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Morgenausgabe

Nr. 407

A 205

47.Jahrgang

Böchentlich 85 f., monatlid) 3,60 2. im voraus zahlbar, Boftbezug 4,32 m. einschließlich 60 Bfg. Boftzeitungs- unb 72 Bfg. Boftbeftellgebühren. Auslands abonnement 6,- m. pro Monat. *

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Vorwärts

Berliner Boltsblatt

Sonntag

31. August 1930

Groß- Berlin 15 Pf. Auswärts 20 Pf.

Die einipaltige Nompareillezeile 80 Pfennig. Reflamezeile 5,- Reichs­mart. Aleine Anzeigen das ettge brudte Wort 25 Pfennig( zulässig amet fettgebrudte Worte), jebes meitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Pfennig, jedes weitere Bort 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Beile 60 Pfennig. Familienanzeigen Zeile 40 Pfennig. Anzeigenannahme imhaupt geschäft Lindenstraße 3, wochentäglich von 8 bis 17 Uhr.

Bentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands

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Gewerkschaften für Lifte 1

Aufruf des ADB.

Die Beamten stimmen für Liste 1.

Der Allgemeine Deufsche Beamtenbund erläßt einen Aufruf an die Beamten zu den bevorstehenden Reichstagswahlen. Ja diefem Auruf heißt es:

Noch kein Wahlkampf hat so überzeugend und eindeutig er. mielen, daß die wirtschaftlichen, sozialen, ffeuer- und finanzpolitischen Forderungen der Gewerkschaften und Parteien entweder start mit einander übereinstimmen oder sich wie Feuer und Wasser

gegenüberstehen.... Darum stehen wir auch in diesem Wahlkampf, in dem es sich darum handelt, ob der Arbeitnehmerschaft der in der Republik errungene Einfluß auf Staat und Gesellschaft vieder genommen werden soll, ob in der Demokratie fich eine plutokratisch- fapitalistische Intereffenwirtschaft etablieren, oder das fchaffende Bolt den Ausschlag geben soll,

Seite an Seite mit den freien Gewerkschaften der Arbeiter und Angestellten. Unbeschadet des Grundfahes der Unabhängigkeit der Gewerkschaftsbewegung von allen politischen Partelen halten wir es für unsere Pflicht, die Beamten davor zu warnen, ihre Stimmen zu zersplittern, so daß sie sich gegenseitig aufheben. Die Beamtenstimmen müffen vielmehr einheitlich in die politische Wagschale geworfen werden.

Gewerkschaftsfest.

Allen Beamten, die die Herrschaft dieses Bürgerblocks zerschlagen wollen, um eine Polifit des Aufbaues, der wirtschaftlichen, fteuer­lichen und sozialen Gerechtigkeit zu ermöglichen, um die sozialen und reflichen Grundlagen des Berufsbeamtentums zu wahren und die Rückrevidierung der Besoldungsordnung zu verhindern, bleibt nichts anderes übrig, als ihre Stimmen

allein der Sozialdemokrate

zu geben, auch wenn sie sich weltanschaulich und politisch nicht zu dieser Partei bekennen sollten. Denn nur durch Stärkung der Sozial­demokratie können die Mehrheitsverhältnisse im Reichstag fo ver­schoben werden, daß die Bildung einer rein bürgerlichen Koalition unmöglich gemacht wird.

Diese Wahl stellt wie teine andere an die staatspolitische Reise des deutschen Boltes und der Beamtenschaft im besonderen die höchste Anforderung. Es handelt sich jetzt nicht darum, weltanschau­liche Bekenntniffe abzulegen; es handelt sich vielmehr darum, die polifische Macht, die jedem einzelnen von uns durch die Ver­faffung gegeben ist, auch auszuüben. Die Staatsgewalt geht vom Bolte aus!" heißt es in der Verfassung. Bilden wir jetzt eine Staatsgewalt, die nicht gegen uns, sondern mit uns ift, eine Staatsgewalt, aus der Mehrheit des schaffenden Volkes hera

3m Wahlkampf.

Von Theodor Leipart ( Vorsitzender des ADGB .).

