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Nr. 14.

Erscheint täglich außer Montags. Preis pränumerando: Viertel: jährlich 3,30 Mart, monatlich 1,10 Mt., wöchentlich 28 Pfg. fret in's Haus. Einzelne Nummer

6 Pfg. Sonntags- Nummer mit illustr. Sonntags- Beilage Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3,30 Mt. pro Quartal. Unter Kreuz band: Deutschland u. Desterreich Ungarn 2 M., für das übrige Ausland 3 Mt. pr. Monat. Eingetr. in der Post Zeitungs Preisliste für 1896 unter Mr. 7277.

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Vorwärts

13. Jahrg.

Jnsertions- Gebühr beträgt für die fünfgespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf., für Vereins- und Bersammlungs- Anzeigen 20 fg. Inserate für die nächte Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen­tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn und Festtagen bis 9 Uhr vormittags geöffnet.

Fernsprecher: Amt 1, Nr. 1508. Telegramm- Adresse: ostaldemokrat Berlin ".

Berliner Bolksblatt.

Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands .

Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2.

Diel Lärm um nichts. Viel Lärm war es, und ganz ist der Lärm auch noch nicht vorbei, aber es ist nur noch der Nachdonner des ab­ziehenden Gewitters.

Freitag, den 17. Januar 1896.

Jauf das Transvaal direkt nichts zu thun, und sobald er an die Deffentlichkeit trat, schüttelte sie ihn auch durchaus korrekt von den Rockschößen; allein daß sie, wäre er zur vollendeten Thatsache geworden, sich seiner gefreut und die Frucht ein geheimst hätte, unterliegt keinem Zweifel. Und in anderen Und der fürchterliche Lärm um ein paar Worte, in Staaten wäre es unter ähnlichen Umständen ebenso gemesen. denen, als sie gesprochen wurden, kein Mensch in Deutsch - Politik und Moral sind zwei Dinge, die heutzutage nichts land, das ja vom Volke der Denker bewohnt wird, etwas miteinander gemein haben, und von denen das eine dem böses witterte. Wir meinen das Begrüßungstelegramm, anderen im Weg ist, ja es geradezu ausschließt. welches der deutsche Kaiser ohne Gegenzeichnung eines ver- Das Ministerium Salisbury war in einer sehr schwie antwortlichen Rathgebers, folglich als einfache Privat- rigen Lage. In der Türkei und Kleinasien hatten die Türken person an den Präsidenten der beiläufig nichts weniger freffer Gladstone und Rosebery sich von den Russen die als demokratischen Südafrikanischen Bauernrepublik armenische Frage einrühren lassen, welche die englische Diplo schickte, um ihm zur erfolgreichen Abwehr des von den matie in Ronstantinopel lahm legte. Dazu kam am Schluß englisch afrikanischen Kolonialferen in Szene gesetzten Frei- des Jahres der geräuschvolle Streit mit Amerika , den der beuterzugs Glück zu wünschen. Chauvinismus des Präsidenten Cleveland den Engländern auf den Hals gebracht.

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Expedition: SW. 19, Benth- Straße 3.

zu Beginn seiner Regierung entschieden beliebt in England, ist jetzt kaum populärer als der Zar.

Was wir am Mittwoch aus der sozialdemokratischen, Justice" wiedergaben, ist wahr: das englische Volk ist im Herzen durch und durch demokratisch.

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bei der

Unsere deutschen Chauvinisten behaupten, die Un­popularität Deutschlands in England sei auf englischen Neid und die deutsche Konkurrenz zurückzuführen; und unsere Kolonialfere bilden sich ein, die deutsche Kolonialpolitik habe die englische Eifersucht erweckt. Das sind Kindereien. Es fällt uns nicht ein, der englischen Kolonialpolitik ein Loblied fingen zu wollen Gründung von Kolonien spielen überall und immer die niedrigsten Leidenschaften und die zweifelhaftesten Volks­elemente eine hervorragende Rolle aber eine Kolonial­politik, die Indien erobert, den Unterbau der Vereinigten Staaten von Amerika gelegt, den Bau Vereinigter Staaten von Australien und Afrika vorbereitet hat, kann doch un­möglich mit Eifersucht und Neid gegen eine Kolonialpolitit erfüllt sein, die der Welt- und Kulturgeschichte fast nur bloß durch die Prozesse Leist und Wehlan an gehört.

