Morgenausgabe simsem
Nr. 513
A 258
46.Jahrgang
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Vorwärts
Beelinee Bolksblatt
Freitag
1. November 1929
Groß- Berlin 10 Di. Auswärts 15 Pf.
Die eta palttge Stonpareillezetle 80 Bfennig. Reflamezeile 5.- Reids mart Kleine Anzeigen" das fetige brudte Mort 25 Pfennig( zuläffig zwol Fettgedruckte Borte), jedes weitere Bort 12 fennig. Stellengesuche das erste Bort 15 Pfennig, jedes mettere Bort 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben gablen für zwet Worte. Arbeitsmard Beile 60 Pfennig. Familienanzeigen Zeila 40 Pfennig. Anzeigenannahme imhaupt. reschäft Lindenstraße 3, wochentäglich con 81%, bis 17 Uhr.
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Offiziere verhindern die Eröffnung des Parlaments.
Warschau , 31. Ottober.( Eigenbericht.)
Am Donnerstag nachmittag um 4 Uhr sollte der Sejm zu seiner ordentlichen Budgettagung zusammentreten. Die Vorhalle des Parlaments war eine Viertel. stunde vor der in Aussicht genommenen Eröffnung von etwa 100 Offizieren demonstrativ besetzt worden; nicht ein einziger war im Besitz einer Eintrittskarte für den Sejm . Der sozialistische Präsident des Parlaments Daszynski ließ die Offiziere unter Hinweis auf die Verlegung der Hausordnung auffordern, das Gebäude un verzüglich zu verlassen. Dieser Aufforderung wurde nicht entsprochen. Als dann Marschall Pilsudski erschien, führte der Sejmpräsident über das Verhalten der Offiziere Beschwerde und forderte nochmals Räumung der Vorhalle. Der Kriegsminister gab jedoch den Offizieren den Abmarschbefehl nicht und billigte damit die Provo Ention der Offiziere.
Kurz vor 17% Uhr betrat Pilsudski das Zimmer des
Scimmarschalls und forderte ihn auf, die Sigung zu ers öffnen. Daszynski erwiderte, daß er dieser Aufforderung nicht nachkommen könne. Pilsudski stellte darauf die Kurze Frage: ,, Ist das Ihr lektes Wort?" Als der Sejm marschall mit 3a" antwortete, verlies Pilsudski den Raum und fuhr aus dem Sejm ab.
Der Sejmmarschall begab sich daraufhin zum Staatspräsidenten Moseisti und teilte ihm mit, daß er dessen Verordnung, nämlich die Eröffnung der Tagung nicht durchführen könne, solange die Offiziere das Parlamentsgebäude nicht verlassen.
Der Staatspräsident hat angesichts der unlösbaren Lage dem Sejmmarschall Daszynski geraten, die Sigung zu vertagen. Der Aeltestenrat hat sich der Auffassung Daszynskis angeschlossen, die Sikung nicht zu eröffnen, solange die Offiziere die Vorhalle besett halten. Daraufhin wurde der Beschluß gefaßt, den Sejm vor: läufig zu vertagen. Die Abgeordneten werden über den Termin der nächsten Sihung drahtlich unterrichtet werden. Die Lage bleibt vollkommen ungeklärt.
Nach der Verfassung hat das Parlament im Oktober zur Budgetberatung zusammenzutreten. Die Hinausschiebung des Seffionsbeginns bis zum äußersten Termin war eine neue Bestätigung des Zustandes, in dem Polen sich nun schon jahre lang befindet: an der Grenze von Verfassungsmäßigkeit und Militärdiktatur.
ein Schreiben des Sejmmarschalls im Einverständnis mit dem Aeltestenrat verteilt, worin Daszyniski erklärte, er halbe es unter der Würde des Parlaments, die Seffion unter der Drohung von Pistolen und Säbeln zu eröffnen,
und daß er deshalb die Sitzung vertage. Die Abgeordneten verließen das Hauts, während die Offiziere noch weiterhin im Borsaal ,, biwafierten".
