<ße11a£e Sonnabend. 8. Februar 1930
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MaflenmLrder hat fefn leichtes Leben, Di« ihr vielleicht denkt. Erstens muH er auf die vpfer Obacht geben, Aweiten» auch noch, dah ihn keiner fängt. Tadellos in Form muß er sein Messer hallen, Stumpf bringts nur Verdruß, Weil es dann nicht durch die Kleiderfalten Mühlos eindringt, wie es nämlich muß. Und er darf sich nicht mit Blut bespritzen, Auch kein Fingerabdruck bleib' zurück. Solches würde nur die Polizei ausnützen, Und das bringt in keiner Weise Glück. Und wie schwer sind Leichen wegzubringen, Daß es keiner sieht! Sollte das nicht einwandfrei gelingen, Ist die Freud « an der Tat verfrüht. Endlich, kann man vorher sicher wissen, Ob, was man erstrebt. Sei es Geld, sei's Liebe, nicht an Hindernissen, Deil nichts da ist, selber sich begräbt? Ist ein guter Mord ihm dann gelungen Und er reich beschickt, Ach, wie schwer ist für den armen Jungen, Nicht zu zeigen, was ihn so beglückt. Macht auch die Berufswahl dir viel Sorgen, Greife nicht zur Mafsenmördereil Andre Tätigkeit wird dich am Ende auch oersorgcn, Und viel Ehre ist ja nicht dabei.
Geldbrlefträger sind ganz falsch« Leute, Braucht man sie. kriegt man sie nicht zu sehn. Denn ich könnte ja, ihr glaubts wohl, heute Rein aus Sehnsucht nach solch einem fast oergehn Artur Krause war einer von ihnen, Angestellt am Postamt SW 8, Der tagaus tagein mit würdevollen Mienen Geld teils nachgenommcn. teils gebracht. Einmal brachte er wie öfters schon Herrn Eiche Einen Fünfmarkschein aus seinem Futteral, Da traf dieser ihn mir einem scharfen Streiche, Daß Herr Krause hinsiel wie ein toter Aal. Kraus« konnte noch um Hilf« rufen, Worauf Eiche mit dem Geld entfloh, Doch es nahten Reller auf den Treppenstufen, Den Herrn Eiche machte das nicht grade froh. Denn die Tasche in der Hand war sein Verhängnis. Und die Retter schöpften eisernen Verdacht, Daraus brachten sie Herrn Eiche ins Gefängnis. Aber dann hat man an Krause auch gedacht. Gottseidank war er nicht schwer verwundet. Nach drei Wochen war er ganz gesund. Vor dem Richter hat er den Verlauf bekundet. Eich« wurde viel« Lahre eingespundt. Geldbri-fträger sind ganz falsche Leute: Warum mußt« Artur Krause Hilfe schreint Hall er'« nicht getan, so würd z. B. heute Eiche wohlhabend und nicht im Kittchen sein.
Rein, Friseure soll man nicht erschrecken. Leicht entsteht daraus ein ernster Fall. Zum Exempel will ich aus Vergessenheit erwecken Die Geschichte von Herrn August Niebergall. Niebergall, ein Meister seines Faches, War bei groß und llein gar sehr beliebt, Bis er endlich doch mal eines Tages Eigenhändig diese Morllat verübt. Denn er hatte grade unter seinem Messer Fleischermeister Gottfried Hermann Schmidt, Und er sagte grab, das Wetter würd' nun bester, Als er ihm tief in den Kehlkopf schnitt. Das kam daher, daß ein Autofahrer Mit Geklirr in sein Schaufenster fuhr; Niebergall war doch ein ernster Sparer, Und das ging ihm wider die Natur. In dem Fenster saß der Venz-Mercedes , Vor dem Spiegel saß der tot« Schmidt. Dos war Niebergall zu viel, und jedes Kind begreift, was dieser Mann jetzt litt. In die Wohnung hinter seinem Laden• Eilte Riebergall mit raschem Füß:/-• Vom Rouleau schnitt'er den zähen Faden. Klar war ihm, was er jetzt tuen mutz. Hinterm Vertiko die stille Ecke Wählt er sich zum letzten Ausenthall. Da hing er sich hin, daß er verrecke— Eine Stunde später war er gänzlich kalt. Nein, Friseure soll man mch erschrecken. Leicht entsteht daraus ein ernster Fall. Zum Exempel tat ich aus Vergessenheit erwecken Die Geschichte von Herrn August Niebergall.
