Nr. 49.
Erscheint täglich außer Montags. Preis pränumerando: Vierteljährlich 3,30 Mart, monatlich 1,10 Mr., wöchentlich 28 Pfg. fret in's Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- Nummer mit illuftr. Sonntags- Beilage Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3,30 Mt. pro Quartal. Unter Kreuz band : Deutschland u. Desterreich: Ungarn 2 M., für das übrige Ausland 3 Mt. pr. Monat. Eingetr. in der Poft Beitungs- Preisliste für 1896 unter Nr. 7277.
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Vorwärts
13. Jahrg.
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fernsprecher: Amt 1, Nr. 1508. Telegramm- Adresse:
Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2.
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Donnerstag, den 27. Februar 1896. Expedition: SW. 19, Benth- Straße 3:
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Führung noch den damaligen Beschluß vertritt.
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Umstürzler und Attentäter von Tag zu Tag an Umfan Fraktionsführers stelle ich die die Behauptung entgegen, und Tiefe; und es unterliegt keinem Zweifel, daß man bei daß, wenn wirklich die Differenz der Anschauungen sind die Ordnungsparteien durch den Umsturzfeldzug gegen Hofe in Regierungskreisen außerhalb des fo groß geworden ist, nicht ich es bin, der sich gedas Landtags- Wahlrecht vollständig demoralisirt. Es ist Ministeriums nicht ohne Besorgniß die Entwickelung der ändert hat, sondern die Fraktion. Unter meiner dasselbe Schauspiel wie vor anderthalb Jahren, wo der Dinge verfolgt. Auf so kräftigen Widerstand war man nicht Anwesenheit und Theilnahme hat die Fraktion einmal den einstimmigen Beschluß gefaßt, öffentlich zu er Umifturzfeldzug gegen das Gesetz und die Justiz eine ähn vorbereitet. tlären, daß sie unbedingt am allgemeinen Leider hat die Frage, was im Fall der Annahme des gleichen Wahlrecht festhalte. Die Erklärung ist liche Wirkung hervorbrachte. Das„ Leipziger Tageblatt " wird aus der Mitte seiner Regierungs- Entwurfs seitens der sozialdemokratischen Land- nachher nur deshalb nicht publizirt worden, weil die Besorgniß, eigenen nationalliberalen Leser mit Vorwürfen überschüttet und tagsfraktion zu geschehen habe, zu einer kleinen Meinungs- daß das Reichstags Wahlrecht bedroht sein könne, sehr bald allerhand Vorwürfe tauchen in ihm auf, wie noch in verschiedenheit geführt. Wer mit Personen und Dingen nicht wieder verschwand, aber da der Beschluß für die Defientlichkeit beletzter Stunde das, was durch Einbringung der Regierungs - vertraut ist, könnte vielleicht glauben, es handle sich um eine stimmt war, so habe ich auch das Recht, davon öffentlich GeIch richte hiermit an Herrn vorlage verdorben ward, wieder gut gemacht werden kann. ernsthafte taktische Differenz. Das ist jedoch nicht der Fall. brauch zu machen. So fordert ein nationalliberaler Pfiffifus im heutigen Alle Genossen in Sachsen sind einig darin, daß eine Landes- v. Stumm die Frage, ob die Fraktion unter seiner Leipziger Tageblatt ", daß man die Regierungsvorlage ohne versammlung über die Frage der Mandatsniederlegung, Gegenüber der Verkündigung, ich gehöre nicht mehr zur Partei, Umstände über Bord werfen und sich mit einer Erhöhung wie über alle sonstigen taktischen Fragen zu entscheiden hat. weil ich im sozialistischen Fahrwasser schwimme, ist eine solche des Zensus, der künstlich abzustufen sei, begnügen solle. Die Meinungsverschiedenheit besteht nur in bezug auf die Art Gegenfrage, die die historische Entwicklung der Partei Klarstellt, Als ob das nicht ebensoviel