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Nr. 420 46. Jahrgang

Sonnabend 7. September 1929

Neue Wege des Metallschutzes.

Die außerordentliche Bedeutung, die dem Mctallschutz zukommt, versteht sich ohne weiteres von selbst, wenn man seststellt, daß der Rost in jeder Art jährlich an Eisenmetall z. B. allein für etwa Z,ö Milliarden zerstört, die der Dolkswirtschaft endgültig verloren gehem Man hat daher schon lange versucht, durch schützende Ueber- züge diesen Metalloerlust(-verschleiß) wenn nicht ganz zu unter- binden, so doch bis auf ein Mindestmaß zu senken. Man hat jedoch in neuester Zeit aus Grund eingehender Metall« sorschungen Wege gefunden, die es zulassen, wertvolle Metalle gegen die korrodierenden Einflüsse verschiedenster Art wirksam zu schützen. Neben Schutzanstrichen verwendet man in neuester Zeit e'ne Methode, die Metalle durch Uederziehon mit einer dünnen Schicht eines besonderen widerstandsfähigen Metalls vor Korrosion zu schützen. Eine ganze Reihe von Derfahrcn stehen hier zur Der- sügung. Durch Ueberziehen mit Platin-, Silber« und Goldschichten erzielt man natürlicherweise einen vorzüglichen Schutz eines unedleren Metalles: jedoch ist diese Methode nur in beschränktem Maße anwendungssähig infolge des überhohen Preises des zur Verwendung kommenden Edelmetalles. Kupfer und Nickel dienen gleichfalls zum Metallschutz, und zeitweise hat man auch den dem Nickel verwandten Kobalt zu diesem Zweck herangezogen. Weiterhin haben vornehmlich in der Konserven- industrie Zinn sowie Blei und Zink seit langem als Metallschutz Verwendung gesunden. Neuerdings kommen neben den eben all- ghmein geschilderten bekannten Schutzverfahren zwei neue, nämlich das Aufbringen einer Schutzschicht aus Chrom und der Schutz von Metallen durch Ueberziehen mit einer dünnen Schicht aus Kadmium zur Anwendung. Man hat sich lange bemüht. Methoden zu sinden, die es gestatten, aus Chromsaizlösung auf elektrolytischem Weg« Chrom in dünner Schicht auf zu schützende Metalle nieder- zuschlagen und sind die intensiven Bemühungen von Erfolg ge« wesen. Es ist heute möglich, durch Verchromung«inen ganz vor« züglichen Motallschutz zu erzielen. Eine noch neuere Methode des Metallschutzes ist der Metallüberzug mir einer dünnen Kadmium» schicht. Vermittels dieser Ueberzugeschicht erzielt man ein sehr ge- fälliges und ansprechendes Aeußere des geschützten Stückes. Dies« neuen Ueberzugsmetalle u. a. stellen fraglos einen beachtenswerten Fortschritt auf dem Gebiete des Metallschutzes wie der Material- Veredlung dar. Das Parccrverfahrcn. Unter der.Porcerisi«rung' versteht man ein rein chemisches Versahren zum Schutz von Metall gegen Korosion, das darin besteht, daß die zu behandelnden Stücke in ein sehr heißes Bad getaucht werden, das metallische Komplexsalze gelöst enthält. Es handelt sich bei diesen Salzen um phosphorsaur« Eisenmongan- komplexe, die unter dem NamenP a r c e p 0 w d e r" in den Ver- einigten Staaten gehandelt werden. Bei nicht genügender Reinheit der Metallstücke ist eine Beize, bevor sie ins Bad kommen, erforder» lich. Die Temperatur des Parcerbades wird etwas unterhalb des Siedepunktes gehalten. Es findet nur ein einfaches Eintauchen der Metallstücke und keine Elektrolyse statt. Di« Aufnahmebehäller für Bad und Stücke sind Stahlbecken, die durch indirekten Dampf erwärmt werden. Die Behandlungsdauer schwankt je nach Art des Stückes zwischen 1 und lii Stunden. Die chemische Wirkung des Bades auf das Metall ist ziemlich verwickelt. Auf der Oberfläche des Stückes bildet sich eine fest- haftende und widerstandsfähige Schutzschicht komplexer Phosphate, die in Wasser unlöslich ist und auch den atmosphärischen Einflüssen erheblich widersteht. Man hat die Möglichkeit, die behandelten Stücke nachher noch besonders aufzufärben, indem man sie«nt- weder in ein neues Bad bringt oder ihnen vermittels Anstrich oder Lackicrung den gewünschten Farbton gibt. Die Einrichtung für die industrielle Anwendung des Parcerverfahrens ist einfacher Natur und besteht aus den Beizbehältern, dem Becken zur Aufnahm« des Bades, den etwaigen Farbebvttichen wie einer Spül- und Trocken- anlöge. Wen» man die Ergebnisse des Parcerverfahrens mit anderen gleichartigen bekannten Schutzoerfahren vergleicht, kann man sagen, daß der Parcerüberzug wie die Feuer, und die elektrolytisch« Der» zinkung Hält, daß er der Verzinnung etwas, der Vernickelung sehr überlegen ist: des weiteren verhält sich der Parcerüberzug viel vor. teiihafter als die Mennige, hauptsächlich in Seewasser, Ammoniak, kohlensäurehaltigem Wasser, Wasserdampf und den Säuren. Das Parcerverfahren erweist sich auch der Sherardisterung(ein nach dem amerikanischen Erfinder S Herard genanntes Eisen» verzinkungsverfahren) als überlegen. Unser hier besprochenes»erfahren kann sowohl bei Sugrisen wie bei Stahl im Guß, gewalztem oder geschmiedetem Zustand an- gewandt werden. Die Verwendungsmöglichkeiten sind natürlicher- weise zahlreich, so z. B. in der Eisenbahntechnik, der Präzisions- Mechanik, Kraftwagen(z. B. Dodge-Wagen), dem Flugwesen und vielem anderen mehr. So ist man auch vermittels dieses Verfahrens in der Lage, teure Metalle wie Kupfer und Zinn wie deren Le. gierungen durch parcerisierten Stahl ersetzen. Verdiromung. Trotz her Heroorragenden Eigenschaften des metallischen Chroms zögert« die Industrie verhältnismäßig lange, Ueberzüge von Chrom als Korrosionsschutz auf technische wie Gebrauchsartikel anzuwenden. Weiß man doch, daß das Chrom(Cr) zu jenen merkwürdigen Metallen gehört, welche den sogenannten.passiven Zustand" an- nehmen können, indem sie in ihrem Verhalten den Edelmetallen ähneln, und daß da? Chrom vornehmlich unter den meisten chemischen Bedingungen diesen.passiven Zustand" einnimmt, daß so das Chrom gewissermaßen die Rolle eines Ersatzes von Gold oder Platin spielt. Bei dem Charakter des Chroms als Ueberzugsmetall ist es natürlich von großer Wichtigkeit, daß die Ueberzüge tatsächlich lücken, und porenfrci aussallen, denn der Grad des Korrosions- schutzes der Deckschichten hängt von ihrer Dichtigkeit und ihrer Haft- festigkeit ab. chiee ist es die Methode der Tlektrochromgesellschast in. b. f>; die nach einem sicher arbeitenden goloanotechmschen Der-

