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Nr. 68.

Erscheint täglich außer Montags. Preis pränumerando: Viertels jährlich 3,30 Mart, monatlich 1,10 Mt., wöchentlich 28 Pfg. fret in's Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- Nummer mit illuftr. Sonntags- Beilage Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3,30 Mt. pro Quartal. Unter Kreuz­ band : Deutschland u. Defterreich Ungarn 2 M., für das übrige Ausland 3 Mt. pr. Monat. Eingetr. in der Post Beitungs- Preisliste für 1896 unter Nr. 7277.

mago du me 13. Jahrg.

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Infertions- Gebühr beträgt für die fünfgespaltene Petitzeile oder beren Raum 40 Pf., für Vereins- und Versammlungs- Anzeigen 20 fg. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen­tagent bis 7 Uhr abends, an Sonn e und Festtagen bis 9 Uhr vormittags geöffnet.

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Fernsprecher: Amt 1, Nr. 1508 Telegramm- Adresse: " Sozialdemokrat Berlin".

Berliner Bolksblatt.

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Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands .

Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2.

Eine internationale Komödie!

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Freitag, den 20. März 1896.

Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3.

Wenn Schinderhannes auf Geschäfte" ausging, sette| 100 Mart gilt, obgleich er an sich keinen Pfennig werth er stets eine sehr fromme Miene auf und vermied es sorg ist. Für den Hundertmarkschein bekomme ich aber jederzeit fältig, seinen Zweck zu verrathen. 5 goldene Zwanzigmarkstücke, und für 10 Zweimarkstücke Nicht eine Komödie der Jrrungen" ist es, denn Genau so haben es unsere Bimetallisten gemacht, die ein goldenes Zwanzigmarkstück. Unser Silbergeld ist blos die Komödianten und Akteure find troy aller donquixotischen wir indeß sonst nicht mit Schinderhannes vergleichen wollen. Werthzeichen, und sein Werth schwankt trotz Alluren, und obgleich sie in Wirklichkeit Ritter von der Bei Leibe nicht. des Schwankens der Silberpreise ebenso wenig, wie der traurigen Gestalt sind, doch ganz vorzügliche Rechner für Preis des Papiergeldes infolge des Schwankens der die eigene Tasche, mit einem scharfen, wenn auch nach Papierpreise. Allein die Sache gestaltet sich anders bei der Tasche des Nachbars schielenden Auge aufs Ge­der sogenannten freien Gilberprägung. schäft. An eye on business" nennen das die Engländer, die sich aufs Geschäft verstehen.

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Mit einer, ihrem ausgebildeten Geschäftssinn zur Ehre gereichenden Geschicklichkeit vermieden sie es zu sagen, was fie eigentlich wollen. Sie sprachen von einer inter­nationalen Regelung des Werthverhältnisses von Gold und Seit zwanzig Jahren ist hauptsächlich infolge der. Silber, und daß diese Regelung wünschenswerth sei. leichteren Gewinnung des Silbers aus den Erzender Also nicht Komödie der Jrrungen", menn Und bei der Aufführung in der Heimath wird es die Silberpreis beständig im Sinken, und voraussichtlich wird auch der Wirrungen sondern Komödie der selbe Litanei sein. das Silber bald gar nicht mehr als Edelmetall gelten. Das Täuschungen und der Reklame. Ja der Je nun, warum soll die Regelung des Verhältnisses hat entschiedene Nachtheile für die Besitzer der Silber­Reklame. Denn diese ganze internationale Komödie, von Silber und Gold nicht wünschenswerth sein? Es minen, die schon um die Hälfte entwerthet sind und mit welche die Komödianten der filbernen Internationale soeben wäre jedenfalls auch sehr wünschenswerth", wenn das jedem Tag mehr entwerthet werden; und es bereitet auch in verschiedenen Parlamenten aufgeführt haben, und die sie gegenseitige Verhältniß der Fleisch- und der Brotpreise gewisse Schwierigkeiten im Verkehr zwischen den Ländern auch in Deutschland noch post festum aufführen wollen international geregelt würde. mit Silber- und denen mit Goldwährung. Diese Schwierig­ist nur eine riesige Geschäftsreflame. keiten sind jedoch höchst untergeordneter Natur. Dagegen Gut ward aber in London und in Paris die Komödie ist es den Besigern der amerikanischen Silberminen äußerst gespielt. Allerdings ziemlich plump; allein zu der Bauern unangenehm, daß sie statt 10 000 Millionen Dollar zu haben schlauheit, welche gottesfürchtig und dreift den Nachbar be- Das komischste ist, daß es auch unseren Silbernen wie vor 20 Jahren, jezt nur noch 5000 Millionen haben, mogelt und ihm dabei noch vorredet, ihn zu bereichern, ganz schnuppe" ist. Was ist ihnen Hetuba? Was liegt die obendrein stetig an Werth verlieren. Von diesen Silber­gehört diese biedermännische Plumpheit und polizeiwidrige den Kardorff und Konsorten an Sen Schwierigkeiten, minenbesitzern geht auch die Agitation für die Doppel­Unwissenheit, die unsere Komödianten so erfolgreich zur Schau welche die indischen und chinesischen Kaufleute mit währung aus; sie wollen durch diese den Silberpreis und gestellt haben. der Umrechnung des nationalen Silbergeldes den Werth ihres Eigenthums in die Höhe treiben. in internationales Goldgeld haben? Nicht mehr, als wie Doch welches Interesse haben unsere Junker, die an einem Loch in den Strohdächern ihrer Leibeigenen. teine Silberminen besitzen? Es ist pure Komödie.

