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Der Abend
Erfoeist täglich außer Sonntags. Sugleich Abenbausgabe des Vorwärts". Bezugspreis Beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, 3,60 m. pro Monat. edaktion und Expedition; Berlin SW 68, Lindenstr.3
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Spalausgabe des„ Vorwärts"
10 Pf.
Nr. 155
B 77 46. Jahrgang.
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Höllenmaschine im Reichsamt.
Der Sprengstoff- Farmer vor Gericht.
Moabit hat nach langer Dause wieder einen großen Tag. Jm großen Schwurgerichtssaal begann heute vormittag die Berhandlung gegen die Farmer Cangkopp und Coof. Die Verbände der Auslandsdeutschen wollten diesen Prozeß mit einer Sympathiekundgebung für die Angeklagten einleiten. Sie wollten damit die Berfeldiger der beiden Farmer in ihrer Arbeit unterstützen, wollten zeigen, daß gleich Cangkopp Taufende von Auslandsdeutschen um die ganze Habe gebracht worden find. Der Aufruf haffe erreicht, daß die Polizei besondere Vorkehrungen traf, um Anfammlungen rechtzeitig zu zerstreuen; sonst war der Berfuch, vor dem Gerichtsgebäude eine Demonstration zu machen, an der geringen Teilnehmerzahl gefcheifert Bor dem Tribüneneingang zum Schwurgerichtssaal jammelten sich etwa 300 Personen, die verfuchten, in den Schwurgerichtsjaal Einlaß zu bekommen. Da fomohl an die Preffe wie auch für die Zuschauertribüne Karten ausgegeben wurden, vollzog sich die Besetzung des Zuschauerraumes ohne Störungen. An die Zeugen, Sachverständigen und Proseßteilnehmer wurde ein Gedicht verteilt, in dem die Tat Langtopps verherrlicht wurde.
Berhandlungsbeginn.
Büntlich 10 Uhr beginnt Landgerichtsdirettor Dr. Ziegel die Berhandlung. Der Angeffagte Langkopp schildert als Hauptangeflagter bis in die Mittagsstunden hinein sein Borfeben und feine Handelsgeschäfte in den Kolonien. Bon den Farbigen und von den Chinesen sprach der Angeklagte immer nur von erlen" und Banden". Sehr eingehend berichtete er über seine Be teiligung am Weltfrieg. Ueber seine Internierungszeit erzählte er, daß damals die Regierung zweierlei Deutsche gekannt habe. Die taiserliche Regierung hat zwar während des Krieges nach den Internierungslagern Ged geschickt, das aber nur zur Unterstügung für die Beamten bestimmt war. Auch in ben Fraueninternierungs agern wurden nur die Beamtenfrauen non der Regierung mit Geld versorgt. Für die naive Borstellungsart des Angeklagten Langtopp spricht eine Episode, die er breit und ausführlich schilderte. Als er nämlich 1920 Entschädigungen haben wollte, fagte ihm der Beamte, daß erst an das Ausland gezahlt werden müsse, weil das Ausland Gewaltmittel in der Hand habe, Zahlungen zu erzwingen. Und er müsse eben war. ten, weil er teine Gewalt hinter sich habe. Damals fchon scheint in dem Angeklagten ber Gedanke entstanden zu sein, man müsse auch Gewalt anwenden, um den Schaden ersetzt zu er ballen. Mehrere Male versucht der Angeklagte, agitatorische hrasen gegen das heutige Staatsin stem anzubrin gen, wobei er vom Zuschauerraum her durch zurufe unterstützt murde. In einer Berhandlungspause versucht sogar ein befonders aufgeregter Tribünenbesucher an den Vorsitzenden eine Rede zu halten. Der Vorsitzende nahm die Sache mit Humor auf und ver zichtete sogar darauf, den Mann aus dem Gerichtsfaal entfernen zu laffen.