fahren Chrommetallüberzüge herstellt, die sämtlichen Anforderungen Genüge leisten. Das metallische Chrom, das sich elektrolytisch aus diesen Berchrvmungsbädern in polierfähiger Form abscheiden läßt, zeichnet sich durch seine platinähnliche Farbe und besonders durch große Haftfestigkeit aus, so daß bereits verhältnismäßig dünne Niederschläge von Chrom genügen gegenüber von Niederschlägen, wie sie z. B. in der Vernickelung angewendet werden, damit die überzogenen Gegenstände eine lange Haltbarkeit aufweisen. Man unterscheidet zwei Abscheidungsfonnen von Chrom, und zwar eine glänzende und eine matte Form, so daß im erstcren Falle auf polierten Gegenständen direkt hochglänzeirde Chromüberzüge her- gestellt werden können. Dos metallische Chrom, das nach diesem galoanotechnischcn Verfahren abgeschieden wird, besitzt eine derartig« Härte, daß es bei intensivster Beanspruchung nicht abgenutzt werden kann. Eine besondere Eigenschaft des Chroms ist der hohe Schmelzpunkt. Er liegt fast doppelt so hoch wie der des Nickels . Diese Eigenschaft sowie die große Härte und Haltsestigkeit der Ueberzüge bietet eine außerordentliche Fülle von Verwendungs-

