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BERLIN Freitag 7. März 1930

Der Abend

Erf@ etnttaglio anter Sonntags. Bugleich Abendausgabe des Vorwärts. Bezugspreis betde Ausgaben 85 Bf. pro Woche, 3,60 m. pro Monat.. Redaktion und Erpedition; Berlin S 68, Lindenstr.3

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Spalausgabe des Vorwärts"

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Nr. 112

B 56 47. Jahrgang

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Dr. Schacht tritt zurück!

Aus Protest gegen die Haager Abmachungen.

Reichsbankpräsident Dr. Schacht gab dem Zentralausschuß bekannt, daß er die erforder. lichen Schritte getan habe, um eine var. zeitige Beendigung seines Dienstvertrages herbetzuführen. Der Grund zu diesem Entschluß Jiegt in seiner Auffassung vom Haager Saluk. protolo IL

Dr. Schacht wird jedenfalls solange im Amte berbleiben, bis über die Wahl eines Nach foI. gers Entscheidung getroffen werden kann.

Reichsbankdisfont herabgesetzt.

Der Zentralausschuß der Deutschen Reichsbank hat mit Wirkung vom 8. März in seiner heutigen Bor mittagsfihung beschlossen, ben Wechseldiskont von 6 auf 5% Prozent und den Ziusfuß für Lombardkredite ( Kredite gegen Hinterlegung von Waren und Wert­papieren). von 7 auf 6% Prozent herabgefekt.

Damit ist die von uns feit Bochen dringend geforderte mettere 3insnerbilligung der Reichsbanffredite eingetreten. Es ist dies feit Jahresbeginn bie dritte Distontfenfung, die die Reichs. banf vorgenommen hat. Die nach der New- Yorter Bärfentatastrophe in Spätherbst 1929 eingetretene Umwälzung auf dem Weltgeld marfte hat nach vorangegangener Diskontsenfung in New York , London und Amsterdam am 18. Januar erstmalig zu einer Senfung des Reichsbandistontes von 7 auf Prozent geführt. Die an­haltende Gelbverflüffigung in der Welt führte sodann am 4. Februar au einer weiteren Zinsverbilligung von 6% auf 6 Prozent, der sich als längst fällige treditpolitische Maßnahme der Reichsbant die heutige Distontjenfung anfchließt.

Die fächsische Regierungsfrage.

Die Bedingungen der Nazis für den Bürgerblock. Dresden , 6. März.( Eigenbericht.)

Die fächsische Bandtagsfrattion der Rationalsozialisiert hat an bie Reichspartei des deutschen Mittelstandes geschrieben:

Mit der Person des Präsidenten des Staatsrechnungshofes Herrn Schied als Ministerpräsident sind wir im allgemeinen einver standen. Wir sind bereit, unter folgenden Bedingungen in Berhand lung zur Bildung einer Regierung unter Führung des Herrn Bräsi denten Schied einzutreten:

1. Rein Marrist, einschl. Alsozialisten in der sächsischen Regierung. 2. Bei allen einschneidenden politischen Fragen, bei Berufung von Ministerien, höheren Regierungsbeamten usw. ift der interfraktionelle Ausschuß einzuberufen. Die Re gierung hat die die Regierung ftüßenden Parteien über die beab. fichtigten wichtigsten Maßnahmen zu unterrichten. 3. Die fächsische Regierung hat sich im Reichsrat gegen alle Berträge, durch bie das deutsche Bolf in weitere politische und mirtschaftliche Ab­hängigkeit vom internationalen Bant. und Börsentapitalismus fommt, einzulegen. 4 Durchführung von Sparmaz. nahmen, Bereinfachung bes behördlichen Berwaltungsapparates, Einziehung der Sächsischen Gesandtschaft in Berlin , Herabsetzung der Behälter und Streichung der Benfionen für nicht aus dem Berufs beamtentum hervorgegangene Minister. 5. Es ist ein ausreichendes und umfassendes Arbeitsbefchaffungsprogramm aus. zuarbeiten, das geeignet ist, die Erwerbslosigkeit zu beheben und die fächsische Industrie in erster Linie zu berücksichtigen. Die Mietzins. Steuer ist restlos dem Wohnungsbau zuzuführen und darüber hinaus noch Mittel bereitzustellen, mit deren Hilfe eine Beseitigung der Bohnungsnot erreicht mirb.& Der Banbmirtschaft find billige Staatstrebite bereitzustellen. 7. Suz bes Mittelstanbes in Handwert, Handel und Gewerbe. Beseitigung ber fteuerlichen Bergünstigung der Konjumpereine Jomie Sonder. besteuerung ber Barenhäuser. Bir betonen, daß eine Belegung eines Ministeriums durch die NSDAP . unter den jetzigen Berhältnissen nicht in Frage tommt. Wir erwarten aber, daß unieren Wünschen bei Belegung der einzelnen Mi nisterien Rechnung getragen wird."