Unzufriedenheit" erzeugen und Zeit der Einberufung der Landesversammlung. Allein das doch wohl am Platz." ist, namentlich in anbetracht der Uebereinstimmung, die sonst Herr Stumm und seine Knappen werden wohl ebenso Auf den Vorwärts" ist das„ Leipziger Tageblatt " fuchs herrscht auch in bezug auf die eventuelle Mandats- wie die" Post" auf diese Frage nur verlegenes Schweigen wild und nennt es eine fauftdicke Lüge", daß der einst niederlegung ein fo untergeordneter Punkt, daß unsere haben. annexionslüfterne Nationalliberalismus durch die Regierungs - wohlgeschulten sächsischen Genossen spielend über denselben Das preußische Abgeordnetenhaus nahm am Mittwoch vorlage in Sachsen zur Herrschaft gelangen würde. Eine faust- hinwegkommen werden. zunächst den Gesezentwurf betreffend die Veränderung der dicke Lüge", was doch im Grund nur eine Schmeichelei ist! Wir theilten gestern die neueste Aeußerung der Sächsis Grenze zwischen dem Landkreise Kassel und dem Kreise Welche Verrohung des Tons". Aber ist es denn nicht schen Arbeiterzeitung" mit. Auf den nämlichen Standpunkt Wolfhagen in dritter Lesung ohne Debatte an und setzte sodann die zweite Berathung des Etats der Eisenbahnwahr? Bertritt der Nationalliberalismus nicht den Geld: stellt sich das" Sächsische Voltsblatt". fack? Und wird der Geldsack durch die Regierungsvorlage Wir wollen uns nicht in die Sache einmischen; wir Berwaltung fort. Auf eine Beschwerde des Abg. Richter nicht zum unumschränkten Herrn der Kammer gemacht? überlassen die Entscheidung ruhig unseren sächsischen über die schlechte Beleuchtung der Eisenbahnwagen, die Oder bestreitet das„ Leipziger Tageblatt " etwa die Genossen, die dafür sorgen werden, daß um einer solchen Ueberfüllung der Stadtbahnwagen und die mangelhafte Anlage der Abgänge und Lappalie willen kein Streit in der Partei entbrenne, Stadtbahnhöfen gab Minister Thielen zu, Zugänge auf den Anneri onslüsternheit der Nationalliberalen? Es frage daß diese doch seinen spiritus rector, den alten Profeffor Bieder der blos dem Feinde nüßen und die Sozialdemokratie Mißstände in der That bestehen und daß er, soweit mann, ob dieser nicht u. a. im Jahre 1866 an seinen Sachsens der Lächerlichkeit preisgeben würde. möglich, bestrebt sei, dieselben zu beseitigen. Die Ueberfüllung Frankfurter Fraktionsgenossen, den Vize- Da giebt es nur einen Gedanken: den Feind Wir sind mitten in der Schlacht. der Waggons in der Stadtbahn hat der Minister an seinem pflegt, so begnügt er sich vorläufig mit einer Vermehrung der Sofgerichts Advokat Reh in Darmstadt , in Darmstadt , schlagen. Stadtbahnwagen zweiter Klasse. Daß es in der dritten geschrieben und diesen aufgefordert hat, Klaffe noch schlechter bestellt ist, scheint Herr Thielen nicht zu Sie Einverleibung Süddeutschlands in wissen, oder glaubt er vielleicht, daß das weniger zahlungs den preußischen Staat thätig zu sein, wie fähige Bublifum feinen Anspruch auf menschenwürdige Beförderung er selber nebst Genossen für die Annexion hat? Wenn das liebe Vieh so eingepfercht würde, wie die Eine harte Nuß für die üm Stumm. von Sachsen , Bennigsen für die Annexion tonservative Prof. Delbrück richtet in seinen Preußischen wäre sofort der Thierschußverein mit einer berechtigten Anzeige Bassagiere dritter Klasse zu gewissen Verkehrszeiten, so von Hannover , Detter für die Annexion Jahrbüchern" folgende Anfrage an die konservative Fraktion bei der Hand. Eine Anzapfung des Grafen Limburg von Kurhessen , Braun für die Annexion zu Händen König Stumm's: Stirum, daß die Stadt Berlin verpflichtet sei, selbst mehr von Nassau. In der Sigung des