Nr. 17.
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Vorwärts
13. Jahrg.
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Redaktion: SW. 19, Benth- Straße 2.
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Dienstag, den 21. Januar 1896.
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Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3.
Man muß übrigens gestehen, daß Kaiser Wilhelm sich zu bemühen scheint, uns die Achtung vor der Reichseinheit zu erleichtern, wenn er, wie bei der gestrigen Jubelfeier, anstatt schmerzliche Erinnerungen hervorheben und schlecht vernarbte Wunden zu öffnen, die koloniale Ausbreitung des Reiches betont und dem greater Britain " ein größeres Deutschland " gegenüberstellt."
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daß auch Kaiser Wilhelm I. und Kaiser Friedrich III.| ihre Pflicht ihm zu helfen, daß dieses größere Deutsche Das größere Deutschland . gleicher Ansicht mit ihrem Enkel und Sohne waren, Reich fest an das heimische gegliedert werde. Der Ausdruck aber das Geschichtsurtheil wird nicht dabei stehen größeres Reich" paßt nicht auf Handelsbeziehungen eines Wie bei früheren Gelegenheiten ist einer wenig bleiben, jene Staatsumwälzung der Jahre 1866 bis 1871 Bandes mit anderen Ländern, mögen auch diese Handelsfagenden Thronrede, die unter Gegenzeichnung des als ein nach Ursache und Wirkung rein persönliches beziehungen zum theil in den Händen von Angehörigen des Fürsten Hohenlohe als Kundgebung der Reichsregierung Ereigniß aufzufaffen. Judeß akademische Erörterungen über ersteren liegen. Die Angliederung dieses Handels ist auch der Deffentlichkeit übergeben wurde, eine persönliche die Würdigung von Geschichtsvorgängen können wir hier nicht das Werk von Haupt- und Staatsaktionen. Der AusMeinungsäußerung des Kaisers nachgefolgt, die in die Tages- beiseite lassen. Uns interessirt vornehmlich die Anregung druck größeres Deutsches Reich führt uns überhaupt auf politik eingreift und die politischen Parteien zur Würdigung für die deutsche Politik, die in dem letzten Theile des kaiser eine ganz andere Spur. der darin angebahnten Politit nöthigt. Beim Prunkma hl lichen Trinkspruchs enthalten ist. Vor Jahren hat der englische Politiker Sir Charles im königlichen Schlosse zur Jubelfeier der Reichsgründung Diese politische Anregung zerfällt in zwei Theile: in Dilfe ein Buch veröffentlicht, in dem er das englische brachte Kaiser Wilhelm II. folgenden Trinkspruch aus: eine Forderung und in deren Begründung. Beide Kolonialreich als„ greater Britain", das größere Britannien " Der heutige Tag, ein Zag dankbaren Rückblicks, wie das Bestandtheile der Anregung stehen nun leider nicht in( eine Erweiterung von Großbritannien ) anspricht. Mit ganze Jahr in allen seinen Feiern, ist eine einzige einem zwingenden ursächlichen Zusammenhange und die diesem Größeren Britannien", das in England zum Schlaggroße Dantesfeier und Gedenkfeier für den hoch Begründung ist anfechtbar an sich. Sie läßt nicht mit worte geworden ist, wurde aber das britische Kolonial: feligen großen Raiser. Ueber dem heutigen Tage ruht völliger Klarheit erkennen, was der Kaiser gemeint hat mit reich gemeint. Nun sind denn auch verschiedene Leute auf der Segen, schwebt der Geift deffen, der in Charlottenburg , und dem Weltreich", zu dem das Deutsche Reich geworden sei. Die Vermuthung gekommen, dem Kaiser schwebe der gleiche Man hat bisher das Wort Weltreich augewandt auf Gedanke vor. Eo hat das französische Blatt, Temps" geäußert, dessen, der in der Friedenskirche gebettet ist. Was unsere Väter Staatsgebiete, die durch Eroberungen und Kolonisationen und das Wolff'sche Bureau hat es hierher gemeldet: erhofften, was die deutsche Jugend träumend gesungen und ge- über das engere Gebiet des ursprünglichen Mutterlandes