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BERLIN

Dienstag 19 4. Februar 1930

Der Abend

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B 29 47. Jahrgang

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Absage an die Kommunisten.

Der Prager Jugendführer tritt aus der Kommunistischen Partei aus.

Prag . 4. Februar.

Die fommunistischen Stadtvertreter führten in der gefftigen Sigung des Prager Stadtvertreterkollegiums unter Führung von Dr. Bacet lang andauernde£ ärmizenen herbei. Sie verlangten die sofortige Verhandlung der Arbeitslosenfrage und protestierten dagegen, daß ihre Anhänger, die sie von der Galerie aus unterstützen sollten, nicht hineingelaffen worden seien. Es fam zu scharfen Zusammenstößen mit dem Vorsitzenden, Bürgermeister Dr. Bara, der Dr. Vacek schließlich das Wort entzog.

Um Schluß der Sigung gab der kommunistische Stadtverordnete Dr. Polat, ein eifriger Organisator der kommunistischen Jugend, die Erklärung ab, daß er sich gegen die kommunistische Rathauspolitik menden müsse. Er betrachte die bisherige Politit der kommunistischen Fraktion, die die Tätigkeit der Kom­munen unterbinden solle, als falsch. Die Arbeiterschaft dürfe nicht auf bloße Versprechungen und auf das markt. schreierische Verhalten der Kommunistischen Partei angewiesen fein; fie verlange positive Arbeit. Bisher bringe die Partei aber immer nur Anträge ein, von denen sie schon im voraus wiffe, daß fie nicht durchdringen fönnten.

Diefe unmögliche tommunistische Politit fei eine Folge der zweifelhaften Politik der ganzen Kommunistischen Partei überhaupt. Diese Bolitit fei aber schädlich und diene nur zur Stärkung des Faschismus. Aus diesem Grund erfäre er feinen Austritt aus der kommunistischen Partei

Auch ein zweiler Vertreter der kommunistischen Rafhausfraffion, Cacina, ist aus der Partei ausgetreten. Durch diese Austritte ist die tommunistische Fraffion auf 15 Mitglieder herabgefunken.

Die Schwalbe ist da!

Wieder eine Flucht aus der GPD." Hurra, die erste Schwalbe ist da! Nun tann der Frühling losgehen. Borläufig allerdings erst bei der Kommunistischen Partei, bei der diese erste Schwalbe gelandet ist. Sie hat auch allerhand mitgebracht, wie man aus der heutigen Roten Fahne" ersehen fann. Auf der ersten Geite einen biden Balfen, auf der zweiten Seite einen zwei Spalten langen offenen Brief.

Wir verlassen die Poesie und fehrer zur Profa des Alltags zurück. Die Rote Fahne " tann melden, daß der SPD. - Redakteur Schwalbe eine Flucht aus der EPD." angetreten habe und jetzt zum Eintritt in die KPD. auffordere.

Wer ist dieser Schwalbe?

Hier ein furzer Auszug aus seinen Personalien: Herr Leonid Schwalbe ist nach dem Kriege aus Rußland nach Deutschland ge tommen. Es gelang ihm, bei der Allgemeinen Ortsfrankenkasse in Hamburg in einer untergeordneten Stellung unterzufommen. Im Sommer 1928 verlor er diese Stellung und da er eine Frau und zwei Kinder hat, so bemühten sich seine Freunde darum, ihm eine neue Beschäftigung zu schaffen. Man ließ ihn auch einige Berichte für das Hamburger Echo" anfertigen; ein festes Berhältnis zu unferem Hamburger Parteiblatt fonnte sich daraus nicht entwideln, da seine journalistische Tätigkeit alles zu wünschen übrig ließ. Re­dakteur wat er niemals!

