Morgenausgabe
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46. Jahrgang
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Dienstag
26. März 1929
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Innsbrud, 25. März.
Hugenbergs Brief.
dats zwischen Kirche und Staat die volle Zustimmung amerikanische Abgeordnete, Senatoren und sonstige Promider Katholiken habe".
Die Krise der deutschnationalen Partei. Natürlich wird die Deutschnationale Partei den Brief, den ihr Borsigender, Herr Hugenberg , an einige Hundert nente gerichtet hat, decken. Reine Rede Wilhelms II., mochte sie noch so abermizig sein, hat es gegeben, die von den den Ecken freilich gab es ein Zusammenstecken der Köpfe, ein Flüstern und Raunen. Wie lange noch?
Der Wahltag stand in Südtirol im Zeichen des Terrors. Die Behörden drängten rücksichtslos den Deutschen abgegeben, sondern auch die Italiener haben im ftaatserhaltenden" Parteien nicht gedeckt worden ist. In
viele von ihnen Abhängige zur Wahl. Besondere Verstimmung hat hervorgerufen, daß der Fürst bischof Endrici Trient alle Dekane seiner Diözese aufgefordert hat, dafür zu sorgen, daß sie und alle Untergebenen zu den Urnen gehen, damit die neue Kam mer zur Ratifikation und Anwendung des Kontor
Die 38 000 Stimmen in der Provinz Bozen sind nicht nur von Gegensatz zu früheren Wahlen geschlossen abgestimmt. 1921 gingen fast 99 Proz. der Wähler an die Urnen. Der deutsche Berband erhielt 36 574, die deutschen Sozialdemokraten 3993 Stimmen, die Italiener hatten gar keine Listen aufgestellt! 1924 erhielt der deutsche Verband 34 983 Stimmen, die Faschi= stenpartei brachte es trotz des Regierungsdrucks bloß auf rund 3000 Stimmen.
Die britischen Gemeindewahlen.
Weitere Erfolge der Arbeiterpartei.
2ondon, 25. März.( Eigenbericht.) Wie aus den weiteren Ergebnissen der Gemeinde wahlen hervorgeht, hat die Arbeiterpartei besonders in Yorkshire größere Gewinne erzielt und bort Dukende neue Site gewonnen.
Arbeitslofendebatte.staf?
London ( Unterhaus), 25. März.( Eigenbericht.). Die Arbeiterpartei hat ein Mißtrauensvotum gegen die Regierung beantragt, in dem das vielfache Bersagen gegenüber dem Arbeitslosenproblem festgestellt und die Regierung be
Die Pariser Beratungen.
Komiteeberichte an die Bollfonferenz.
Paris , 25. März.( Eigenbericht.) Die Sachverständigenkonferenz hörte abermals Rommissions. berichte. Das Revelstoke- Komitee ist über die Bedingungen der Ausgabe der deutschen Reparationsbons einig geworden. Diese Bons kommen natürlich nur für die Mobilisierung des ungeschützten Teils der deutschen Jahresleistung in Frage. Sie sollen zum Teil der Konvertierung der inneren Anleihen der intereffierten Länder, zum anderen Teil zur Aufbringung des Zwischengeldes an den internationalen Geldmärkten dienen. Das Berfins- Komitee ist über die fünftige Organisation der Sach lieferungen nicht vollkommen einig, weshalb denn das Plenum über die strittigen Punkte entscheiden soll: vor allem, ob die nach der noch von der Sachverständigenkommission vorgenommen oder ob sie einer späteren direkten Regelung durch die technischen Fachleute über lassen werden sollen.
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Die nächste Bolsitzung ist wahrscheinlich noch am Mittwoch, doch soll das dem Präsidenten Owen Young überlassen bleiben. Entgegen den Behauptungen der französischen Preffe muß festgestellt werden, daß der Reichsbankpräsident Dr. Schacht aus Berlin selbstverständ. lich neue Vorschläge nicht mitgebracht hat. Die Sachverständigen beratungen über die ziffernmäßige Festsetzung der tünftigen deutschen Jahresleistungen sollen in den nächsten Tagen mit größerer Energie betrieben werden. Sie werden sich nur um die letzten deutschen Angebote drehen können.
Heimwehrüberfälle auf Arbeiter.
Schwere Zusammenstöße bei Graz .
Wien , 25. März( Eigenbericht.)