wünscht hat ihnen, den beiden Kaisern, ist es verweit hinausgewachsen waren. Ein solches Weltreich war das gönnt gewesen, das Deutsche Reich mit den römische; eine zeitlang konnte das spanische Staatsgebilde Fürsten sich zu erkämpfen und wiederherzu auf diese Bezeichnung Anspruch erheben. Neuerdings ist das ft ellen. Wir dürfen dankbar die Vortheile genießen; wir britische Reich zu einem Weltreich nach römischem Vorbilde dürfen uns des heutigen Tages freuen. Damit geht auf uns ausgewachsen; auch Rußland hat man ein Weltreich gejedoch die ernste Pflicht über, auch das zu erhalten, was die nannt; mehr wegen des bedeutenden Umfanges seines außer europäischen Gebietes und der vielfachen politischen Behohen Herren uns erkämpft haben. Aus dem Deutschen ziehungen, die sich daraus für Rußland gegenüber den beReiche ist ein Weltreich geworden. Ueberall in fernen drohten Nachbarländern ergeben, als wegen der eigenen Theilen der Erde wohnen tausende unserer Landsleute. Deutsche Bedeutung des spärlich bevölkerten asiatischen Rußlands . Ein Güter, deutsches Wissen, deutsche Betriebsamkeit gehen über den Weltreich in diesem Sinne wie Großbritannien und RußDzean. Nach tausenden von Millionen beziffern sich die land kann man aber kaum Frankreich nennen troß seiner Werthe, die Deutschland auf der See fahren hat. An Sie, ausgedehnten Kolonien, oder man müßte auch Holland zu meine Herren, tritt die ernste Pflicht heran, mir den Weltreichen" zählen. Ganz sicher ist aber das Deutsche zu helfen, dieses größere Deutsche Reich Reich kein Weltreich in dem Sinne, den man bisher mit auch fest an unser heimisches zu gliedern. Rolonialgebiet kann, falls man ihm überhaupt eine Be auch fest an unser heimisches zu gliedern. diesem Ausdruck verbunden hat, denn Deutschlands Das Gelöbniß, was ich heute vor Ihnen ablegte, es deutung zurechnen will, sich nicht einmal mit dem Spaniens fann nur Wahrheit werden, wenn Ihre von einheitlichem, oder Hollands messen. patriotischem Geifte beseelte, vollste Unterstügung mir zu theil wird. Mit diesem Wunsche, daß Sie in vollster Einigkeit mir helfen werden, meine Pflicht nicht nur meinen engeren Landsleuten, sondern auch den vielen tausenden von Landsleuten im Auslande gegenüber zu erfüllen, das heißt, daß ich sie schützen kann, wenn ich es muß, und mit der Mahnung, die an uns alle geht: Was du ererbt von deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen", erhebe ich mein Glas auf unser geliebtes deutsches daß das Deutsche Reich zu einem solchen Weltreiche geworden Einer solchen Ausnutzung des kaiserlichen Trinkspruches Vaterland und rufe: Das Deutsche Reich hoch!- und nochmals sei. Denn deutscher Handel ging auch vor der Gründung kann nicht früh und energisch genug entgegen getreten hoch! und zum dritten Mal hoch!" des Reichs in alle Welt, deutsche Gewerbetreibende waren werden. Ein zwingender Grund unsere Marine au verSie reicht zur Erfüllung ihrer Die in dem vorstehenden Trinkspruch zum Ausdruck auch vordem allerorts thätig. Alle diese Beziehungen haben mehren liegt nicht vor. gekommene Auffassung des Kaisers, daß der 18. Januar sich zwar vermehrt, wie bei der fortschreitenden Kultur Aufgaben, den deutschen Handel wie die Deutschen im Mit Englands Flotte in vie das ganze Jahr eine einzige große Dantesfeier für den entwickelung auch andere Länder überall ihre Weltbeziehungen Auslande zu schützen völlig aus. einen Wettbewerb einzutreten, haben wir weder die Mittel Kaiser Wilhelm I. sei, theilen wir ebenso wenig wie die erweitern. historische Ansicht, daß die beiden Kaiser das Reich sich Es paßt dazu auch nicht die Mahnung des noch irgend welchen Anlaß. erkämpft und wieder hergestellt haben. Möglich wäre ja, Raisers die Gäste des es des Prunkmahls, sei
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Clotilde.
