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Morgenausgabe

Nr. 475

A 239

47.Jahrgang

Böchentlich 851. monatlid 3,60 2. im voraus zahlbar, Boftbezug 4.32 202. einschließlich 60 Bfg. Boftzeitungs- und 72 Bfg. Boftbettellgebühren. Auslands abonnement 6,- M. pro Monat. *

Der Bormårts erscheint wochentag lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abenbausgaben für Berlin und im Handel mit dem Titel Der Abend". Illustrierte Beilagen Bolk und Zeit" und Kinderfreund". Ferner Frauenftimme" Technit". Blid in die Bücherwelt"," Jugend- Borwärts" und Stadtbeilage".

Vorwärts

Berliner Boltsblatt

Freitag

10. Oftober 1930

Groß- Berlin 10 Pf. Auswärts 15 Pf.

Die etaipaltige Nonparellezeile 80 Pfennig. Reflamezelle 5,- Reichs mart. Aleine Anzeigen' das ettge brudte Bort 25 Pfennig( zuläffig wel fettgedruckte Borte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Pfennig. jedes weitere Bort 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Borte. Arbeitsmartt Beile 60 Pfennig. Familienanzeigen Zeile 40 Pfennig. Anzeigenannahme imhaupt. geschäft Lindenstraße 3, wochentäglich von 8 bis 17 Uhr.

Bentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands

Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3 kernsprecher: Donboft 292-297 Telegramm- Adr Sozialdemokrat Berlin .

Vorwärts- Verlag G. m. b. H.

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Zensur wütet in Wien .

Major Pabst darf nicht enthüllt werden.

Wien , 9. Oftober.( Eigenbericht.)

De Meue Freie Presse", das Neue Wiener Tag. blatt und das Extrablatt", die am Donnerstag morgen die Candbundkorrespondenz über die hochverräterischen Be­ziehungen des Majors Pabst zu 3talien veröffentlicht hatten, wurden vom Staatsanwalt wegen Berbreitung beunruhigender Gerüchte beschlagnahmt.

Auf Berlangen der sozialdemokratischen Fraffion des Wiener Landtags hat der Vorftand, Dr. Danneberg, für Freitag nach mittag den Wiener Candtag zu einer Sigung einberufen, in der gegen diese neuerliche Unterdrüdung der Preßfrei­heit Protest erhoben und durch Berlefung der tonfiszier­fen Stellen diesen die Immunität verliehen werden foll.

Der Hochverräter Papst.

Die Wiener Landbundkorrespondenz" veröffentlicht anläßlich der bevorstehenden Rückkehr Waldemar Pabsts, Material über seine Tätigkeit. Die Korrespondenz behauptet, Babst habe gemeinsam mit zwei Mitgliedern der damaligen Bundesführung im legten Novem ber in Wien

direkte Beziehungen zu Bertretern Italiens aufgenommen und dahin zu wirken versucht, daß die italienische

Sabotage der Preissenfung

Nicht Lohnabbau Preisabbau ist not! Deutschlands Wirtschaftslage ist ernst, aber sie ist meit davon entfernt verzweifelt zu sein. Man täusche sich aber nicht. Sie fann verzweifelt werden, wenn jetzt unter dem

hochperräterischen Pläne und Handlungen des Pabst sind die drei Borwand der Krisenheilung die Kerise mit falschen heil". Wiener Blätter beschlagnahmt worden.

Landtag schützt Preffe.

mitteln verschärft wird. Der Drud der Weltwirtschaftskrise lastet auf Deutschland nicht stärker als auf England und Amerifa, den beiden größten Konkurrenten Deutschlands in Die Konfistationspragis hat bereits die schlimmsten Borbilder der Welt. Deutschlands Konkurrenzfähigkeit auf dem Welt­aus der Kaiserzeit erreicht. Darum wird auch die Abwehr aus der markt hat sich besonders bei den für Deutschland wichtigsten Kaiferzeit wieder angewendet. In der jüngsten Sigung des Biener Exportprodukten der Maschinen- und Elektroindustrie als so Landtages, die gegen die Preffeverfolgung protestierte, waren in start erwiesen, daß selbst das reiche und gewiß leistungsfähige den Anfragen der Sozialdemokraten die beschlagnahmten Stellen Amerifa in der Verteidigung seiner Weltmarktpofition von der Arbeiterzeitung", des Abend" und anderer Oppofitionsblätter Deutschland noch bis zur Mitte des Jahres 1930 geschlagen wörtlich wiebergegeben. Sie find seither als nicht per werden fonnte. Deutschlands , und Amerifas Anteil am Welt­folgbare Bestandteile wahrheitsgetreuer Berichterstattung über Bar handel ist trotz der Einschränkung des Weltaußenhandels ges lamentsverhandlungen in den verfolgten Zeitungen wieder abgestiegen. Ameritas Exportanteil hat sich aber nur um 4 Proz., druckt worden. Landtagspräsident Genosse Dr. Danneberg hat in jener Sigung den radaumachenden Chriftlichsozialen erklärt, daß er in jedem Falle einer rechtswidrigen Beschlagnahme den Landtag einberufen werde. Es wird also die Methode der Im munifierung" beschlagnahmter Artikel durch ihre Einfügung in parlamentarische Anfragen weiter angewendet werden. Da der Nationalrat zur Zeit nicht besteht und erst am 9. November neu gewählt wird, hat der Wiener Landtag dieses Schuzamt für die Breffe übernommen.

