Nr. 50.
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Vorwärts
13. Jahrg.
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Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2.
Sachsen.
Die Berufung der Landesversammlung ist erfolgt. Den fächsischen Parteiorganen ging nachstehender Aufruf zu: An die Parteigenossen Sachfens!
Die gegenwärtige politische Situation in Sachsen veranlaßt
die Landtagsfraktion, die diesjährige
Landesversammlung
der sozialdemokratischen Partei Sachfens auf den
7. und 8. April d. J.
Freitag, den 28. Februar 1896.
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alle anderen sächsischen Partei Drgane dargelegt. Und sollte das Wahlrechts Attentat auch vor dem 7. April perfekt geworden sein, so ist unseres Erachtens eine Mandatsniederlegung auf der sächsischen Landesversammlung eine noch viel imposantere Manifestation, als eine Mandatsniederlegung in der sächsischen Kammer.
Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3:
Der Beugnißzwang
im Disziplinar- Verfahren. artikel zu schreiben, der das Verfahren gegen einen der poliEs widerstrebte uns, in eigener Sache" einen Leit. Nun finden wir aber in einem unserer Partei ferustehen tischen Redakteure unseres Blattes in helle Beleuchtung stellte. den Organ, der fortschrittlichen Breslauer Morgen- Zeitung", einen Leitartikel, der unter obigem Titel dieses Verfahren
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Kurz, wir sehen schlechterdings keinen Grund zu ungeduldigem Drängen. Und ein schwerer nicht leicht gut zu machender Fehler an der Partei würde es sein, wollte man jetzt in einer Frage, in der alle Parteigenossen einig sind- Beginn der Verhandlungen am 7. April vormittags 11 ist eines Nebenpunktes wegen einen Streit in der Partei wir ihn nachstehend zum Abdruck bringen. Er lautet: Uhr. gegen so daß
Zages Ordnung:
1. Bericht des Zentralkomitees. Berichterstatter E. FischerDresden.
2. Die Thätigkeit des Landtags. Berichterstatter H. Gold ft ein Zwickau .
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nicht versandt.
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aufachen.
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Doch wir haben keine Besorgnisse der gesunde Sinn unserer altbewährten, wohlgeschulten sächsischen Genossen dulden. wird eine solche Diversion zu gunsten unserer Feinde nicht Wir haben jetzt in Sachsen eine vorzügliche Position wollen sie uns nicht selber verderben. Den Wahlrechts Attentätern und Umstürzlern fängt an, bange zu werden.
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Wie wir kürzlich berichteten, ist der Redakteur des Vorund Freitag Nachmittag wieder entlassen worden. Der Grund wärts", Dr. Braun, vorigen Mittwoch Abend in Haft genommen war Meineidsverdacht wegen seiner Aussage vom 31. Januar, 3. Wahlrechtsänderung und die Stellung der Partei zu der die er in einem Disziplinar- Untersuchungsverfahren felben. Berichterstatter Fr. Geyer- Leipzig . Unbekannt" hatte abgeben müssen. Er hatte damals ausgesagt, 4. Anträge der Parteigenossen. der oder die Schuldigen seien ihm nicht bekannt; inzwischen sind Anträge, die auf der Landesversammlung zur Verhandlung die Thäter entdeckt worden. Dies Vorkommniß zeigt deutlich die tommen sollen, find bis zum 24. März an Unterzeichneten einverfahren führen kann, und es erscheint uns deshalb angemessen, ernsten Konsequenzen, zu denen ein derartiges Ermittelungszusenden; dieselben müssen vom Bureau der Versammlung oder es vom Vertrauensmann mitunterzeichnet sein. bei der Wichtigkeit der Sache und der jederzeit vorhandenen