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Nr. 55.
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Vorwärts
13. Jahrg.
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Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2.
Weibliche Fabrikinspektoren.
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Donnerstag, den 5. März 1896.
Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3:
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Und fein geringerer als Dr. Wörishoffer selbst schreibt| Werkstätten, Fürsorge für Entrinnen bei Feuersgefahr, unim badischen Jahresbericht für 1894:" Weibliche Aufsicht genügende Heizung der Werkstätten, Gesundheitszustand der Zu den Gegnern der Forderung, daß weibliche Fabrik- ist noch nicht in genügendem Maße dort eingeführt, Arbeiterinnen, gefährliche und gesundheitsschädliche Bes inspektoren angestellt werden, hat sich nun auch Dr. wo sie wünschenswerth ist." Er selber also spricht schäftigungen. Dazu giebt Miß Anderson noch einen Wörishoffer gefellt, der oberste Gewerbe- Inspektor für sich zu gunsten der weiblichen Aufsicht aus. Auch der Be- neun Druckseiten umfassenden Bericht über die Ver= Baden, dessen objektives Auftreten ihm das Vertrauen amte für Lothringen fordert dieselbe; andere Beamte ordnungen in Frankreich , betreffend Gesundheit weiter Arbeiterkreise geschafft hat. In der neuesten Nummer lassen freilich auch entgegengesetzte Meinungen laut werden. Sicherheit der geschütten Personen in Industrieder„ Ethischen Kultur "( vom 29. Februar) will er in einem Der Hinweis auf die erfolgreiche Thätigkeit der in werkstätten. Artikel: Die Frauen der höheren Stände England angestellten weiblichen Beamten will All diese Aufgaben können bei uns auf dem Boden der und die Arbeiterinnen" nachzuweisen, daß nicht Dr. Wörishoffer damit abschwächen, daß er sagt, man be- je tigen Gewerbe- Ordnung ebenfalls gelöst werdenBeamte, sondern ethische" Frauen geeignet wären, die Lücke rufe sich irrthümlich meist auf einzelne Veröffentlichungen des ein Warten, bis die lahme Sozialreform des Reichs wieder auszufüllen, die, wie er auch zugiebt, heute in der Gewerbe- Labour Departement im Board of Trade, in dem auch etwas weiter gehumpelt sein wird, ist nicht nothwendig. inspektion vorhanden ist. einzelne Damen beschäftigt sind, nicht auf die Leistungen und unbestreitbar tönnen nur weibliche Beamte fich der amtlichen weiblichen Inspektoren. Kenntniß verschaffen über gewisse Vorkommnisse im Leben Wem diese Verwechselung paffirt ist, wissen wir nicht; der Fabritarbeiterinnen, bezüglich über den Zusammenhang gegen die Befähigung der Frauen als Inspektorinnen be- der schlechten Lohnlage mit der offenen und versteckten weist sie nichts. Wir berufen uns auf den amtlichen Prostitution und über das in leider sehr großem Maßstabe Bericht des Chief Inspector of factories and Workshops, vorhandene Gefälligkeitsverhältniß", bas zwischen Werkder 1894 über die beiden weiblichen Beamten schreibt: führer und Arbeiterinnen vorhanden ist.
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Bei der Begründung seiner Ansicht verwickelt er sich in Widersprüche, die ganz charakteristisch sind für den Gedankengang all jener Ethiker, die den Interessengegensatz zwischen Befizenden und Besiglosen und den infolge dessen naturnothwendigen Klaffenkampf nicht anerkennen, sondern vermeinen, ein ethisches Gefühl des Mitleids mit den Unterdrückten, des Widerwillens gegen das Unrecht können eine Bevölkerungsschicht zum Aufgeben ihrer Klassenvorrechte bewegen.
Zunächst macht er gegen die Anstellung weiblicher Beamten den Einwand, daß sie ihrer Aufgabe nicht gewachsen seien, da der Vollzug der Arbeiterschutz Geseze auch eine Vertretung des Standpunkts der Fabrikaufsicht gegenüber den Behörden und den Gerichten erfordere.
