Der Abend
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Nr. 104
B 52 46. Jahrgang.
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Die Reichsregierung bleibt.
Da ihre Umbildung unmöglich ist, bleibt sie unverändert im Amt.
Amflich wird mitgefeilt: Der Reichstanzler beberichtete heute dem Reichspräsidenten über den Versuch der Neubildung der Reichsregierung auf breiterer Grundlage. Er mußte nach den Verhandlungen mit den beteiligten Frattionen feststellen, daß zurzeit diese Umbildung der Regierung nicht möglich ift. Der Reichsfanzler schlug daher dem Reichspräsidenten vor, daß die Reichsregierung ohne Beränderung ihrer gegenwärtigen Zufammensetzung im Amtebleibe. Der Reichspräsident hat diesem Vorschlag zugestimmt.
Die Volkspartei kann das!
Scholz gegen Strefemann und Curtius. Die. ,, Germania " beschäftigt sich mit der Formulierung, die der Reichskanzler der geftrigen gescheiterten Berhandlung über die Bildung der Großen Koalition zugrunde gelegt hatte. Sie erflärt, daß die Zentrumsfraktion ihr zugestimmt haben würde, unb bemerkt weiter dazu:
Die beiben der Deutschen Boltspartel zugehörenden Reichsminister Stresemann und Curtius haben offenbar in dieser Formulierung des Kanzlers eine ausreichende Garantie erblidt; Denn sie haben seinen Borfchlag gebilligt und waren demnach für ihren Teil der Meinung, daß auf seiner Grundlage auch für die Deutsche Volkspartei eine Beteiligung an der Koalitionsregierung möglich wäre. Im Gegensatz zu dieser Auffaffung der voltsparteilichen Reichsminister hat der Fraktionsführer Dr. Scholz auf der Forderung bestanden, daß vor der Bildung der Koalition eine völlige Klärung der Etats- und Steuerfragen erfolgen müsse.
Was nun weiter werden soll, hängt nach der ,, Germania " von den Entschließungen des Reichstanzlers ab, dessen Aufgabe es ist, über die Arbeitsfähigkeit der Reichsregierung zu wachen.
Giftgas oder Zensur über Berlin .
Das Theater am Schiffbauer Damm verschickt an die Presse folgende merkwürdige Mitteilung:„ Die Uraufführung von Peter Martin Lampels Giftgas über Berlin ", am Dienstag ist als öffentliche Veranstaltung abgesetzt und findet mur in einem streng geschlossenen Rahmen statt. Die gelösten Karten behalten für Mittwoch ihr Gültigkeit."
Was heißt das? Was geht hier vor? Man fommt zunächst auf den Gedanken, daß hier ein Reflametric vorliegen könnte. Wurde doch neulich ein Stüd von Lampel aufgeführt, von dem es ausdrücklich hieß, daß der Autor sich gegen die Aufführung ausdrücklich ausgesprochen habe. Indes die Annahme trifft nicht zu. Hier liegt etwas anderes vor.
Wir haben uns im preußischen Innenministerium erkundigt und erfahren, daß in der Tat die Polizei sich mit dem Gedanken beschäftigt, im Interesse der öffentlichen Ordnung und Sicherheit dars Stück zu verbieten, daß aber die Erörterungen hierüber noch feineswegs abgeschlossen find, möglicherweise aber eine Entscheidung bereits vor Dienstag getroffen werden sein wird. Trotz Abschaffung der Zenjur besteht das Recht der Polizei, im Interesse der öffentlichen Ruhe und Ordnung gegen eine Theateraufführung einzuschreiten. Wir meinen allerdings, daß diefes Recht nur in einem besonderen Ausnahmefall zur Geltung fommen darf, nämlich dann, wenn es gilt, Gefahren für Leib und Leben abzuwenden, die auf andere Weise nicht abzuwenden sind. Das Recht, die Seelen vor gefähr lichen Theaterstücken zu schüßen hat die Verfassung der Polizei en hat die Berj unwiderruflich genommen.
Sowohl das Reichswehrministerium wie das Reichsaußen minifterium erflären gegenüber Behauptungen der Bresse , sie feien es nicht gemesen, die von der Polizei eine Berhinderung der öffent. lichen Aufführung des Lampelschen Theaterſtüdes Giftgas über Berlin " verlangt hätten.
Neue Gasexplosion im Ruhrgebiet .
