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F840 912

Nr. 95.

Erscheint täglich außer Montags. Preis pränumerando: Biertel­jährlich 3,30 Mart, monatlich 1,10 Mt., wöchentlich 28 Pfg. frei tn's Haus. Einzelne Nummer 6 Pfg. Sonntags- Nummer mit illuftr. Sonntags- Beilage Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3,30 Mt. pro Quartal. Unter Kreuz­ band : Deutschland u. Desterreich­Ungarn 2 M., für das übrige Ausland 3 Mt. pr. Monat. Eingetr. in der Post Zeitungs- Preisliste für 1896 unter Nr. 7277.

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Vorwärts

13. Jahrg.

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Raum 40 Pf., für Vereins- und Bersammlungs- Anzeigen 20 fg. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen­tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn­und Festtagen bis 9 Uhr vormittags geöffnet.

Fernsprecher: Amt 1, Nr. 1508 Telegramm- Adresse: " Sozialdemokrat Berlin".

Berliner Bolksblatt.

Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands .

Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2.

Die Verordnung

über den Bäckereiarbeiterschuk vor dem Reichstage.

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Donnerstag, den 23. April 1896. Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3.

dieser ihr auferlegten auferlegten Verpflichtung

Politische Ueberlicht.

genügen. der rückhaltslos ausgiebigen Schutz für die Arbeiter in den Am 1. Juni 1891 wurde die Gewerbe- Ordnung publizirt Bäckereien forderte und diese Forderung mit erdrückendem und nach fünf Jahren soll die erste Verordnung auf grund Material begründete. dieser Gesetzesbestimmung in traft treten und zwar im Bäcker- Die bürgerlichen Parteien haben in dieser Debatte be­gewerbe, in dieser aussaugendsten, Menschen zerstörenden wiesen, daß all die Betheuerungen ihrer Arbeiterfreundlichkeit Einen Prüfstein für die Arbeiterfreundlichkeit der Industrie. Ein Maximalarbeitstag von 132 Stunden, leerer Schall sind, daß die Arbeiter recht haben, wenn sie Parteien bildete die konservative Interpellation, welche die durchbrochen von zahllosen Ausnahmebestimmungen, wurde in ihnen allen nichts anderes als Vertreter der Unternehmer­verbündeten Regierungen zur Zurückziehung ihrer schwäch- gewährt; und hierüber erhebt sich ein Sturm der Erregung Interessen sehen, denen nur eine festorganisirte, einig zu­lichen Verordnung zum Schuße der Bäckerei- Arbeiter ver- und Entrüstung, die Regierung wird von der Partei, die sammenstehende Arbeiterklasse Zugeständnisse abtrotzen wird. anlassen sollte. Die Debatte ist besonders bemerkens- den Kampf gegen das Manchesterthum und die Verwerthung werth, wenn man sich die Entstehungsgeschichte des der Klagen über die Noth der Landwirthschaft in Generals § 120e der Gewerbe Ordnung ins Gedächtniß ruft, entreprise genommen hat, wegen dieses Eingriffes in die der den Bundesrath befugt, Verordnungen wie die zum Ausbeutungsfreiheit der Bäckermeister interpellirt und der Berlin , 22. April. Schuße der Bäckerei- Arbeiter zu erlassen. Reichstag verhandelt mehr als eine volle Sigung über die Der Reichstag verhandelte heute die konservative Die kaiserlichen Botschaften vom 4. Februar 1890 ver- schwächliche That des Bundesrathes, um ihm Vorwürfe zu Interpellation über den Arbeiterschutz in den Bäckereien. pflichteten den Reichskanzler, eine Arbeiterschutz- Vorlage ein- machen, daß er so kolossale Zugeständnisse den Arbeitern Herr v. Bötticher vertheidigte diesen lau, Herr v. Berlepsch zubringen, in der auch die Arbeitszeit der erwachsenen Ar macht. Dabei wundern sich die bürgerlichen Parteien des energischer. Morgen wird die Debatte fortgesetzt. Dann beiter gefeßlich geregelt werden sollte. Bekanntlich entsprach Reichstages und ihre Presse darüber, daß die Arbeiter nur sollen trotz des Widerstrebens der beiden konservativen die Gewerbenovelle, die dem gleich nach Erlaß der kaiser in der Sozialdemokratie ihr Heil suchen, daß sie zu der Fraktionen die Wahlprüfungen endlich erledigt werden.- lichen Botschaften erwählten Reichstage vorgelegt wurde, nicht Arbeiterfreundlichkeit der bürgerlichen Partei jedes Zutrauen Das preußische Abgeordnetenhaus erledigte am Mitte den Erwartungen derer, die in den feierlichen Erklärungen verloren haben. woch zunächst in erster und zweiter Berathung den Gesetzentwurf des Kaisers eine gebundene Marschroute für die Die deutsch - konservativen und freikonservativen Redner betr. die Ergänzung der Städte- Ordnung für West. Sozialpolitik der verbündeten Regierungen sahen. Aber machten der Regierung entschiedene Vorwürfe, daß sie au falen und die Rheinproving und trat sodann in die eine Erörterung der Frage des Marimalarbeitstages wurde die Erfüllung der ihr im§ 120 e der Gewerbe Ordnung dritte Berathung des Lehrerbesoldungs- Geseze 3. In dem Reichstage nicht erspart. Eine Reihe von Anträgen auferlegten Verpflichtung gegangen ist. Sie gestanden der