Nr. 13.
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Vorwärts
13. Jahrg.
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Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2.
Die Eröffnung des preußischen Landtages.
Der preußische Landtag ist gestern Mittag 12 Uhr mit einer vom Ministerpräsidenten Fürsten zu Hohenlohe verlesenen Thronrede eröffnet worden. Es heißt darin:
Jahr erwartet werden.
veranschlagt werden können.
gebnissen beigetragen.
nicht bedachter Landestheile zu fördern bestimmt sind.
:
Donnerstag, den 16. Januar 1896. Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3.
ihrer großen
den die Silos wenig nügen, vielleicht sogar
offender Bertheit für eine das ganze Staatzgebiet um- wichtigen Einfluß ausübt, hat zu diesem agrarischen Zwecke Vertretung ausgesprochen. Demgemäß wird Ihnen den Korn- Lagerhäusern ihre Unterstützung zugesagt. ein Gefeßentwurf vorgelegt werden, durch den die Dr Aber unzufrieden sind die Agrarier doch. Der kleine Finger ganisation der Handelskammern über daz genügt ihnen nicht, sie wollen gleich die ganze Hand. So ganze Land erstreckt und durch Ausstattung dieser Körperschaften mit Korporationsrechten und Erweiterung ihres erklärt denn ihr Organ, die„ Deutsche Tageszeitung": Für die in Aussicht gestellte volle Aufmerksamkeit Geschäftskreises gekräftigt werden soll. Die Finanzen des Staates haben sich in dem abgeDie andauernd ungünstige Lage der Landwirthschaft der Staatsregierung, ist die Landwirthschaft dankbar. Sie er gefchloffenen, wie in dem laufenden Rechnungsjahre wesentlich nimmt fortgefeht die volle Aufmerksamkeit der Staatsregierung wartet, daß diese Aufmerksamkeit die Regierung zu der Uebergünstiger gestaltet, als bei Aufstellung der Voranschläge an- in Anspruch. Sie ist entschloffen, alle Mittel in Anwendung zu zeugung bringt, daß mit den kleinen Mitteln nichts gethan fei, zunehmen war. Infolge unerwarteter Steigerung der Erträgnisse bringen, welche zur Abhilfe geeignet sind und eine Besserung sondern daß, wie die Thronrede ausdrücklich fagt, a II e Mittel in Anwendung gebracht werden müssen, die eine Besserung der Lage der Staats. Eisenbahnen und einzelner anderer Staatsbetriebe, der Lage dieses für unsere wirthschaftlichen Verhältnisse so hoch gewährleisten. Wenn freilich die Regierung keine anderen Mittel zu fowie erhöhter Ueberweisungen aus den Einnahmen des Reiches wichtigen Gewerbes gewährleisten. hat die Rechnung des Jahres 1894/95 mit einem erheblich geDer im vorigen Jahre angekündigte Entwurf eines Gebieten weiß, als einen Gesetzentwurf über das Anerbenrecht bei ringeren, als dem im Etat veranschlagten Fehlbetrage abge- fezes, betreffend das Anerbenrecht bei Renten- und An- Renten- und Ansiedlungsgütern und Vorschläge zu einer finanziellen schlossen; ein gleich günstiges Ergebniß darf für das laufende fiebelungsgütern, welcher die Erhaltung dieser Güter bezweckt, Unterstützung der genossenschaftlichen Einrichtung von Kornwird nunmehr ungefäumt Ihrer Beschlußfassung unterbreitet häusern, so ist das bedauerlich wenig. Bleibt das Brotgetreide unter den Erzeugungskosten, dann hilft den Rentenguts- Juhabern Auch der Entwurf des Staatshaushalts Etats werden. für das Jahr 1896/97, welcher Ihnen alsbald zugeben Einrichtung von Korn- Lagerhäusern sind die Meinungen außerAußerdem werden Ihnen Vorschläge gemacht werden, welche das beste Anerbenrecht nichts. Und über die genossenschaftliche wird, schließt mit einem geringeren