1930
Der Abend
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Spätausgabe des„ Vorwärts
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Nr. 478
B 238 47. Jahrgang
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Mostau, 11. Oftober.( Amtlich.)
Starker Mangel an Arbeitskräften in einer Reihe von Zweigen der Volkswirtschaft veranlaßte das Arbeits fommissariat, die Versicherungskassen anzuweisen, aller. orts die Auszahlung von Erwerbslosen. unterstützung einzustellen. Der Sozialversiche rungsetat wird Unterstützungen von Erwerbslosen nicht mehr vorschen.
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Die in der Sowjetunion zugelassenen amerikanischen Be richterstatter teilen dazu mit, daß dieser Beschluß wegen der Finanznot erfolgte. Die örtlichen Behörden werden außerdem
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Eine Entdeckungreise nach Buch. Luftschiffkatastrophe und Technik
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angewiesen, die auf den Arbeitsnadymeijen gemeldeten Ermerbstojen jofort in den Produktionsprozeß einzureihen und sie dahin zu chicken, mo Mangel an Arbeitskräften besteht.
So sorgfältig der amtliche Moskauer Wortlaut des sensationellen Beschlusses, die Erwerbslosenunterſtüßung einzustellen, auch abgefaßt sein mag, gerade er gibt deutlich zu erkennen, daß es sich um eine Maßnahme gegen die Er= merbslosen handelt, entstanden aus der Finanznot der Sowjetunion .
Nur in einigen Industriezweigen ist Nachfrage nach Arbeitsfräften vorhanden die Erwerbslojenunterstügung wird aber allerorts abgeschafft: auf diese Art will man die vorhandenen Arbeitslosen mit Gewalt in die Industriezweige wie das Donezgebiet hineintreiben, aus denen sie wegen der ungeheuerlichen Arbeitsbedingungen in Massen davonlaufen.
Die deutsche Kommunistenpresse wird den Moskauer Beschluß als Beweis dafür feiern, daß es feine Erwerbslosen in der Sowjetunion mehr gibt aber dies wagt nicht einmal die Moskauer Verlaufbarung zu behaupten, die nur von einem Arbeitermangel in einigen Industriezweigen spricht.
Wenn wirklich feine Arbeitslosen mehr vorhanden wären, dann brauchte man die Arbeitslosenunterstützung gar nicht aufzuheben, dann brauchte der Sowjetstaat somieso feine Mittel für die Arbeitslosen aufzuwenden. Der Beschluß des Bolkskommissariats ist umgekehrt deshalb gefaßt worden, weil die Erwerbslosenunterstützung die Fähigkeit der Sowjetfaffen übersteigt und weil es teine andere Möglichkeit gibt, die Erwerbslosen in die Betriebe mit höllischen Ar= beitsbedingungen zu bringen, als die Peitsche des
Hungers!
Unfug der Reportage.
Sie berichtet, ohne etwas zu wissen.
Zu den vielen Plagen, mit denen das arme Deutschland geschlagen ist, gehört auch der Reporter, der sein Blatt mit politischen Sensationsnachrichten zu versorgen hat. Nachrichten müssen sein, wenn der Leser sie verlangt, sie müssen intereffant sein, damit der Straßenverlauf steigt. Ob fie richtig sind, ist Nebensache.
Heute 3. B. tann man in einem Mittagsblatt genau tejen, mas Breitscheid , Müller und Wels und Brüning besprochen haben. Selbstverständlich ist das alles frei erfunden, ins besondere auch die Behauptung, die Sozialdemokraten hätten über das Verhalten ihrer Fraftion gegenüber einem Mißtrauensvotum offizielle 3usicherungen" gegeben. Dazu hatten sie meder die Bollmacht, noch haben Sie auch nur im Traum daran gedacht, es zu tun.
Die Sozialdemokratie geht frei von allen Bindungen in den neuen Reichstag. Das ist politische Tatsache Reportage für den Straßenverkauf hat zumeist weder mit Politit noch mit Tatsachen viel zu tun.
Landtagsabgeordneter Gustav Menzel- Halle( Komm.), der den Wahlkreis Merseburg vertrat, ist plöglich einem Herzschlag erlegen. Er hatte noch am Freitag den Beratungen des Rechts: ausschusses beigewohnt. Als Nachfolger kommt Hermann GebhardtDelibich in Frage.
Morgen 2 Uhr Lustgarten!
Lohnabbau oder nicht?
Vor der Entscheidung im Metallfonflikt.- Reichsarbeitsminister verantwortlich
Morgen werden die Gewerkschaftsfunktionäre der eigen gemacht. Sie hat die Schlichter auf den Lohnabbau in Berliner Metallbetriebe zum Schiedsspruch im Metall- struiert. Sie hat an Stelle des ordentlichen Schlichters in Berlin konflikt Stellung nehmen. Es ist kein Zweifel, daß sie einen Sonderschlichter eingesetzt. ihn ablehnen werden. Der Deutsche Metallarbeiter- Es ist bekannt, daß der Reichsarbeitsminister Verband wird sofort nach dem Spruch der Funktionäre Stegermald der Bertreter und Befürworter dieses Kurses in eine Urabstimmung in den Betrieben über An der Reichsregierung ist. Auf ihm lastet die Verantwortung! nahme oder Ablehnung des Schiedsspruches vornehmen laffen.
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Der Verfuch, durch einen Schiedsspruch den Berliner Metall arbeitern einen Lohnabbau aufzuzwingen, hat zu einer ernsten Strife mitten in de Krise geführt, deren Auswirkungen sich noch nicht übersehen lassen.
Die Berantwortlichteit für diese frisenhafte Zuspizung muß mit aller Schärfe festgestellt werden Sie trifft in erster Linie die Unternehmer. Sie haben einen Angriff auf die Arbeiterlöhne unternommen. Die Verantwortung ruht meter auf der Regierung. Sie hat in ihrer programmatischen Veröffentlichung die Unternehmer ermutigt, ja zum Angriff auf die Arbeiterschaft geradezu aufgefordert. Sie hat sich die falschen Doltswirtschaftlichen Argumente der Unternehmer zu
Der Reichsarbeitsminister stellt sich mit diesem Kurs gegen die gesamte Arbeiterschaft. Die christlichen Ge= wertschaften haben soeben in einem Schreiben an den Reichstanzler sich aufs schärffte gegen die Lohnabbauoffensive gewandt. Es heißt in diesem Schreiben:
„ Die Begründung des Regierungsprogramms, speziell someit fie fich auf£ öhne und Gehälter bezieht, gibt uns Anlaß zu stärksten Bedenten und Befürchtungen, nicht nur, daß wir der These, die Höhe der Löhne und Soziallaften stehe der Gesundung der Wirtschaft entgegen, widersprechen, kann und darf nicht übersehen werden, daß die Arbeifer bereits jeht ganz erhebliche Opfer gebracht haben und noch täglich bringen. Auf ihnen lastet nicht nur die Arbeitslosigkeit und der Drud der Unsicherheit der Eristenz. Auch der bereits erfolgte Cohnabbau beträgt im Durchschnitt bereits 10 Proz. Es geht nicht an, zu diefen bereits gebrachten Opfern den Arbeitnehmern noch