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BERLIN

Dienstag 30.September

= Der Abend

1930

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Nr. 458

B 228 47. Jahrgang

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Arbeitspflicht der Arbeitslosen!

Pläne der Regierung- Regieren ohne Parlament!

Wie der ,, Sozialdemokratische Pressedienst" mitteilt, hat das Reichskabinett im Verlauf der Beratungen der letzten Woche ein umfangreiches Arbeitsbeschaf- fungsprogramm beschlossen. Die Durchführung dieses Programms ist davon abhängig, ob das Kabinett die erforderlichen leberbrüdungskredite erhält. Der Reichsbankpräsident Dr. Luther hat diese Kredite vorläufig zugesagt.

Das Arbeitsbeschaffungsprogramm wird in seinem Inhalt heute veröffentlicht werden. Man spricht davon, daß in dem Programm u. a. die Verpflichtung der Arbeitslosen zur Dienstleistung enthalten ist.

Brüning verhandelt nach beiden Seiten.

Die Verhandlungen der Reichsregierung mit den Parteiführern werden am Mittwoch beginnen. Die Reichsregierung beabsichtigt außer dem Führer der Sp. zialdemokratischen Partei, Otto Wels , u. a. einen Ver­treter der Nationalsozialistischen Partei zu empfangen. Dem Empfang des nationalsozialistischen Vertreters, der

von der Fusion alter Parteiapparate und alter An-|( Departement Dise) gelegenen kleinen Ortschaft Ach entdeckt. Ein schauungen ist."

Der Ausgang der Wahlen hat beide Parteien des neuen Ehebundes start ernüchtert, und die praktischen Fragen mie die Frage der Bezahlung der Wahlkosten tragen noch weiter zur Abkühlung bei. Es sieht ganz so aus, als ob man schon wieder an Ehescheidung dächte, nachdem die Flitterwochen faum vorbei sind.

Drei Menschen ermordet

Entsehliches Verbrechen entdeckt.- Schreckenstat eines Eifersüchtigen?

Paris , 30. September.

Ein furchtbares Berbrechen, dem drei Personen zum Opfer fielen und dessen nähere Umstände noch nicht aufgeflärt werden konnten, wurde gestern in der Nähe der bei Gentis

wahrscheinlich der Putschist und thüringische Innen Aus dem Inhalt:

minister Dr. Frid sein wird, ist auf die Forderung des Ministers für die besetzten Gebiete, Treviranus, und des Reichsernährungsministers zurückzuführen. Eine praf. tisch - politische Bedeutung für die künftige politische Konstellation mißt man, entgegen den anfänglichen Er­wartungen, dem Empfang der Nationalsozialisten- in Regierungskreisen nicht bei.

Wie der ,, Pressedienst hinzufügt, wird die Regierung versuchen, alle parlamentarischen Möglich. feiten zur Annahme ihres Arbeitsbeschaffungspro gramms und ihrer sonstigen Pläne auszuschöpfen. Trotzdem kann kein Zweifel darüber bestehen, daß die Regierung entschlossen ist, ohne und gegen das Parlament zu regieren.

Minister ohne Minifterium.

Der Reichspräsident hat auf Borschlag des Reichskanzlers den Reichsminister Treviranus von seinem Amte als Reichsminister für die besetzten Gebiete entbunden und ihn zum Reichsminister oh ne Geschäftsbereich ernannt. Reichsminister Treviranus mird in dieser Eigenschaft die Oststelle bei der Reichskanzlei weiterführen.

Die Demokraten noch immer nicht tot. Die Staatspartei ist deshalb sehr verstimmt. Die demokratische Fraktion des Preußi­ schen Landtags ist bis auf die beiden demokratischen Minister in Preußen, die Abgeordneten Höpfer- Aschoff und Schreiber, gegen die Auflösung der Demokratischen Partei. Inzwischen hat sich auch der demokratische Partei­vorstand nochmals mit dem Verhältnis der Demokraten zur Staatspartei beschäftigt und beschloffen, die Verhand­lungen" wegen der Konstituierung der Staatspartei fort zusehen. Im Lager des Jungdo " hat dieser Beschluß start verschnupft. So schreibt der Jungdeutsche":

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,, Der Wunsch des Parteivorstandes in allen Ehren aber von Verhandlungen oder deren Fortsetzung zwischen der Staats­partei und der Deutschen Demokratischen Partei ist uns bisher nichts betannt gemefen. Da die Staatspartei teine Fusion zwischen der Demokratischen Partei und anderen Gruppen ist, lag ja auch teine Beranlassung zu solchen Berhand­lungen vor. Es ist darum befremdlich, daß der Parteivorstand anftatt den Parteitag zur Beschlußfassung über die Auflösung der Deutschen Demokratischen Partei einzuberufen, Berhandlungen wünscht, für die eine Basis gar nicht gegeben ist, und daß darüber hinaus der Parteitag der Deutschen Demokratischen Partei nach dem Beschluß des Parteivorstandes einberufen werden foll zur Beschlußfaffung, ob er dem Ergebnis dieser Berhandlungen zustimmen will oder nicht. Anders fann man doch wohl den Be­schluß des Parteivorstandes nicht auslegen, ein Beschluß, in dem nichts von Auflösung der Deutschen Demo= tratischen Partei steht... Wir können nur nochmals be= tonen, daß unsere Mitarbeit in der Deutschen Staatspartei nur unter der Borausseßung denfbar ist, daß eine lebendige erneuerungswillige Staatsbürgerbewegung auf der Grundlage einer mahren Selbstverwaltung geschaffen wird, die das Gegenteil

Pressekonzerne wurden geschlagen Herunter mit den kommunalen Riesen­gehältern!