Es gelang Herrn Schwalbe schließlich, bei der Stadtverwaltung in Altona eine Anstellung zu finden. Nach einer sechs. monatigen Probezeit wurde er wieder ent. lassen. Trotzdem von Leuten, die mit ihm zu tun hatten, gesagt wurde, daß eine Empfehlung des Herrn Schwalbe nicht mehr in Frage tommen fönne, jetzten die von ihm darum ange­rufenen Barteigenossen die Bemühungen fort, ihn irgendwo anders unterzubringen. Im Sommer 1929 wurde er beim Zentralverband der Arbeitsinvaliden und Witwen Deutschlands probeweise einge­stellt. Es stellte sich aber bald heraus, daß seine Kenntnisse und sein Fleiß für der Posten, um den er sich beworben hatte, nicht ausreichten. Zudem betrug er sich ganz unkollegial, ein anderer Angestellter wurde von ihn blutig geschlagen. Seine Weiter­beschäftigung war unmöglich, es wurde ihm nahegelegt, sich nach cinem anderen Posten umzusehen. Die Antwort darauf war die Berbreitung von Berleumdungen gegen den 3en tralverband der Arbeitsinvaliden und Bitwen Deutschlands . Wegen dieser verleumderischen Beleidigung hat der Verband eine Klage angestrengt, die noch nicht zum Austrag gebracht worden ist. Es handelt sich bei Herrn Schwalbe um einen Menschen, der bei mangelhaften Fähigkeiten mur geringe Charakterfestigkeit besitzt. Darauf ist es zurückzuführen, daß er in seinen bisherigen Stellungen feinen festen Fuß faisen fonnte. Bei der Sozialdemokratifden Bariei und bei den Organisationen der Arbeiterschaft hat er abge­

Die Arbeitszeit im Kohlenbergbau.

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internationale Regelung.

Genf , 4. Februar.

Die Frage der internationalen Regelung der Arbeitszeit im Kohlenbergbau, über die von der technischen Vorkonferenz Mitte Januar feine Einigung erzielt werden konnte, bildet den Haupt­punkt der umfangreichen Tagesordnung, die der Verwaltungs­rat des Internationalen Arbeitsamts in seiner heute beginnenden Wintertagung zu erledigen hat.

Er hat darüber zu entscheiden, ob diese Frage, entsprechend einem Wunsch der letzten Bölferbundspersammlung, ausnahmsweise noch auf die Tagesordnung der nächsten internationalen Arbeitskonferenz gestellt werden soll, die am 10. Juni zusammen treten wird. Die Vorkonferenz hatte, obwohl sie in den beiden Hauptpunkten der Bemessung und Berechnung der Arbeitszeit nicht einmal zu einem Mehrheitsbeschluß fommen fornte, die Weiter­behandlung dieser Frage durch die Arbeitskonferenz emp= fohlen. Der Entscheidung wird mit Spannung entgegengesehen, da die Gegenfäße, die sich bei der Bortonferenz gezeigt haben, zweifellos auch im Berwaltungsrat wieder in Erscheinung treten werden.

Französischer Bergarbeiterfongreß.

Paris , 4. Februar.( Eigenbericht.)

Der Berband der französischen sozialistischen Bergarbeiter ist am Montag in Paris zu einem außerordentlichen Kongreß zufammengetreten. Auf der Tagesordnung stehen vor allem drei Punkte: Wahrung des Achtstundentags, industrielle Rationalisierung und Berbesserung der Knapps haftsversicherung.

Auf dem letzten Kongres in Marseille war beschlossen worden, bei Nichterfüllung der Arbeiterwünsche in den genannten drei Punkten eventuell einen 24stündigen Proteststreit zu proklamieren. Unter der Mitwirkung der Regierung sind jedoch Verhandlungen mit den Grubengesellschaften zustande gekommen, die zum Teil schon zu einer Einigung geführt haben. So ist ein Abkommen über die

Parolenausgabe.