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" Ihre Besuche der Fabriken haben sicherlich dazu beigetragen, daß das Fabritgesetz ftrenger durchgeführt wurde, und fie haben sich dadurch als wohl geeignet( well qualified) für das Amt, dem sie sich unterzogen, erwiesen."
Dr. Wörishoffer wendet ein, es handele sich hier um Spezial aufträge, welche ausschließlich die Arbeiterinnen betreffen und die besser von einer Frau als von einem Manne besorgt werden.
Wir bezweifeln nicht, daß dazu Energie gehört; aber Nun, der sehr ausführliche Bericht, den Miß daß es auch energische wie geschäftsgewandte Frauen giebt, Abraham, Miß Paterson und Miß Anderson beweisen doch die zehntausendfachen Kämpfe des wirthschaft auf 34 eng bedruckten Seiten liefern, zeigt eine solche Fülle lichen Lebens, in denen Frauen als Unternehmer, Geschäfts- theoretischer wie praktischer Kenntnisse, daß wir nur leiter, im Auslande auch als Aerzte und Advokaten sich wünschten, all unsere deutschen männlichen Beamten tüchtiger wie mancher Mann zeigen. Die formalen verfügten über dieselben wie über den Eifer, den jene Renntnisse, die speziell gegenüber bureaukratischen und Frauen bei Erfüllung ihrer Aufgabe zeigten. gerichtlichem bösen Willen nothwendig sind, werden sich selbstverständlich die Frauen, welche Beamte werden sollen, erwerben müssen wer die geistige Begabung so vieler unserer Juristen kennt, weiß, daß nicht viel Verstand dazu gehört.
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Dieser Arbeiterinnenschutz kann und muß baldigst und energisch in Angriff genommen werden und es kann dies geschehen auf grund der bestehenden Gesetze. Jetzt kommt aber Dr. Wörishoffer mit seinem Haupteinwand: die weiblichen Inspektoren würden doch weniger wie die männ lichen Beschwerden der Arbeiterinnen erhalten, weil diese sich fürchten, nicht vor den Beamten, sondern vor Maßregelung seitens der Unternehmer. Er giebt zu, daß diese oft den Verkehr der Arbeiter mit den Beamten überwachen lassen und sich für jede Mittheilung durch Wegjagen des Arbeiters rächen. Weibliche Beamte, die für größere Bezirke angestellt und auf Dienstreisen nach den Fabriforten kämen, hätten dann noch weniger Gelegenheit, unbeobachtet mit den Arbeiterinnen zu verkehren.
Und deshalb wünscht er Schuhdamen aus den höheren Ständen. Die bürgerlichen Frauens vereine sollen einzelne Mitglieder bezeichnen, an die sich die Arbeiterinnen in allen persönlichen Angelegenheiten zu wenden haben; der Zentralleitung der Vereine sollen die Aufsichtsbeamten mit Rath beistehen!
Nun giebt Dr. Wörishoffer selbst zu, daß die weitere Entwickelung zur Anstellung solcher weiblichen Beamten auch im Reich der hinkenden Sozialreform führen, ja drängen werde. Aber, meint er, diese Frage tönne ihre Lösung nur im Zusammenhange mit der weiteren Ent Ferner, sagt Wörishoffer, kommen die Arbeiten in wickelung der Frauenfrage überhaupt finden und nur im Also wohlthätige Frauen" auf dem Gebiete des betracht, die mit der Weiterbildung der Arbeiterschutz- Busammenhange mit der weiteren Ausgestaltung der Wilhelmsordens! Gesetzgebung verbunden sind. Auch dazu sei, wie die Dinge Gewerbe- Aufsicht, durch welche dieser neue eigen- Dabei hat Dr. Wörishoffer durchaus keinen überjetzt bei uns liegen, eine Frau im allgemeinen weniger artige Aufgaben zugewiesen werden. triebenen Respekt vor der jetzigen Wirksamkeit der Wohltüchtig als der Mann. Mit Berlaub! Der englische amtliche Bericht thätigkeitsvereine jener Kreise. In der Einleitung seines Das ist wieder nicht richtig; so gut die Frau Arbeiterin beweist das Gegentheil! In demselben theilen die Artikels schreibt er:" Für wenige Pfennige im Tage und Betriebsleiterin sein tann, so gut fann sie auch die Inspektorinnen ihre Wahrnehmung über folgende Beob- könnte von einer bezahlten Hilfskraft gewiß manchmal eine Betriebs Aufsicht ausüben und Schlußfolgerungen zu achtungsobjekte mit: Ueberstundenarbeit, Sonntagsarbeit, solche unentgeltliche Leistung einer Frau der höheren Stände Nugen der Arbeiterinnen aus derselben ziehen. Wird doch Beschäftigung von Arbeiterinnen als Ladenverkäuferinnen beschafft werden."