Väter, Mütter, paßt auf eure Töchter! Denkt an Großmann Karl de» Mädchcnschlächtcrl Am Alexander Da stand er Und nahm beispielsweise nach Hause mit Paulin« Schmidt. Als sie oben bei ihm war in seiner Wohnung, Hat zuerst mll ihr er ohne jede Schonung Beträchtlich Geschlechtlich' Verkehrt, eh er sie umgebracht, Die ganze Nacht. Dann stach er jein Mcster tief in ihre Kehl «, Dreht es um, damit Pauline nicht so gröle, Und sie kaltgemacht Und aüsgeschlocht'! Trank drel große Kümmel ganz in aller Ruh Dazu. Dann borgt er vom Schlächter Keil die Hackmaschine Und dreht durch dieselbe nach und nach Pauline. Am Alexander Da stand er, Rtesenbockwurst mll Salat verkaust er da, 'n Fusfzger's Paar. Und so tat mil vielen andern sungen Mädchen G.oßmann Karl sich lang« Zeit betät'gen. Aber«in« Keste Kleine Hat mal so gebrüllt, daß gleich die Sipo kam Und ihn mitnahm.
Im Lokal-Anzeiger hat man's können lesen, Großmann Karl sagt, er sei's niemals nicht gewesen. Er war's doch, Sonst im Loch Häll' er sich nicht ohne wellres aufgehenkt, Wenn man's bedenkt. Als Moral könnt ihr euch folgendes betrachten: Junge Mädchen soll man liebgn, doch nicht schlachten. Diel bessire Sachen Kann man ja machen Und fällt hinterher nicht so gewaltig rein, Auch ist's gemein.
Bombe war verschwunden, Bombe, der war weg, � Man sucht ihn Tag und Stunden Und fand doch nicht den Fleck. Bomb«. Junggeselle, Bombe ging nie aus, Jetzt verließ er seine Schwelle, / Kam nicht mehr nach Hau».- � Landjäger und Soldaten Durchsuchten See und Flur, Mll Retzen und mit Spaten— Von Bombe kein« Spur. Ach käm doch Bombe wieder. So schallls im Blätterwald In Deutschland auf und nieder. Und aber bitte, bald! Ein Fischer fand die Leiche Mit Kopsschuh log sie da, An einem stillen Teiche. Vivat! Hallelujah. Viertausend Menschen jährlich Verschwinden in Bcrlin, Viertausend sind entbehrlich, Nur gehts nicht ohne ihn. Ein Landgerichtsdirckior — Verschwunden oder nicht— Ja, da hat man Respekt vor... Moral von der Gejchicht.'
Im Polizeipräsidium hängt eine lange Reihe Und unter Glas und Rahmen sorgsam ausgeklebt. Man sieht sie nicht, daß man sich dran erfreue, Denn alle dies« haben auch einmal gelebt. Denn alle diese wollten auch etiist glücklich werden Und alle waren auch einmal ein Kind Und starben mit verzweifelten Gebärden. Weil st« zuviel auf dieser Well gewesen sind. Di« meisten hängen dorr schon lange, lange, Und nie kommt wer und sllgt: es war mein Freund Fühlst dr. die Einsamkeit? Ist dir nicht bang«? Bist du gewiß, daß einst um dich wer weint? Es starren ihre gräßlichen Gesichter Ins Leere, ihnen ist's nun gleich, Ob man sie kennt—, der Allvernichter Nahm sie in Gnaden in sein weite» Reich.