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Morgenausgabe

Nr. 525

A 264

46.Jahrgang

Böenth 85 31. monatfid 8.80 im voraus zahlbar. Boftbezug 4.32 DR. einfchließlich 60 Bfg. Boftzeitungs- u 72 Bfg. Boftbeftellgebühren Auslands abonnement 6,- M pro Monat

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Der Bormårts ericheint wochentag lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abenbausgaben für Berlin und im Hantel mit dem Titel Der Abend". Illuftrierte Beilagen Volk und Zeit und Kinderfreund". Ferner Unterhaltung und Biffen". Frauen­Stimme" Technil Blid in die Bücherwelt und Jugend- Borwärts®

Vorwärts

Berliner Bolksblatt

Freitag

8. November 1929

Groß- Berlin 10 Pf. Auswärts 15 Pf.

Die stat

18. Ronparetezetta 80 Bfennig. Reflamezetle 5.- Reichs mart Kleine Anzeigen' dar ettge Brudte Bort 25 Pfennig zulässig met Fettgedruckte Worte), jedes weitere Bors 12 Bfennig. Stellengesuche das erite Bori 15 Bfennig, jedes wettere Bort 10 Pfennig. Borte über 15 Buchstaben goblen für zwei Borte Arbeitsmart Seile 60 Pfennig. Familienanzeigen Zeile 40 Pfennig. Anzeigenannahme im Haupt eeschäft Lindenstraße 3, wochentäglich con 81, bis 17 Ubr.

Bentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands

Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Vorwärts- Verlag G.m.b.H.

Fernsprecher: Dönhoff 292-297. Telegramim- Abr.: Sozialdemokrat Berlin .

Notwehr gegen Rohlinge.

Ein Siebzigjähriger ohrfeigt einen fommunistischen Verleumder. Stadtverordnetenversammlung im Tumult aufgeflogen.

Im Berliner Rathaus gab es gestern eine mehr als stürmische Stadtverordnetenversammlung. Sie endete schließlich in Tumult und mußte ergebnislos ab gebrochen werden.

Wieder, wie so oft schon, übersteigerten die Kommunisten ihre lümmelhafte Ausdrudsweise bis zu den schamlose sten Beschimpfungen der Sozialdemokratie und ihrer Bertreter, bis schließlich unseren Genossen die Geduld riß und der älteste von ihnen, der Parteineteran Tempel, zur Rednertribüne schritt und dem dort geftitulierenden Neu töllner Lange mitten auf sein 2ästermaul schlug!

Der mehr als Siebzigjährige, der seit Jahrzehnten in Stürmen und Wettern für die Partei der Arbeit gefämpft hat, war wie alle aufs tiefste empört über die bodenlose Niedertracht des fommunistischen Schimpfapostels, der sich nicht scheute, mehrfach und immer betonter die Sozialdemo­traten im Saale und außerhalb des Saales alsämtlich Betrüger übelster Sorte" zu beschimpfen. Es gibt Augenblicke, die auch dem Geduldigsten das Blut in die Wangen treibt. Ein solcher Augenblid war gefommen, als der kommunistische Propofateur, der seit Wochen faft als einziger noch geduldeter Sprecher" jeiner Frattion auftritt, sich über sein übliches Schimpfregister hinaus zu der gewollten Berleumdung verstieg, daß sämtliche Sozialdemokraten Betrüger seien. Der Greis stieg hinauf und stopfte das Lästermaul des Buben, der sein Mandat zu solchen Schamlosigkeiten mißbrauchte. Kommu­nisten, die ihrem Lange zu Hilfe eilten, riffen den alten Ge­noffen Tempel um, so daß er die Treppenstufen hinabfiel, glüdlicherweise ohne erheblichen Schaden zu nehmen.

Im allgemeinen Tumult mußte die Sigung dann unter brochen und schließlich vertagt werden, da die Kommunisten sich im Aeltestenausschuß nicht einmal zu einer Zurücknahme ihrer Berleumdungen und zu einer Entschuldigung für die Lümmeleien ihres Lange verstehen wollten oder durften.