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jezt schon in vielen Werkstätten und Fabriken die Aufsicht nach beendetem vollen Arbeitstage, Beschäftigung von Trotzdem schwärmt er für die ethische Wirkung einer im Interesse der Unternehmer von Frauen ausgeübt. Kindern, Truckgesetz, Ventilation und Ueberfüllung der solchen Einrichtung und lobt und preist sie, weil
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Clokilde.
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Diese Befangenheit galt Langenberg für Schuldbewußts Tödten würde allerdings diese unlautere Beschuldigung sein, der eben niedergekämpfte Haß gegen seinen Neben- sofort Ihre Frau. Ja, mein Herr, ich liebte sie; jetzt ist buhler loderte wieder in lichten Flammen empor. fie die Frau eines anderen. Aber ich bin erbötig, mich ihr zu Liebe mit dem Manne zu schlagen, der seine eigene Frau verdächtigt, der eine reine Seele beschuldigt."
( Nachdruck verboten.) Er stand auf und trat ans Fenster. War denn das Sie wagen es- Was wollen Sie hier?" schrie nicht derselbe Wagen, den er heute vor dem Hotel vor- Langenberg. Rürdorf, der zu reden beginnen wollte, erschrat gefunden, als er aus der Apotheke kam? Gewiß. Man und blickte erzürnt auf, daß der gegen ihn grob wurde, brachte ihm also die ohnmächtige Kranke nochmals. dem er gefällig war. Nun, jetzt hatte er viel Zeit. Doch nein, das Es war ein seltsamer Anblick, diese beiden Männer sich war nicht der dicke, vollbärtige Mann, mit dem er ge- gegenüber stehen zu sehen. sprochen, welcher jetzt ausstieg und zu den Fenstern Sie maßen fich stumm mit den Augen und warfen emporsah. Aber die Gestalt war ihm bekannt, stechende Blicke einander zu. die Morgendämmerung ließ ihn das geisterhaft Rürdorf wurde zuerst etwas ruhiger und begann bleiche Gesicht Rürdorf's erkennen. Kam er, als von einem Jch tomme, Ihnen zu melden, Ihre Frau ist in EberSchuße Verwundeter? Ein Gedanke durchflog sein Gehirn stein-- er verdrängte ihn.
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" Ha! meine Ahnung! In Ihrer Behausung. Wie Aber seine Eifersucht erwachte und hieß ihm den Ge- tommt sie dahin? Durch Sie?" danken wieder aufnehmen und ausdenken. Es war nun „ Ja——"
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,, Gebrochen ja, aber sie lebt und
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Und wohnt bei Ihnen-"
" Ja, in meinem Zimmer."
um
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,, Gut, ich revozire. Nicht weil ich mein Leben schonen will, meine Tage sind vielleicht knapp gezählt, hier lesen Sie diesen Brief, ich habe ihn mit" a" beantwortet. Nein, ich revozire, weil Sie mir das Leben wiedergegeben haben, denn ich habe mich in meiner Clotilde nicht getäuscht, sie ist rein und treu."
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,, Und Sie wollen sie doch verlassen und eine so gefahrvolle Stellung annehmen?" " Ich gab mein Wort."