Die Kommunistenpleite.

,, Abends brachen die Arbeitermaffen in das Regierungsviertel ein."

Menn es der Zufall fügen follte, baß heute ein Exemplar der Roten Fahne fich in einem Berliner Betrieb verirrt, so wird tatsächlich der Streif eintreten, ben die Kommunisten gestern vergeb. lich provozieren mollten. Die Arbeiter werden vor Lachen nicht arbeiten förmen, wenn sie lesen:

,, Die Kommunisten find nicht mehr pon den Straßen zu ver treiben. Sie find zur beherrichenden Partei ber Betriebsarbeiter und Erwerbslofen gemorden."

., 2ber während sie noch um sich schlug, maren die Erwerbs. fofen bereits vor den Großbetrieben. Als dort die Belegschaften die Arbeitsstätte verließen, tam es zu erhebenden und wuchtigen Berbrüderungstundgebungen mit den Erwerbsfcfen."

Doch über einige 3örgiebeliften hinweg geht die Demonftratton matter. Abends brachen bie Ar. bettermassen in bas Regierungspiertel ein."

Wer hat so etwas gefehen? Es fehlt nur noch die Züge, die Berliner Betriebe häften wie ein Mann die Arbeit niedergelegt!

Indessen wird es nicht beim Lachen bleiben: die fommimistische Provotationstaftif hat blutige Opfer gefordert, und die Burschen, die dura thre großmäuligen Lügen in der Roten Fahne" nochmals Angriffe auf die Polizei provozieren wollen, möchten neue Opfer fehen!

Für wen die Lügen und die Opfer? Für die Exekutive der Mostauer Internationale, das heißt für die Russische Kommunistische. Bartei, und damit für die Sowjetregierung.

Die Agenten der Sowjetregierung haben sich auf Befehl als verbrecherische Lockspiel betätigt, und das Reptil der Sowjet­regierung liefert die Lügen dazu. Die Arbeiter aber denken nicht daran, dies Spiel mitzumachen. Sie laffen die Sowjetagenten unter sich. Das Ergebnis:

Kein früherer Arbeitsschluß.

Ablehnung der SPD. - Parofen in allen Betrieben. Keine Maffendemonftrationen.

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3follerung der Kommunisten von den Arbeitern. Aber zwei Duizend Berletzte, und- felbstverständlich bombastische Aufforderung der Roten Fahne" von heute morgen zum politischen Massenstreit für Sowjetbeutschland!

Rafper auf dem Feldherrnhügel. Während gestern abend Ede Leipziger und Friedrichstraße halb­müdige Burschen die Polizei provozierten, stand der fommunistische Landtagsabgeordnete Rasper in elegartem Sportpelz, umgeben von seinem Stabe", in sicherer Deckung in der Friedrichstraße und bon feinem Stabe", in sicherer Dedung in der Friedrichstraße und lah der Attion" seines halbstarten Stoßtrupps zu.

TÖTET­ZORBIBEL

Dash

Kommunistische mordhetze

Inschrift auf einem Brellerzaun in Neukölln

Herr Kasper fonnte einen Erfolg verzeichnen dort wurde einer feiner Demonstranten" schmer verletzt. Als Leute, die ihr fannten, auf ihn aufinertsam wurden, verbuftete Herr Kasper.

Der Kommuniffentrawall. Nächtliche Zumultszenen am Bülowplay.