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Den 2. Januar war das entscheidende Treffen bei Krügersdorf, in welchem die von einem schottischen Aben- Lord Salisbury mußte nach irgend einem Anlaß oder teurer namens Jameson geführten, von dem" Napoleon Vorwand ausschauen, an den sich eine große Haupt- und Afrika's", dem Kolonial- Großspekulanten Rhodes aus- Staatsaktion", eine erlösende, befreiende That an­gerüsteten Flibustier aufs Haupt geschlagen wurden. Das knüpfen ließ. Telegramm des deutschen Kaisers, das unmittelbar nac) Da kam das kaiserliche Telegramm. Gefunden! dem Eintreffen der Siegesnachricht abgesandt ward, lautete: Für Salisbury war das Telegramm des deutschen Freilich, eins muß noch betont werden: nicht blos " Ich spreche Ihnen nieinen aufrichtigen Glückwunsch Kaisers, ein wahrer Godsend cin Geschenk des Himmels. die innere, auch die auswärtige Politik Deutschlands aus, daß es Ihnen, ohne an die Hilfe fremder Mächte zu Freilich, um das zu begreifen, müssen wir erst Einiges hat in England einen sehr üblen Eindruck gemacht. Der appelliren, mit Ihrem Volke gelungen ist, in eigener That- vorausschicken. Die im frischen Luftzug eines freien Staats- unbegreifliche asiatische Dreibund mit Rußland und kraft gegenüber den bewaffneten Echaaren, welche als lebens abgehärteten Engländer haben auf die deutschen Frankreich richtete feine Spize nicht blos gegen Japan , Friedensstörer in Ihr Land eingebrochen sind, den Vettern ob deren leider so so lange uud so oft sondern vornehmlich gegen England. Das leugnen, Frieden wieder herzustellen und die Unabhängigkeit bewiesene Unterthanen Demuth immer mit einiger heißt die sonnenklarsten Thatsachen leugnen. Und in Kon­des Landes gegen Angriffe von außen zu wahren." Minderachtung herabgesehen das ist nicht zu stantinopel löfte sich Ende November vorigen Jahres Deutsch­Dies das Telegramm, das, soweit es Freude über leugnen allein im allgemeinen waren sie den Deutschen land plößlich von dem europäischen Konzert" los, und verhalf den Sieg der Buren ausdrückt, von jedem, der Freiheit doch ftets sehr sympathisch gefinnt, und die durch seine Zickzack Schwenkung der russischen Diplomatie und Mannhaftigkeit liebt, gebilligt wurde und gebilligt Bismarck 'schen Revolutionen von Oben find, troß zu einem Sieg über die englische. Das erzeugte natürlich werden muß. des Abscheus, den die despotische Blut- und Eisen- in London keine Gefühle der Freundschaft. Aber so bedenklich auch der Satz si duo faciunt idem politit Bismarck's der Masse der Engländer einflößte, doch Und in diese verzwickte, verwickelte Lage, diese mit non est idem für die Justiz ist, die ohne Ansehen in England freundlicher aufgenommen worden, als in irgend Elektrizität geschwängerte Atmosphäre fiel das kaiserliche der Person" urtheilen muß, so richtig ist er für das einem anderen Land. Noch besser gestalteten sich die Be- Telegramm. Es wirkte wunderbar; und am meisten war Handeln des öffentlichen wie privaten Lebens: ziehungen beider Länder nach Bismarck's Sturz. Die friedliche wohl der Absender selbst verwundert. si duo faciunt idem, non est idem- wenn Zwei dasselbe Politik Caprivi's fand in der gesammten englischen Presse thun, ist es nicht dasselbe. Zustimmung und Beifall.

Wenn ein simpler Müller, Schulze oder Meyer vom fortschrittlichen Klub Waldeck das Telegramm geschickt hätte, so würde außer den Lesern der Freisinnigen Zeitung" niemand davon erfahren haben, und diese wären sehr erbaut gewesen.