Generaldebatte erklärte Abg. Rintelen( 3.), dem fich zu der Vorlage zwangen alle Parteien, ihre Stellungnahme also selbst ein, daß es eitel Spiegelfechterei war, wenn Abg. Sad( f.) anschloß, die Staatszuschüsse an die Gemeinden zur Frage des Normalarbeitstages festzustellen. Das Er- ihre Parteigenossen in der Session von 1890/91 für diese für verfassungswidrig, da sie dem Wortlaut des Artikels 25 der gebnis der Debatte war, daß für eine Maximal- Bestimmung gestimmt haben. Wenn man von dem Fraktions- baltungspflicht zu leiften und der Staat nur helfend einzutreten habe. Verfassung widersprechen, wonach die Gemeinden die Schulunter­Arbeitszeit für alle erwachsenen Arbeiter sich keine genoffen des Herrn v. Stumm auch keine andere Haltung Die Debatte bot im übrigen nur eine Wiederholung der bereits Majorität im Reichstage fand, obgleich drei Parteien des erwarten konnte und zu seinen gunsten angeführt werden in der ersten und zweiten Lesung geltend gemachten Momente. Parlamentes, die Deutsch- Konservativen, das Zentrum und fann, daß er schon daß er schon in der Reichskommission gegen Geschlossen traten für die Vorlage nur die Freikonservativen Die Sozialdemokraten vorher für die Einführung des den Entwurf eines Bäckerschutz- Gesetzes gestimmt hat, unter Führung des Frhrn. v. Bedlig ein; sowohl im Zentrum Normalarbeitstages bindende Erklärungen abgegeben hatten. so ist das Verhalten des Redners der National als bei den Konservativen fand sich eine fleine Minderheit Aber Zentrum und Deutsch- Konservative bewiesen gerade liberalen, des Herrn Siegle, um uns parlamentarisch suchte besonders Abg. v. Eynern( natl.) noch in letter Stunde gegen das Gesetz. Von den Parteien der Linken ver bei der Debatte über die Gewerbenovelle, daß sie nur dann auszudrücken, unverständlich. In der Reichskommission, auf die Gefahren hinzuweisen, die dem Volksschulwesen in großen träftig für Arbeiterschuß Forderungen eintreten, wenn erkannte er die Mißstände im Bäckergewerbe rückhaltlos an, Städten durch die Vorlage drohen. So werden der Stadt Berlin fie ganz sicher find, daß ihre Anträge auf stimmte auch für den in wesentlichen Punkten weiter allein 900 000 m. Unterstützungen entzogen, worunter natürlich teine Majorität im Reichstage oder auf eine Ablehnung gehenden Entwurf der Kommission, und im Reichstage die Entwicklung der Volksschule leiden muß. Aber alles Reden seitens des Bundesrathes bestimmt rechnen konnten. So wendet er sich gegen die Bundesrathsverordnung und half nichts, in der Spezialdiskussion wurde der von neuem ein­blieben die Sozialdemokraten allein ihrem Programm erklärt, daß ihm kein Gewerbe so ungeeignet für gebrachte Antrag Sattler , der den großen Städten wenigstens getreu und der allgemeine Maximalarbeitstag wurde nicht die Durchführung der Maximal Arbeitszeit erscheine ihre bisherigen Buschüsse lassen will, abgelehnt. Die Konser verwirklicht. wie das Bäckergewerbe. Mit einer Reihe von Wenn und vativen, die den großen Städten nun einmal nichts gönnen, Den gewichtigen Gründen für denselben konnte sich Aber und mit Bitten für Durchführung der Wünsche der stimmten nicht nur gegen diesen Antrag, sondern auch aber keine Partei des Reichstages ganz entziehen, man er- Innungsfreunde erklärte sich der Zentrumsredner Hiße für Fall der Gingemeindung von Orten mindestens der Betrag Antrag Porsch, welcher bestimmt, daß im klärte, daß in den Gewerben, wo durch übermäßig lange die Vorlage. Der Manchestermann Pachnicke forderte gezahlt werden muß, den die einzelnen Gemeinden vorher be Dauer der täglichen Arbeitszeit die Gesundheit des eine Normal Arbeitszeitwoche statt eines Normal- kommen haben. Wenn es nach den Junkern gegangen wäre, fo Arbeiters gefährdet werde, das Bedürfniß zu obrigkeit Arbeitstages, um die Umgebung im großen Stile zu ermög- wäre auch dieser Antrag gefallen; da aber alle Parteien des licher Festsetzung der Arbeitszeit vorliege und daß lichen und die Verordnung ganz werthlos zu machen. Saufes dafür waren und auch der Finanzminister Dr. Miquel für diese Fälle der Bundesrath Dauer, Beginn und Ende Ein Vertreter der freisinnigen Volkspartei wird erst morgen nichts dagegen einzuwenden hatte, so wurde der Antrag Porsch der zulässigen täglichen Arbeitszeit und der zu gewährenden zum Worte kommen. Was er gegen die Verordnung fagen angenommen. Da das Haus die vom Präsidenten gestellte Pausen vorschreiben und die zur Durchführung dieser Vor- wird, weiß man schon aus den Leitartikeln der Frei Frage, ob eine Verfassungsänderung vorliege, verneinte, so fand die Gesammtabstimmung über den Gefeßentwurf sofort statt. schriften erforderlichen Anordnungen erlassen solle(§ 120e finnigen Zeitung" über die Bäckerenquete und die Bundes- Außer dem Zentrum und den beiden tonfervativen Parteien al, 3 d. Gew.- Ordn.). raths- Verordnung. stimmten jetzt auch das Gros der Nationalliberalen für das Gefeß, nur wenige, unter ihnen Dr. Sattler und v. Eynern,