Es ist nur dem Geschid und der Festigkeit des Sejm marschalls Daszynski zu verdanken, daß der Konflikt nicht eine gewaltsame Lösung erfahren hat. Da der 1. November in den fatholischen Ländern Feiertag ist, wird die Eröffnungsfizung wahrscheinlich auf Montag verschoben werden.
Abmarsch der Offiziere.
Warschau , 31. Oktober, 23 Uhr.( Eigenbericht.) Soeben ist der Stadtkommandant von Warschau im Sejmgebäude erschienen und hat den Offizieren befohlen, es sogleich zu verlassen.
Warschau , 31. Oftober.( Eigenbericht.) Die Ereigniffe im Sejmgebäude wurden in der Hauptstadt schnell befannt und führten nachhaltige Bewegung herbei. Die Ar. beller ftrömten von den Betrieben in die Lokale der fozialdemotrafischen Organisation, wo das Unterfangen der Offiziere als deut. liches Zeichen des Ernstes der Situation erörtert wurde.
Eine Extraausgabe des„ Robotnik", um die man sich in den verbreitet werden, da die Polizei ohne jeden Rechtsgrund das Haus Straßen riß, fonnte erst zum Teil mit einstündiger Verspätung der Arbeiterzeitung fo lange befeht hielt, bis die Erlaubnis der Zensurftelle vorlag.
Die Hugenberg- Pleite.
Beim Reichswahlleiter sind bisher für insgesamt 34 585 399 Stimmberechtigte 3299 152 Eintragungen gezählt worden. Der Durchschnittssak beträgt 9,54 Proz. Es stehen noch die Ergebnisse für 6 693 000 Stimm berechtigte aus.
Allgemeine Binsfenfung.
In New Hort, Amsterdam und London . New Bort, 31. Oktober. Die New- Yorker Bundesrefervebant hat ihren Diskontfah von 6 auf 5 Pro3. ermäßigt. Amsterdam , 31. Oktober. Die Niederländische Bank hat ihren Diskont mit wirkung vom november von 5% auf 5 Proz. herabgesetzt.
1.
Die Belegung des Sejmgebäudes durch 100 Offiziere mag auf persönlicher Verabredung, wohl auch auf Anregung jener Obersten beruhen, die Polen regieren. Diese Offiziere wollen in den Sejm gegangen sein, um Pilsudski zu schüßen". Gefahr droht ihm von seinen politischen Gegnern nicht. Ob seine Freunde nicht im Interesse des Ansehens 6 ihres Landes Anlaß genug hätten, ihn der Aktivität zu entziehen, ist eine andere Frage.
Um die Liquidationsüberschüsse.
-O
Bostscheckkonto: Berlin 37 536. Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten, Wallstr. 65. Diskonto- Gesellschaft, Depofitenkaffe Lindenstr. 3.
Beamte in Not.
Der Zusammenbruch der Bank für Deutsche Beamte. Die Bant für Deutsche Beamte, eine Genossenschaftsbant mit über 20 000 Kunden, darunter etwa 16 000 Genossenschaftsmitglieder, hat gestern plöglich ihre Schalter geschlossen und ihre Zahlungsunfähigkeit erklärt. Polizei muß den Aufgang zur Zentrale dieser Bank in der Wilhelmstraße schützen, vor den zwölf Filialen der Bank stehen die leidtragenden Beamten, beim Bolizeipräsidenten von Berlin haben die Frauen von zahlreichen Polizeibeamten, ebenfalls Einleger der Bant, um Hilfe gebeten. Die Schließung der Bank erfolgte unter besonders traurigen Umständen. Wie bisher üblich, hatten die Behörden auf Wunsch der Beamten die zum Monatsende fälligen Gehälter der Bank überwiesen. Die Leitung der Bant hat aber auch diese neu eingezahlten Gehälter bereits zur Dedung fällig gewordener Verpflichtungen ausgegeben, und da es unmöglich war, neue Gelder zur Befriedigung der Einlegerforderungen zu beschaffen, mußten die Schalter der Zentrale und der zwölf Filialen geschlossen werden.