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Aber es war der Fürst eines großen Reichs, der das Telegramm fchickte, und der Zeitpunkt war außerordent­lich verwickelt und kritisch. Man spricht von kritischen Momenten", wo große Aktionen sich vorbereiten, wo das Spiel der Kräfte sich zu einer Entscheidung zuspizt, wo die Fäden sich zusammenschürzen zum Abschluß einer Tragödie oder zum Knalleffekt einer Komödie.

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Und das war ein solch kritischer Moment. Die englische Regierung hatte zwar mit dem Handstreich

Clotilde.

( Nachdruck verboten.)

Roman aus der Gegenwart von H. W. M. von Walthausen.

Wer hat nicht schon in heißem Sommer an einem schwülen Tage beobachtet, wie am heiteren Himmel plötz­Nach dem überraschend plötzlichen Ende des zweiten lich ein kleines, kaum sichtbares Wölfchen auftaucht, das deutschen Reichskanzlers und unter dem Fürsten Hohenlohe rasch wächst, bis der ganze Horizont schwarz umzogen ist wendete sich jedoch das Blättchen. und mit Sturm, Donner und Blitz ein heftiges Gewitter Das persönliche Regiment, den Engländern seit herniederrasselt? Beginn ihrer Geschichte verhaßt und schon vor So war es hier. dritthalb Jahrhunderten von ihnen zu Boden ge- Im Nu hatte sich der politische Himmel umzogen. schmettert das Ueberhandnehmen der Polizeiwirthschaft, Und ein verheerendes Gewitter schien losbrechen zu wollen. die systematische Verfolgung politischer Gegner, die Maß- und alles um das kaiserliche Telegramm. regeln zur Unterdrückung der Sozialdemokratie, die Knebe- Wie ist das zu erklären? Das Telegramm war doch lung der Presse, der Wolkenbruch von Majestätsbeleidigungs- so harmlos? Prozessen das alles wirkte zusammen, um in England

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Nun ganz so harmlos ist der Wortlaut nicht. Man einen gründlichen Umschwung der öffentlichen Meinung zu muß nur genau lesen. Es findet sich in dem Tele­bewirken. Die deutsche Reichsregierung wurde mit der gramm die Wendung: ohne an die Hilfe Mächte russischen Regierung auf eine Stufe gestellt, und der Kaiser, befreundeter

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zu appelliren" Brambach rückte an seiner goldenen Brille, dann bes seine Kleidung etwas phantastisch zusammengewürfelt. Er hatte erst studiren sollen, dies aber aufgegeben, weil er gann er wieder: den Beruf zur Poeterei in sich fühlte. Dadurch war Meine Zeitung hat nun seinen vorwiegend politischen er mit seinen Verwandten in Konflikt gerathen und Charakter, es muß aber besonders den Frauen jetzt viel Mit der Versicherung fernerer treuer Freundschaft erhielt sich jetzt selbständig durch schriftstellerische mehr fesselnder Lesestoff geboten werden, als sonst. Ich schieden die beiden, im grunde herzlich ungern mit einander Arbeiten. Nichts konnte ihm gelegener kommen, als das An- denke daher diesen Theil zu erweitern. Da indeß die Her verkehrenden Verwandten. erbieten Brambach's. Seit jener Begegnung auf dem Eise, stellung des Blattes enorme Kosten verursacht und die Zeit Wie viele erschütternde Schreckniffe es auch Georginen wo er die schlanke Gestalt Clotilden's umfaßt und dann schlecht ist, so würde die Stelle erst dann eine recht eins gefoſtet, sie hatte doch ihren Raub nun wieder und kam mit seinen Armen aufgerichtet, hatte er die liebliche Er- trägliche werden, wenn sich auch der Abonnentenkreis er­nicht mit leeren Händen zurück. Ihr Mann schien wie von scheinung nicht aus den Augen verloren, ohne ihr auf weitert hat. Arbeiten Sie sich auch für den politischen einem Alpdruck erlöst zu sein, als er sich wieder im Besitze dringlich zu werden. Er verehrte sie wie ein Ideal noch Theil ein, so stelle ich Ihnen den Posten des Chefredakteurs des Raubes sah. Er arbeitete fast die ganze Nacht, um ihn immer. Ihr Name war bei der Bazaranzeige genannt in nahe Aussicht." zu ordnen und Pläne zu entwerfen, ihn in Sicherheit zu worden, und hatte auch ihn hingezogen. Die Der Baron hatte als gebildeter Mann Brambach aus­bringen. Erst heute hatte er aus schlauer Berechnung zarte poetische Art und Weise mit der Rose, reden lassen, ohne ihn zu unterbrechen. Jetzt begann er wieder eine Anleihe bei seinem Bauquier aufgenommen, das wodurch Clotilde ihr Intereffe und ihr Danfmit höflichem, aber etwas selbstbewußtem Wesen folgende, Geld sich ins Komtoir bringen lassen und dabei die Be- gefühl für ihn an den Tag gelegt, erfüllte mit spizer, hellklingender Tenorstimine vorgetragene Er­meifung hingeworfen: er habe zwar in der badischen Lotterie ihn mit solchem stummen Entzücken, daß er jetzt für sein widerung: einen ansehnlichen Gewinn gemacht und müsse dabei doch Ideal in heißer Liebe entbrannte. noch Geld borgen.