Fehlbetrage ab, als der eine finanzielle Unterstützung der genossenschaftlichen ordentlich getheilt. Ohne den Antrag Kanig werEtat für das laufende Jahr. Insbesondere haben infolge des Errichtung von Kornhäusern betreffen. Aufschwunges des gewerblichen Lebens die Erträge der staatlichen Wie ein Nachtlang der Thronrede, mit der der Reichs- fch aden." Betriebsverwaltungen, namentlich der Eisenbahnverwaltung, höher tag eröffnet wurde, muthet uns das Wortgefüge an, das Den Antrag Kanit kann den Agrariern nur der ReichsDie mit dem Beginn des laufenden Rechnungsjahres zur Fürst Hohenlohe bei Eröffnung des preußischen Land- tag sichern. Und so werden denn die Wortführer des Einführung gelangte Neuordnung der staatlichen tags verlas. So inhaltslos, so leer war die Thron- Agrarierthums im Reichstage die im Landtage zugesagte Eisenbahnverwaltung hat sich nach den bisherigen Er- rede, daß selbst die eifrigsten Regierungsanhänger Unterstützung bei der Anlage von Silos als ein neues fahrungen im allgemeinen bewährt und zu den günstigen Er- es nicht vermochten, einen Laut des Beifalls aus Argument für die Nothwendigkeit des Antrages Kaniz den zusammengeschnürten Rehlen herauszuquälen. Und ausuüßen, denn Silos ohne Ranizz tönnten ja vielleicht den Wegen Erweiterung des Staatseisenbahn doch hätte wenigstens eine Gruppe, und zwar eine zahl- Konsumenten zu gute tommen, und das muß mit allen nezes werden Ihnen auch in diesem Jahre Vorschläge zu reiche und gewichtige, Grund gehabt zu einem Gefühl der Kräften verhindert werden. So will es das Interesse des gehen, welche die Entwickelung mit Schienenverbindungen noch Befriedigung, wenn sie nicht gar so unerfättlich wäre in ihren Großgrundbefizes. Wünschen. Nicht die Lehrer meinen wir, denen endlich einmal Wie bei der Reichstags- Eröffnung glänzen auch bei der Auf dem Gebiete der Schule wird Ihre Zustimmung zu eine färgliche Abschlagszahlung auf ihre lang geäußerten Wünsche Landtags- Eröffnung die Köller'schen Gedanken durch ihre einem Gesezentwurf erbeten werden, welcher den Zweck hat, in Eine Regelung des Vereinsgesetzes auf Erfüllung der durch Artikel 25 der Verfassung dem Staat auf in Aussicht gestellt wird. Die Lehrer haben ja auch keine Abwesenheit. erlegten Pflicht, das Diensteinkommen der Lehrer Interessenvertretung in dem preußischen Landtag auf- preußischem Wege war der offiziösen Presse und Lehrerinnen an den öffentlichen Volksschulen gesetzlich zuweisen. Eine ernstliche Begünstigung wurde den zu Köller's Zeiten wiederholt in Aussicht ge derart zu regeln, daß ihnen überall ein festes, den örtlichen Ver- Agrariern in Aussicht gestellt, die ja die Herren stellt worden. Nichts davon findet sich in der preußischen hältnissen angemessenes Einkommen gesichert ist. Ferner wird sind im Herrenhause und und mehr Einfluß ausüben, Thronrede. Und in der That, es geht ja auch so. Das bebie gefeßliche Aenderung einzelner Bestimmungen des als irgend eine andere Interessentengruppe auf das stehende preußische Vereinsgesez ermöglicht auch jetzt schon eine Pensionsgesetzes vom 27. März 1872 beabsichtigt, durch welche Schwierigkeiten und Zweifel beseitigt werden abgeordnetenhaus. Zu den kleinen Mitteln, durch die Knebelung des Vereinslebens der Sozialdemokratie bei sorgsollen, die bei der Anwendung dieses Gesetzes auf die nicht im dem uothleidenden Großgrundbesitz aufgeholfen werden soll, samer Berücksichtigung des von dem lateinischen Lustspieldichter auch die