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BERLIN 19090

Dienstag 21. Januar

1930

Der Abend

Erfdetut taglich außer Sonntags. Bugleich Abendausgabe des Vorwärts. Bezugspreis beide Ausgaben 85 Bf. pro Woche, 3,60 M. pro Monat. Redaktion und Erpedition; Berlin SW 68, Lindenstr.3

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Spalausgabe des Vorwärts"

10 Pt.

Nr. 34

B17 47.Jahrgang

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Geekonferenz eröffnet.

Ministerpräsident Macdonald wird Vorsitzender. Seeabrüstungskonferenz in London

Condon, 21. Januar. ( Eigenbericht.)

Heute mittag um 12 Uhr wurde die Londoner Seeabrüftungs­fonferenz in der Königsgalerie des Oberhauses eröffnet. Der König von England begrüßte die Delegierten und bezeichnete als ihre Aufgabe die Begrenzung der Berschwendung an Marinerüftungsausgaben. Seit dem Weltkrieg haben die Menschen beschlossen, teine Wiederkehr der großen Tragödie zuzulaffen. Das wichtigste mittel dazu sei eine Einschrän­fung und Begrenzung der Marinestärke und ihre Beschränkung, so wie sie mit der nationalen Sicherheit vereinbar jel. 1922 feien in Washington Verträge über die großen Schiffe geschlossen worden, jeitdem jei jeder Verfuch fehlgeschlagen, zu weiteren Bereinbarungen zu kommen. Die jetzige konferenz jei aus einer neuen Inspiration entstanden. Alle Nationen hätten verschiedene Bedürfnisse, aber jede Nation müffe für die Allgemeinheit Opfer bringen. Die Konferenz müffe zu einer unmittelbaren Erleichterung der Rüstun­gen führen.

Der britische Ministerpräsident Macdonald dankt für die Wahl zum Vorsitzenden der Bersammlung und gibt der Hoffnung Ausdrud, daß die begonnene Arbeit mit Erfolg zu Ende geführt merde, und beglückwünscht den König zu der ersten öffent lichen Rede seit seiner Ertrantung. Die meisten politischen Schwierigteiten entstehen aus dem Mißtrauen Es gelte, sich auf der Konferenz über die engeren Ansichten von Spezialisten zu erheben und dem Wettbewerb der Rüstungen ein Ende zu machen, der wie in der Bergangenheit zu einem neuen Kriege führen finne. Seit der Konferenz von 1921/22 sei der Völkerbund aufgebaut und die gegenseitige Sicherheit verstärkt worden. Der Pariser Vortrag von 1928 sei zwar ohne eine Ma fchinerie, aber ein mächtiges moralisches Instrument zur Aufrecht­erhaltung des Friedens. Der Einzug Amerifas in den Internatio­nalen Gerichtshof, die Unterzeichnung der Schiedspflicht bedeuten einen mächtigen Fortschritt in der friedlichen Regelung internatio­naler Streitigkeiten.

Würde der Gedanke der militärischen Sicherheit übertrieben, so entstehe daraus teine politische Sicherheit, sondern nur eine schlechte Sicherung.

Gewiß muß bei der Abrüstung auf die geographischen Notwendig feiten Rücksicht genommen werden. Sicherlich hänge ein Gebiet der Rüstungen mit dem anderen zusammen; feine Rüftungsart fei von der anderen in einer wasserdichten Abteilung getrennt. Deshalb habe er mit Hoover die Schwierigkeiten geprüft, um für die vor­bere tende Abrüftungsfommission in Genf Borarbeit zu leisten. Die Konferenz müffe zu einer Begrenzung und Minderung der Rüstungen und damit zugleich zu einer Stärkung der nationalen Sicherheit führen.

Werde die Konferenz von 1930 diese Aufgabe erfüllen, so werde sie ein Marfstein in dem Aufstieg der Menschheit zu einer besseren Butunft bedeuten.

Mr. Stimson, amerikanischer Staatssekretär, mit Macdonald im Konferenzzimmer

Kampf mit dem Finanzkapital.

Abwehr der Stadt Dresden gegen die Schacht- Politik.

Dresden , 21. Janar. ( Eigenbericht.)

Die Maßnahmen der deutschen Banten zur Droffelung der Finanzen der Kommunen haben auch die Stadt Dresden in eine schwierige Raffenlage gebracht, ohne ihr Vermögen ihr Bermögen etwa zu fchwächen.

Löbe gegen Schacht.

Eine Rede in Breslau .

