Der Abend
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Spätausgabe des„ Vorwärts"
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Nr. 354
B 176 47. Jahrgang
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Unterricht für die Wahlen.
Der Generalangriff der Industrie trotz glänzender Abschlüsse.
Der Verband Berliner Metallindustrieller ist entschloffen, sich über den Tarifvertrag mit den Angestelltengewerkschaften hinwegzusetzen und seine Aktion der Kürzung der Gehälter der Angestellten durchzuführen. Als Preffionsmittel wird dabei die Kündigung von Angestellten angewandt. Einzelne Firmen gehen dabei recht großzügig" vor. So hat die Firma Pierburg u. Händler ihren sämtlichen 150 Ange. stellten gefündigt und gleichzeitig mitgeteilt, daß fie davon ein Drittel tatsächlich entlassen wird. Wenn auch zunädyt von einer Gehaltstürzung nicht gesprochen wurde, fo liegt die Vermutung nahe, daß die Neueingestellten" unter neuen Ge haltsbedingungen eingestellt werden sollen oder niedriger bezahlte Angestellte die Arbeit entlassener höher bezahlter Angestellten aus. führen sollen.
Es versteht sich von selbst, daß die Gewerkschaften die Aktion der Unternehmer entsprechend beantworten werden. Zunächst wird beim Arbeitsgericht die Fest stellungsflage eingereicht werden, daß ein Tarifvertrag nicht abdingbar ist und demnach die Gehälter während der Dauer des Vertrages nicht willkürlich herabgesetzt werden fönnen. Für die Gekündigten selbst wird auf Grund des Betriebsrätegefeßes Klage wegen unbilliger Särte eingereicht werden, da die Entlassungen wirtschaftlich nicht begründet find.
Eine genaue Uebersicht über die ausgesprochenen Ründi. gungen und die angekündigten Gehaltsfürzungen läßt sich zur Stunde noch nicht geben. Einmal find viele Angestellte auf sechs möchige Kündigungsfrist angestellt und können also erst Mitte August zum Quartalschluß gefündigt werden. Andererseits find die Kündigungen noch nicht ausgesprochen und werden erst heute im Laufe des Tages den betroffenen Angestellten mitgeteilt. Dies trifft besonders zu auf den Siemens- Konzern. Es fann aber jetzt schon als sicher angenommen werden, daß die Anordnung an die Direktoren, 10 Prozent der Angestellten zu fündigen, gur Durchführung fommt. Bon der AEG. liegen uns Nachrichten vor, aus dem Wert Aderstraße, wo von 550 Angestellten 53 gekündigt wurden. In der Transformatorenfabrit der AEG. wurden von 860 Angestellten nicht weniger als 103 gekündigt.
Stod u. Co. hat wohl den Bogel abgeschossen. Bon 360 Angeftellten wurden
45 Prozent gekündigt, während gleichzeitig die Gehälter um 7 bis 15 Prozent gekürzt werden sollen. Bei der Bamag- Meguin A.-G. wurden von 700 Angestellten 77 gefündigt, nachdem bereits im Monat vorher 40 Angestellte gefündigt worden sind.
Bei Borsig ist von rund 1300 Angestellten für etwa 200 2 n- gestellte eine Arbeitszeitvertürzung diktiert und gleichzeitig diesen Angestellten eine Gehaltstürzung von 14 Prozent angekündigt worden.
Das find nur einige Stichproben über die Aktion des Verbandes der Berliner Metallindustriellen. Aus diesen Stichproben geht hervor, daß die Unternehmer auf Anordnung ihrer Organi fationen gegen die Angestellten einen General angriff unternehmen. Dieser Angriff wird geführt unter dem Vorwand wirt: schaftlicher Notwendigkeiten. Die Betriebe sollen„ rentabel" gestaltet werden. Bisher war uns nichts bekannt von einer Unrentabilität der Berliner Metallindustrie. Ganz abgesehen von den versteckten Gewinnen stehen die Dividenden der Berliner Metallindustrie außer ordentlich hoch. Aber die Unternehmer haben nun einmal die volkswirtschaftlich ganz verrüdte Parole bekommen, durch Lohnabbau die Wirtschaft zu heben.
Verföhnung an den Gräbern
In Paris tagte der Internationale Kongreß der Kriegsbeschädigten und Kriegsteilnehmer ( Ciamac), an dem auch Deutschland u. a. durch den Reichsbund der Kriegsteilnehmer, Kriegsbefchädigten und-Hinterbliebenen vertreten war. 30 km von Soissons entfernt, bei der Ortschaft Soupir, die vom Weltkrieg her in trauriger Erinnerung steht, befinden sich Tausende ron Kriegergräbern, die von den Teilnehmern des Hongresses besucht werden.
frefern des BBM3. nach der Preffemitteilung des Reichsarbeits-| Der AEG. Konzern steht seinem großen Kollegen in Siemensminifteriums mehrere Firmen ihren Angestellten mit fofortiger stadt nicht nach. Allein die in den Bilanzen ausgewiejenen ReinWirkung Gehaltstürzungen aufgezwungen haben. Sie teilgeminne, die bekanntlich niemals die tatsächlich erzielten ten mit, daß sie gegen diese Berlegung des Tarifvertrages gemein- Profite ergeben, sind bei der AEG. von 1924 bis 1929 von 8,3 auf sam die erforderlichen Schritte unternehmen werden.
