1929
Der Abend
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Spätausgabe des„ Vorwärts
10 Pf.
Nr. 324
B 161 46. Jahrgang.
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Strafantrag gegen Stinnes.
Antrag des Staatsanwalts: Acht Monate Gefängnis für Stinnes.
Der erste Staatsanwalt Storm ftellie heute morgen in dem
Anleiheſchiebungsprozeß folgende Strafanträge: gegen Hugo Der Streitum den Konferenzort Neues Unglück der Autoraferei.
Stinnes acht Monate Gefängnis und 100 000 Mart Geldstrafe, drei Wochen von der Strafe find durch die Untersuchungshaft als verbüßt zu betrachten; gegen v, Waldow und Rothmann je sechs Monate Gefängnis unter Anrechnung von sieben Wochen Untersuchungshaft bei dem ersteren und 14 Tage bei dem zweiten. Gegen Leon und Eugen Hirsch gleichfalls je jedhs Monate Gefängnis unter Anrechnung von je einer Woche Untersuchungshaft. Gegen Bela Groß fünf Monate und gegen S ch neid drei Monate Gefängnis.
In seiner Begründung zur Strafzumeffung führte der erste Staatsanwalt Storm aus: 3ugunsten Stinnes' muß angenommen merden, daß er das betrügerische Wesen des Anleihegeschäfts vorher nicht erfannt hatte. Wäre das nicht angenommen worden, so hätte eine mefentlich höhere Strafe beantragt werden müssen. Stinnes hat Ende 1926 erkannt, daß es sich um ein betrüge risches Geschäft handelte, er ist aber aus demselben nicht herausgegangen, weil er das investierte Gelb nicht verlieren wollte. Es tam ticht zu feinen Gunsten geltend gemacht werden, daß für den Staat fein Schaden eingetreten. Wenn das nicht geschehen ist, so geschah es unabhängig von seinem Willen. Zu seinen ungunsten mar der Umstand zu werten, daß hier
ein Mann, der im deutschen Wirtschaftsleben eine so hervor. ragende Rolle spielte, sich mit Ausländern verbunden hatte, um das Deutsche Reich zu schädigen. Dadurch hatte Sfinnes einen Mangel vaterländischen Empfindens gezeigt, der im Augenblid der Notlage des deutschen Boltes ganz besonders erschwerend ins Gewicht fällt.
Da er in gewinnsüchtiger Absicht gehandelt hat, so ist auch auf eine Geldstrafe zu erkennen. Was Nothman und Waldom an betrifft, so standen sie den betrügerischen Vorgängen näher als Stinnes; zu berücksichtigen ist jedoch, daß fie als dessen Angestellte tätig gewesen sind. Bei Bela Groß war in Betracht zu ziehen, daß er sich über die Folge seiner Beteiligung an dem rumänischen Anleihegeschäft wirklich im Irrtum befunden habe und daß er später tatfächlich versucht habe, aus dem Geschäft herauszutommen. Gegen Schneid hätte der Strafantrag auf vier Monate gelautet, wenn er nicht bereits einen Monat in Paris in Haft gesessen hätte.
. Nachdem Staatsanwalt Dr. Berliner noch einmal die beiden, Stinnes und Genossen zur Last gelegten betrügerischen Ge schäfte das französische und das rumänisde ชนะ fammenfassend dargestellt hatte, erhielt das Wort zu seinem Plädoyer der erste Staatsanwalt Storm. Aus dem gesamten Beweismaterial greift er nur noch die Geständnisse Stinnes' und Waldows heraus. Kein Mensch, fagt er, hatte annehmen können, daß Waldom in der Hauptverhandlung plötzlich sein Gutachten widerrufen würde. Er wußte, daß diesem Widerruf die größten Zweifel entgegengebracht werden würden. Deshalb hielt er es für notwendig, fein verändertes Verhalten auf die Behauptung zuſtützen, daß das Geständnis gewissermaßen durch eine an ihm angewandte 3er mürbungstaftit erzwungen worden sei. Es soll zugegeben werden, daß in der Boruntersuchung manches geschehen ist, was an der Hand der Strafprozeßordnung beanstandet werden kann.