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Wir glauben nicht, daß der Kaiser direkt an eine solche Gegenüberstellung" gedacht hat, denn das Mißverhältniß der beiden Kolonialreichs- Größen ist doch ein zu auffälliges. Uns ist es aus allen diesen Gründen nicht klar geworden, was denn eigentlich Kaiser Wilhelm II. mit seinem Trinkspruch bezweckt hat.
Leider haben aber chauvinistisch veranlagte Gemüther in Deutschland die Worte des Kaisers, besonders die Anspielung auf die Unterstützung", die er beansprucht, dahin Kriegsflotte angebahnt werden solle. So schreibt die" Deutsche gedeutet, daß damit eine erhebliche Mehrforderung für die Warte":
Eine neue Marinevorlage soll, wie man mehrDoch vielleicht haben dem Stuer Wilhelm II. bei der fach hört, von der Reichsregierung geplant werden. Die Rede des Bezeichnung„ Weltreich" diejenigen Beziehungen des Deutschen Kaisers bei der Tafel am Sonnabend wurde vielfach als eine Reiches vorgeschwebt, die sich daraus ergeben, daß zahlreiche Andeutung für die an hoher Stelle empfundene Nothwendigkeit der Verstärkung unserer maritimen Kräfte angesehen. Von einer Reichsangehörige im Auslande erwerbsthätig sind und daß Seite wird sogar behauptet, baß, wenn der Reichstag nicht der Handel Deutschlands durch die ganze Welt gebt. Darauf bewilligungsbereit sei, an eine Auflösung des Reichs. würden die Ausführungen des Kaifers über den deutschentages gedacht werden würde. Es ist jedenfalls nicht aus. Handel hindeuten. geschlossen, daß wir direkt vor ereignißreichen Wendungen der Zu dieser Auffassung paßt aber nicht die Wendung, inneren Politit stehen."
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Noch mehr", entgegnete Bergkuhn überlegen ,,, wird Georgine überflog die Aufschrift und sagte:„ D, Herr ( Nachdruck verboten.) die Gröffnung Sie erfreuen, daß in der feinen Gesellschaft von Bergkuhn, diesen Brief schnell zu besorgen, übernehmen Roman aus der Gegenwart von allgemeine Befriedigung herrscht über das Auftreten von Sie wohl statt meiner, da meine Rousine, wie es scheint, H. W. M. von Walthausen. Frau und Fräulein Brambach im Bazar. Ich muß den Eile hat." Dabei gab Sie Bergkuhn den Brief. Georgine wollte sich jedoch kein Wort entgehen lassen, Damen gratuliren. Meine Familie und ich werden bemüht während das Interesse Clotilden's ein getheiltes schien. sein, allerwärts rühmend Ihren Namen zu erwähnen. BeDachte sie an den Baron? sonders aber wünsche ich Fräulein Brambach Glück zu solchem Erfolge."
Dieser schob ihn in die Tasche und sagte:" Sehr gern. Doch auch Ihnen, gnädiges Fräulein, fann ich dienen, mein Wagen hält nicht weit von hier, nehmen Sie ihn und mein Geleit bis dahin."
Blanka sagte kein Wort, fie verbeugte fich und ging aus der Thür, ließ dieselbe aber offen und schien es nicht ungern zu bemerken, daß Bergkuhn ihr, nach kurzem
Sie erhob Brambach und Georgine traten ans Fenster, sahen den aller Blicke beiden nach, wie sie einem an der Straßenecke haltenden Wagen zueilten.