Den Unternehmern geht es glänzend. Der Generalangriff der Berliner Metallmagnaten auf den Lebensstandard der Arbeiter und Angestellten wird von den Belegschaften als eine um so größere Herausforderung angesehen, als die profitraten sämtlicher führenden Berliner Großbetriebe von Jahr zu Jahr gewachsen sind.
Der Scharfmacher Siemens, der seit Jahr und Tag in der dem ,, Ruin Deffentlichkeit mit dem„ Ruin der deutschen Wirtschaft" haujieren geht, war in der Lage, die Gewinne seiner Aktionäre in den letzten fünf Jahren von 10,8 bis auf rund 25 Millionen heraufzuschrauben. Die Profite der Aktionäre sind also seit 1924 um rund 150 Proz. erhöht worden.
Löhne und Gehdäller follen gefürzt, Arbeiter und Angestelle Denkt daran!
entlaffen werden,
damit das ist der Gipfel des Irrfinns die Arbeitslosigkeit
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eingedämmt und der Absatz gesteigert werde! Rücksichtslos fegen
fich die Unternehmer über den Tarifvertrag hinweg. Sie glauben
Am 1. August, dem Tage des Kriegsausbruchs, veranstaltet die Sozialdemokratie Groß- Berlins
die Stunde gekommen, um ihr Mütchen an der Arbeiterflaffe im Lustgarten um 19% Uhr
fühlen zu können.
Sie wollen es zu einer Machtprobe
tommen lassen. Politisch soll ohne und gegen die Sozialdemokratie regiert werden; wirtschaftlich ohne und gegen die Gewerkschaften. Die Unternehmer werden aber die Erfahrung machen, daß, wer Wind fäet, Sturm erntet.
Besprechung im Reichsarbeitsministerium.
Die Vertreter der Angestelltengewerkschaften waren am Mittwoch im Reichsarbeitsministerium, um deffen Sachbearbeiter auf deren Wunsch über die augenblickliche Sachlage in der Berliner Metallindustrie zu unterrichten. Sie wiejen hierbei darauf hin, daß nicht nur umfangreiche Kündigungen in Aussicht gestellt
19,2 Millionen angewachsen. Die an die Aktionäre aus= geschütteten Dividendensummen sind bei der AEG. in der gleichen Zeit von 7,8 auf 15,2 millionen, also um fast 100 Pro 3. gestiegen.
Kosten der Betriebs- und Büroarbeitskraft ihrer Belegschaften profiWie die großen Elektrokonzerne von der Rationalisierung auf tieren, beweist die Tatsache, daß der Umsatz bei der AEG. in den letzten drei Jahren von 400 auf 580 millionen gestiegen ist, während zu gleicher Zeit die Belegschaft um mehrere tausend Mann abgebaut wurde. Aber nicht nur bei den großen Elektrokonzernen ist dieses sprunghafte Anwachsen der Unternehmerprofite festzustellen. Die Julius Pintich A.-G.,
zu der auch die Bamag in Berlin- Moabit gehört, fonnte ihre Dividenden seit 1925 Jahr für Jahr hochschrauben, Sie stellten sich vor vier Jahren auf 4 Proz. und erreichten im letzten Jahr den Rekordstand von 12 Proz. Hier haben sich also
u.
die Aktionärsgewinne rund verdreifacht.
Bei dem Waggon- und Lokomotivbau- Konzern von Orenstein Roppet sind die finanziellen Berhältnisse geradezu glänzend. Die im Mai veröffentlichte Jahresbilanz für das Geschäftsjahr 1929 mies rund 7,4 millionen Bantguthaben und 13,4 Millionen weitere Außenstände und Forderungen aus. Demgegenüber standen an laufenden Schulden nur 5,6 Millionen, so daß die Guthaben des Unternehmens die Verpflichtungen um fast das Bierfache übertrafen.
eine Kundgebung gegen Kriegshetzer und Kriegstreiber, für Verständigung der Völker und für den Frieden der Welt. Diese Kundgebung wird gleichzeitig durch Wie unsinnig die Behauptung der Unternehmer ist, daß die wuchtigen Massenaufmarsch den Wahlkampf angeblich zu hohen Löhne und Gehälter ihre Konkurrenzfähigkeit einleiten gegen die Sozialreaktion, gegen Dik- erichwerten, beweist die Tatsache, daß allein bei Orenstein u. Koppel die am heißesten umfämpften Auslandsaufträge im letzten taturgelüste, gegen kapitalistische Bürgerblock- Jahr von 50 auf 60 Broz. des Gesamtumfaßes gepolitik, aber für die großen Ziele der Sozial- ftiegen sind. Die gleiche Entwicklung läßt sich auch bei anderen demokratie, für großen Berliner Metallunternehmungen feststellen. Den Unternehmern geht es glänzend. Es geht ihnen zu gut. Es sticht sie der
worden find, ſondern daß auch entgegen den Erklärungen von Ber. Demokratie und Sozialismus!