Jeder kann sich sehr leicht eine Borstellung davon machen, wie es in den Beamten und Beamtenfrauen aussehen muß, die vertrauensvoll ihre Gehälter einer Bank überweisen und deren fristgemäße Auszahlung zum Ersten erwarten, und die dann plöglich vor dem Nichts stehen. Aber auch wer seine Spargelder zu der Bank getragen hat, fönnen. In Tausenden von Berliner Beamtenfamilien ist ist nicht in der Lage, auf diese Spargelder zurückgreifen zu Not und größte Gorge eingezogen, unmittelbar vor dem Winter, wo die Ausgaben sich häufen und wo mancher auf die Spargelder zurückgreifen muß, die er für Zeiten der Not und besondere Ausgaben bereitgestellt glaubte. So ist es begreiflich, daß zu Hunderten und Tausenden die Zentrale und ihrer Filialen standen, in der Hoffnung, daß betroffenen Beamten gestern vor den geschlossenen Gittern der die Schalter doch noch einmal geöffnet werden könnten.
Noch ist es ungewiß, wie groß die Verluste der Bank für Deutsche Beamte sein werden, ob es sich um eine mög= licherweise vorübergehende Zahlungsstockung handelt oder ob ein so großer Teil der Spareinlagen verloren sein wird, so daß eine Rettung der Bank nicht möglich ist. Die Bank für Deutsche Beamte ist eine Selbsthilfeeinrichtung von Beamten in der Form einer Genossenschaft, deren Kapital aus Genossenschaftsanteilen von je 10 m. zusammengesetzt ist, und bei der die Genossen für eine Haftung bis 100 M. in Anspruch genommen werden können. Soviel man bis jetzt weiß, haben Ende August bei einem Genossenschaftskapital von 600 000 bis 700 000 m. die Einlagen 13 bis 14 Millionen Mart betragen, und die Bant für Deutsche Beamte war in der Lage, gelegentlich von Fusionsverhandlungen mit der Zentralbank für Deutsche Bamte rund 5% Millionen Mart erste Sicherheiten für von der Zentralbank gewährte 3wischenkredite zu stellen. Es ist also mit einiger Bestimmtheit anzunehmen, daß ein relativ großer Teil der Einlagen nicht bedroht ist. Die Bant für Deutsche Beamte hat allerdings mit dem Deutschen Beamtenbund und auch mit dem Deutschen Beamtenwirtschaftsbund nichts zu tun und ist als eine private Genossenschaftsbant anzusehen. Bemühungen, der Bank für Deutsche Beamte dem Deutschen Beamtenbund, Proz. ermäßigt. Die Bank von England hat ihre Diskontrate von 6% auf das heißt der Zentralbank für Deutsche Beamte anzugliedern, waren umsonst. An dem Widerstand der Direktion der Bank ist es auch gescheitert, daß sich die Bank für Deutsche Beamte durch den Revisionsverband der Beamtengenossenschaften fontrollieren ließ, deffen Kontrolle für die Sicherheit der Einlagen wenigstens eine gewisse Gewähr geboten hätte. erfolgte die Kontrolle durch eine Treuhandgesellschaft des Reichslandbundes; die Geschäfte der Bant wurden außerhalb jeder Kontrolle der Beamtengewerkschaften geführt. Die Bank für Deutsche Beamte war schon längere 3eit in Schwierigfeiten. Im vorigen Jahre hat fie rund anderthalb Millionen Mark verloren an einem dunklen Beleihungsgeschäft, das mit dem Prinzen Auguft zu Hohenlohe - Dehringen gemacht wurde. Weitere Verluste, man spricht von 400 000 m., traten in Kreditgeschäften mit einem Autodroschkenunternehmen ein. Wie schon bei der vor wenigen