Während gestern um Mitternacht in den meisten Stadf. teilen wieder pöllige Ruhe herrschte, tauchten am Bülow. platz und feiner nächsten Umgebung plöhlich erneut mehrere demonstrierende Trupps auf, die ein erneutes Einschreiten der Polizei notwendig machten.

Die tommunistischen Trupps versuchten abermals Demon­strationszüge zu bilden. Als sich ihnen Polizeibeamte entgegen­stellten, murde ein Steinbombardement eröffnet. Mehrere Beamte würden dabei so arg bedrängt, daß sie in der Notwehr von der Waffe Gebrauch machen mußten. Es murden einige Schüsse abgegeben. Bier Personen, drei Männer und eine Frau, wurden von den Kugeln getroffen und durch Wagen des Städtischen Rettungsamtes ins Krankenhaus am Friedrichshain gebracht. In ber Draganerstraße wurden zwei Burschen gefaßt, die gerade dabei maren, die Straßenlaternen zu zerstören. In derselben Straße war furz zuvor ein Rollwagen umgestürzt und quer über den Fahrdamm gelegt worden. Die Täter, die außerdem in Begriff maren, Müllfästen und Bretter heranzuschleppen, wurden von der Polizei bei ihrer Arbeit überrascht und vertrieben. Neukölln, in der Umgebung der Prinz- Handjery- Straße, und am Wedding , in der Kösliner Straße, wo sich die Hochburg der dortigen Kommunisten befindet, fam es mehrfach zu Versuchen, Züge zu bilden. Der Polizei gelang es in allen Fällen, die Ruhe schnell wieder herzustellen.

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Insgesamt find im Berlauf der geffrigen Zusammenstöße 134 Personen eingeliefert worden. 95 von ihnen fonnten bereits in der Nacht nach furzer Bernehmung durch Beamte der Politischen Polizei wieder entlassen werden. Auch der größte Teil der übrigen Festgenommenen wird heute im Laufe des Tages zur Entlaffung fommen.

Die Weltpleite.

Die bombastisch angekündigten Hungermärsche der Kommuni ften find überall fläglich verlaufen, Nirgends, außer in Amerika , ist es auch nur zu so blutigen Zusammenstößen wie in Berlin und Halle­Ammendorf mit zwei Toten und sechs Schwerverletzten ge­tommen. In London demonstrierten 2000 Berfonen, die die Polizei am Marsch vor das Rathaus verhinderte. In Man= chester wurden fünf Mann, in Dublin vier festgenommen. In Stocholm fanden drei Bersammlungen statt, die Demonstra­tionen wurden vereitelt. In Paris wurden im ganzen 52 Per­fonen verhaftet, darunter sechs Ausländer. In Bilbao in Spa­mien murde ein Demonstrant und ein Polizist verletzt; der Gou­verneur von Sevilla empfing eine Abordnung. In der ganzen Schweiz gelang es den Kommunisten nur in Zürich und Basel , Demonstrationszüge zu bilden. In Prag wurden Ansammlungen mühelos zerstreut; in a blonz schoß die Polizei, ob es Ber legte gab, ist noch nicht bekannt.

In Moskau und Leningrad wurden in Versammlungen Borträge fiber bie Aftionen gehalten.

New- Yorker Polizei im Blutrausch".

New Bort, 7. März.

Die Berichte und Stommentare ber Morgenblätter zu ben geftrigen Rommunistendemonftrationen zeigen, daß die Vorgänge im einzelnen doch wesentlich stürmischer waren, als die ersten Berichte erkennen ließen. Vor allem erregt es unliebsames Auf. fehen, daß die erhebliche Zahl von 300 Berlegten zu ver zeichnen ist. In feitenlangen Schilderungen wird festgestellt, daß der Zusammenstoß zwischen Polizei und Demonstranten das schlimmste gemesen ist, was man in dieser Beziehung seit vielen Jahren erlebt hat. Dabei findet das Berhalten der Polizei oder besser ihrer unteren Organe in beiben politischen Bagern scharfe Kritifer. Die demokratische World" mie das rechtsrepubli tanisch eingestellte Blatt Herald Tribune" erklären in ihrem Leit­artifel, die Maßregeln der Polizeileitung seien mohl überlegt und