Reichstages vom 18. Februar hat Herr für die Verbesserung ihrer Verkehrsverhältnisse zu thun, gab dem Herr Professor Biedermann, der auf seine Wahrheits- von Stumm erklärt, ich sei so ziemlich in das sozialistische Fahr- Abg. Richter die erwünschte Gelegenheit, auf die Schwierig liebe sehr stolz ist, wird diesen Brief gewiß nicht abstreiten, wasser gerathen"- jedenfalls rechnen wir ihn nicht mehr zu den feiten hinzuweisen, die bei Schaffung neuer Verkehrsangelegen und er ist wohl auch so gut, dem Leipziger Tageblatt " die Unsrigen." Ich weiß nicht, ob diese Ausstoßung auf einem heiten bereitet würden. So hat bekanntlich die PferdebahnAntwort mitzutheilen, welche er erhalten hat, und Fraktionsbeschluß beruht oder ob Herr von Stumm, wie Gesellschaft für die Erlaubniß der Durchquerung der man es von Herrn Richter zu sagen pflegt, bereits so sehr der Linden Million zahlen müssen, und die die uns bekannt ist. Kaiser wie ebenfalls be. Und warum sollten die Nationalliberalen nicht, wenn Generalgewaltige in der Partei ist, daß er auf Wilhelms Gedächtnißkirche hat sich, sein dürfte, als ein Hinderniß für den Bau sie wieder an die Gewalt kommen, zu ihrer alten Liebe eigene Hand Mitglieder, die ihm mißfallen, erfludiren darf. fannt Daß die Forderung der Vereins- und Koalitions: der elektrischen Hochbahn erwiesen, obgleich der Baus zurückkehren? reiheit ein Zeichen des Sozialismus sei, plak für die Kirche von Charlottenburg unentgeltlich herWährend Zerfahrenheit und Kopflosigkeit im Lager der ist eine Argumentation, deren doch wohl gegeben wurde. Der Rest des Etats bot, da nur lokale Wünsche ordnungsparteilichen Umstürzler und Attentäter herrschen, nur Herr von Stumm persönlich fähig ist zur Sprache tamen, nichts Bemerkenswerthes. Eine Petition gewinnt die Volksbewegung gegen die ordnungsparteilichen Wie dem aber auch sei, dem Bannstrahl des Herrn betr. die Wiedereröffnung des Ost- Bahnhofs
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Roman aus der Gegenwart von H. W. M. von Walthausen.
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läßt Ihnen durch mich hier diese beiden Ringe überreichen
eigenen Leibe erfahren; da er aber nur zweiter Klaffe zu reiſen
„ Auf das Wohl des Ehepaares!" fügte die Inspektorin Clotilde.( Nachdruck verboten.) nicht allein aus Anerkennung für ihre gute Führung, auch hinzu, und die Gläser klangen hell und die Herzen fühlten als ein Erinnerungszeichen, daß Sie zwar viele trübe, fich gehoben. aber auch eine erhebende Stunde hier erlebt. Außer In Hanne's Augen perlten Freudenthränen, als der Hanne drehte sich noch einmal um, blieb stehen und dem erhalten Sie von Staatswegen hier diese Summe Inspektor mit ihr anstieß und sprach:" Der Sieg der Uns sagte: Dieser Ort ist mir nun nicht mehr so grauenvoll Geldes. Nicht, daß damit das schwere Leid, das Sie schuld klingt aus diesem reinen Klange! Auf eine fröhliche als sonst. Ich verlasse ihn, aber ich werde gern an ihn erduldet, der große Rechtsirrthum ungeschehen und gefühnt Ehe, Herr und Frau Friedrich!" zurückdenken, denn hier habe ich erfahren, daß meine Un- wird, das ist unmöglich, aber diese Summe wird Ihnen schuld erwiesen ist, daß mein Gott mich nicht verlassen hat." nügen, die ersten Jahre Ihrer neuen Lebensstellung sorgenSie ging und zog Friedrich mit fort. los zu verleben," Der Gerichtsdiener ging voraus und wischte sich eine Thräne aus dem Barte.
Hierauf steckte er Hanne einen Ring an, der die Inschrift:„ Gottvertrauen und Liebe" trug, desgleichen auch Friedrich, dem er zugleich das Geld einhändigte.
Freudig wurden die Gläser geleert.