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Die Rote Fahne schreibt weher über die revo utionäre Situation". Und die jungen Leute vom Münzenberg : Konzern berichten über bürgerliche Putsch absichten unter sozialdemokrat scher Führung."

wirtschaftet. Nunmehr versucht er es tei der Kommunistischen Partei und deren Hilfsorganisationer. Wir wünschen ihnen recht viel Glüd zu diesem Gewinn! Die erste Schwalbe ist zwar der Kommunistischen Partei zugeflogen; wir sind aber sicher, daß sie ihr nicht den ersehnten Frühling bringen wird.

Wahrung des Achtstundentages abgeschlossen worden. Für die Rationalisierung wurden auf allen Gruben paritätische Rommissionen eingesetzt, die alle Härten aus dem Wege räumen follen.

In der Knoppschaftsversicherung wurde zunächst er­reicht, daß die Altersgrenze für die Pensionsberechtigung von 55 auf 50 Jahre herabgefeßt und die Knappschaftspensionen selbst von fünf auf fechstausend Franken jährlich er­höht werden sollen. Hier ist eine völlige Einigung jedoch noch nicht erzielt.

Polen als Reservoir für Frankreich . Wanderung soll planmäßig organisiert werden. Paris , 4. Februar.

Ein parlamentarischer Unterausschuß beschäftigte sich mit der Frage der Einwanderung polnischer Candarbeiter nach Frankreich . Der raditale Abgeordnete Lambert erstattete einen Bericht, in dem er für die fofortige Organisierung der Verpflanzung ganzer polnischer Familien nach Frankreich eintrat, um sie hier bodenständig zu machen. Bolen mit seinem jährlichen Ge­burtenüberschuß von etwa 500 000 bilde ein natürliches Reservoir lebender Kräfte für die französische Landwirtschaft. Cambert wurde beauftragt, sobald wie möglich einen entsprechenden Gesehentwurf vorzubereifen.

Sozialdemokrat als Oberpräsident.

Haas für Kaffel in Aussicht genommen.

Als Oberpräsidenten von Hessen- Nassau hat der preußische August Haas- Köln in Aussicht genommen. Der Ernennung durch Innenminister den sozialdemokratischen Landtagsabgeordneten das preußische Staatsministerium dürften Schwierigkeiten faum im Wege stehen.

Falsch ist die Nachricht, daß der Ministerialdirigent im Reichs­ministerium des Innern Dr. Häntschel die Nachfolge des von seinem Amt zurückgetretenen Oberpräsidenten von Pommern an= tritt. Borläufig hat sich der preußische Innenminister über die Nachfolge noch nicht endgültig entschieden.

Klage gegen Bolz.

Staatsgerichtshof prüft die Verfaffungsmäßigkeit der Regierung Bolz- Bazille.

Leipzig , 4. Februar.

Am 17. und 18. Februar verhandelt der Staatsgerichtshof für bas Deutsche Reich die Klage der sozialdemokratischen Fraktion des Württembergischen Landtags auf Verfassungs widrigkeit der seit dem 8. Juni 1928 bestehenden Regierung Volz Jomie auf ungültigkeit verschiedener Bestimmungen der Ge­schäftsordnung des Württembergischen Landtags.

Wirtschaftspartei blamiert sich. Mßtrauensantrag gegen den Ministerpräsidenten. Die Wirtschaftspartei hat gemeinsam mit mehreren Abgeordneten der Deutschen Fraktion im Preußischen Landtag einen Antrag ein­gebracht, worin der Landtag ersucht wird, dem preußischen Ministerpräsidenten Braun aus Anlaß der Anlaß der Neu­entziehen. Der Antrag wird mit der Gefährdung christlicher besetzung des Kultusministeriums das Vertrauen zu Interessen, hauptsächlich in der Frage der Jugenderziehung, begründet.

Aufgehobenes Verbot.

Hamburg , 4 Februar.

Der Senat hat das am 1. Februar erlassene Berbol der fommunistischen Hamburger Boffszeitung" und der Norddeutschen Zeitung mit Wirkung vom heutigen Tage aufgehoben.