Möglichkeiten. U eberall dort, wo es auf große Hitze- beständigkeit ankommt, d. h. wo die betreffenden verchromten MetallteUe mit direktem Feuer in Berührung kommen, wird die Verchromung mit besonderem Vorteil angewendet werden können. DiegroßeHärte gewährleistet große Sicherheit gegen Abnutzung. Da Chrom von der Luft in keiner Weise angegriffen wird und unempfindlich gegen Alkalien, gegen die meisten Säuren und Salze ist, so eignet es sich auch zur Bekleidung von Gesäßen, Rohren und Armaturen. Seine Rostsicherheit und Beständigkeit gegen Feuchtigkeit, Lust usw. bietet ein weiteres Anwendungs- gebiet für die Herstellung chirurgischer und zahnärztlicher In- stvument« wie Destecke aller Art. Die Anlogekosten für den Ver- chromungsbetricb liegen nicht höher wie die für die Vernickelungs- betriebe, wohl gemerkt mit dem unterschiedlichen Dorteil für Chrom, das man hier mit einer Platierungsdauer von 10 bis 20 Minuten Nieberschltjge von Chrom in einer Stärke erhält, wie man sie bei Nickel nur mit einer wesentlich höheren Zeitdauer(dementsprechend auch finanziellem Aufwand) erzielen kann. M. M.

Automatischer Richtungsanzeiger Für Flugzeuge und schule

Man hat schon oft versucht, Flugzeugen die Orientierung im Nebel und bei Nacht durch eine Dorrickitung zu erleichtern, die nur beim Antritt des Fluges eingestellt zu werden braucht und dem Piloten dann während der ganzen Flugdauer ein zuverlässiger Führer bleibt. Sa wollte z. B. der noch vor Abschluß seiner Arbeiten dahingeraffte Franx Drexler mit einer dreifachen Kreisel- Vorrichtung selbsttätig« Steuerung in allen Richtungen erzielen, und andere Erfinder erstreben, allerdings noch ohne endgültigen Erfolg, ähnliche Ziele. vor einigen Tagen hat mir William Dubilier, der Erfinder der bekannten Kondensatoren, einen auf funktechnischer Grundlage beruhenden Apparat vorgeführt, der das Problem in wirklich einwandfreier Form lösen dürfte. Die nach den Patenten des Piloten W. S. Eaton in der Dubilierschen Fabrik zu New Vork konstruierte Vorrichtung wird gegenwärtig von der amerikanischen Regierung gründlichen Versuchen unterzogen. Auch di« englische Regierung will sie bei der Marine einführen. Der Eatonsche Apparat ist so einfach, daß er sich ohne nennens- werte Kosten an jedem Flugzeug anbringen läßt: er funktioniert ähnlich wie ein Kompaß, weißt aber nicht nach Norden, sondern nach jeder Richtung, auf die er einnial eingestellt worden ist. Will man z. L. von Berlin nach Hamburg fliegen, so braucht man den Zeiger des Instruments nur in der Richtung nach Hamburg ein- zustellen: der Zeiger behält dann die einmal eingestellte Richtung unabhängig von den Bewegungen des Flugzeuges unverändert bei, so daß her Pilot unterwegs von jeder Beobachtung des Geländes unabhängig ist. Ein als Höhenmesser ausgebildetes ähnliches In- struinent gibt überdies dem Flieger jederzeit die augenblickliche Höhe seines Flugzeuges über dem Erdboden an und verhindert auf diese Weise jeden Aufprall auf dos Gelände. Ob die Luft windstill oder stürmisch ist, spielt für die Zuverlässigkeit der Ablesungen nicht die mindeste Rolle. Hierzu kommt, daß sich durch einen ähnlichen Zeiger auch im dichtesten Nebel sichere Landung ermöglichen läßt: zu diesem

Der automatische Photograph

ünstr Bild tilgt dm ,Bh»tomaien" genannten automatisch phefogrgphitrenden Apparat. Das Bild wird direkt auf da* lieht- empfindliehe Papier projiziert. Durch ein besonderes Linsen- System xoird dafür gesorgt, daß das Negativ, das sonst bei photo­graphischen Aufnahmen nicht entbehrt werden kann, gespart wird. Nach 8 Minuten ist die Aufnahme vollkommen automatisch enl- wickelt and getrocknet. Der van Siemens und Halske gebaut* Apparat liefert jedesmal einen Streifen von 18 Bildern. Diese kleinen Photos sind auch für Paßzweske ucw. zugelassen.

