs die famosen Kampfausschüsse der Kommunisten gebildet wurden, so sollen jezt Erwerbslosen­ausschüsse ins Leben gerufen werden. Der Zweck dieser Aktion ist nicht, den Erwerbslosen zu helfen, sondern den fommunistischen Drahtziehern. Man darf die kommunistische