" Ihre Frau ist schwer krank und liegt bewußtlos, der dortige Arzt hat sie in Behandlung genommen, ich habe Arzenei ihr besorgt, aber ich wollte auch Sie benachrichtigen." Das war brav. Verzeihung. Sie haben als Freund gehandelt, ich freue mich, daß Clotilde in so guten Händen ist. Aber erzählen Sie-"
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Wie es zugegangen ist? Sie selbst haben das alles herbeigeführt. Ihnen brachten wir eine Unbekannte, die wir ohnmächtig am Boden hingestreckt fanden, im Wagen." Das war Clotilde? Dich Thor!"
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Was blieb uns übrig, als die Kranke mit nach Hause
das dritte Mal, daß er heute des verhaßten Rürdorf's an-" Himmel! Während ich mich um sie ängstigte, sichtig wurde. Was trieb ihn hierher? Sollte er Clotilden, sie jammerte, lag sie in Ihren Armen!" die er im Kursaal heute so auffällig betrachtet, nachstellen," Ja, mit meinen Armen hob ich Ihre Frau in den sie zu sprechen suchen, um sie zu entführen? Sollte sie mit Wagen, um- ihm im Einverständniß sein, sich mit ihm verabredet Sie zu entführen? Sie wußten aber nicht, daß Sie haben, da er Rürdorf in dieser Nacht schon einmal eine Rrante zu einem Stelldichein verleitet und nun ist sie Dom Fenster aus hier gesehen? War fie da- zusammengebrochen, ist todt-" vongelaufen, um mit ihm zusammenzutreffen, zu entfliehen? Nein! das durfte er seiner reinen Clotilde nicht nachsagen. zu nehmen. Eine Himmelsfügung schickte ihr diese Ohnmacht Er kämpfte seine Eifersucht, die ihn in fieberhafte Erregung und solche hilfreiche Herzen. Sie wird diese Krankheit versette, mit Gewalt nieder. Da sah er wieder das Bild, Machen Sie mich nicht rasend mit Ihrem ewigen überstehen; es sind mehr innere Schmerzen, Seelenqualen. wo Clotilde und Rürdorf sich gegenüberstanden und verlegen Ja". Stellen Sie sich nicht so faltblütig, ich weiß doch, Sie wissen noch nicht alles Ich sah im Kursaal, wie der hoch errötheten. Doch nein, sie, die heute vor ihm auf den daß Sie in heißer Liebe für meine Frau glühen. Haben Polizeirath jedes Wort, jede Ihrer Bewegungen belauschte, Ruien gelegen, die, um ihn nicht unglücklich zu wissen, für Sie dieselbe nicht heute im Kursaale beständig firirt und beobachtete deshalb Sie beide so genau, ich sah auch denihn zur Ophelia werden wollte, sie konnte nie straucheln. fein Auge von ihr verwandt? Sind Sie nicht vor wenigen selben Beamten mit Ihnen ins Hotel gehen." Er verwünschte das Laster der Eifersucht und machte sich Stunden hier unter ihren Fenstern auf- und abgegangen, bittere Vorwürfe, daß er nicht schon längst nach Clotilden um von ihr einen Blick zu erlauschen, oder ein Zeichen zu geforscht, gesucht, und eilig griff er nach seinem Hute. erhaschen?" Da klopfte es an seine Thür. „ Herein!"
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Mäßigen Sie sich und lassen Sie auch mich endlich zu Worte kommen."
Dann sollen Sie auch was weiter geschah erfahren, doch jetzt zu ihr und zu Ihren Freunden, diesen Dant, ihr Lebewohl zu sagen."
Lassen Sie auch uns Freunde werden." Wir sind es schon. Wir gehen versöhnt von hier. Die Thüre öffnete sich. Nürdorf trat ein. Befangen Sagen Sie mir nur das eine noch: ist meine Frau Wir haben jeder den andern bei einer Schwäche ertappt, grüßte er wie einer, der eine schmerzliche Nachricht sagen hier fortgegangen, um mit Ihnen zusammenzutreffen? ich habe mich durch meine Eifersucht blamirt." muß und sie mit Schonung vorbrinaen möchte. und sie ist die Ihre, für mich todt." ( Fortsetzung folgt.)