Der Angeklagte Langlopp,
ein Mann von 53 Jahren, macht faum den Eindruck eines Farmers. Mit seinem grauen, furzgehaltenen Spizbart und der goldenen Brille sieht der mittelgroße, ziemlich schmächtige Mann einem Gelehrten ähnlich. Langkopp und der wegen Beihilfe mitangeflagte Loof haben nicht auf der Anklagebant Plaz genommen, sondern auf Stüh'en vor ihren Berteidigern, den Rechtsanwälten Dr. Luetgebrune- Göttingen und Dr. Frey. Nach dem Eröff. nungsbeschluß ist Langkopp angeklagt, am 2. März 1928 im Bezirk des Amtsgerichts Berlin- Schöneberg fünf selbständige Hand lungen verübt zu haben, u. a. um sich einen rechtswidrigen Bermögensvorteil zu verschaffen", den Direktor beim Reichsent fchädigungsamt für Kriegsschäden Geh. Justizrat Bach durch Drohungen zu Handlungen genötigt zu haben, nämlich zur Ausstellung einer Staffenanweifung über 100 000 T., zur Anordnung der Aus zahlung von 10 000 m in bar an den Angeschuldigten Banglopp und zur Aushändigung eines Baricheds über 90 000 m. an den Angefchuldigten Loof. Hierin erblickt die Anflage eine Erpreffung unter Anwendung von Drohungen mit gegenwärtiger Gefahr für Leib und Leben. Weiter wird Bangkopp beschuldigt, der Bedrohung bes Totschlags gegenüber dem Präsidenten Dr. Rarpinsty und dem Geheimrat Bach und anderen Personen, schließlich des Berbredens gegen das Sprengstoffgefeß, weil er den Sprengtoffer, der mit 1 Pfund Sprengpulver( Gecago- Schwarzpulver) gefüllt war, in der Abficht angeschafft und irn Besitz gehabt habe, durch Anwendung des Sprengstoffes Gefahr für das Eigentum, die Gesundheit und das Leben herbeizuführen. Der fünfte Anflagepunkt betrifft un( Fortsetzung auf der 2. Geite)
Neuer Winter im Frühling.
Nachts 3 Grad Kälte.- Mittags 0 Grad.
Die Wetterverhältniffe haben sich weiter sehr un- 12 bis 3 Grad. Bei leichtem Nordwind schneit es weiter. Der Vergünftig entwidelt Die Temperaturen, die schon gestern tehr auf den Landstraßen ist durch den neuen Schneefall neuerdings tagsüber fehr niedrig lagen, gingen in der vergangenen Nacht erheb- erschwert. lich zurüd. Die fieffte Temperatur befrug 3 Grad kälte. Bei minus% Grad fette in den Morgenstunden jogar ein heftiges Shneetreiben ein, das jedoch nur von furzer Dauer war.
Offerspaziergang 1929.
Husten
Boben
Fauft:„ Das Eis fleht noch auf Gee und Bächen, Der Regen peitscht mir das Genic,
Ich fühle in der Nase tribbelnd Stechen; Rein, nein, ich fehre nach der Stadt zurück."
Besonders die Außenbezirke wiesen ein recht winterliches Bild auf; Straßen und Pläke waren mit einer starken Schneedede überzogen. Mittags um 12 Uhr wurden in der Innenstadt 0 Grad gemessen.
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Schneefall in Oft, West- und Mitteldeutschland. Dienstag eingetretene Schneefall am Dienstag nachmittag in Wie aus Görlitz gemeldet wird, ging der in der Nachi zum Regen über; der Schnee nahm aber bei bei sintender Temperatur in den Abendstunden wieder festere Formen an, so daß am Mittwoch früh überall eine Neuschneedede von etwa fünf 3entia metern lag. Die tiefste Temperatur nachts betrug minus 3,2 Grad. Die Fernsprechstörungen durch die neuen Schneefälle. dauern in stärkerem Maße auch heute noch fort; im Ortsnetz find noch weit über 200 Anschlüsse gestört. Auch zahlreiche Fernleitungen find geriffen, besonders schwer find die Leitungen nach der fächsischen Oberlaufig in Mitleidenschaft gezogen. 3n ganz Oberbaden fällt bei einer Temperatur um den Nullpunkt Schnee. Der Felda berg: meldet zu gleicher Zeit eine Temperatur von minus. 8 Grad. Der Dienstag hat im südlichen Schwarzwald eine Neua schneedede von 15 Zentimeter gebracht, mährend in den Tälern und in der Ebene die wärmere Tagestemperatur den Schnee teilweise wieder wegschmolz. In der Nacht zum Mittwoch ist auch in Leipzig Schnee gefallen. In der Morgenfrühe des Mittwoch lag Leipzig und seine Umgebung im Winterkleide. Bei einigen Graden unter Null find in Hamburg und seiner Um gebung während der vergangenen Nacht leichte Schneefälle niedergegangen, die Straßen und Plätze mit einer dünnen weißen Schicht bedeckten. Am Mittwochmorgen scheint bei flarem, blauen Himmel die Sonne, unter deren Einwirkung der Schnee überall rasch dahinschmolz. Die fälteste Temperatur während der Nacht betrug nach Feststellung der Deutschen Seewarte in Hamburg drei Grad unter Rull. Um 8 Uhr morgens wurden in der Stadt noch 2 Grad Kälte gemessen.