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Die verbündeten Regierungen haben sich nicht beeilt,

Tene.

( Nachdruck verboten.)

gegen

einen

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Unser Reduer, Genosse Molkenbuhr, war der einzige, wickelung aufgehalten; als wär ihr ein Knoten auf- modische Fleisch, das ganz zerkoche, und von dem nicht ein. gefahren, schoß sie jetzt in die Höhe. Ihr Magen mal ein Stückchen Schwarte übrig bleibe. Roman von Nicolaus Krauß. schrie ordentlich nach Speise, und im Schlafe träumte Nach der Suppe trant dann Lene mit der Lehrer­fie von nichts als vom Essen und Trinken. Trotzdem tam Familie die braune trübe Brühe, die man Kaffee nannte, Auch die Kinder waren betrübt, als sie erfuhren, daß sie nicht einmal zur Tante, um sie um ein Stückchen Brot das Brot sparte sie sich für später auf. Für den Mittag diesmal die Ernte nicht besonders gut ausgefallen, aber sie zu bitten, sie wartete stets, bis man sie rief. Aber sie hatte sie sich wieder ein ganz anderes Handelsgeschäft aus­waren bald wieder getröstet. Kaspar hatte sich schon auf suchte sich auf andere Weise zu helfen. Die alte Rosel gedacht. Zwei, dreimal in der Woche machte die Lehrerin dem Heimwege davon gemacht, um in der Auschel- Lohe früh immer schon sehr zeitig, und jeden Tag Pfeffer- Gößen", geriebene, zu einem steifen Brei gequirlte Kartoffel, nach vergessenen Haselnüssen und hängen gebliebenen Holzbirnen suppe, obgleich ihr das scharfe Gewürz stets die die in einer Blechpfanne gebacken wurden. Er wurde ganz zu spähen, Margareth, die Aelteste, dachte an das Graduale, Thränen in die Augen und den Husten in die Kehle heiß gegessen, und den Bauernmädchen aus den ent­das sie am nächsten Sonntag in der Kirche spielen sollte. trieb. Aber das macht nichts," sagte sie jedesmal, feruteren Dörfern lief nach ihm das Wasser im Um so schärfer hatte die unglücksbotschaft die Lene ge- wenn man sie zur Rede stellte, weshalb sie denn das scharfe Munde zusammen. Das hatte Lene gar bald heraus­troffen. Schon am ersten Tage nach ihrer Ankunft war Beug effe, der Pfeffer ist halt gar so viel g'sund". Das gebracht. Und nun begann der Tauschhandel. Sie das Gefühl in ihr erwacht, daß sie in dem Hause ihres erste Mal, als Lene mit einem Löffel kam und aus ihrer gab ihre beiden Stückchen Gößen" und erhielt dafür ein Onkels eigentlich nichts sei, als ein überflüssiger Esser. Schüssel miteffen wollte, machte sie zwar große Augen, aber großes Trumm Brot. In der Mitte war ein rundes Loch Die Pächtersleute in Leibitsch hatten es ihr ja ins Gesicht schon im nächsten Augenblick schob sie ihr die runde Mulde geschnitten und in dieses Butter hineingedrückt. Der heraus­geschrieen, daß sie sie noch arm fressen würde. Und die nickend zu. Sie wußte, wie es that, ohne Vater und geschnittene Brottegel lag auf der Butter als Stöpsel. bekamen doch das Essen bezahlt. Ihr Bruder, der May, Mutter in der Welt