Der Assessor Händrich wendete sich jetzt an Hanne, als der Gerichtsdiener fam und meldete: der Wagen sei da", mit den Worten:" Möge Ihr Gottvertrauen Sie auch ferner start erhalten und kräftigen, möge Ihnen beiderseitig eine freudenvolle Zukunft bescheert sein, um das Vergangene zu vergessen!
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Händrich und die Inspektorin, die sich ebenfalls die Augen trockneten, folgten. Händrich flüsterte ihr zu:„ Welch Friedrich war sehr erfreut, aber für Hanne wurde es ein Unterschied! Welche Gegensätze habe ich in turzer Zeit zu viel. Sie fant ihrem Manne an die Brust und wäre" Gott !" fagte Hanne, Du läßt mich hier schon hintereinander gesehen. In öden Gefängnißzellen habe ich umgesunken im plöglichen Krankheitsanfalle, wenn Friedrich zu viel Glück erleben ich und sie sant in Friedrichs zwei gute, in Gewissensreinheit glückliche Menschen auflebeu, fie nicht aufgehalten hätte. in Prunkgemächern, die von Lugus überladen, habe ich zwei Mein und führte das Baar an einen Tisch, wo ein Imbiß Die Juspektorin brachte ihr schnell ein Glas starken" Nun, ich will Dir zeigen, daß ich Dich auf den böje unglückliche Verbrecher gefunden und enden sehen."
Im Amtszimmer des Gefängnißinspektors fanden die und Wein stand. Ankommenden nebst dem Inspektor schon den Standes- Hanne erholte sich etwas, legte ihren Kopf aber wieder beamten und seinen Gehilfen vor. Sie saßen an einer an Friedrichs Schulter. grün ausgelegten Tafel, ein Kruzefir stand darauf. Der Standesbeamte hielt nur eine kurze Rede, da er wohl bemerkte, daß Hanne sehr leidend war.
Als er die beiden für ehelich verbunden erklärt und Friedrich den Ehekontrakt hatte unterzeichnen lassen, reichte er auch Hanne die Feder zum Unterschreiben und sagte: Nun verschreiben Sie sich nicht, Frau Friedrich." Hanne unterschrieb sich zuversichtlich als Ehefrau Johanna Friedrich.
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Aber Hanne," sagte dieser, jetzt darfst Du nicht krant werden, freue Dich doch, daß alles so gut endet." Durch Gottes Hilfe," flüsterte Haune. Es ist zu viel, Gott hilf mir's tragen."
Die Frau Inspektorin hatte die Gläser gefüllt und reichte dann den Imbiß herum.
Der Assessor befahl leise dem Gerichtsdiener, einen Wagen zu holen.
Arme.
Händen tragen werde," sagte dieser. Er erfaßte die feder leichte Hanne und trug sie auf seinen Armen bis in den Wagen.
Sie fuhren nach dem Magdalenenstift. Dort wurden sie von der freundlichen Oberin empfangen und in ihr neues Heim eingeführt.
Das kleine Häuschen war in Stube, Kammer und Küche getheilt. In der gut ausmöblirten Wohnstube hieß die Oberin die beiden jungen Leute herzlich willkommen, schickte aber ihre mit eingetretene Begleiterin zum Arzte.
In der Kammer fanden Friedrich und Hanne ihr Bett " Sieh' nur, Hanne," tröstete Friedrich, was wir da wieder und noch ein zweites dazu. Auch war alles, was Und nun gestatten Sie", fuhr der Beamte fort, daß bekommen haben, nun fannst Du sparen! Sorgenlos sollen sie besaßen, hierher gebracht und aufgestellt worden, wie in ich der erste bin, der Ihnen einen herzlichen Glück und wir davon leben, also nun mache Deinem Manne nicht ihrer einstigen Wohnung. Da stand Hannchen's Kommode Segenswunsch darbringt für Ihre Ehe." Er reichte jedem gleich Sorgen, ich will Dich schon pflegen." mit all den kleinen Sächelchen darauf, wie einst. Auch der jungen Eheleute einzeln die Hand und bat sie, noch für Der Standesbeamte erhob zuerst das Glas und rief: standen hier ihre Stühle und das Sopha, ihr Hochzeitseinige Augenblicke Play zu nehmen. Der Herr Inspektor Auf die Gesundheit der jungen Frau." gescheut vom Druckereipersonale. ( Forts. folgt.)