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BERLIN Dienstag 19. Auguft

1930

Der Abend

Erfcheinttäglich außer Sonntags. Sugleich Abenbausgabe des Vorwärts". Bezugspreis beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, 3,60 M. pro Monat. Redaktion und Expedition; Berlin SW 68, Lindenstr. 3

Spätausgabe des Vorwärts

10 Pf.

Nr. 386

B 192 47. Jahrgang

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Arbeiterzug fährt in Güterzug

21 Bergarbeiter getötet und schwer verletzt

Saarlouis , 19. Auguft.

Bei dem Eisenbahnunglück auf der Grube Creuz. wald bei Mes wurden 4 Arbeiter getötet, 17 schwer und 27 leicht verlegt.

Das Unglüd spielte sich folgendermaßen ab: Ein Arbeiter: zug, in dem etwa 60 Arbeiter von Grube 1 nach Grube 2 be= fördert werden sollten, um um 14 Uhr in den Schacht zu steigen, wurde von der Lokomotive geschoben, so daß der erste Wagen bei dem Zusammenstoß in direkte Berührung mit dem ent­gegenkommenden Güterzug fam. Der Anprall war so heftig, daß die drei Wagen vollkommen zertrümmert wurden. Die Unglücks­stätte bot einen furchtbaren Anblick. Schuhe und andere Kleidungss stücke lagen rings umher, während aus den Trümmern das Hilfe­geschrei der Verletzten drang. Die Holzsplitter der zerstörten Wagen waren den Unglücklichen zum Teil tief in den Körper eingedrungen, so daß die Rettungsarbeiten nur mit äußerster Vorsicht durchgeführt werden konnten. Bei den meisten Schwer­verletzten, die in das Krankenhaus von Creuzwald übergeführt wurden, haben die Aerzte jede Hoffnung aufgegeben. Die Nachricht von dem furchtbaren Unglück hatte sich wie ein Lauffeuer verbreitet. Angehörige und Arbeitskollegen halfen der zuerst an der Unglücks­stätte erschienenen Sanitätswache der Grube bei den Rettungs­arbeiten und suchten verzweifelt nach Berwandten und Freunden. Wer die Verantwortung an dem Unglück trägt, muß erst die Unter­juchung ergeben. Die große Mehrzahl der Arbeiter sind Saarländer .

Autobus stürzt in die Jfère. Bisher vier Tote und zehn Schwerverletzte geborgen. Paris , 19. August. Ein schweres Automobilunglück ereignete sich am Montagabend in der Nähe von Grenoble . Ein Autobus, in dem 62 Personen Platz genommen hat­ten, wollte an einem Uebergang über die Isère einem in entgegengesetter Richtung kommenden Personen­wagen ausbiegen, wobei der Führer so scharf rechts einbog, daß es ihm nicht mehr gelang, den Wagen in die gerade Fahrtrichtung zu bringen. Das Auto raste in voller Fahrt gegen das Brückengeländer und stürzte in den Fluß, der an dieser Stelle besonders tief ist. Im Wasser spielten sich die entsetzlichsten Szenen ab. Die Reisenden klammerten sich aneinander und rissen sich gegenseitig in die Tiefe. Die Insassen des Personen­autos bemühten sich um die Rettung der Verunglückten, während andere die Feuerwehr benachrichtigten. Nach den bisher vorliegenden Meldungen wurden bis in die späten Abendstunden 4 Tote und 10 zum Teil schwer Verlegte geborgen. Eine Reihe anderer konnte sich schwimmend retten.

Dem Tode entronnen!

An Gefunden hing ihr Leben!- Drei Menschen gerettet. Ein sehr eigenartiger Unfall, der um ein Haar einen ver­hängnisvollen Ausgang für das Leben dreier Menschen genommen hätte, ereignete fich in den geffrigen späten Abendstunden auf der Budow- Marienfelder Chauffee.

Am Kilometerstein 10,9 der Bahnunterführung auf der Strecke Berlin - 3offen raste um 21 Uhr der Oberkellner Mar Haluff aus Steglitz mit seinem Motorrad gegen die soeben geschlossene Bahn­schranke. Haluff wurde dabei herabgeschleudert, das Motorrad, in deffen Beiwagen Frau und Kind des Oberfellners faßen, rafte führerlos meiter und durchschlug auch noch den zweiten Schrankenbaum. 3m nächsten Augenblid braufte ein Fernzug vor­über. Während Frau H. und das Kind wie durch ein Wunder völlig unverletzt geblieben waren, hatte der Mann leichte Kopfwunden erlitten. Wäre das Unglüd auch nur einige Sekunden später paffiert, hätte der Zug alle drei zermalm t'

Leiche des Flugfapitans geborgen.

Stocholm, 19. Auguft.( Eigenbericht.)

Die Leiche des Führers des am 7 August verunglückten beutschen Post flugzeuges ,, D 1826", Rapitän Langante, wurde am Montag bei Westerwid geborgen

M

W

In Seenot

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KAPITALISMUS

Nur Mut, meine Herren, noch haben wir unseren Rettungsanfer!"

Simons gegen Treviranus.

Alles für den Heimgebrauch.

New York , 19. Auguft.( Eigenbericht.)

Williamsstown unter Bezugnahme auf die korridor. Rede Der frühere Präsident des Reichsgerichts Simons äußerte in des Reichsministers Treviranus Pressevertretern gegen­über, daß ein deutsch - polnischer Waffentonflitt un­denkbar sei. Treviranus, dem jede diplomatische Schulung ab­gehe, habe über die Wirkung seiner Worte im Ausland sicher nicht nachgedacht. Eeine Rede sei ausschließlich für den Heimgebrauch" gehalten worden. Es könne jedoch kein Zweifel darüber bestehen, daß der Korridor der wirtschaftlichen Entwicklung Deutschlands hinderlich sei und die Korridorfrage später einmal auf friedlichem Wege gelöst werden müsse.