( Fortsetzung auf der 2. Seite.)
Explosion einer Munitionsfabrik in Südchina. 2ondon, 13. Jult. In den Munitionsfabriken bon unanfu in Subchina ereignete fich nach Honkonger Meldungen eine schwere Explosion. Die Verluste werden nach noch unbestätigten Meldungen mit 1000 Menschen angegeben. Ausländer sollen nicht getötet sein. Das britische Konsulat in Yünanfu wurde durch die Explosion schwer beschädigt, das französische böllig zerstört, die französische Missionsstation gleichfalls start in Mitleidenschaft gezogen. Man glaubt, daß ein Anhänger eines aufständischen Generals den Auschlag auf die Munitionswerke ausübte.
191371910
Bern
Young Plan
SCHWEIZ
Briand: Was soll das?"
Der Diener: Herr Minister haben doch gerufen: der Plan!"
Briand : Borläufig find wir noch beim Fahrplan, der Young plan fommt später."
Zwei Zote, drei Berlehte.- Wieder der Zickzackfurs.
Vor dem Haufe der Straße Unter den Eichen Nr. 108 in Lichterfelde erfolgte nachts gegen 2 Uhr ein schwerer Zusammenftoß zwischen einem aus Berlin fommenden Privatkraftwagen und einem aus Potsdam kommenden Motorradfahrer.
Wie festgestellt wurde, wollte das Auto dem im 3idzadturs fahrenden Motorrad ausbiegen und geriet zu weit nach links. Der Anprall war so heftig, daß beide Fahrzeuge in. einandergeschoben wurden. Der Führer des Wagens, der Klempner Paul Berlin aus Bornim stürzte nach vorn durch die Windschutzscheibe und blieb auf dem Kühler liegen, während die neben ihm fihende Frau Elisabeth Bajerd aus Potsdam mit dem Kopf gegen das Eisengestänge der Windschuhcheibe flog. Die sehr schweren Berlehungen führten bei beiden den sofortigen Iob herbei. Zwei weitere Infaffen, der Landwirt Stropps Bornim und lata Cettowity aus Düsseldorf , die fich besuchsweise in Berlin aufhält, tamen mit leichteren Berletzungen bavon, Der Führer des Motorrades, Albert Brodhaus, aus der Großgörschenstraße zu Berlin , hat bei dem Sturz schwere Ber. legungen erlitten und ist noch nicht vernehmungsfähig.
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In der Seidelstraße in Tegel stießen gestern abend gegen 11 Uhr eine Kraftbroschte und ein Privatauto mobil zusammen. Dabei wurde der Führer der Droschte, der 23 Jahre alte Erich Fahl aus der Liebenwalder Straße 44 fomie fein Fahrgast, der 40 Jahre alte Dentist Willi Dullid aus der eine 20 Jahre alte Frau Hedwig Brachmann und eine Frau Brunowstraße 40 in Tegel , ferner die Insassen des Privatwagens, Grete Hellwig erheblich verlegt. Alle vier Personen wurden nach dem Paul- Gerhard- Stift gebracht. Die Schuldfrage bedarf noch der Lösung.
Stahlhelm Idyll in Schlesien .
Sturm auf eine Landarbeiterwohnung/ So geht es auf dem Lande zu!
Groß- Wartenberg ( Schlesien ), 12. Juli.
Es ist bekannt, mit welchen gehässigen Mitteln auf dem Lande der politische Gegner von den Nationalisten, den Landbündlern und Stahlhelmern befämpft wird.