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der Deutschlands jedoch um 10 Proz. erhöht. Die Aus­wirkungen der Weltwirtschaftsfrise auf Deutschlands Gesamtwirtschaft sind also eigentlich fein Anlaß zur Sorge. Trog der zu­fäßlichen deutschen Reparationszahlungen, die freilich auch hier wie eine Peitsche wirken.

Wirkliche Sorge muß man sich heute aber um den deutschen Inlandsmarkt machen, auf dem 3 Mil­

beschränkt sind. Hier besteht die außerordentlich ernste Gefahr, daß die volkswirtschaftlichen Reserven und wirklichen Heil­mittel, die zu jeder Krisenüberwindung Anwendung finden Konkurrenzfähigkeit Deutschlands auf dem Weltmarkt ge­müffen, in einer die Gesamtwirtschaft und auch die zukünftige fährdenden Weise mißbraucht werden.

Regierung bie Bemühungen Desterreichs um Zurüdstellung der Streit zwischen Starhembergern und Hitlerianern. lionen Menschen bzw. Familien in ihrer Kauftraft schon start Bfandrechte, Befreiung von der Reparationspflicht und Gewährung einer Anleihe erschwere, oder mur unter der Bedingung unter­Wien, 9. Oktober. ( Eigenbericht.) stüße, daß sich die österreichische Regierung dem Diktat der Zwischen den österreichischen Nationalsozialisten Bundesführer der Heimwehr füge. Diese Attion set sofort von und Heimwehren ist eia der Regierung unterbunden worden, die den österreichischen Gebrannt. Die, Nationalsozialisten beschuldigen die Heimwehrführer, heftiger 3wist ent­fandten in Rom nach Bien berufen und ihm eine Denkschrift für daß fie die Beratungen mit den Politikern absichtlich hinausziehen, Mussolini übergeben habe. Ferner hätte Pabsts Umgebung den damit die Frist zu einer wirfjamen Propaganda für die eigenen Gedanken ermogen, Heimwehrkandidaten möglichst versäumt werde. Ein Abgesandter der österreichischen Hafenkreuzler führt augenblicklich in München Berhandlungen mit Adolf Hitler über die Wahltaftit, die die Hakenkreuzler einschlagen sollen.

aus Borarlberg und Tirol einen neuen Staat mil einem anfi. parlamentarischen Diktator

zu bilden, dem sich dann auch die anderen Bundesländer nachein ander anschließen sollten. Von der Ausweisung des Pabst habe so­wohl der damalige Bizetanzler Baugoin als auch der Tiroler Landeshauptmann Dr. Stumpf gewußt, ohne dagegen Ein­spruch zu erheben.

Der Innenminister, der den Pabst hat ausweisen lassen, war der Landbündler Schumy.

Eine Zierde des Faschismus.

Wien , 9. Oftober.( Eigenbericht.) Der Generalsekretär des Heimatbundes, Flandera, wurde am Mittwoch abend wegen Unterschlagungen, die er in feiner früheren Stellung als Generalsekretär des Verbandes der Gewerbegenossenschaften begangen hat, verhaftet und Wegen Wiedergabe der vorstehenden Mitteilungen über die Donnerstag in das Landesgericht eingeliefert. am

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Fort mit Groener- Brüning aufhängen!

Eine nationalsozialistische Hetrede.

Stuttgart , 9. Ottober.( Eigenbericht.)

Die württembergischen Nationalsozialisten haben eine Protest versammlung gegen die Berurteilung der Ulmer Reichs mehroffiziere veranstaltet. Das Referat hielt der Führer der württembergischen Nationalsozialisten, Profeffor Mergenthaler. Der Sinn seiner Ausführungen war folgender:

Die deutsche Regierung stehe mit beiden Füßen auf dem Boden des Bersailler Bertrages und hat meiterhin den Willen zur Berstladung. Es ist selbstverständlich und verdammte Pflicht jedes wirklichen Offiziers,

daß er einen Dred nach einer derartigen obersten Führung fragt. Die Leute, die auf eigene Fauft sich zum Befreiungstampf rüsten, nerdienen größtes Lob. Es bliebe auch der Reichswehr die Ent­fcheidung nicht erspart, ob sie weiterhin die Schußarmee der inter­nationalen Ausbeuter bleiben oder die Rahmenarmee für den Be­freiungskampf fein wolle. Es ist Pflicht der Nationalsozialisten, die Reichswehr im nationalen Geiste zu beeinflussen und den Ungeist des Herrn Groener aus der Reichswehr zu verbannen. Unerhört set der Ausspruch eines Leipzigers Richters, das Bolt fei nicht verpflichtet, nach der Pfeife junger Leutnants zu tanzen. Dieser Prozeß habe vielen tausenden Reichs­wehrangehörigen die Augen geöffnet,

daß fie einer Führung Groeners, jenes eidbrüchigen Generals,

wollen.