Und doch war Bergkuhn's Rede nur für sie berechnet gewesen. Er war sich sofort klar, daß es besondere Als nach diesen Worten Bergkuhn Clotilden's Hand Motive sein mußten, welche den bisher unabhängigen Baron, erfaßte, sagte Georgine: Auch ich habe mich für Sie den Streitkopf, in das Lager eines ihm abholden, ihm bemüht." Sie öffnete die Thür zum Nebenzimmer. feindlichen Blattes getrieben. Der verliebte Blick, den der Der Zufall wollte, daß Blanka von Boheimb, welche Abschiedsgruße für die Zurückbleibenden, eiligen Schrittes Baron beim Abschiede Clotilden gespendet, war ihm nicht gegenüber der Thür mitten im Zimmer saß, mit ansah, folgte. entgangen, und das hatte Bergtuhn's Haß und Eifersucht wie Bergkuhn Clotilden's Hand füßte. sich geräuschvoll und leukte dadurch aller erregt. Für Brambach waren die eben gehörten Enthüllungen auf sich. äußerst werthvoll. Er dachte, während Bergkuhn sprach: Auf ein Wiedersehen solcher Art mit Bergkuhn schien Taß der Baron etwas linkisch aufgetreten, und mit Blanka nicht vorbereitet. Sie hatte ihre sonstige Ruhe verder Feder routinirter war als im Benehmen Damen gegen- loren. Einen Augenblick stand fie, stechenden Auges dem über. Das stinimte ja, aber das war fein großer Fehler verlegen dreinschauenden Bergkuhn gegenüber. und konnte auch Befangenheit gewesen sein. Daß aber Brambach begriff sie zuerst und rettete fie aus der dieser Bergkuhu sich vor ihm fürchtete, Freundschafts - peinlichen Situation, indem er ausrief:" Ah! Willkommen, beziehungen mit ihm pflog und doch sein erbittertster Feind gnädiges Fräulein!" war, das sprach zu gunsten des Barons und sicherte ihm Theilnahme. Gewiß hatte er den Muth gehabt, das Treiben dieses Wollüftlings zu brandmarken. Ein Tadel aus solchem Munde wurde zum Lobe für den Baron.
Die Winke für sein Blatt waren Brambach sehr schätzbar. Er erging sich daher in folgenden Redensarten, als Bergkuhn geendet:
Verzeihung, daß ich störe!" brachte Blanka mühsam hervor, Dir, Georgine, wollte ich nur diesen Brief übergeben, ich muß sogleich wieder gehen."
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Sie suchte, zitternd vor Erregung, in ihrer PompadourDiesen Augenblick benutzte Bergkuhn, sich ihr zu nähern mit den Worten: Wie preise ich das gütige Bin Ihnen sehr dankbar, Herr Legationsrath, daß Geschick, Sie, gnädiges Fräulein, zu sehen und zu begrüßen." Sie sich zu mir bemüht. Durch Ihren werthvollen Besuch Blanka verbeugte sich, ohne ihr hochgeröthetes Antlig habe ich wichtige Mittheilungen und Fingerzeige bekommen, zu erheben, und gab Georgine einen Brief, zur Thür die ich auch in Ihrem Intereffe verwerthen will." schreitend.
Bergkuhn sprach mit dem Rutscher und wollte eben Blanka bei dem Einsteigen behilflich sein, als diese den ver bindlichen Gruß eines vorübergehenden Herrn erividerte.
Der Grüßende war der Dr. Langenberg. Auch er sah Blanka an der Seite Bergkuhn's im Wagen und diesen in entgegengesetzter Richtung vom Schlosse vorüberfahren.
Wollte nun Dr. Langenberg diese Neuigkeit der Brambach'schen Familie mittheilen, oder wollte er ihr einen Besuch machen? kurz, er leukte seine Schritte nach dem Brambach'schen Hause.
,, Der Doktor tommt herauf", sagte Clotilde, welche ebenfalls den Vorgang beobachtet hatte. Wieder zeigte sich auf ihrem jugendfrischen Angesicht eine zarte Röthe, sie eilte hinaus, um selbst die Etagenthür zu öffnen. Ah! der Herr Doktor", mit diesen Worten ging Brambach dem Eintretenden entgegen.
Gut, daß Sie kommen," fügte Georgine hinzu, ich habe ein Anliegen an Sie."