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27. November

= Der Abend

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Nr. 556 B 277 46. Jahrgang

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Was ist die RH.?

Enthüllungen über den kommunistischen Sumpf. Wassereinbruch in die Grube.

Mit großem Reflameapparat und fenfimentalen Redens arten ist die Rote Hilfe als kommunistisches Hilfsorgan zur angeblichen Unterstüßung politischer Gefangener, in Wirklich­feit aber zur Erlangung neutraler Gelder für kommunistische Parteizwede und zur Unterbringung fommunistischer Partei­funffionäre in gut bezahlte Stellungen aufgezogen worden. Es hat nicht lange gedauert, da war auch in der R. H." der fchönste Krach im Gange. Jett versendet einer der am leb­hafteften Beteiligten, der tommunistische Arzt Dr. Leo

& lauber ein Rundschreiben, das die wahren Zustände in

der R. H." enthüllt. Es heißt in dem Schreiben u. a.: Wir sehen mit wachsender Besorgnis, daß in der Roten Hilfe mährend der 6 Monate, in der sie unter der neuen Leitung fteht, vieles verloren gegangen ist, was wir als Grund lage unserer Arbeit angesehen haben.

Ueberparteilichkeit eriftiert nicht mehr. Beherrscht von einer Fraktion der Kommunistischen Partei, die zurzeit in dieser Partei an der Macht ist, hat die Rote Hilfe das auszuführen, was diese Fraktion bestimmt.

Für eine überparteiliche Organisation, wie es die Rote Hilfe war, ist das der erste Schritt zu ihrem Untergang. Gegen die Hinein­tragung dieses innerparteilichen Fraktionskampfes, der eine Ange­legenheit der PD. ist, hat sich die frühere Leitung folange gewehrt, die Ueberparteilichkeit folange verteidigt, bis es der herrschenden Fraktion der KPD. gelang, fie abzusetzen und durch eine neue Leitung zu ersetzen, die gewillt mar, die Ueberparteilichkeit der Roten Hilfe preiszugeben und die Befehle der herrschenden Fraktion der KPD. auszuführen...

Welche Formen aber dieser Cliquenkampf annimmt, der jetzt 6 Monate nach der Absetzung des alten Zentralvorstandes immer noch in der Organisation tobt, zeigt der

Fall Heinrich Bogeler.

Wer tennt nicht Heinrich Bogeler, der sein Haus, den Bartenhoff, mit einem großen Grundstück der Roten Hilfe geschenkt hat, damit sie dort ein Kinderheim eröffnen fonnte, das Hun­derten von Kindern politischer Gefangener eine Erholungsstätte merben fonnte.

Vogeler machte den von der KPD. in der Roten Hilfe ent­fesselten Frattion stampf nicht mit. Er meigerte sich auf dem 3. Reichstongreß der Roten Hilfe, der im Monat Oftober statt fand, wieder in den Borstand einzutreten, wenn nicht die wegen ihrer politischen Gesinnung Ausgeschlossenen und Abgesezten auf genommen würden. Die Folge davon war, daß er von dem Reichs. tagsabgeordneten Pied als Feind der Arbeiterklasse" und seine Tätigkeit als, verbrecherisch" bezeichnet wurde. Auf diese Flut von Beschimpfungen gab Heinrich Bogeler, dem das große Hilfsmert der Arbeiterschaft höher stand als die Infamierungsversuch e gewissenloser Demagogen, die einzig mögliche Antwort: Er verließ den Kongreß.

Diese Methoden, Andersdenkende in ungehöriger Weise zu ver­letzen, find nicht dazu angetan, der Roten Hilfe neue Mitglieder und Sympathien zu erwerben. Eine Rote Hilfe, die in ihren Entscheidungen von der herrschenden Gruppe in der KPD. abhängig ist, kann die ihr gestellten Aufgaben nicht erfüllen."