Der 3med der Sigung war damit vereitelt. Die Kom­

Prachivoller Aufstieg.

Der Erfolg der Werbewoche.- Bisher über 50 000 neue Mitglieder.

Aus dem Parteivorstand wird uns geschrieben: 40919 Männer und 10444 Frauen, insgesamt 51363 Neuaufnahmen sind bis heute aus 32 Partei bezirken dem Parteivorstand als vorläufiges Ergebnis der diesjährigen Werbeaktion gemeldet worden. Von 202 Parteizeitungen berichten 102 einen Zugang von 43030 neuen Abonnenten.

Dabei ist die Werbung noch an feiner Stelle abgeschlossen. Ueberall sind die Funktionäre und Mitglieder der Partei eifrig bestrebt, das jetzt schon aus gezeichnete Ergebnis noch zu verbessern. Mit welcher Rührigkeit und Liebe für die Partei gearbeitet wird, zeigt ein Bericht aus dem Chemnitzer Bezirk, nach dem dort ein Genosse 63, 2 Genossen je 44, 3 Genossen je 42 und 23 Genossen je 16 bis 28 neue Mitglieder der Partei zugeführt haben. Das ist die beste Vorarbeit für die bevorstehenden Kommunalwahlen!

munisten hatten bekanntlich den Antrag gestellt, dem Ober­bürgermeister Böß das Mißtrauen auszusprechen und ihn ohne Pension sofort seines Amtes zu entkleiden. Deutsch­nationale, Knüppelkunze- Partei, Wirtschaftspartei, ja auch die Bolkspartei und das Zentrum hatten sich bereit erklärt, für das Mißtrauen zu stimmen, während Sozialdemokraten und Demokraten erklärten, sich an der Abstimmung nicht zu beteiligen. Durch die namenlosen Provokationen des Lange in seinem Schlußwort wurde aber die Abstimmung ver­hindert. Die förperliche Büchtigung, die der Dreißigjährige von dem Siebzigjährigen einsteden mußte, war das Signal zur völligen Sprengung der Versammlung.

Niemand wird, von den berufsmäßigen Prügelhelden abgesehen, an diesen Szenen eine Freude haben. Aber jeder wird verstehen, daß auch dem Sachlichsten einmal die Galle überläuft, wenn er sich der nacktesten Schmähsucht und dem Kaschemmenton der mostomitischen Provokateure ausgeliefert sieht. So war die Ohrfeige zu begreifen, die Tempel dem Lange gab. Sie galt gleichzeitig dem Sauherdenton der ganzen Kommunistischen Partei und mag als solche gefühlt werden.

Für jeden, der ernst an einem Aufbau der kommunalen Selbstverwaltung arbeitet, find die Rüpelmethoden der Kommunisten längst unerträglich gemorden. Mehr noch: fie sind die schlimmste Schädigung des demokratischen Selbst bestimmungsrechts und damit der höchsten Interessen des Bolkes. Es gibt nur eine Macht, die diese Rohlinge aus dem öffentlichen Leben verbannen kann, das ist die Wählerschaft selbst Jede Stimme, die den Kommunisten am 17. November zufällt, ist ein Schlag gegen die Interessen der Arbeiterschaft! Jede kommunistische Stimme ist eine Unterstügung des politischen Freibeutertums. Sorgt dafür, daß Berlin von diesen Schimpf- und Raufbolden befreit wird. Schafft die sozialdemokratische Mehrheit im Rathause!

Den Bericht über die Stadtverordnetenversammlung geben wir an der Spize der ersten Beilage.

Rrisentreibereien eines Teiles der Konservativen völlig Derpufft find.