Monaten zusammengebrochenen, unter deutsch nationaler Füh rung stehenden Berliner Beamtenvereini= gung, handelt es sich auch hier um Geschäfte, die dem Zweck einer Genossenschaftsbank absolut zuwiderlaufen. Als die Lage der Bant schwierig geworden war, suchte man eine Sanierung durch Verschmelzung mit anderen Banken herbeizuführen. Der Versuch einer Verschmelzung mit der Zentralbant für Deutsche Beamte ist gescheitert. Der Zusammenbruch der Bank wurde dadurch herbeigeführt, daß die Zentralbank für Deutsche Beamte früher in Erwartung der möglicherweise erfolgenden Verschmelzung gewährte Kredite im Betrage von 1,9 Millionen Mark zurückzog. Die Bank für Deutsche Beamte hatte zwar aus dem früher erfolgten Bertauf der 2,3 Millionen Aktien der Bekleidungsgesellschaft für deutsche Beamte an die heute von Jakob Michael fon
Ein unhaltbarer Beschluß der britischen Regierung. London , 31. Oktober. Die englische Regierung hat das deutsche Ersuchen abgelehnt, die Ciquidationsüberschüsse gemäß den Empfehlungen des Boung- Planes zurüdzugeben.
Wenn der Sejmpräsident Daszynski ablehnte, die Sigung zu eröffnen, da die Offiziere sich meigerten, das Gebäude zu verlassen, so hat er damit nur getan, was die Würde der Boltsvertretung vorschreibt. Sie muß volltommen frei tagen, sie darf einerlei Druck ausgesezt fein. Die Boltsvertretung darf nicht in Gefahr sein, daß bei irgendeiner Aeußerung eines Redners Bewaffnete in den Saal stürmen und die Verhandlungsfreiheit auch nur an= taften. Diese Gefahr bestand aber, denn sofort in der ersten Dieser Beschluß ist der Arbeiterregierung nicht Sigung sollten Mißtrauensanträge der Linten würdig. Mag auch der Buchstabe der Verträge Enggegen die Gesamtregierung eingebracht werden. land Recht geben, dem Geist der Versöhnungspolitik entAn ihrer Annahme ist gar nicht zu zweifeln; freilich hat der spricht dieser Standpunkt gewiß nicht. Das ist der britischen Bruder Pilsudskis , der Abgeordneter ist, schon legthin öffent Regierung bereits vor der Haager Konferenz fogar in englich angekündigt, die Regierung werde in diesem Falle zwar lischen Blättern wie dem Manchester Guardian" vorgezurücktreten, aber sofort eine ganz ähnliche Regierung erhalten worden und auch seitdem hatten sich die Proteste in nannt werden, d. h. fast lauter Militärs aus dem Pilsudsti- England selbst gegen diese engherzige Auffassung gemehrt. Lager!
Man wird in Polen hoffentlich fühlen, wie beschä= mend das gestrige Schauspiel ist, das noch dazu so rasch auf ben starten Linksrud im Nachbarstaat der Tschechoslowakei gefolgt ist.
Die Bertagung.
Nach einstündiger Unterredung mit dem Präsidenten Doumergue verlieh Tardieu das Elysee und teilte mit, Nach vierstündigem Warten tras das Antwortsdyreiben baß ihn der Präsident mit der Bildung der Regierung
beauftragt habe.
bes Staatspräsidenten ein, in welchem er den Sejmmarschall an Marschall Pilsudsti als Vertreter des erfrankten Ministerpräsidenten Er hat den Auftrag angenommen und beginnt Smijaliti verwies. Dasaninski hatte hierauf die oben gemeldete am Freitag vormittag seine Besprechungen. Unterredung mit Pilsudski . Kurz darauf wurde an die Abgeordneten ( Siehe auch 2. Seite.)
So