und Wege finden, um den Dittaturgelüften des Herrn Brüning entgegenzutreten, Wir Frontsoldaten haben schon größere Schwierigkeiten beseitigt.( 3wischenruf: Brüning aufhängen! Lebhafter Beifall.) Wir haben Beweise dafür, daß Brüning gar nicht die Rettung Deutschlands will und sie auch gar nicht mehr für möglich hält, sondern darauf hin arbeitet, Deutschland in einen bolfchewistischen Norden und in einen katholisch beherrschten Süden zu zerschlagen.

Sie schreien schon wieder.

Die Agrarier haben niemals genug.

Die ostelbischen Landbünde veröffentlichen eine Rundgebung, in der die Notverordnung zur Osthilfe abgelehnt wird. Sie fordern ein neues, umfangreicheres Osthilfegesetz, das selbstverständlich mit dem Artikel 48 durchgeführt werden müsse.

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Gegen Diktatur und Faschismus

Für Demokratie und Arbeiterrecht

nicht länger gehorchen dürfen, wenn sie die deutsche Freiheit demonstriert die Berliner Sozialdemokratie demonstriert die Berliner Sozialdemokratie am Sonntag, dem 12. Oftober 1930, nach mittags 2 Uhr, im Luftgarten. Ansprache: Reichstagspräsident Genosse Baul Löbe

Die erste Forderung, falls die Nationalsozialisten in die Regierung gingen, sei: Fort mit Groener, dann vollständige Benderung der Außenpolitit, feine Tributzahlungen mehr, sondern Berreißung der Kriegsschuldlüge. Wir werden Mittel

Hinsichtlich der Weltwirtschaftskrise fann Deutschland nur abwarten, bis es besser wird. Das kann leider sehr lange dauern In England erwartet der Britische Verband der Elektroindustrie für den Weltaußenhandel erst in zwei Jahren eine Zunahme der Aufträge. Also täme alles, aber auch rest­los alles auf die pflegliche Behandlung und Stärkung desinländischen Marktes an, besonders wenn man, wie die deutschen Unternehmer und die Reichsregierung, beim Abflauen der Weltwirtschaftskrise mit guten Aussichten in die neu auflebende ausländische Auftragskonkurrenz eintreten will. Dafür gibt es im Grunde nur ein einziges Mittel: die Erhaltung und Vermehrung der kaufkräftigen Nachfrage im Inland. Und dieses einzige Mittel kann nur in drei Formen auftreten: einmal in der Form der Arbeits­beschaffung durch Anleihen( diese nur für öffent­liche Arbeiten), sodann als Arbeitsstreckung oder Ver­fürzung der Arbeitszeit( zur Senfung der Unterstützungs­lasten) und endlich in der Form der Preisfentung, besonders für den letzten Konsum( Vermehrung der vor­handenen Nominalfauftraft zum Ankauf größerer Waren­mengen). Das sind die einzigen Krisenreserven, die in der fapitalistischen Wirtschaft vorhanden sind oder mobilisiert merden können.

Anleihen, besonders ausländische, sind nun eine An­gelegenheit des Vertrauens und der Zinshöhe. Das Ausland schätzt aber heute die politische Sicherheit in Deutschland so gering ein freilich immer noch etwas höher, als es die deutschen Kapitalflüchtlinge tum daß Anleihen zur Arbeitsbeschaffung selbst zu unwirtschaftlichen Zinsen nicht zu haben sind. Die notwendige Streckung der Arbeit durch all­allgemeine Arbeitszeitverkürzung entlaste den Arbeitsmarkt; fie tann aber nicht den Warenmarkt beleben. Bleibt tatsäch­lich als sofort mirisame Hauptreserve zur Ana urbelung der Wirtschaft nur die Preisa fenfung, die allein die Warennachfrage steigert.

Nun liegt aber heute schon die bedrückende Tatsache wachsender Defizite in Reich, Ländern und Gemeinden vor. Und diese Defizite haben schon jetzt in die Kauftraft des Inlandsmarktes große Löcher gerissen. In Duzenden von Formen wurden die Steuern besonders auf den Massenverbrauch und das Masseneinkommen erhöht, von den Verkehrs-, Waffer- und Gastarifen bis zur Junggesellen­steuer, den Verbrauchsabgaben und Zöllen. Die bisherigen Zugriffe auf das Einkommen der Festbesoldeten sollen noch

verstärkt werden. Der gesamtwirtschaftliche 3wang zur

Preissenfung hat sich also noch verstärkt. Wenn heute

also nach Lohnsenkung auf der ganzen Linie gerufen wird,

so muß der schon zur Defizitdeckung vorweg geschwächte In­

landsmarkt noch mehr geichwächt werden. jene volkswirtschaftlichen Reserven mobilifiert, die in der

Werden aber auf der anderen Seite auch nur entfernt