Temperatursturz in Mittelfrankreich.
Nach den verhältnismäßig warmen Ostertagen ist in Mittela frankreich ein empfindlicher Temperatursturz eingetreten. Bährend die Temperatur beispielsweise am Ostermontag bis auf 22 Grad Wärme angestiegen war, fiel am Dienstag vormittag das Thermometer in der Pariser Gegend auf plus 2 Grad und in der nordöstlichen Bannmeile sogar auf 1 Grad Kälte. In Savonen fiel reichlich Schnee. In der Auvergne ist ebenfalls feit, Dienstag früh Schneefall zu verzeichnen. Wegen des außerordentlich starken Osterverkehrs mußten von Paris aus die Züge nach allen Richtungen verdoppelt werden, um die 600 000 Ausflügler befördern zu können.
Alle Führer der Sozialdemokratie verhaftet.
Nach den vorliegenden Anzeichen dürfte es sich damit aber auch Königsberg , 3. April. ( WTB.) um den legten Schnee handeln. Ueber Polen lag mit dem Nach hier eingegangenen Nachrichten aus Kowno 3entrum über Lemberg eine Störung, die in ganz Deutschland hat die Polizei gestern abend fast alle führenden Schneefälle verursachte. Im Südosten waren die Schneefälle be- Mitglieder der Sozialdemokratischen Parfonders ergiebig. Auf der Schneekoppe find beispielsweise 20 Zentitet Litauens , darunter Galinis, Beilinis und Die Kälte belle erstreckt sich über das meter Neufchnee gefallen. Kairies verhaftet. gesamte Reich. In Westdeutschland wurden heute früh um 8 Uhr 1 Grad. in Mitteldeutschland 2 bis 3 und in Ostpreußen fpgar 5 Grad Sälte gemessen. Für die nächsten Lage ist mit einer Erwärmung no nicht zu rechnen. Von Standinavien rückt zwar langfani ein hochdrudgebiet heran, das wohl Aufheiterung, aber vorläufig noch fein Ansteigen der Temperaturen mit sich bringen dürfte. Nachts wird überall starfer Frost zu verzeichnen lein und die Tagestemperaturen werden 1 bis 2 Grad über Null faum übersteigen.
Hirschberg, 3. April
Im Riefengebirge hält der starte, Schneefall an. Bis Mittwoch vormittag war auf dem Hochgebirge und in den Bor bergen etwa ein halber Metet Neuschnee gefallen. Die Schneehöhe auf dem Kamm beträgt wieder etwa andert halb Meter. Selbst im Tal liegt wieder eine zusammenhängende Schneedede von 20 bis 25 Zentimeter. Mittwoch vormittag waren auf dem Kamm und in den Vorbergen 7 Grad Kälte, im Tal etwa
Nach dem Angaben der Polizei handelt es sich um die Aufhebung einer geheimen Versammlung in den Redaktionsräumen des Blattes Sozialdemokratas". Demzufolge wurde das Zeitungsgebäude gestern abend von Kriminalpolizei umstelft, die alle in den Redaktionszimmern anwesenden und alle das Gebäude betretenden, im ganzen über 100 Personen, festnahm.
Im Zusammenhang mit dieser Aktion der Polizei steht offenbar auch die polizeiliche Durchsuchung der Räume des Zentralfomitees der der Arbeitsföderation ( linker Zweig der christlichen Demokraten), bei der mehrere führende Mitglieder der Arbeitsföderation verhaftet und die Originale der Protokolle und Entschließungen der letzten Parteikonferens beschlagnahmt wurden.