Die Aussprache wurde durch eine Rede des ehemaligen tonfer­vativen Ministerpräsidenten Baldwin eröffnet, die in ihrer ruhigen Würde und Zurüdhaltung alles vermied, was die Stellung der Regierung gegenüber Indien erschweren oder benachteiligen förmte. Baldwin betonte nach einer vernichtenden Kritik der gegen ihn in der konservativen Daily Mail" erhobenen Angriffe, daß es pollig absurd fei, von einer politischen Krise wegen Indien zu sprechen. Es gäbe teine Krise und hätte nie eine gegeben. Die Lage verlange jedoch eine Aufflärung. Baldwin wieberholte dann die von Lord Reading, dem früheren liberalen Bizetönig von Indien , am Dienstag im Oberhaus gestellten Fragen und suchte in einer groß angelegten grundsätzlichen Darstellung die Indien politit der Konservativen zu erläutern. Seine Rede flang in den Ausführungen aus, daß Großbritannien das Wort von 1917 und 1919 zu halten wünsche. Aus seinen abschließenden Sägen wurde jedoch deutlich, daß er den Uebergang Indiens zu einem sich selbst regierenden Glied des britischen Reiches nicht für eine Frage von Jahren, sondern von Generationen halte.

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Stalins Kommunismus.

Gefahren der Versuchspolitik. Von Peter Garwy.

12 Jahre Sowjetrußland. Wie gewöhnlich- Kriegs­parade am Roten Plaz. Auf der Tribüne neben den Führern der Weltrevolution"- Auslandsdelegationen und Diplomaten. Geschüße, Tanks, Flugzeuge. Bewaffnete Jugendliche und Frauen. Unendliche Demonstrationszüge mit auffordernden Plakaten. Trotzdem ein Jubiläum ohne Freude.

12 Jahre Sowjetrußland. Und das Fazit? Außenpoliti­fche Isolation, Kriegsgefahr im Fernen Often, Wirtschafts­trise und wachsende Gärung im Lande. Es ist kein Zufall, daß diesmal das Jubiläum des Bolschewismus mit einer sich durch ganz Rußland wälzt. Der Dauerlauf der Diktatur neuen Blutwelle des Terrors zusammenfällt, die ist ein Kreislauf. Er endet, wie er begann im Blut.

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nach links. Die eigentlichen Urheber der glorreichen Oktober­Der allmächtige Diftator haut blindlings nach rechts wie revolution" sind verfolgt, verbannt, expatriiert. Es genügt, die Namen Trogli und Bucharin zu nennen. Der Allein­herrscher Rußlands fühlt sich von allen Seiten von Feinden umgeben. Er bemüht sich, seine wirklichen oder eingebildeten Feinde einzuschüchtern und möglichst auszurotten. Hunderte von Hinrichtungen, was für ein abstoßendes Bild gerade an den Jubiläumstagen!

in Bermanenz. Und die Diftatur in Bermanenz ist ihrer­Der Terror in Bermanenz ist eine Folge der Diktatur feits die Folge nicht nur der Machtlust der Bolschemisten, fondern auch ihrer utopistischen Versuchspolitik. Die Ver­fuchung, die bauernbürgerliche russische Revolution über ihre geschichtlichen Grenzen zu treiben, führte unvermeidlich zu einer Minderheitsherrschaft. Dabet mußte das Fehlen der fozialökonomischen und fulturpolitischen Voraussetzungen für die Errichtung des fofortigen" Sozialismus durch die Ge­waltmethoden der Diftatur ersetzt werden.

Die gegenwärtige Verschärfung des Terrors ist mit dem Stalinschen Linksturs auf das engste verbunden. Als Fraktionsmanöver im Kamfe mit der Trozkischen Links­opposition gedacht, hat sich der Stalinsche Linksturs längst in ein Dauersystem verwandelt. Zwar ist die Kapitulation der Linksopposition mit Raded, Ratowski und Tropfi an der Spize ein beredtes Zeugnis für die Rückgratlosigkeit dieser Weltrevolutionäre". Aber es ist nicht zu leugnen, daß die Linksopposition um so leichter ihre Waffen vor dem Diktator ftreden fonnte, als ihr friegskommunistisches Programm durch die Stalinsche ,, Generallinie" weit überholt ist. Kein Zufall gleichfalls, daß das Trommelfeuer jetzt fast ausschließ­lich nach rechts gerichtet wird. In der allerlegten Zeit wird die Anwendung der schärfsten polizeilichen Maßregeln gegen Bucharin und andere Rechtsabweichler vorbereitet, die den Stalinschen Linksfurs als ein Verhängnis sowohl für die Bolkswirtschaft, als auch für die Parteidiktatur bezeichnen und wenn auch schüchtern, bekämpfen.