Die großen politischen Auseinandersezungen über die Ge­staltung des Reichshaushalts im Jahre 1929 trugen von vorn herein den Charakter eines Kampfes der ihrer sozialen Lage nach verschiedenen Bevölkerungsschichten um die Ver­teilung der durch den Young- Plan für geraume Zeit figierten Staatslaften oder um einen größeren oder geringeren Anteil an der durch die Berringerung der Reparationspflichten ein­getretenen Erleichterung. In der weiteren Entwicklung hat fich, während gleichzeitig eine wirtschaftliche Depression von ungewöhnlicher Schärfe um sich griff, dieses Ringen zugespizt nung der Verteilung des Sozialproduktes, zu einer Auseinandersehung über eine völlige Neuord­und die Gegensätze in der politischen Region haben sich, parallel zu der Berschärfung des Streites um soziale und Delfswirtschaftliche Interessen, erweitert zu einem Kampfe um den Best and der demotratisch- parlamen tarischen Ordnung.

Obwohl das ursprüngliche Aufgabengebiet der Gemert­schaften, das ihr Wesen bestimmt, sich in der wirtschaftlichen und sozialen Sphäre des nationalen Lebens ausbreitet, waren die Gewerkschaften an den Wegen und Zielen der Politik nie uninteressiert. Die taktische und organisatorische Unabhängig­teit vom Einfluß politischer Parteien, auf deren Besitz die Gewerkschaften entscheidenden Wert legen, hatte nie den 3med, die Gewerkschaften vom politischen Leben zu isolieren, bedeutete nie einen Verzicht auf politische Einflußnahme in den Grenzen, welche durch die aus ihrer ursprünglichen trog Flugblätter und Zirkulare fonnte die KPD. feinen Erfolg ver. Aufgabe abgeleitete Sonderbedeutung der Gewerkschaften ge= so buchen. steckt sind.

Im Jahre 1926 fonnte die Gewerkschaftsinternationale auf ihr 25jähriges Bestehen zurückblicken. Der Vorstand des Internationalen Gewerkschaftsbundes beschloß, die gewerkschaftlich organisierte Ar­beiterschaft der ganzen Welt aufzurufen, werbende Ver. fammlungen abzuhalten.js and god

Für Deutschland wurde die Durchführung dieses Aufrufes auf Beschluß des Bundesvorstandes den Ortsausschüssen über tragen. Für Berlin beschlossen die Körperschaften der Arbeiter, Angestellten und Beamtenorganisationen, daß alle angeschlossenen Organisationen in der Woche vom 13. bis 19. September 1926 Werbeversammlungen abzuhalten haben, um für die freien Gewerf­schaften zu werben. Den Abschluß dieser Werbewoche bildete eine

gewaltige Gewerkschaftskundgebung

am Sonntag, dem 19. September, im Treptower Bart. Als diese Rundgebung von den Berliner Gewerkschaften beschlossen wurde, tauchte die Frage auf, ob es nicht zweckmäßig sei, als Abschluß der Rundgebung in allen Lokalen Treptows ein Gewertschaftsfest zu veranstalten. Dieser Anregung wurde zugestimmt, um die Mög. lichkeit zu schaffen, daß die organisierte Arbeiterschaft nach der De. monstration mit ihren Familienangehörigen gemeinsam einige frohe Stunden verbringen fann. Kundgebung wie Gewerkschaftsfest ver­Tiefen mustergültig. Treptom hat niemals solche Menschenmengen wie an diesem Tage gesehen.

Die Veranstaltungen fanden solchen Anklang, daß beschlossen wurde, in jedem Jahre eine solche Veranstaltung stattfinden zu lassen. Die Kommunistische Partei fonnte den großen Erfolg ber Gewerkschaftstundgebung nicht verschmerzen und suchte nach Möglichkeiten, um in den folgenden Jahren die Veranstaltungen der Gewerkschaft

für ihre Zwede dienstbar zu machen.

Für 1927 wurde von ihr die Barole herausgegeben, alles zu tun, um den Kundgebungen der Gewerkschaften den politischen Partei Stempel aufzubrüden. Trotz Aufforderung in der Roten Fahne",

Im Jahre 1928 fand nur ein Gewerkschaftsfest statt, um bei einer Demonstration der Bevölkerung nicht das Schauspiel der uneinigteit der Arbeiterklasse zu zeigen. Alle Versuche der KPD. , unser Fest zu stören, scheiterten.