Die Rote Hilfe" war von vornhe ein ein fommunisti­shes Parteiunternehmen uni aur gänzlich Ahnungslose fonnten ihr die neutrale" Staffage liefern. Aber auch in diesem fogenannten Hilfswerk auf überparteilicher Grundlage" geht es genau so wie in allen Organisationen, in denen Kommuniffen mit­wirken. Das Ende ist nicht der Klaffen-, sondern der kassen­tampf. Um ihn zu gewinnen, wird jede Organisation rüdsichtslos gesprengt, wenn es der jeweils herrschenden kominunistischen Frat. fion so gefällt.

Flucht vor der Verantwortung

Kommunisten schimpfen, aber drücken sich.

Der Breußische Landtag debattiert in seiner heutigen Sigung zunächst über den Antrag des Geschäftsordnungsausschusses, in 22 Fällen die Immunität von fommunistischen und nationalsozialistischen Abgeordneten zur Durchführung von Straf­verfahren aufzuheben. Soweit es sich um fommunistische Ab­geordnete handelt, wird allein in vier Fällen die Strafverfol ( Fortfegung auf der 2. Seite.)

Bier Bergleute bei Hamborn getötet, acht verletzt.

Duisburg Samborn, 27. November. Gestern abend ereignete sich auf der Schacht anlage III/ VII der Thyssenhütte auf der fünften leute den Tod fanden, während weitere acht leicht Sohle ein Wassereinbruch, wobei vier Berg berlebt wurden. Die Unglücksstelle fonnte jedoch kurz nach dem Unglück wieder befahren werden. Die Unter­suchungen der Bergbaubehörde, die sofort eingefahren ist, dauern noch an. Es handelt sich bei den Toten um zwei Hauer, einen Lehrhauer und einen Schlepper.

Zu dem Grubenunglüd auf der Schachtanlage Friedrich Thyssen 3-7 erfahren wir noch: Die Bergarbeiter, die an der betreffenden Stelle beschäftigt waren, wurden durch die Waffer­maffen mitgerissen. Ihre Berlegungen, von denen mehrere tödlich waren, rühren daher, daß die Körper der Berunglückten gegen die Wände, Verschalungen ufm. geschleudert wurden. Der als vermißt gemeldete Bergmann ist inzwischen tot geborgen worden, so daß sich die Zahl der Todesopfer auf vier erhöht. Die Zahl der Ber­letzten beträgt acht. Die Unglücksstelle fonnte furze Zeit nachher wieder befahren werden. Die Bergbehörden trafen einige Zeit nach dem Unglück an Ort und Stelle ein und befinden sich auch nach Mitternacht noch dort. Die Untersuchung über die Entstehungs­ursache ist noch nicht abgeschlossen.

Am Bürgerkrieg vorbei.

Die Einigung in Wien fommt.

Wien , 27. November.( Eigenbericht.) Obwohl am Montag und Dienstag die Sizung des Unteraus schuffes für die Beratung der Verfassungsreform abgesagt wurde, meil man sich auf die Formulierungen noch nicht geeinigt hatte, ist man in parlamentarischen Streifen optimistisch und glaubt, daß trotz der noch immer bestehenden Differenzen es doch in wenigen Tagen zu einer Einigung fommen dürfte. Dem widerspricht auch nicht, daß am Dienstag im Biener Stadtsenat der christlichsoziale Abgeordnete Kunschat beantragte, die Beratung des Gemeinde­etats, die eben begonnen hatte, von der Tagesordnung abzusetzen,

Der Dorffommiffar

,, Ganz ausgeschloffen, 3wan 3wanowitsch, daß wir die deutschen Bauern herauslaffen. Denn wenn diese Ausbeuter uns den Rücken fehren, er macht dann in unserm Dorf die Arbeir?

da man ja nicht wisse, wie das Schidsal Biens nach der Vera faffungsreform sein werde. Als dieser Antrag abgelehnt wurde, ver ließen die Christlichsozialen die Sitzung des Stadtjenats. Pabst 3nterpellation im öfterreichischen Nationalrat.