Ganz aus dem Häuschen ist die Nationalliberale Möglichkeit einer Wiederholung mit kurzen Worten darauf zurück. Es wird den Genossen empfohlen, nicht mehr als vier Korrespondenz", daß der Vorwärts" den Sieg des sächsischen zukommen und die jeßige Praxis, sowie einige denkbaren MöglichDelegirte aus jedem Reichstags- Wahlkreise zu entsenden. Nur mit Mandat versehene, in öffentlichen Versammlungen Dynastie hingestellt hat. Wir Sozialdemokraten sind Nationalliberalismus als eine Gefahr für die sächsische feiten zu beleuchten. gewählte Delegirte haben Stimmrecht. Mandats formulare werden nicht die Hüter der Monarchie; aber wir sind Geschichtszeitig bewirkte Beröffentlichung des kaiserlichen Amneftie- Erlaffes Es handelte sich bekanntlich um die vom Vorwärts" vorDie Bekanntgabe des Lokals, in welchem die Landes- schreiber, die das verzeichnen, was unter unseren Augen vor für das Heer. Der Kriegsminister hegte den Verdacht, daß durch versammlung stattfindet, erfolgt später. sich geht. Und ist es nicht eine Thatsache, daß der die Indiskretion eines von ihm ressortirenden niederen Beamten Röschenbroda Dresden, Nationalliberalismus, feiner großkapitalistischen, eines Angestellten der Druckerei des Armee- Verordnungss blattes eine Abſchrift des Erlasses dent„ Vorwärts" vorzeitig Staat als zentralisirtes Geschäft auf in die Hände gespielt worden sei. Gegen irgend eine bestimmte fassenden Weltanschauung nach den Einheitsstaat strebt, Person lag fein Verdacht vor; daher führten die Aften der Die sozialdemokratische Landtagsfrattion. und daß insbesondere die sächsischen National alsbald eingeleiteten Disziplinar- Untersuchung das Rubrum J. A.: August Kaden . Das„ Leipziger Tageblatt " höhnt, daß die Landes- liberalen offen und mit den gewaltthätigsten wider Unbekannt". Zur Ermittelung des Schuldigen requirirte Das Leipziger Tageblatt " höhnt, daß die Landes- revolutionären Mitteln die Annexion Sachsens der Minister auf grund der§§ 157-160 des Gerichts- Verfassungsverfammlung nicht schon auf nächste Woche berufen worden an Preußen, also die Entthronung des Hauses Gesetzes das Berliner Amtsgericht, und dieses lud sämmtliche ist. Der Hohn des„ Leipziger Tageblatt " zeigt, daß ihm Wettin erstrebt haben? Wit wohlfeilen Wigen, daß wir Redakteure und noch andere Angestellte des„ Vorwärts" zur Verder sofortige Zusammentritt erwünscht gewesen wäre, und Sozialdemokraten sicherlich keine Freunde der Monarchie nehmung als zeugen vor. das ist ein Wink für die Genossen, die etwa abweichender find, kommt man über diese fatale Thatsache nicht hinweg. welchem der Erlaß abgedruckt war, zuerst vernommen wurde, Dr. Braun, der als Redakteur des politischen Theils, in Meinung waren. Was den Feinden mißfällt, ist sicher in Gewiß, wir Sozialdemokraten sind Republikaner , aber protestirte gegen seine Bernehmung in dem Disziplinar- Ermitteunserem Interesse. Rasches Handeln, wo es nothwendig- wir haben noch keinen Landesverrath lungsverfahren, weil seines Erachtens ein solches auf grund der feine Ueberstürzung, wo es gilt einen wuchtigen Schlag zu geübt und noch keine Verschwörung gegen Strafprozeß Ordnung nicht statthaft war; er fügte sich aber führen. Nervöse Haft ist ein Zeichen der Schwäche; das den Bestand der Monarchie eingefädelt, wie das unter dieser Verwahrung dem Zwange, da ihm die Verhängung Bewußtsein der Kraft giebt Ruhe. sächsischen urkundlicher Maßen gethan haben. und insbesondere die der Haft drohte, und sagte aus, daß ihm die Person, durch welche der Redaktion eine Abschrift des Erlasses zugegangen war, unbekannt sei.