Die Stadtverordneten in Dresden beschlossen nach fünfeinhalb stündiger Beratung in geheimer Sigung am Dienstag früh 3 Uhr die Umwandlung der Dresdener Gas, Wasser und Elektrizitäts­merte und der Städtischen Straßenbahn in Aftiengesell. schaften. Die Borlagen wurden in namentlicher Abstimmung mit 54 gegen 20 Stimmen angenommen. Die Gegner der Vorlage fegten sich aus Rommunisten und Nationalsozialisten Breslau, 21. Januar. und den Beamtenvertretern der bürgerlichen Parteien zu­fammen. Letztere haben grundsägliche Bedenken gegen die Um In der Hauptversammlung des Ortsvereins des Reichsbanners mandlung, weil sie darin einen Angriff auf das Berufsbeamtentum Schwarz- Rot- Gold sprach am Montag abend Reichstagspräsident erblicken. Diese Stellungnahme ist insofern abwegig, als ber bebe über die politische Lage. Er behandelte die schwere Geschäfts­schlossene Gesellschaftsvertrag über die Einrichtung der Aktiengesell stocking, unter der Deutschland gegenwärtig leide. Es handele fich fchaften die Rechte und Interessen der jetzt schon bei den Werken dabei nicht um eine Wirtschaftskrise, da die Produktion im Jahre beschäftigten Arbeiter, Angestellten und Beamten im gleichen Maße 1929 um 12 bis 13 Proz. die des Jahres 1913 übertreffe. Wenn in Deutschland große Arbeitslosigkeit herrsche, so sei das daraus zu ertlären, daß einmal die Maschine die menschliche Arbeitskraft ersetzt habe, zum anderen habe sich die Struktur des deutschen Voltes ver­ändert. Sodann ging er auf die Notlage des deutschen Ostens ein, die namentlich in der neuen Grenzziehung ihre Ursachen habe. Nach dem die Räumung des Westens bald Tatsache geworden sei, müßten Reichs- und Staatsregierung dem Osten erhöhte Aufmerksamkeit zu­wenden und ihm durch Erteilung von Aufträgen, durch Kredite und durch Abschluß des deutsch - polnischen Handelsvertrages, an den man aber feine übertriebenen Hoffnungen tnüpfen dürfe, zu Hilfe fchaftsnot fritisierte er das Berhalten des Reichs bantpräst. fommen. Im Zusammenhang mit den Ausführungen über die Wirt­denten Schacht und wies darauf hin, daß das neue Reichs. banf it atut der Reichsregierung die Möglichkeit gebe, auf die Belegung des Präsidentenpostens bei der Reichsbant Einfluß zu

Amerika für drastische Verminderung. Der amerikanische Außenminifter Stimson erflärte fich fief beeindruckt von der vom britischen Ministerpräsidenten gegebenen Analyse des Abrüftungsproblems. Es sei für ihn bedeutsam, daß die Konferenz im Londoner Parlament stattfind, in dem der Ursprung der Staatseinrichtungen Amerikas zu finden fel. Ab­rüffen sei eine ganz neue Entwicklung. Die konferenz von Washing­fon sei der erste Schritt auf der langen Straße zu einer all- fichert, wie das heute der Fall ist. gemeinen Abrüstung, ein bedeutsamer Augenblid in der menschlichen Geschichte gewefen, habe sie doch zum erstenmal greifbare Resultate des Menschheitswunsches nach Frieden gegeben. Menschliche Ange­Legenhelten find nicht ftatisch, sondern bewegt, die Abrüftung ist tein Zustand, sondern ein dauernder Projek Es sei die Aufgabe, zu einer drastischen Kürzung der Rüftungen zu kommen und einen Vertrag in dieser Richtung abzu­schließen, der später revidiert werden könne. Jede Erleichterung der Rüstungen, entweder zu Land, zur Luft oder zur See, führe zu einer Erleichterung der Rüftungen auf den anderen Gebieten. Die amerikanische Delegation sei bereit, in Condon zu bleiben bis ein Bertrag hergestellt sei, der dazu helfen kann, zum nächsten Male im Geiste der Verständigung wieder zusammenzukommen, um die Abruffung weiter zu treiben.

Die Werke bleiben nach wie vor im alleinigen Besitz der Stadt Dresden ,

Der australische Delegierte erflärte, es lei zwar ein langer Weg van Auftralien bis London , aber fein Beg fei au lana, um an der Aufgabe des Friedens mitzuarbeiten. Die Sicherheit liege in der Einheit. Australien reiche allen Nationen die Hand zum Frieben

und zwar dadurch, daß die Ariten bér Dresdener Straßenbahn. Aktiengesellschaft im Werte von 18 Millionen Mark und die Aktien Berte von 70 Millionen Mart restlos als Namensaftien der Stadt der Dresdener Gas, Wasser und Elektrizitäts- Attiengesellschaft im verbleiben. Auch im Falle junger Aktien ist deren Besitz der Stadt gesichert. Ohne Zustimmung einer Zweibrütelmehrheit der städtt. fchen Körperschaften fann eine Beräußerung oder Berpfändung der Affien nicht eintreten, und da allein die sozialdemokratische Fraktion weit mehr als ein Drittel der Size im Stadtverordnetenfollegium innehat, also niemals gegen ihren Willen.

Es handelt sich bei der Umwandlung der Dresdener Werte dem. nadh feineswegs um eine Enifommunalisierung. fondern lediglich um eine Veränderung der Rechtsform zum Zwede der Erhaltung einer Anleihe, um die Stadt von den fie gegenwärtig belasten. den furzfriffigen Krediten zu entlasten.

nehmen.

Die deutsche Delegation zurückgekehrt.

Die Reichsminister Curtius, Schmidt, Moldenhauer und Wirth find heute morgen aus dem Haag wieder in Berlin eingetroffen.