Am Sonntag fam es in einem Grazer Vorort zu schweren Heimwehrtrawallen. Die Heimwehr hatte am
Bormittag in dem Vorort Graftorn eine Versammlung abge. halfen. Nach der Versammlung zogen sie an dem Arbeiterfußballplak vorüber und unternahmen einen Sturm auf die Ar. beitersportler. Sie hieben mit Gummifnappeln und Stahlruten auf sie ein. Schließlich wurden sie von Gendarmerie vertrieben. Um Nachmittag marschierten die Heimwehrleute, zu denen sich auch zahlreiche Mitglieder aus Graz und Umgebung gefellt hatten, wieder nach Graz zurüd. In dem Vorort Andrih unfernahm die Heimwehr einen Sturm auf das Gasthaus, in dem die Arbeitervereine ihren Sitz hatten, drangen bis in die Küche, zerstörten die ganze Einrichtung und schlugen auf die Arbeiter und Angestellten des Gasthauses ein. Sechs Perfonen wurden schwer verlegt, eine größere Anzahl leicht. Die Arbeiter wehrten sich selbstverständlich, wobei auch eine Anzahl
sonders verurteilt wird, weil sie es versäumt habe, die in= dustrielle Tätigkeit durch produktive Arbeit größeren Stiles zu fördern, jede tommunale produttive Tätigkeit gehemmt und feinerlei Umschulung derjenigen Arbeitslosen vorgenommen hat, die mit Beschäftigung in ben nächsten Jahren nicht rechnen tönnten. Abg. Grenfell betonte, daß die Regierung das Problem der Arbeitslosigkeit seinem Wesen und seinem Ausmaße nach ver= fannt und sich mit ihren Versuchen, das Problem zu lösen, in völlig falscher Richtung bewegt hat. Der Redner stellte entgegen tonservativer Behauptungen fest, daß sich im Kohlenbergbau, in der Eisen- und Stahlindustrie, im Schiffbau und im Maschinenbau die 3ahl der Erwerbslofen seit dem Jahre 1924 erhöht hat.
Heimwehrleute verletzt wurden. Wie die Heimwehrleute vorgegangen find, geht daraus hervor, daß fie auch im Nebenhaus, in dem fich ein bürgerlicher Berein befand, die ganze Einrichtung zerschlugen.
Die Versenkung der„ 3malone".
Englands Intereffe.
In maßgebenden Kreisen Londons ist man der Ansicht, daß, falls sich die tatsächlichen Umstände bei der Bersentung des englischen Schoners malone" durch amerikanische Wachtschiffe des Prohibitionsdienstes als den Berichten entsprechend herausstellen sollten, unbedingt ein Fall vorliege, der verlange, daß die englische Regierung die Untersuchung der Angelegenheit weiter per folgt. Das bei der Bersentung des Schoners ums Leben gefommene Mitglied der Besatzung war, wie aus New York gemeldet wird, französischer Staatsangehöriger. Der englische und der fran zösische Konful in New Yort haben eine Unterredung gehabt, in der fie fich mit den über die Angelegenheit bekanntgewordenen, Tatfachen befaßten.
Mit Hugenberg wird es nicht so lange dauern wie mit Wilhelm II.
Wie groß die Verlegenheit der Rechtspresse ist, zeigt sich darin, daß sie sich zumeist darauf beschränkt, folgenden Entschuldigungszettel der Deutschnationalen Pressestelle
abzudrucken:
"
Die Berliner Montagspost fragt unter Zeichen ungewöhnlicher Erregung, ob Dr. Hugenberg einen Brief, der dem Blatt von amerika nischen Zeitungen zur Verfügung gestellt wurde und den sie im Wortlaut veröffentlicht, tatsächlich geschrieben habe. Der Brief ist echt. Dr. Hugenberg hat ihn vor ein paar Wochen an sämtliche Senatoren und Abgeordnete, an die Gouverneure und Bürgermeister, an alle führenden Zeitungen und an hervorragende Persönlichkeiten des wirtschaftlichen und geistigen Lebens in Amerika gesandt.
Im Augenblick der für Deutschland lebenswichtigen Verhandlungen in Paris war es notwendig, den Amerikanern, die bei den Verhandlungen eine entscheidende Rolle spielen, ein Bild über die tatsächlichen Berhältnisse in Deutschland , die von der Linkspresse und zum Teil von amtlichen Stellen verschleiert werden, zu geben. Insbesondere war es notwendig, gegenüber den Lügen über die Deutschnationalen, mit denen das Ausland von der deutschen Lintspresse täglich gefüttert wird, den wahren Sachverhalt zu schildern. Dr. Hugenberg hat deshalb den Anregungen, die ihm in dieser Beziehung von amerikanischer Seite gemacht wurden, gern entsprochen.
Die Erregung der Berliner Montagspoft" gipfelt in der Forderung, daß sich die amtlichen deutschen Stellen mit dem Brief befassen sollen, da er die glatte Durchkreuzung der amtlichen deutschen Außenpolitit" ist. Daß ein Ulsteinblatt diese Forderung stellt, iſt um so bemerkenswerter, als es gerade die Ulsteinpresse ist, die bei den Pariser Berhandlungen die amtliche deutsche Außenpolitik durchfreuzt, indem sie den Franzosen in die Hände spielt.