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Schüßenstr. 1,
am 26. Februar 1896.
die Nationalliberalen,
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Die Leipziger Volkszeitung " fordert uns auf, flipp und klar zu erklären, ob wir für sofortige Mandatsniederlegung sind. Das fofort", dächten wir, sei durch die Herren Nationalliberalen sehr unbequem ist: daß gerade welches das Feuer scheut, denn genau ein Jahr vorher hatte er Und auch die andere Thatsache steht fest, die den Er befand sich nämlich in der Rolle des gebrannten Kindes, Ex Exzellenz von Buttkamer in Mißkredit gekommen. Wir siejenigen Bevölkerungsklassen, die jetzt durch das in einem ganz gleichartigen Verfahren den Verluft seiner per sind für die Niederlegung aller sozialdemokratischen Man- sächsische Wahlrechts Attentat des bate, wenn das Wahlrechts- Attentat verübt ist Wahlrechtes be- sönlichen Freiheit zu beklagen, weil feine journalistische Ehre raubt werden und für politisch einflußlos erklärt werden ihn zur Verweigerung seines Zeugnisses zwang. Damals hatte der haben wir mit nicht mißzuverstehender Deutlichkeit im sollen, es gewesen sind, die in den 60er Jahren Vorwärts" einige vertrauliche Erlasse des Landraths von " Vorwärts" wiederholt ausgesprochen, und mündlich, im der nationalliberalen Annexionsverschwörung entgegen- Nieder- Barnim an die ihm untergebenen Behörden veröffentlicht, Streis nächftbetheiligter Genossen, schon ehe in der Leipziger gewirkt haben. Volkszeitung" davon die Rede war.
Tas ist klipp und klar."
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das
Daß die Niederlegung der Mandate aber nicht eine Frage von acht oder vierzehn Tagen ist, das hat die Sächsische Arbeiter- Zeitung", und das haben mit Aus nahme der Leipziger Boltszeitung" unseres Wissens
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Clotilde.
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Doch lassen wir das.
Wie sagte doch der alte Goethe?
Sebe jeder was er treibe, Gehe jeder wo er bleibe,
Und wer steht daß er nicht falle.
Die Sozialdemokratie steht fest.
Friedrich erhielt keine Antwort mehr auf alle seine ( Nachbruck verboten.) Fragen, erfüllt von banger Bejorgniß wich er nicht von Hannen's Lager.
Roman aus der Gegenwart von H. W. M. von Walthausen. Hanne fühlte sich sofort heimisch in diesem Raume, fie fezte sich aufs Copha und zu Friedrich sagte sie: ,, unfern Eingang jegne Gott!"
Erhole Dich nun und mache es Dir bequem hier als Raftellansfrau," sagte Friedrich.
38.
Trok aller Geheimhaltung verbreitete sich noch an demselben Abend wie ein Lauffeuer durch die Stadt die Schauerkunde von dem plötzlichen Tode der Brambach'schen Eheleute.
Es hieß: Brambach habe sich und seine Frau er Die Oberin rieth indeß Hanne, sich sofort zu Bett schossen. zu legen. e Allerhand Vermuthungen wurden laut, aus welcher Da tam auch schon der Stiftsarzt. Er fand Hanne Ursache er dies gethan; den wahren Grund ahnte sehr entkräftet und krank, sie werde wohl auf längere Zeit man nicht. das Bett hüten müssen und nur bei sorgsamer Pflege Viele wollten das vorausgesehen haben, zu welchem werde Besserung und Genesung eintreten. Ende es führen müsse, wenn man wie Brambach alles mitmache und selbst soviel verbrauche.
,, Herr Doktor," sagte Friedrich ,,, meine Frau, meine Hanne will ich schon gut pflegen und alles daranseßen, daß sie ihre rothen Backen wieder bekommt."