Tardieu geht nach Genf .

Reaktionäre Delegation zusammengestellt.

Paris , 19. Auguft.( Eigenbericht.)

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Die Empfindlichen.

Aber selber schimpfen und verdächtigen fie!

Das Zentrum zeigt in diesem Wahlkampf eine beinahe frants hafte Empfindlichkeit. Jede Kritik an der Regierung Brüning oder an den führenden Personen der eigenen Partei beantwortet es mit ungeheurer Entrüstung, oder gar mit Drohungen. Selber aber scheint es feineswegs gesonnen, sich an die Regeln zu halten, die es anderen aufzwingen will. So nennt die Germania" heute den Genossen Hermann Müller , weil ihr seine Ausführungen über den Art. 48 nicht gefallen haben, einen Demagogen". Auf der­

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Der Bolschewismus als ,, Religion"

Aufsatz auf Seite 3

selben Seite derselben Ausgabe beschäftigt sich das Zentrumsblatt mit den Vorgängen auf dem Krankenkassentag, für die es eine originelle Erklärung hat: Genosse Helmut Lehmann wolle Reichs­tagsabgeordneter werden, darum habe er die Krankenkassen ,, 3 eigenen ehrgeizigen Plänen mißbraucht".

Es fällt uns nicht ein, über diese Aeußerungen der Germania " ein Wehgeschrei zu erheben. Es genügt, sie niedriger zu hängen, um zu zeigen, wie wenig diese Leute ein Recht haben, die gekränkte Leberwurst zu spielen, wenn über sie einmal ein offenes Wort gea sprochen wird.

Textilarbeiterstreit in Amerika . Abwehrkampf gegen ungeheuerliche Lohnfürzung.

New York , 19. Auguft.( Eigenbericht.)

Am Montag fraten die 1500 Arbeiter der Textilfabrik in Bessemer City( Nord- Carolina) zur Abwehr eines zunächst angefündigten Lohnabbaues in Höhe von 30 Pro 3. in den Streit. Da ähnliche Cohnkürzungen auch in den in der Umgebung gelegenen Teglilfabriken beabsichtigt find, drohl der Streit große Ausdehnung zu gewinnen. Erst im Vorjahre war in den Textilbetrieben von Nord- Carolina ein großer Streit zu ver­zeichnen, in dessen Verlauf es wiederholt zu blutigen Zusammen­ftößen fam. Damals wurden zahlreiche Personen getötet.

Moskauer Hamster erschossen. Wegen Anhäufung von Hartgeld.

Riga , 19. Auguft.( Eigenbericht.)

In Mostau wurden drei Kaufleute und der Kassierer einer Fabrik von einem Kommando der Tscheta erschossen. Sie waren angeklagt, 5000 Rubel in russischen Silbermünzen angehäuft und zahlreiches Kleingeld in Metall gehamstert zu haben.

Mit Veronal vergiftet.

Selbstmord der Gattin des Schauspielers Girardi. In der vergangenen Nacht hat sich die 35jährige Frau Kitty Girardi, die Gaffin des Schauspielers Toni Girardi, in ihrer Wohnung in der Prinzregentenstraße 2 durch Veronal vergiftet.

Frau Girardi, die mit ihrem Manne in Scheidung lebt, hat vor Monaten bereits einen ähnlichen Selbstmordversuch unter­nommen, die Tat wurde aber rechtzeitig entdeckt und die Lebens­Wie die Republique" meldet, will Tardieu in diesem Jahre müde konnte gerettet werden. Zu der neuen Verzweiflungstat die Führung der französischen Delegation für die Herbsttagung des dürfte es gekommen sein, da die von Frau Girardi eingeleiteten Bölferbundes übernehmen. Als Hauptdelegierte sollen Briand . Bersöhnungsversuche zu ihrem Mann erfolglos geblieben Maginot und der Vizepräsident des Senates, Lebrun, mit­waren. Als die Wirtschafterin heute früh furz nach 8 2hr das fahren. Die übrigen Mitglieder der französischen Delegation find­fahren. Die übrigen Mitglieder der französischen Delegation find- Schlafzimmer der unglüdlichen Frau betrat, fand sie Frau Girardi nach der gleichen Quelle Bernot und Sérot, die bereits im letzten im Bett leblos auf. Alle Rettungsversuche blieben vergeblich. Jahre Frankreich in Genf vertraten, und als Neulinge der Vor­sigende der Heereskommission der Kammer, Oberst Fra bry, sowie

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die rechtsstehenden Abgeordneten Gignour und Soulier, die Lohnverhandlungen im Ruhrbergbau.

seinerzeit als Berichterstatter für den Young- Plan in der Kammer figurierten. Lebrun und Oberst Frabry waren übrigens bereits einmal in Genf , nämlich zur Zeit des Poincaréschen Blocks der nationalen Einheit".

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Die Republique" fommentiert ihre eigene Meldung mit dem frommen Wunsch, daß sie möglichst bald ein Dementi erfahren möge...

Am Montag wollen die Zechenherren Farbe bekennen. Bochum , 19. Auguft.( Eigenbericht.)

Die erste gemeinsame Besprechung über die vom Zechenverband gefündigte Cohnordnung foll am Montag, dem 25. Auguft. im Ge­bäude des Zechenverbandes in Effen stattfinden. Die Besprechungen dürften kaum am ersten Berhandlungstage abgefchloffen werden.