Anlage von Korn Lagerhäusern. Terenz als Schlagwort formulirten und von dem preußischen höheren Unterrichtsanstalten hervorgetreten sind. Der Wunsch nach Stärkung und Erweiterung der auf sie zu genossenschaftlichen Körperschaften sich zusammen- Verses: Wenn zwei dasselbe thun, ist es nicht dasselbe." gesetzlicher Grundlage beruhenden Vertretungen von Handel schließen. Staatliche Beihilfe dazu würde aber nur dann Was braucht man da neue Kautschukgeseze! und Industrie bewegt die betheiligten Berufsstände seit sich rechtfertigen, wenn die Beihilfe dem arbeitenden Volke Wie der Einzug des preußischen Landtages wird sein fängerer Zeit; er ist neuerdings dringlicher geworden, zu gute fäme, wenn sie sich geltend machte in einer Ber- Ausgang am Ende der Session sein. Dem Volke entfremdet feitdem in dem Geſeße über die Landwirthschaftskammern billigung des Brotes. Daran ist aber den Agrariern durch sein Wahlsystem, wird er, wie in der vorigen Session, der Boden für eine traftvolle Vertretung der Landwirthschaft geschaffen und eine forporative Organisation des Handwerks nichts gelegen. Sie planen Silos, um das Getreide ver- nach fruchtloser Tagung Klanglos enden. Das Volk hat von durch die Reichsgefeßgebung in Angriff genommen ist. Die be- theuern zu können. Und wir fürchten, auch die Re ihm nichts Gutes zu erwarten. stehenden Organe des Handels und der Industrie haben sich in gierung, in der der Ehrenagrarier Miquel einen geplimentiren. Nichts," wiederholte sie sich in Gedanken, Sie traten in das Zimmer. Einige Möbel waren in die aber andere könnten etwas finden." So nahe dem Ziele, Mitte des Zimmers gerückt und mit Linnen überhängt. inverrichteter Sache fortgehen, in fürchterlicher Angst vor Georginen's Blicke flogen zuerst nach dem Bibliothek Entdeckung und Berrath, Sie spielte mit dem Buche schranke. Er stand offen. Eine Frau war eben beschäftigt, Der Ausdruck Bibliothekschrank" elektrisirte Georgine die Hofrangordnung", als bemerke sie Blanka's Ungeduld einige Bücher herauszunehmen und auf einen Tisch zu förmlich. Gr erinnerte sie wieder an den eigentlichen Zweck nicht und versuchte noch ein legtes Mittel. Was soll ich stellen. Es waren die großen Folianten, hinter denen ibres Hierjeins. Sie bezwang sich indeß und fuhr fort: nun Bergkuhn sagen, der nicht sowohl Deinen Gegengruß, Georgine das Packet versteckt. Georgine stieß einen Schrei Diesen Brief zeigst Du mir in Gegenwart Bergkuhns, und die Adresse, als Dich selbst erwartet?" des Schreckens aus, lehute fich nahe der Frau an den Tisch ich fordere ihn auf durch Beischluß die Einzelheiten über Er erwartet mich? Wo?" rief Blanka erstaunt mit und brachte mühsam die Worte hervor: Ach ich bekomme die Erbschaft an Wiary Segler gelangen zu lassen. Dabei neuem Interesse für die Unterhaltung. wieder meinen Anfall! Besorgen Sie mir doch ein Glas erfahren wir, wer die Erblasser sind, ehe er die Adresse der frisches Wasser, liebe Frau." Segler erfährt und ob seine Lüsternheit oder sein gepriesener Wohlthätigkeitsfim die Hauptsache ist."
V
von
unmittelbaren Staatsdienst stehenden Lehrer und Beamten an den iemand wird es den Grundbesigern verargen, wenn Justizminister Schönstedt als Rechtsgrundsay adoptirten
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Clotilde.
( Nachdruck verboten.)
Roman aus der Gegenwart von H. W. M. von Walthausen.
Wenn ich auch das letztere nicht bezweifle, so doch, daß er sich je in meiner Gegenwart befinden will."