Und was für Komödianten!

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Der Kontrast zwischen ihrem wirklichen Wesen und der von ihnen gespielten Rolle ist allein schon von packender Komik. Man denke sich Stöcker, der die fromme Miene abgelegt hat und unter ehrlichen Scherzen über sein praktisches Christenthum auf einem Grisettenball mit leichten Bersonen Kantan tanzt. Es wäre zum fugeln.

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Schade nur, daß es in dieser besten der bürgerlichen Welten nicht geht. Und in einer anderen Welt wird man sich um solche Kindereien nicht kümmern.

Was liegt ihnen überhaupt an der gegenseitigen Re­gelung des Silber- und Goldpreises? Nichts, und noch einmal nichts.

Es ist Komödie alles Komödie.

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D, ein sehr lebhaftes und substantielles. Während die Spekulation der amerikanischen Silber minenbefizer darauf abzielt, den Silberpreis durch inter­nationale Verträge zu heben und sich und ihren Freunden so etliche tausend Millionen zu verdienen"-spekuliren die Und nun diese Kardorff, diese Mirbach, diese Méline, Wenn heute durch internationalen Vertrag festgesetzt europäischen Agrarier auf das Fallen des Silberpreises. diese Balfour, deren ganzes Dichten und Trachten dahin wird, daß das Verhältniß von Gold und Silber bei der Würde das Verhältniß zwischen Gold und Silber inter­geht, durch Zollschranken die Völker von einander ab- internationalen Münzausprägung 1 zu 16 oder 1 zu 18 national geregelt, was eine künstliche Preissteigerung des zusperren, um sie besser ausplündern zu können jetzt auf sein soll, so ist das angenommen, es sei möglich, Silbers bedingen würde, so hätte die Ausprägung auf einmal die Fahne der Internationalität aufpflanzend und was nicht der Fall- so ist das für die Kardorff grund dieses Verhältnisses stattzufinden. Allein auf dem die Solidarität der nothleidenden Mast- und Sektproletarier und Konsorten vollkommen gleichgiltig; sie verdienen" Weltmarkt köme bald wieder der natürliche Silberpreis zur aller Länder proklamirend es ist zum fugeln. dabei keinen Pfennig. Und ums" Verdienen" handelt es Geltung. Bald wäre das Zweimarkstück nur 1 Mart National international rechter Hand, linker sich doch. Verdienen" würden blos die amerikanischen Silber werth. Und wenn dann die die freie Silber­Hand, alles vertauscht das 8iel aber bleibt unverrückt, Silberminenbesitzer, deren Produkt im Werth stiege. prägung" besteht, braucht der Silbermann sich blos gerade wie die Häuser, die vor dem Wein- oder Bierseligen Unsere Junker hätten außer insoweit sie etwa mit den Rohsilber zum Weltmarktpreis zu kaufen und es sich vertauschen, fest und unverrückt stehen. amerikanischen Minenbesitzern Kompagniegeschäfte machen prägen zu lassen er bekommt dann für je 1 Mark Roh­absolut keinen Vortheil. silber 2 Marf geprägtes Silber. Und wenn der Nationaler Schutzzoll Geschäft. Internationale Aber warum in aller Welt sind sie so erpicht auf die Silbermann eine Million Mark Schulden hat, kauft er sich Doppelwährung- Geschäft. Nationales Geschäft, inter- Doppelwährung? Ja, das sagen sie nicht. für eine halbe Million Silber, läßt es prägen und bezahlt nationales Geschäft. Wenn nur das Geld in den Junker- Worauf es ihnen ankommt, was sie aber wohlweislich seine Million Schulden. Die halbe Million tasten springt! Und was liegt an der Prägung, ob national in Dunkel zu hüllen beslissen sind, das ist die sogenannte ist verdient". ob international, wenn es nur Geld ist Geld für Hunde, freie Silberprägung. Und sintemalen unsere Nothleidenden etwa für fünf­Geld für Mädchen, Geld für Pferde, Geld für Austern und Hat der Staat allein das Recht der Prägung, dann zehntausend Millionen Mark Schulden haben, so würden Champagner, Geld für die Seisach theia, die große bleibt bei der Goldwährung das Verhältniß zwischen Silber sie beim Bimetallismus siebeneinhalbtausend Schuldenabwälzung von den Junkerschultern auf und Gold, mag es auf dem Weltmarkt für das Roh Millionen verdienen". die Schultern der gemeinen Plebejer. metall noch so sehr sich änderu, im Lande ganz unberührt. Wir berichteten gestern schon von der ausländischen Heute ist das Zweimarkstück in Wirklichkeit, d. h. au Silber­Aufführung der internationalen Parlamentskomödie der gehalt, blos eine Mark werth, trotzdem gilt es im Verkehr Herren Bimetallisten. allgemein zwei Mark gerade wie der Hundertmarkschein

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Geschäft!

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Clotilde.

( Nachdruck verboten.)

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Und das ist schon des Schweißes der Edelſten" werth. Ach, sie sind verteufelt schlaue Geschäftsleute, unsere inter­nationalen Silberkomödianten.

Schade nur, daß in Geldsachen die Gemüthlichkeit auf­wirthschaft wenig oder garnicht verstände, beanspruchte von dem bewährten tüchtigen Dekonomen Delroa, daß derselbe all­jährlich einige Zeit auf das ihm früher gehörige, jetzt