Dieser Entschuldigungszettel ist im ersten Absaß eine Bestätigung, im zweiten eine Ausrede, im dritten eine Retourfutsche. Uns interessiert höchstens die Ausrede, und die ist lahm. Weder die Linkspresse noch amtliche Stellen haben nach Amerika Briefe geschrieben, um die Deutschnationalen zu denunzieren. Hugenbergs Borgehen ist zum mindesten und zunächst eine Geschmadlojigteit, die ohne Vorbild ist. zum zweiten aber ist es auch eine Ungeschicklichkeit. Hugenberg schreibt gleichsam hinter dem Rücken der deutschen Deffentlichkeit vertrauliche Briefe nach Amerika . Er überläßt seinen politischen Gegnern die Enthüllung seines Treibens. Besäße der Vorsitzende der zweitgrößten Partei Deutschlands ein wenig politischen Verstand, so wäre er der Enthüllung durch eine Veröffentlichung in der eigenen Presse zuvorge=
tommen.
dern was er schreibt. Er schreibt den Amerikanern, daß sie Hauptsache ist indes nicht, daß Hugenberg schreibt, sonDeutschland ein Geld borgen sollen, weil es 3 a h= lungsunfähig ist. Die Anleihen find gefährdet, die deutsche Währung ist gefährdet, das Chaos droht, der Bol= schemismus ist auf dem Marsche. All das soll in der Absicht geschrieben sein, die Pariser Reparationsverhandlungen günstig zu beeinflussen. Gerade, wenn man diese Absicht als Washington, 25. März.( Reuter.) vorhanden annimmt, muß man entseßt sein über die Naivität, mit der ein sozusagen führender" deutscher Politiker die Die Beamten des Staatsdepartements sehen den Fall der Ber: Wirkung seines eigenen Handelns verkennt. Die Pariser sentung des britischen Schoners, Imalone", der des Schmuggels mit Sachverständigen werden sich auf ihr eigenes Urteil verlassen. Spirituosen verdächtig war, durch zwei amerikanische Küsten - Würden aber weniger Urteilsfähige im Ausland Herrn machschiffe des Brohibitionsdienstes als ernst an.
Bericht des Kapitans.
Der Kapitän der malone", ein Ranadier, erklärte: Als wir vierzehn Meilen von der amerikanischen Küste entfernt waren, forderte ein amerikanisches Küstenwachschiff uns zur Uebergabe auf. Da wir ablehnten, eröffnete es das Feuer. Bir nahmen jüdlichen Kurs und wurden von dem Küstenwachschiff zuerst mit Granaten beschossen und dann aus Maschinengewehren. Ein anderes amerikanisches Küstenwachschiff stieß zu dem erſten. Die Jmalone" erhielt abermals den Befehl zur Uebergabe, aber ich lehnte auch diesmal ab. Als wir uns ungefähr 225 Meilen vor New Orelans befanden, wurden etwa hundert Granaten auf die Imalone" abgeschoffen, die darauf unterging. Die Besatzung wurde von den Küstenwachschiffen aufgenommen und in Ketten nach New Orleans gebracht.
,, Herald and Tribune" hebt in der Ueberschrift hervor, daß der Kapitän der Imalone" die Versenfung als feige Handlung bezeichnet und den Angriff auf das Schiff mit dem U- Bootkrieg verglichen habe.
Hugenberg glauben, so wäre eine tatastrophale Schäbigung der deutschen Wirtschaft die Folge.
Glücklicherweise ist der Brief Hugenbergs so gehalten, daß er in Amerita wenig Gläubige finden wird. Die parteipolitische Absicht ist allzu dick aufgetragen, die versuchte Anbiederung zu würdelos. Der deutschnationale Führer hat den Geschmad, in einem Brief an Ausländer einen Teil des deut schen Volkes als den„ inneren Feind" zu bezeichnen, diesen schen Volkes als den inneren Feind" zu bezeichnen, diesen Ausländern selber aber ohne Unterschied der Partei. erflären: Unsere Sache ist euere Sache!" Dieser nationale Mann ist also bereit, gemeinsam mit dem Bolt, das uns im Kriege besiegt hat, gegen die eigene Regierung zu gehen. Das wird drüben viel Erstaunen hervorrufen, aber wenig Gegenliebe finden.
gu
Die Deutschnationale Partei fann die Berantwortung für das phantastische Treiben dieses Mannes nicht ablehnen. Sie hat ihm nicht nur ein Mandat zum Deutschen Reichstag gegeben, von dem er übrigens so gut wie feinen Gebrauch macht, sondern ihn auch zu ihrem Borsigenden gewählt. Die Der Schiffsname bedeutet ,, I am alone", b. h. ich bin allein". Schädigung Deutschlands im Auslande, die er bewußt oder