Wien , 27. November.

Im Nationalrat hat der sozialdemokratische Abgeordnete schaft des Majors Pabst interpelliert. In der Interpellation Abram( Innsbruck ) den Bundeskanzler wegen der Staatsbürger­wird gefragt, ob Pabst mit dem im Sommer 1920 in Innsbrud ge­meldeten ,, Kaufmann Walter Peters" identisch ist und weiter, wenn Pabst öftereichischer Bundesbürger sein sollte, wo. mann, wie und unter welchem Namen Pabst die öfter­reichische Bundesbürgerschaft erhalten hat.

Kommunistenschwund.

Die Kommunisten in Wien , schon bisher bedeutungslos, haben nun auch den einzigen Großbetrieb( Barchalowski) verloren, dessen Arbeitermehrheit fommunistisch gewesen ist. Infolge der blöden Nachahmung Stalinscher Inquisition, die man sogar in Wien übt, haben die Barchalowski- Arbeiter mit ihrem Führer Ziegler die KPDe. verlassen. Der neue Betriebsrat ist freigewerkschaftlich.

Monftreprozeß in Ungarn .

Gegen 100 Kommunisten.

Wien , 27. November.( Eigenbericht.)

In Budapest beginnt demnächst ein Monst reprozeß gegen 100 Kommunisten. Am Dienstag hat nach mehr­wöchiger Berhandlung der Anflagefenat des Budapester Straf­gerichtshofes die Einwendungen von 73 Angeklagten abgewiesen und den Einwendungen von 14 Angeklagten stattgegeben, die, nachdem sie acht Monate lang in 5aft gewesen waren, freigelassen wurden. Außerdem sind noch 25 Personen angeflagt, die feine Ein­wendungen gegen die Anklage erhoben hatten. Die Anklage wirft den Beschuldigten vor, das Verbrechen des gewaltsamen um sturzes beabsichtigt zu haben.

Raubüberfall in einer Wohnung.

Eine Haushälterin niedergestochen.

Ein frecher Raubüberfall wurde heute vormittag auf die 42jährige Haushälterin M. Wichert in der Bayreuther Straße verübt.

Gegen 11 Uhr erschienen über den Hinteraufgang des genannten Hauses zwei Männer und klingelten. Frau W. öffnete und von einem der beiden Männer, die wie Handwerker aussahen, wurde eine Rechnung, die sich später als fingiert herausstellte, vor­gelegt. Als die Haushälterin erklärte, daß hier en Irrtum vor­liegen müsse, à r angen die beiden Männer in die Boh­nung ein. Mit einem Messer stach einer der Verbrecher auf die wehrlose Frau ein; der andere versuchte, sie durch Schläge über den Kopf unschädlich zu machen. Die Ueberfallene hatte aber noch soviel Kraft, laut um Hilfe zu rufen. Da die Täter jetzt ihren Ueberfall vereitelt sahen und befürchten mußten, festgenommen zu werden, ergriffen sie, ohne etwas erbeutet zu haben, die Flucht. Die Räuber flüchteten in Richtung Wittenbergplatz, ihre Verfolgung verlief leider erfolglos.

Die Kriminalpolizei hat sofort die Ermittelungen aufgenommen. Nach allem handelt es sich um einen wohlvorbereiteten Ueberfall, der nur durch den Widerstand der Haushälterin miß­Lungen ist. Die Frau hat mehrere startblutende Wunden davon. getragen, Lebensgefahr besteht glücklicherweise nicht.

Merito ratifiziert Kellogg - Patt. Die merikanische Regierung hat bas Staatsdepartement von der Annahme des Kellogg - Battes durch Merito in Kenntnis gesetzt. Damit hat der 35. Staat den Kellogg­Paft ratifiziert.