eine Betrogene und Verlassene und dazu käme noch das tiefste Elend im eigenen Hause, in dem sich zwei heiraths fähige Töchter befänden, die sie an den Mann bringen Noch an demselben Tage stellte sich mir ein Herr müsse. Daß dieses Elend ein selbst verschuldetes war, heruntergewirthschaftete Gut komme und dort wohne, um Delroas, der Mann jener Dame, als theoretisch und wußte ich nur zu gut, denn die Frau Pächterin kleidete die Anordnungen zu treffen, die den Ertrag des Gutes praktisch gebildeter Landwirth vor und bat, nachdem ich nicht nur sich und ihre Töchter aufs kostbarste, wieder heben sollten, da Delroa es nicht über sich ge­mit ihm den Pachtkontrakt abgeschlossen, um ein Darlehn sie besuchte auch allerhand theure Vergnügungen winnen könne und es tief beklage, daß sein ihm so liebes gegen die Scheine seines verpfändeten Hausraths. Da der und ruinirte dadurch ihren Mann, der schwach genug war, früheres Eigenthum in Verfall gerathe, so dränge Mann einen gewinnenden Eindruck und durch seine offene sie um des häuslichen Friedens willen gewähren zu lassen. es ihn, dorthin zu eilen, er entsage auf meinem Darlegung, wie unverschuldet das Unglück über ihn ge- Der Mann dauerte mich, ich gestundete ihm den Pachtschilling Gute die Pächterstelle mit der Ueberzeugung: daß er die kommen, mein Mitleid rege machte, so gab ich und ließ auch durch meinen Anwalt nochmals bei Bergkuhn um Liegenschaften meines Besizes in der besten Ordnung zurück­ihm zu dem Darlehn auch die Scheine zurück und die Nachzahlung bitten. Vor kurzem erhalte ich nun die Nach- lasse. Außerdem theile er mir noch unter dem Siegel der Familie zog ins Pächterhaus ein. Als ich nach einer richt, daß Bergkuhu die Summe von drei tausend Gulden Verschwiegenheit mit, daß er erfahren hätte, seine Frau Woche auf das Gut tam, sagte mir der alte Haus- bedingungsweise nachgezahlt habe. Frau Delroa hat nun haben dem erklärten Verlobten seiner Tochter das Berg­voigt, daß sich noch keine Möbel außer den Inventar- das Geld bis auf hundert Gulden an sich genommen, ist in fuhn'sche Geld eingehändigt, dieser habe sich dafür ein stücken im Pächterhause befänden, die Frau Pächterin habe ein Bad gereist und ihr Mann, als er sie dort abholen Rennpferd gekauft, womit er bei dem nächsten inter­ihm Geld gegeben, um damit einige dem Verfall nahe will, wartet vergebens, die Frau und das Geld ist ver- nationalen Rennen in Baden- Baden