Zwecke sind in der Längsrichtung des Flughosens Drähte verlegt, die drahtlos« Signale aussenden. Die Apparate arbeiten im An­schluß an die üblichen Flugzeugstationen. Die Konstruktion wird zunächst noch geheimgehalten: nur soviel soll gesagt sein, daß die Kompaßrose eine Reihe strahlenförmiger Spulen hat, die durch ein System von Antennenrahmen i» der jeweils gewünschten Richtung«ingestellt werden. Di« Luftfahrt wird auf diese Weis« von einem guten Teil der bisher immer noch m- stehenden Unsicherheit befreit. In anderer Forin läßt sich dieicil.« Vorrichtung auch für die Zwecke der Schiffahrt benutzen, und zwar vor allem beim Durchsohren enger, vielfach gewundener Kanäle, bei Hoseneinfahrten usw. Auch beim stärksten Nebel ersetzt sie dann dem mit ihr versehenen Schiff den Lotsen. 21. Gradenwitz. Atmende Häuser durch Bims* Sandstein. Die Forderungen der Gesundheitslehre haben auf die Ge- staltung unserer Wohnbauten in den letzten Jahrzehnten einen bedeutenden Einfluß gehabt. Während z. B. die Hausbauten des Mittelalters uick» sogar die des 18. und 19. Jahrhunderts auf Licht und Lust wenig Rücksicht nahmen, ist es das Bestreben der modernen Architekten, auch innerhalb der Wohnung den Menschen so viel heilsames Licht und gesunde Lust wie möglich zu geben. Aus diesem Grund« haben auch die Fe n st er mehr Platz er- halten, um Sonne und Lust in das Heim zu lassen. Erst die Nachkriegsbauten mußten sich wieder notgedrungen 0 u f kleistere Räume beschränken, da sonst infolge der gewaltigen Baukosten die Mieten für dos Durchschnittscinkominen zu teuer waren. Die Wiflenschoft hat aber einen Ersatz für die Heilwirkung des Aufenthaltes in freier Lust durch Verwendung von ultraviolett durchlässigem F e n st e r g l a s gesunden. Sie gestatten auch im. Zimmer die Segnungen der Ultravioletten Strahlen zu genießen. Zu diesem großen gesundheitlichen vorteil, der bei Reubauten von Mietskasernen möglich ist, kommt noch ein neuer, der in einem verbesserten verfahren der Herstellung von Vau- st«inen aus dem rheinischen Bims besteht. Dieser vims- sandstein wird schon seit langer Zeit als vouftofs verwendet. Auch in ehemaligen vulkanischen deutschen Gebirgen, wie in der Cifel, werden aus ehemaligen vulkanischen Schlammstrsmen schon seit langem die Tuffe von Plaidt rind Kruft und di« in mrterirdischen Steinbrüchen gefundene Mühlsteinlava von Riedermendick als Vau- steine verwendet. Aber dies« vulkanischen Bausteine konnten nicht für große Häuser in Verwendung genommen«erden, da sie zu wenig haltbor waren. Nun ist es durch einige neuere patentierte Fabrikationsverfahren ermöglicht,»imsbauten vom Funda- ment bis zur Eiebelspktz« herzustellen. Besonders auf dem Gebiete des Wohnungsbaues wurde durch die B i f« n t« n- werke, die den rheinischen Bimsstein in großen Mengen als Baumaterial herstellen, eine ganz neuartige vauweise geschaffen, die zugleich«ine äußerst gesundheitliche vauinöglichkeit gewährt, da der Bimsstein in bezug auf Porosität, L e i ch t i g k e-i t und Schallsicherheit dem Kork sehr ähnlich ist. Es ist also mm- mehr möglich, tatsächlichatmende" Wohnhäuser herzu- stellen, die dieselben gesundheitlichen Vorzüge haben, wie wenn das Haus aus Kork bestehen würde. Diese Häuser sind sehr warm und hoben trotzdem ständig einen unmerk- lichen, nichtsd« st oweniger aber sehr gesunden Luftwechsel.. Es werden mit diesem neuen Baustein bereits Kellerdecken, sämtliche Geschoßdecken, di« Zwischenwände und Außen- wände hergestellt, so daß Holz fast gar nicht zur Verwendung kommt. E» können nach dem neueren patentierten Verfahren auch mehr- stöckige Großstodtgebäude und Hochhäuser aus diesem Bisanton"-Vaustoff hergestellt werden. Die Häuser haben noch obenhin den Vorzug, daß sie nicht nur gesuntcheitlich sehr hervor- nagend sind, sondern auch leicht und billig hergestellt werden können. Der Baustoff ist trocken, und auch dos vermauerungsoersahren erfordert nicht viel Feuchtigkeit, so daß der Bau bald nach voll- «ndung bezugsfertig ist.(Das Material für diese neuartigen Bau- stoffe findet sich am Mittelrhein zwischen den Eifelbergen und den Westerwald -Dergen.) Erwähnt sei noch, daß dieser Bimssandstein trotz seiner porösen Struktur fast dieselbe Wärmeleitzahl hat wie Kork und zehnmal wärmehaltender ist als ein gewöhnlicher Ziegelstein.