Hier ist es nobel! Hier wohnt sich's wieder gemüthlich," sagte Friedrich, als sie allein waren. Welche Wohlthat, frei aufzuathmen nach dreijähriger Gefangenschaft im feuchten Kerfer; und nun wirst Du frant!"
und der Landrath des Kreises, welcher von der Ansicht ausging, nur ein ihm unterstellter Beamter könnte dem Blatte die Schriftstücke mitgetheilt haben, hatte ein Disziplinarverfahren ,, wider Unbekannt" eröffnet und das Berliner Amtsgericht zur Vernehmung Braun's requirirt. Braun hatte seine Aussagen verweigert und war deshalb in 3wangshaft genommen worden, und das Landgericht hatte seine gegen den Haftbeschluß erhobene Beschwerde zurückgewiesen.
Mann habe seinen Bankrott heraufbeschworen. Es sei ihm nicht wohl an dem Abende gewesen und nicht fidel erschienen, wo es nicht dazu gekommen, daß er Champagner zum besten gegeben habe.
Verschiedene, die wohl ihr Gutes dabei genossen, bes dauerten Brambach, er sei ein. Lebemann gewesen, der nie filzig und berechnend war, der vielmehr als nobler Ges sellschafter auch andere dazu veranlaßte, das Geld, wie er, unter die Leute zu bringen.
Für alle die neidischen und hämischen Menschen, die nur am Mißgeschick anderer sich freuen und warten, daß wieder einer zu grunde gegangen oder die Zahlungen eingestellt, war dieser Fall ein willkommener, er gab Stoff zur Schadenfreude und zu Klatschereien.
Triumphirend zogen sie von Haus zu Haus und fagten hämisch und frech zu jedem: Wissen Sie das Neueste schon? Auch Brambach ist taput, ist pleite, ihn und seine schöne Frau hat das Großthun umgebracht. Im allgemeinen war der Eindruck, den die Schreckens botschaft hervorrief, doch ein tiefernster. Er erzeugte auch Bestürzung und Niedergeschlagenheit bei leichtsinnigen Zecha brüdern.
Andere, besonders die Weiber, gaben seiner Frau die Schuld, sie habe ihn durch ihre Buzsucht und Vornehmthuerei Wir wollen es hoffen", erwiderte der Doktor, lassen ruinirt und bei einem häuslichen Zwift sei der Mann zum Sie die Kranke nicht allein, die Arzenei, welche ich hier Aeußersten wohl gedrängt worden. Man rechnete es ihr ausgeschrieben, wird Ihnen die Wärterin bringen." nach, daß sie jeden Monat einen Gesellschaftsabend gegeben und allwöchentlich das Damenkränzchen bei sich abgehalten habe. Mancher fühlte sich getroffen und sah eine Warnung Besonders diejenigen, welche dabei gewesen waren und denen darin. das Essen und Trinken immer gut geschmeckt hatte, fanden jetzt, Mancher zog daraus die große Lehre: dahin kann es daß Georgine Brambach viel zu verschwenderisch gewirthschaftet kommen, wenn man zu hoch hinans will, zu flott lebt, zu habe. Es war immer alles gut und in Menge dagewesen. oft Gesellschaften giebt und hochmüthig auf Aermere herab= Ja bei jeder derartigen Gelegenheit habe Frau Brambach blickt. immer einen anderen Anzug und stets etwas Neues getragen, Am anderen Morgen erschien die Brambach'sche nur um sich zu zeigen und die anderen Frauen in den Landeszeitung" mit einem breiten schwarzen Trauers Schatten zu ftellen und zu ärgern. rande. Allen Freunden und Lesern brachte sie die tiefbetrübende Kunde, daß der langjährige Eigenthümer
worden.
Hanne, die lebensfrohe Hanne war sehr einfilbig ge" Ach, Friedrich!" sagte sie kleinlaut, indem sie ihm ihre Hand aus dem Bette entgegenstreckte, wenn mich der Gedanke nicht gesund macht, daß wir nun für schuldlos gelten, dann hilft mir keine andere Arzenei." Hanne!"
Einige vertheidigten wieder die Frau und sagten, ihr