Das lintskommunistische Programm lief nur auf die fors cierte Industrialisierung, auf die Bekämpfung des Kulafen­tums und auf die Förderung der Kollektivwirtschaften auf dem flachen Lande hinaus. Der Stalinsche Linkskurs hat sich dies Programm der Linksopposition nicht zu eigen gemacht, sondern es in ein Programm des integralen Kommunismus verwandelt. Die ,, tempause" so­mohl im Auslande als in Rußland selbst wurde für beendet erklärt. Die sozialistische Offensive" auf der ganzen Front -in Stadt und Land- wurde proflamiert. Die Nep, d. h. die neue Wirtschaftspolitik, die von Lenin 1921,, im Ernst und auf die Dauer" als Uebergangsform und stufe zum Sozialis= mus verkündet wurde, wird zwar formell nicht abgeschafft, aber in der Praris beseitigt. Das Privatkapital wird aus der Kleinindustrie und aus dem Handel fast völlig verdrängt. Die forcierte Industrialisierung stellt sich nach dem revidierten Wirtschaftsplan zum Ziel, in fünf Jahren die vorgeschritten­sten Industrieländer von Europa und Amerika einzuholen und zu überholen". Zu diesem 3wed wird die Arbeitsinten­fivierung ohne entsprechende Entlohnung in der demagogi­schen und heuchlerischen Form des sozialistischen Wett­bewerbes" getrieben, die Arbeitslöhne auf dem niedrigen Niveau gehalten, die durchgehende Arbeitswoche" plöglich Industrialisierung ausschöpfen soll. Schließlich wird die ,, ein­Heute: Mitte, Wedding , Prenzlauer Berg , Char- heitliche Betriebsleitung" durchgeführt, die alle Macht dem Roten Direktor" im einzelnen Betriebe mie dem Stalin in der Partei und im Staate einräumen soll.

Lloyd George betonte, daß Großbritannien teinen Schritt hinter seinen bisherigen Erflärungen zurückgehen dürfte.

Der Erfolg beweist aufs neue die große Anziehungs. Wählerversammlungen eingeführt, die die letzten Reſerven für die forcierte

Kraft der Sozialdemokratischen Partei; er wird die Genossinnen und Genossen im ganzen Reiche bewegen, ihre volle Kraft einzusehen, um den Kommunalwahl. tampf und die Werbeaktion zu einem glänzenden Sieg der Partei zu gestalten.

Indiendebatte im Unterhaus.

Baldwin gegen Kr.sentreibereien, aber gegen schnelle Lösung.

Condon, 7. November( Eigenbericht).

lottenburg, Schöneberg , Steglitz , Zehlendorf , Tegel , Weißensee und Reinickendorf - West. Morgen und Sonnlag: Mitte, Wedding , Prenz auer Bere, Schöneberg , Kaulsdorf , Biesdorf , Mahlsdorf Blankenfelde und Müggelheim . Näheres im Innern des Blaites!

Im Unterhaus begann am Donnerstag die große gegen das Profitinteresse der Großkapitalisten! Indiendebatte. Der Verlauf der Debatte bewies, daß die Für die öffentliche Wirtschaft! Für ein freies Berlin !

Aber der Schwerpunkt der Stalinschen Bolitik des ,, inte­gralen Kommunismus" liegt auf dem flachen Lande. Die Sozialisierung der Landwirtschaft ist auf die Tagesordnung gestellt. Die Nep bedeutete die Entwicklung der privatwirtschaftlichen Elemente im Dorfe und folglich in der Stadt. Aus politischen Erwägungen wurde Stalin zur radikalen Revision der gesamten Agrar- und Bauernpolitik ber Bartei in der Richtung der Ueberwindung der privat­wirtschaftlichen Elemente gedrängt. In derselben Richtung