Die KPD. hat immer erflärt, daß die größte Anzahl der Ge­wertschaftsmitglieder ihrem Rufe folge. Sie veranstaltete 1929 an dem Tage des Gewerkschaftsfestes gemeinsam mit den abgesplitterten Sportorganisationen ein Fest in den Rehbergen und forderte alle Gewerkschafter auf, nicht den ,, KaffeeMatsch" der Gewerkschaften, sondern ihre Veranstaltungen zu besuchen. Trotz aller Hege und Gegenpropaganda war das Fest der organisierten Arbeiterschaft gut besucht und nahm einen glänzenden Berlauf. Es wurde begrüßt,

daß die Ruhestörer an diesem Tage fehlten.

Am heutigen Sonntag findet wieder das Gewerkschafts­fest im Lunapart statt. Gewerkschafter, wenn auch eure wirtschaft­lichen Verhältnisse feine guten find, beweist trotzdem durch den Besuch des Gewerkschaftsfestes, daß ihr stets dem Rufe der Gemert­ichaften folgt und nichts mit den Drahtziehern der KPD. , die selbst Gewerkschaftsfeste zu stören versuchen, zu tun habt! Auf zum Gewerkschaftsfest! thesmis

Robert Bredow,

Vorsitzender des ADGB. , Ortsausschuss Berlin .

BBMJ. fündigt Lohntarif.

Der

Nach den Angestellten die Arbeiter.

Verband Berliner Metallindustriellen hat gestern dem Deutschen Metallarbeiterverband in einem Schreiben mitgeteilt, daß er den Lohntarif, der etwa 140 000 Arbeiter und Arbeiterinnen umfaßt, zum 30. September kündigt.( Nähere Einzelheiten siehe 3. Beilage.)

Und

Seit 1918 haben die Gewerkschaften in hervorragendem Maße an der Gestaltung des Staatswillens teilgenommen. Die innere Ordnung, der soziale Inhalt des neuen republika­nischen Reichs wurden in weitem Umfange bestimmt durch Gedankengänge, die dem Innersten der Natur der Gemert­fchaften entsprungen waren, durch Tatbestände, die durch das Handeln der Gewerkschaften geschaffen worden sind. wenn noch zweifel bestanden hätten, ob diese staatspoliti­schen Bestrebungen der Gewerkschaften berechtigt, ja not­wendig sind zur Erfüllung ihres Zwedes, zur Sicherung und Befferung der gesellschaftlichen Geltung und materiellen Lage der Arbeiterschaft, so müssen diese Zweifel angesichts der jüngsten politischen Entwicklung, in deren Verlauf der gegens wärtige Wahlkampf einen Höhepunkt darstellt, gewichen sein. Denn nie war der intime Zusammenhang zwischen der ökonomischen Lage und dem sozialen Schicksal der Arbeiter­fchaft als Klaffe, in deren Auftrag und zu deren Nutzen die Gewerkschaften ihre Kräfte einsetzen, und der politischen Machtverteilung offenfundiger als in den großen Kämpfen der Gegenwart. Als die Annahme, die Ermäßigung der Reparationspflichten werde eine Berringerung der Steuerlaften rechtfertigen, obwaltete, setzten das Unternehmer­tum und die ihm in der sozialen Stufenfolge benachbarten bürgerlichen Bevölkerungsschichten und Machtgruppen sofort die Hebel ihres Einflusses an, um zu bewirken, daß die Ents laftungen ihrem Konto gutgeschrieben werden, während die Arbeiterschaft leer ausgehen sollte.

Nachdem sich diese Boraussetzung für Steuersenfung als Jllu ion erwiesen hatte, erſcholl sogleich der Ruf nach Gentung der Staatsausgaben, um dadurch Raum zu schaffen für die vom Unternehmertum zu seinen Gunsten geforderten Steuererleichterungen, und als es sich gar zeigte, daß statt der Steuerermäßigungen Steuer­erhöhungen zur Gleichstellung des Reichshaushaltes er­forderlich waren, da entbrannte heftiger und heftiger der

Heute Gewerkschaftsfest im Lunapark!

Eintritt 50 Pf., Arbeitslose und Kinder 30 Pf.