Der Abend
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Nr. 252
B 125 46. Jahrgang.
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Es wird als sicher angesehen, daß Baldwin beschließen wird, am 25. Juni vor das neue Parlament zu treten und den Liberalen die Verantwortung zu über lassen, ihn durch ihre Abstimmung zu stürzen. Da jedoch eine Verbindung der konservativen und der libera. len Stimmen im Unterhaus nur einen sehr geringen Sicherheitsspielraum lassen würde, so ist es auch möglich, daß nach Zusammentritt des Parlaments fich Baldwin dahin entscheiden wird, daß er die Regierung nicht in nütlicher Weise weiter führen kann. Indessen muß wiederholt darauf hingewiesen werden, daß ein Rücktritt der Regierung vor dem Zusammentritt des Parlaments nicht zu erwarten ist.
Die letzten Ziffern.
Mehr fonservative Stimmen, weniger Mandate.
London , 1, Juni.( Elgenbericht.)
Bisher find 599 Ergebnisse von insgesamt 615 Wahlfrelsen befaunt. Es erhielten Mandate: Arbeiterpartei 289( Gewinn 129, Verlust. 4), Konservative 252.( Gewinn 3, Berluff 138),
Köpfe aus der englischen Arbeiterpartei
Oben:
Liberale 54( Gewinn 29, Berluft 19), Parteilofe 6( Gewinn 3, Snowden, Mosley, Henderson
Verlust 2).
Um 9 Uhr abends stellten sich die für die Parteien abgegebenen Stimmen wie folgt dar: Konservative 8 501 579, Arbeiterpartei 8 306 477, Liberale 5 220 577, Unabhängige 220 369, Kommunisten 50 614. Wie aus diesen Ziffern hervorgeht, haben die Konservativen ihre Niederlage erlitten, obwohl sie beinahe 200 000 Stimmen mehr erhielten als die Arbeiterpartei.
Von den von den Parteien aufgestellten 69 weiblichen Kandi. daten sind lediglich 13 ins Parlament gewählt worden.
Der Führer der britischen Arbeiterpartei Macdonald war gestern abend bei seiner Rückkehr nach London auf dem Kings- CroßBahnhof Gegenstand stürmischer Ovationen einer nach Taufenden zählenden Menschenmenge.
Lediglich ein Teil der Morgenpresse beschäftigt sich mit der Erörterung der Konsequenzen, die sich aus der neuen parlamentarischen Lage ergeben. Die Auffaffungen im fonservativen Lager fcheinen geteilt zu sein. Der fonfervative ,, Daily Telegraph " befont, der Gedanke an einen Rüdfritt Baldwins fönne angesichts der Tatsache, daß teine andere Partei eine Mehrheit habe, weder für ihn noch für seine Partei erträglich sein. Das verfassungsmäßige richtige Borgehen sei, sich dem neuen Unterhaus zu stellen und die Berantwortung für das Berbleiben und Nichtverbleiben dem Parlament zu überlassen. Im Gegensah hierzu betont die rechtstonfervative Morningpoft" als einziges Blatt den tatastrophalen Ausgang der Wahlen. Außer der Erkrankung des Königs gebe es feine Ueberlegung, die Baldwin dazu veranlaffen könnte, auch nur einen Augenblid länger in der Regierung zu bleiben, als die Borbereitungen für einen Wechsel notwendig machten.
„ Daily Herald", das Blatt der Arbeiterpartei, erklärt, Baldwins Pflicht liege tlar zutage. Der fonfervative Ministerpräfident tönne einen Teil der Leiden, die er und feine Kollegen ihren fandsleuten zugefügt hätten, dadurch mildern, daß er zurad. frefe und es dem vom Bolt gewählten Führer Macdonald ermögliche, vor das Parlament zu trefen und das Werk wieder aufzunehmen, das durch eine Intrige im Jahre 1924 unterbrochen wurde.
Der fommunistische Zusammenbruch. Wie gemeldet wird, hat die Universität London ihren bisherigen parteilofen Bertreter wiedergewählt.
Das neue Barlament wird 13 Frauen zählen gegen 9 im alten Barlament; davon gehören drei der Konservativen, neun der Arbeiter und eine der Liberalen Bartel an.