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Japanische Schauspielergilde in Berlin . Ich will aber nicht schwören!.. Komik und Tragik vor dem Arbeitsgericht Der Lotse geht an Bord.

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Argument Palästina: Juden arbeiten körperlich

Seite 5 Geht Reichsbanner zum Arbeitersport? Seite 7 Ermutigung muß in die Erziehung

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Bauer fand am Rande eines zu seinem Felde führenden Weges die Leiche einer Frau, die eine entsetzliche Kopfwunde aufwies. Als er querfeldein in das Dorf zurückkehren wollte, um die Gendarmerie zu verständigen, stieß er auf eine hinter Gestrüpp verborgene zweite Frauenleiche. Auch dieser war der Kopf fast vollständig zerschmettert. Es handelt sich um eine vierzigjährige Dorfbewohnerin und ihre fünfzehnjährige Tochter. Die Gendarmen suchten die Mordstelle ab und entdeckten im dichten Unterholz einen 23jährigen Arbeiter, der einen Gewehrschuß durch die Brust erhalten hatte und nur noch schwache Lebenszeichen von fich gab.

Neben dem Schwerverletzten lag ein Jagdgewehr. Da der junge Arbeiter das ermordete Mädchen seit längerer Zeit mit Liebesanträgen verfolgte, neigt man zu der Annahme, daß er Mutter und Tochter erschossen und dann Selbstmord begangen hat, doch hält man es auch für möglich, daß alle drei Personen Opfer eines Nebenbuhlers geworden sind.

Böß: Berhandlung geht weiter.

Die Berufungsverhandlung gegen Oberbürgermeister vor dem 9. Senat des Oberverwaltungsgerichts nahm heute früh ihren Fortgang, ohne daß es bei der Anfahrt des Oberbürgermeisters zu irgendwelchen Zwischenfällen oder Kundgebungen gekommen ist. So viel man hört, soll es nach dem bisherigen Stand der Verhandlung noch nicht sicher sein, ob das Urteil noch heute zu erwarten ist.

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Die Meldung einiger Berliner Blätter, wonach Bolizeipräsident 3örgiebel die Absicht habe, seinen Posten zu verlassen, entspricht in feiner Weise den Tatsachen.

Seite 8 Zusammenstoß Traktor- Straßenbahn Berkehrsunfall in der Bismarckstraße in Charlottenburg .

Ein neuer Diftaturkandidat

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LARATH

Der Wirtschaftsparteiler: Der brave Mann denkt on sich selbst zuerft."

Heute vormittag ereignete fich in der Bismardstraße in Char­ lottenburg ein schweres Berkehrsunglüd. Ein Triebwagen der Straßenbahnlinie 58 rafte mit einem Traktor zusammen. Zwei Personen wurden schwer verletzt.

Das Unglück ereignete sich an der Kreuzung Bismarck Ecke Grollmannstraße. Ein Wagen der Linie 58 durchfuhr die Berliner Straße, als ein Traktor, der zwei Kohlenwagen zog, die Straße treuzte. Beide Fahrzeuge stießen so heftig zusammen, daß der Borderperron der Straßenbahn eingedrückt wurde. Der 27 Jahre alte Straßenbahnfahrer Erich Koch aus der Pionierstraße 29 in Spandau erlitt schwere innere Berlegungen. Der Mitfahrer des Kohlenwagens Richard Pechel aus der Putligstr. 15 wurde durch den Zusammenprall vom Wagen geschleudert und erlit! eine Ge= hirnerschütterung. Beide Verletzte fanden im Westendkrankenhaus Aufnahme. Durch den Zusammenstoß entstand eine halbstündige Verkehrsstockung.

Nazi begeht Selbstmord.

" Wenn so das dritte Reich aussieht..."

Der Nationalsozialist Helmuth Gansert, ein junger 24jähriger Bäder, hat gestern abend Selbstmord begangen, nachdem er nach einer Unterredung in einem Лazilokal geäußert hatte: Wenn so das Dritte Reich aussieht, schieße ich mir eine Kugel durch den Kopf!"

Helmut Gansert wohnt bei seinen Eltern in der Herschei straße 4a in Charlottenburg . Als ihn seine Mutter heute früh weden wollte, fand sie ihn tot in seinem Bett. Irgendwelche Ber­legungen fonnte sie zunächst nicht feststellen. Sie ging darum zu dem Verkehrslokal der Nationalsozialisten am Tegeler Weg und be nachrichtigte von dort die Gauleitung, die wieder die Polizei ver ständigte. Eine erste Untersuchung ergab, daß sich Gansert in de Mund gefchoffen hatte. Die Kugel ist am Halse wieder herausg treten. Der Revolver und die Kugel wurden im Bett gefunden.

Gansert hatte gestern abend einer Versammlung der Nation sozialisten in ihrem Verkehrslokal am Tegeler Weg beigewort und dort auch seinen Aerger über die rauflustigen SA.- Leute d die verlogene Agitation der nationalsozialistischen Führig Luft gemacht. Was er in den letzten Wochen bei den Nationl= sozialisten gesehen hatte, veranlaßte ihn zu der Aeußerung: n das dritte Reich so aussieht, dann schieße ich mir eine Kugel inten Kopf." Kurze Zeit danach hat er seine Worte wahr gemacht.