zu stehen. Hatte doch auch ihr ein Reines der Kinder diesen Stöpsel; sie wurden auf das hatte es ihr gesagt, als er einmal gekommen, langes, ödes und einsames Leben nichts gebracht als Mühe Fensterbrett gelegt, gelegt, das fich hinter der der großen um nachzuschauen, wie wie es ihr gehe. Aber der und Plage. Schultafel befand. Um diese Stöpsel führten die Onkel und die Tante? Sie hatte nichts vom Geld reden Bei dem Suppenessen war Lene bald im Vortheil. Lene und die Rosel, welche welche die Brotreste ihren hören, noch nicht einmal. Und sie waren doch nicht reich! Gleichmäßig hob sie einen Löffel nach dem anderen zum Kühen zuwenden wollte, schon nach kurzer Zeit einen Das hatte fie gleich auf den ersten Blick gesehen. Ganz Munde; der Rosel aber kam mit jedem Schluck der Pfeffer erbitterten Krieg, in dem alle Mittel galten. Die Alte fnapp wurde gekocht, gerade daß es hinausging; die ganze in Kehle und Nase, und dann mußte sie husten oft minuten kannte wohl den Widerwillen, den die Kinder gegen die Woche gab's feinen Bissen Fleisch, nur für den Sonntag lang, und dann wieder schimpfen über den vermaledeiten Stöpsel hatten, und deshalb hatte sie einige Taglöhner­wurde ein Pfund Schweinernes gekauft, und das war Beißer, von dem sie doch nicht lassen konnte. Und auf frauen, welche öfter in das Schulhaus tamen, im Verdacht, weiter nichts als ein Fettbrocken. Selbst mit dem Brote einmal war die Schüssel leer. Aber nie erhielt das Kind sie würden die Brocken mitnehmen, um sie ihren Hühnern mußte gespart werden, und es wurde den Kindern ein böses Wort von der Alten. zu verfüttern. Immer wieder legte sie sich auf die Lauer, zugeschnitten erst nach langem Auszirkeln. Und wie Am besten schmeckte Lene die Suppe immer am Montag. um die Malefizdiebe abzufassen, die dann barbarisch ge oft tlagte die Tante, daß schon wieder kein Stäubchen Rosel am Sonntag nie das Fleisch, das ihr zugetheilt straft werden mußten, aber während sie unten wartete und Mehl mehr in der" Alma" sei und fein Löffel voll mehr wurde. Sie zerschnitt es in ganz kleine Stückchen und setzte wartete, war das Brot oben längst verschwunden, daß kein in dem Fetttopfe. es Montag früh ihrer Suppe zu. Wenn sie nun husten Brösel mehr zu sehen war. Als die Rosel mit ihrem Auf­Jeder Bissen quoll Lene im Munde, weil sie sah, wie mußte und nicht hinsehen konnte, fuhr Lene schnell mit passen gar teinen Erfolg hatte, räsonnirte sie sich in eine schwer es ihren Verwandten ankam, ihn zu beschaffen. Und ihrem Löffel nach einem der Bröckchen und schob es in den immer größer werdende Wuth hinein. Zuletzt warf sie doch hatte sie jezt den ganzen Tag Hunger. Die färg- Mund. Seit dieser Zeit flagte die alte Magd zu jedem, ihren ganzen Haß auf die Baueru. I, diese Geizteufel und liche Nahrung in Leibitsch hatte ihre körperliche Ent- den sie ihres Vertrauens für würdig hielt, über das neu- Lausschinder waren auch das im stande. Die gaben die