Der vollständige Mißerfolg der Kommunisten wird durch die Tatsache dokumentiert, daß einer ihrer 25 Kandidaten gewählt wurde und daß 21 von ihnen die hinterlegte Geldsumme ver lieren, da sie das erforderliche Stimmenminimum nicht erhalten
haben.
Lynchjustiz gegen Recer.
New Bort, 1. Sunt. 3n Alamo( Kansas ) stürmten mehrere hundert Einwohner das Gefängnis und hollen nach Ueberwältigung der Wachmannschaften einen 19 Jahre alten Neger heraus, der angeflagt war, eine 40jährige Frau umgebracht zu haben. Er wurde außerhalb der Stadt an einem Baum aufgehängt.
Unien:
Thomas, Ponsonby, Clynes
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Ein menschlicher Rumpf bei Schildhorn.
Durch einen grausigen Fund, der heute vormittag in der Havel gemacht wurde, glaubt die Berliner Kriminalpolizei auf die Spur eines Kapitalverbrechens gekommen zu sein.
Dicht bei Schildhorn sahen Fischer, die ihren Kahn dicht am Ufer fortbewegten, im Wasser einen Leichenteil treiben. Mit Ufer fortbewegten, im Wasser einen 2eichenteil treiben. Mit einem Bootshaken zogen sie den schaurigen Fund ans Ufer. Hier ertannte man, daß es sich um einen menschlichen Rumpf handelte. Die Polizei wurde benachrichtigt, die nach Aufnahme des Befundes sofort die Mordkommission nachalarmierte. Dem Torfo waren anscheinend die Geschlechtstelle abgeschnitten, so daß im Augenblick nicht zu erkennen war, ob es sich um einen männlichen oder weiblichen Rumpf handelte. Der Kopf, die Arme und Beine waren, wie es scheint, funftgerecht vom Rumpf getrennt. Der Torso wurde ins Charlottenburger Schauhaus gebracht, wo eine genaue Untersuchung über die Geschlechtszugehörigkeit vorgenommen wurde. heute nachmittag wird die Havel an der Fundstelle, sowie im weiteren Umfreise abgesucht werden, da man vermutet, daß auch die übrigen Körperteile ins Wasser geworfen wurden.
Nach seinem Zustand fann der Torso etwa acht bis zehn Tage im Waffer gelegen haben. Der Fund erinnert, start an einen früheren Fall Bor Jahren wurde in der gleichen Gegend ein meiblicher Torfo gefunden, und nach langen Ermittlun gen wurde festgestellt, daß die Ermordete eine frühere Hausangestellte Frieda Ahrendt gewesen war. Bis zum heutigen Tage ift fener Mord nicht aufgeklärt, man hat auch nie den Kopf der Unglüdlichen gefunden.
Sechs Menschen erschlagen!
Aus Mitleid hatte man ihn aufgenommen. Budapest , 1. Juni. Aus Belgrad wird über eine furchtbare Blut tat berichtet, die ein 18jähriger Wanderbursche im Hause eines Bäckermeisters in Plewna begangen hat. Man hatte ihm aus Mitleid Nachtquartier gleichfalls Bäcker zu sein vorgab, in Arbeit stellen. gewährt und wollte ihn am nächsten Tage, da er In der Nacht erschlug er mit einem Beil die Frau des Bäckermeisters, dessen beiden Kinder, den Schwiegervater und zwei Bäckerlehrlinge, im Ganzen also sechs Menschen. Der Bäckermeister entging seinem Schicksal nur dadurch, daß er bereits am Backofen beschäftigt war. Nach einem Kampf auf Leben und Tod ergriff der Wandergeselle die Flucht, wurde aber bald festgenommen. Bei Hausbewohner umbringen wollte, um den Bäckerder Gendarmerie gestand er, daß er sämtliche meister berauben zu können.
Kirchenfriede in Merito?
Verhandlungen zwischen Papft und Präsident. New York , 1. Juni. Der früher aus Merifo ausgewiefene Erzbischof von Morelia, Lepoldo Ruizy Flores, ist nach Merifo zurüdgereift, um als Beauftragter des Vatikans mit dem merikanischen Präsidenten Portez Gil über die Regelung der merikanischen Kirchenfrage zu verhan
dela.