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In meiner Wohnung morgen Vormittag. Ich glaubte, Du würdest, wie er, zum Wohlthun geneigt sein und zugleich die Gelegenheit wahrnehmen, den Dank, den Du ihm noch schuldest, einmal abzutragen. Ich setzte voraus, Du würdest ihm gefällig sein aus Dankbarkeit und dies persönlich--"
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So überlaß mir die Angelegenheit zu führen. Es war doch Deine beste Freundin, gieb mir die Adresse." Du vergißt wohl, daß er verheirathet ist?" " Die kann ich jetzt nicht suchen, drüben ist alles in Unglücklich und liebeleer, durch Krankheit schwer Unordnung, der Bibliothekschrank ist ausgeräumt, die Bücher bestraft und durch die Behandlung der Schwiegermutter werden abgeſtäubt." herabgekommen, muß er deshalb noch Undank erleben?" Wie ein Donnerschlag wirkte diese Nachricht auf ,, Hat er sich nicht meinen Dank verbeten?" Georgine. Jezt sah sie ein, wie recht ihr Mann hatte, es Eben deshalb beeilte ich mich, Dir mitzutheilen, daß war eine seltsame, thörichte Idee gewesen, das Geld hierher er ihn jetzt vielleicht durch eine Gefälligkeit, einen Liebeszu bringen. Sie war einer Ohnmacht nahe, sie fühlte dienst zu beanspruchen scheint. Ich weiß, daß Du noch förmlich, daß Leichenblässe sie überflog, schnell nahm sie noch für ihn fühlst, will Dir nüßlich werden finde Dich aber ihr Taschentuch vor ihr Gesicht. mißgelaunt und ungefällig." Das bin ich nicht, aber-
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Was ist Dir?" fragte Blanka. Georgine nahm sich zusammen, dann, nach einer Pause," Gewissenhaft, willst Du sagen. Machte sich seine sagte sie;" Ach ich bin jetzt nach den außerordentlichen Vor- Frau ein Gewissen daraus, den durch List zur Ehe zu gängen so mit Anfällen von Nervenschwäche geplagt. Ich zwingen, von dem sie wußte, daß er sie nicht liebte? Doch-" hatte mich darauf gefreut, von Dir ein gutes Buch zu er Nun gut. Ich komme morgen zu Dir und bringe die halten, um in andere Stimmung zu kommen, ich habe Dir Adresse mit." die Hofrangordnung wieder mitgebracht. Willst Du mir nicht ein Buch leihen?"
Das kann ich heute nicht."
,, Thu' mir doch den Gefallen und geh' mit mir hinüber, Du findest vielleicht auch die Adresse."
Es ist unglos, wir finden nichts," sagte, des Drängens überdrüssig, kurz, ja unmuthig Blanta und machte eine Bewegung, als beende sie hiermit die Unterhaltung.
Georgine erhob sich zum Fortgehen: Und das Buch?" sagte sie anscheinend gleichgiltig.
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Diese blickte erschrocken erst Georgine, dann Blanka an. Diese winkte ihr zu gehen und die Frau eilte fort.
Es war die höchste Zeit, denn Georgine hatte bemerkt, daß das Packet blosgelegt und etwas nach vorn gerollt war. Im nächsten Augenblicke mußte es der Frau in die Hände fallen.
Blanka, hast Du nicht ein Riechfläschchen zur Hand?" stöhnte Georgine. Gewiß," sagte Blanka in mitleidigem, theilnehmendem Tone, ich habe Dich ja vor dem Staube hier gewarnt. Warte, hier unten steht ein Odeurkästchen." Blanka bückte sich nach dem untersten Fach im Schranke.
Georgine trat anscheinend einen Schritt zu ihr, taumelte geschickt nach dem Packete, hielt sich scheinbar mit der Hand, in der sie ihr Taschentuch hielt, dort fest und zog dann unter dem Taschentuche mit ihrer Hand zugleich das Packet an sich, noch ehe Blanka das wohl. verpackte und verforkte Fläschchen geöffnet hatte.
In diesem Augenblicke kam auch schon die Frau wieder und brachte ein Glas Wasser.
Georgine ging ihr entgegen, nahm ihr das Glas dankend ab und trant mit seltenem Behagen, dabei suchte sie das verhängnißvolle Schreckenspacket sicher zu verbergen. „ Sollst Du auch umgetauscht erhalten, denn ich will Blanka brachte ihr ein Buch das Geheimniß einer lieber Staub schlucken, als ungefällig erscheinen." Damit alten Jungfer", gab ihr das Ddeurfläschchen zu riechen und nahm sie Georginen das Buch aus der Hand und schritt zum mitnehmen auf den Weg, denn sie selbst eilte und derselben voran durch eine kleine Thür in den Korridor. fagte: Laß uns fort aus dem Staub in die frische Luft."
Georgine folgte ihr mit gemischten Gefühlen, befriedigt ihren Willen doch durchgefeht zu haben und besorgt, ob sie|
So leicht war indeß Georgine nicht hinaus zu kom-' das Packet noch finden werde.
( Fortsetzung folgt.)