Der Stahlhelmführer von Schollendorf, Kreis GroßWartenberg in Schlesien , Administrator von Künsberg, fann besonders stolz sein auf seine Stahlhelmhelden und ihre Taten. Dieser Tage zog feine Truppe, nachdem sie sich im Stammlokal für ihre Heidentat erst gründlich gestärtt hatte, nachts 12 Uhr vor die Wohnung des Landarbeiters Schmidt, der als eifriges Mitglied der SPD. und des Reichsbarmers bei ihnen be sonders verhaßt ist.
Einige der Heldenjünglinge brangen ins Haus ein, stiegen die Treppe hoch und rüttelten an der Tür des Schmidt. Die Mehrzahl schrie und tobte unten im Hofe, beleidigte und bedrohte Schmidt mit den häßlichsten Rufen, wie: der Schmidt, der Lump, der rote Hund, der muß trepieren! Als einer zur Vernunft mahnte, schrien die andern: Uns tann ja nichts passieren! Bir sind ja geschickt worden!" Als alle ihre Beleidigungen unbeantwortet blieben, warfen sie dem Schmidt mit Holzscheiten Fensterscheiben und Fensterfreuz ein.
Im Erdgeschoß unter Schmidt wohnt ein anderer Landarbeiter, deffen Frau am Tage vorher entbunden hatte.
Als er die nächffichen Schreier bat, mit Rüdsicht auf seine Frau doch Ruhe zu halten, wurde er gleichfalls beschimpft und bedroht. Der Nachtwächter des Gutes wagte natürlich nicht, gegen die Stahlhelmtruppe einzuschreiten.
Endlich zogen sie ab, lärmten und tobten aber noch stunbentang
im Dorfe.
die Tat ein Racheatt ist, weil er in Schollendorf eine Orts gruppe des Reichsbanners Schwarz- Rot- Gold gegründet hat.
Wir felern bald das zehnjährige Bestehen der deutschen Reichs verfassung; aber überzeugte Republikaner, die getreu der Verfassung im Kreise Groß- Wartenberg und anderswo von ihren staatsbürgerlichen Rechten im staatsfreundlichen Sinne Gebrauch machen, sind schutzlos den Anpöbelungen des Stahlhelms ausgesetzt. Da die zuständigen Landespolizei beamten dem Stahlhelm zum Teil angehören oder ihm mindestens freundschaftlich nahestehen, ist die Hoffnung auf eine objektive Unterfuchung und exemplarische Bestrafung der Stahlhelmrowdys gering.
Unterworfen.
Radek und vierzig Oppofitionelle.
Mostau, 13. Juni
Die Preffe veröffentlicht eine Erklärung Radets, Smil. gas und Preobradjchenstis, die in der Oppofilionsbewegung Troffis eine führende Rolle gespielt haben, in der sie ihre Uebereinstimmung mit der politischen Linie der Kommunistischen Partei und ihren völligen Bruch mit der Oppofition befonen. Die Erklärung verurteilt das Auftreten Trottis in der bürger. lichen Presse und schließt mit dem Aufruf an frühere Gesinnungs. genoffen, ihrem Beispiel zu folgen. Die Erklärung, die an die Zenfralfontrollfommiffion der Kommunistischen Partei gerichtet ist, if von über vierzig früheren Oppofifionellen mitunterzeichnet.
Fähre mit 220 Personen gesunken.
Die Stahlhelmführer werden es, wie innner, verstehen, die Berantwortung für das Tun ihrer verheßten Truppe von sich ab. zuwälzen. Es ist bezeichnend, daß schon vor einigen Bochen der London , 13. Juli. Rünsberg, dem Schmidt sagen ließ, er übernahme Administrator von Stahlhelmführer von Schollendorf, Wie aus Mostau gemeldet wird, ist in 3rkuist eine Fähre teine Berantwortung, menn seine Stahlheim- mit 220 Personen gefunken. Bisher wurden 11 Leichen geborgen. gruppe über Sgmidt herfalle, Schmidt nimmt an, daß| Etwa 40 Personen werden noch vermißt.