beim Handicap um den Schmuckgegenstände einzulösen. Heute Morgen habe er schwunden." ersten Preis konkurriren wolle. Delroa verspricht auch Frau Delroa und ihre beiden Töchter nach der Stadt Eine schöne Wirthschaft, eine solche Frau als Päch- mir alljährlich seine auf meinem Gute angeordneten neuen fahren müssen und solle sie heute Abend aus dem Theater terin," sagte der Major. Einrichtungen zu kontrolliren und scheidet von mir jetzt wieder abholen. Der Herr Pächter habe indeß sofort sehr mit den Gefühlen tiefster Dankbarkeit. Ich konnte tüchtig in die Bewirthschaftung des Gutes eingegriffen, er die Handlungsweise dieses ehrenwerthen, gutmüthigen arbeite selbst kräftig mit und sehe nach allem. Dies genügte Mannes, der schwach genug war, die leichtsinnigen Streiche mir und ich reiste ab. seiner Frau zu vertuschen und wieder gut zu machen, nicht verwerflich finden und schrieb ihm, daß ich ihn seines Bachtkontraktes enthebe mit der Hoffnung, ihn zuweilen auf meinem Gut als thatkräftig eingreifender Anordner wiederzusehen." Theodor!" rief die Oberförsterin, so ist das Gut Nur der alte Voigt ist da und die Dir seit Jahren bekannten Mägde und Knechte sind geblieben." ( Fortsetzung folgt.)

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Sei doch froh, daß sie verschwunden ist, dann brauchst Du sie nicht fortzujagen," setzte der Oberförster hinzu. " Aber Mann!" rief die Oberförsterin, wo feine Frau im Hause ist, geht Alles rückwärts, drunter und drüber. Erzähle weiter Theodor."

Nach einiger Zeit der Ernte erhielt ich von Frau Delroa ein Schreiben, worin sie für ihren Mann um Ge- Ihr Bruder fuhr fort:" Der Pächter Delroa stundung des Pachtzinses bat, sie befände sich in der schrieb an mich, die gute Ernte dieses Jahres er höchsten Noth. Ein reicher Herr, der ihre älteste Tochter seze mir reichlich die Pachtzinsschulden, ich möge mich da­heirathen habe wollen, hätte fie großen mit begnügen und ihn aus der Pacht entlassen. Er müsse Ausgaben veranlaßt, jetzt habe sich herausgestellt, die Verirrung seiner Frau dadurch gutzumachen suchen, daß daß dieser angeblich vornehme und begüterte Sports er die Bedingungen, welche der Herr v. Bergkuhn an die mann der Herr v. B. ein waghalsiger Spieler Geldsendung geknüpft habe, sofort erfülle. Diese Bedin­fei, ihre Tochter wäre bis zur Raserei erkrantt, als gungen bestanden darin: Herr v. Bergkuhn, der die Land­

zu

jetzt ohne Pächter?"