In einer nicht mehr in Betrieb befindlichen alten Rohrleitung des Baroper Walzwertes hatte sich aus noch nicht festgestellter Ursache Gas angesammelt, das explo. dierte. Dabei wurden insgesamt vier Arbeiter durch umherfliegende Eisenstüde verlegt; einer der Verletzten ist im Krankenhaus an einem Schädelbruch gestorben. Eine Kommission ist mit der Untersuchung des Unglücks beauftragt worden.
Am Freitag wurde der Bildfunt Berlin - vollkommnung der Sende- und Empfangsorgane erheblich verbessert Kopenhagen amflich eröffnet. Unsere Freunde vom dänischen Parteiorgan,„ Socialdemokrat" übermittelten uns das Bild des fozialdemokratischen Führers Abg. Borg. bjerg, deffen telegraphische Begrüßung wir der Wiedergabe feines Bildes folgen laffen.
worden. Die Bilder können in Deutschland ( Berlin ist allerdings vorläufig die einzige Aufgabestelle) drahtlos wie auch auf dem
Für die Bildübermittlung wird ein neues Bildgerät der Sie mens u. Halste 2.-G. nach dem System Siemens Karo. lus- Telefunken( siehe Bild) verwendet, bei deffen Herstellung
Borgbjerg- Kopenhagen.
alle Erfahrungen nußbar gemacht worden sind, die seit der Errichtung der Bildlinie Berlin - Wien im In- und Ausland gesammelt worden sind. Die Verbesserungen betreffen den mechanischen Aufbau, die Abtastung des Bildes am Sender, die Empfangseinrichtungen, die Synchronisierung, die Phaseneinstellung, die Verstärker und anderes mehr. Photozelle und Kerrzelle sind beibehalten worden. Mit Hilfe dieses Bildgerätes ist ein fast ununterbrochener Betrieb insofern möglich, als das Einsetzen neuer Trommeln( Raffetten) nach herausnahme der abgetafteten und belichteten Trom meln mir wenige Sefunden in Anspruch nimmt, ohne daß der Apparat nach Abtastung oder Belichtung einer Troummel angeh niten und neu eingestellt zu werden braucht. Die Wiedergabe der Bider ift infolge der größeren Genauigkeit bei der Abtastung und Ber
Berichte 2 Seite.
Drahtwege gefendet werden. Ihre Größe beträgt 18 mal 25 3entijedem pofta mt aufgeben, von wo sie dann auf dem schnellstent Wege zum Haupttelegraphenamt gesandt werden. Von dort aus übermittelt man fie nach Kopenhagen bzw. nach Wien . Auch innerhalb Deutschlands soll ein Ausbau des Bild- Telegraphenneges er
meter. Man fann die Bilder, die man übermittelt haben will, bei
027 Belegramm Deutsche Reichspost L350 k joe benhavn r 170-34,1 1520-
68
801
Konhah
friedrich staepfer vorwaarts berin
-1.3.2944
Befördert
3rf
Lieber genosse as tage eines neuen technischen fortchrittes des laternationalen verkehrs sande ich
bild and herzlichsten grusz- es te be die internationale arbeiter and voel ker- solidaritaet,
borgbjerg social demokraten
folgen. Zunächst wird der Bilderdienst mit Frankfurt a. M. und dann mit München aufgenommen werden. Es besteht außer den offiziellen Linien Berlin - Wien und der Linie, die gestern eröffnet murde, Berlin - Kopenhagen , zwar fein weiterer offizieller Bild- Telegraphenverfehr, doch ist der Bild- Telegraphendienst zwischen Beriin und London , Berlin und Paris sowie auch zwischen Paris und Landon betriebsbereit. Man hat auch schon Bildsendungen zwischen Berlin und Buenos Aires durchgeführt. Bisher ist Berlin der einzige Ort in Deutschland , von dem aus Bilder gesandt werden können. Das Ziel der Arbeiten ist aber, daß dies in Zukunft von jedem deutschen Postamt aus möglich sein soll. Die Gebühren für die telegraphische Uebermittlung eines Bildes zwischen Berlin und Kopenhagen betragen für die Mindestfläche von 100 Quadratzenti
Der Siemens- Karolus- Telefunken- Bildsender. meter zehn Mart und steigern sich um jeden Quadratzentimeter der Bildfläche mehr um zehn Pfennige bis zum Betrage von fünfundvierzig Mart für ein Bild mit den äußersten Abmessungen. In der verkehrsschwachen Zeit von sieben Uhr abends bis acht Uhr morgens werden die Gebühren um zwanzig Prozent ermäßigt. Außerdem wird in gemissen Fällen bei regelmäßiger Auslieferung von Bildern ein weiterer Preisnachlaß gewährt.
Mostau, 2. März.