Was konnte ihm er­

Herr Kommerzienrath ! Ihr Anerbieten, sowie Ihre wünschter sein, als eine Einladung in ihr Vaterhaus, wo Bedingungen nehme ich um so lieber an, als mir dadurch Anderen Tages wurde das Brambach'sche Haus der er vielleicht auch seine Stillverehrte sehen und sprechen Gelegenheit gegeben wird, meine Stimme als Kritiker in Anziehungspunkt für mehrere adelige Personen. Sie tamen fonnte? Ihrem Blatte abgeben zu können. Außerdem habe ich eine 31var nicht per Wagen, sondern zu Fuß, das war aber um Brambach trat ein und begrüßte den jungen Mann Anzahl von Aufsäßen über interessante Tages- und Lebens­so schmeichelhafter für die Brambach'sche Familie, denn äußerst herzlich. Als er ihn genöthigt, Platz zu nehmen, fragen vollendet, welche ich zur Kenntniß des Publikums bringen Dabei überreichte er Brambach ein Manuskript. jedes wurde von persönlichem Interesse hierher getrieben. fette er sich, um als egoistischer Geschäftsmann eine Vor will." Brambach hatte den neuen Hausdiener Jean Barbo lesung zu halten. Sie sehen daher, ich komme, ausgerüstet mit fertigem im Hansflur postirt, damit er die Ankömmlinge anmelde neuen Stoff, und es soll mir angenehm sein, wenn und bediene, auch die blonde Christel war auf die Ankunft ich Ihnen auch für den politischen Theil etwas Arbeit ab. vornehmer Damen vorbereitet worden. nehmen kann." " Das ist mir lieb, und ich betrachte hiermit unser Uebereinkommen bis auf die schriftlichen Formalitäten als abgeschlossen," sagte Brambach, indem er sich erhob und dem Baron die Hand reichte. Er ließ dieselbe nicht sogleich los, sondern fügte erst noch seinen Worten die Bemerkung hinzu: " Da Sie nun gewissermaßen zu unserem Hause gehören, so verweilen Sie noch, daß ich Ihnen auch noch meine Familie vorstelle." ( Fortsetzung folgt)

24.

Der Baron von Rürdorf erschien zuerst und gab seine Rarte ab.

Jean hatte die Weisung, ihn in das Empfangszimmer zu führen und seine Anwesenheit zu melden.

Daß der Baron sofort seinem Rufe Folge geleistet hatte, kam einer Annahme der Stelle gleich. Diese müßte als wichtig, wenn auch vorläufig als unbedeutend dotirt ge­schildert werden, damit sie gut ausgefüllt würde und wenig toftete.

" Ihre Aufsäße", begann Brambach, die ich gelesen, haben mir sehr gefallen. Gefälliger, fließender Stil, neuer unterhaltender Stoff, findet immer eifrige Leser. Sind die Der Baron war ein vierundzwanzigjähriger schlanker Situationen originell, packend, die Personen sympathisch Mann mit blaffem Gesicht, langem Haar und einem kleinen geschildert, so steigert sich das Interesse und erstreckt sich Bartanfluge auf der Oberlippe. Er war überaus höflich, auch auf den Autor."