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Nr. 98.

Erscheint täglich außer Montags. Preis pränumerando: Viertel: jährlich 3,30 Mart, monatlich 1,10 Mt., wöchentlich 28 Pfg. fret in's Haus. Einzelne Nummer 6 Bfg. Sonntags- Nummer mit illuftr. Sonntags- Beilage Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3,30 Mt. pro Quartal. Unter Kreuz­ band : Deutschland u. Defterreich­Ungarn 2 M., für das übrige Ausland 3 Mt. pr. Monat. Eingetr. in der Post Beitungs- Preisliste für 1896 unter Nr. 7277.

Vorwärts

13. Jahrg.

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Fernsprecher: Amt 1, Nr. 1508 Telegramm- Adresse: " Sozialdemokrat Berlin".

Berliner Bolksblatt.

Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands .

Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2.

Die Buckerprämien.

Die unerwartet rasche Aufwärtsbewegung auf dem Zuckermarkte macht es den beutehungerigen Intereffenten von Tag zu Tag schwerer, halbwegs glaubhafte und wirt same Vorwände für die Erhöhung der deutschen Ausfuhr­prämien aufzutreiben.

Sonntag, den 26. April 1896.

Expedition: SW. 19, Benth- Straße 3.

dem Weltmarkt zu behaupten. Gewiß zahlt Desterreich| gemeinsam mit uns alle Prämien aufzuheben. einen etwas größeren, Frankreich sogar einen bedeutend Diese Finte macht auf die Leichtgläubigen immer einen ges größeren Ausfuhrzuschuß. Aber vor 1891 war die wissen Eindruck. Schließlich hätten gar die Gegner jeder Spannung zwischen unserer und den Prämie noch Anlaß, die vorübergehende Steigerung der fremden Prämien noch beträchtlicher wie Subventionen zu wünschen. Besonders im Zentrum heute.. und die deutsche Ausfuhr wuchs und wuchs in scheint, man sich hinter dieser Ausflucht verschanzen zu einem anderwärts gar nicht gekannten Maße. Seit wollen. Was steckt aber in Wirklichkeit dahinter? Im Vorjahre hatten wir infolge der plöglichen maß- 1891 haben wir unsere Prämie von etwa 24 auf 14 M. Die französische Prämie ist seit langen Jahren die lofen Produktionssteigerungen aller rübenbauenden Länder ermäßigt, doch nicht die österreichischen und französischen höchste. Aber wiederholt ist in der Zuckersteuer. eine Zeit lang wahre Krisenpreise, von 17 M. für den Rivalen manövriren uns aus dem Markt heraus, sondern tommission von allerautoritativster Seite Doppelzentner Zucker. Da war der Ruf nach Staatshilfe wir nehmen jebe Erweiterung des äußerst ausdehnungs- die französische Konkurrenz als ganz allerdings erklärlich bei einer Industrie, die immer fähigen Rübenzucker- Absages ganz überwiegend für uns in belanglos hingestellt worden. Dieses Urtheil durch Subventionen verwöhnt wurde. Heute hat der Beschlag. Brauchen wir da noch Kampfprämien" gegen wird auch durch die Thatsachen vollständig gerechtfertigt. Bucker längst wieder den Preisstand überschritten, den den österreichischen Zucker, dessen Produktion, fich Die holländische Regierung hat soeben ein Gesetz vors die Regierungsvorlage selber angemessen bezeichnete nach den Angaben der Regierungsmotive selber, gelegt, wonach das Maximum der Ausfuhrzuschüsse von ( 23-24 M.). Dieser durchaus lohnende Preis ist freilich zwischen 1890/91 und 1894/95 um 2,9 Millionen 2,3 Millionen Gulden( 1896/97) sich mit jedem Jahre zunächst nicht für alle Ewigkeit gesichert. Das ist innerhalb der Doppelzentner steigerte oder gegen Frankreich , deffen um 100 000 Gulden vermindern soll, bis nach 1900 ein fapitalistischen Produktion überhaupt eine Unmöglichkeit. Zuckergewinnung nur um genau 1 Million stieg, während Maximalbetrag von anderthalb Millionen erreicht sei. Da Prämien, mögen sie im Augenblick noch so willkommen wir erst 13,4, dann 18,3 Millionen, also fast 5 Millionen zweifellos auch die holländische Regierung eine Steigerung scheinen, verbürgen am allerwenigsten eine dauernde Doppelzentner mehr, erzeugten? Wir allein steigern der Ausfuhr voraussetzt, so soll also progressiv die Besserung, da sie sofort Anstoß geben zu neuer abnormer unsere Zuckergewinnung mehr wie die wichtigsten Kon- Ausfuhrprämie herabgemindert werden. Produktion und damit schließlich zu neuer Absatzstockung. kurrenzstaaten zusammen, und dann schreien wir noch Dann bliebe Desterreich. Es ist in der That in Soweit kapitalistische Industrien ihre Produktion dem darüber, daß Deutschland erdrückt zu werden drohe! gewiffer Beziehung unser bedeutendster Nebenbuhler auf diesem fauffähigen Bedarf anpassen können, vollzieht sich soeben Dder bedürfen wir etwa des Schuzes gegen die Aus- Felde. Es hat in Böhmen und Mähren und vollends in in der Rübenzuckerfabrikation ein ganz befriedigender Ge- dehnung der Rohrzucker produktion? Bekanntlich hat seinen unentwickelteren Distritten Schaaren billigster Arbeits­fundungsprozeß, der durch neue Prämienreizmittel nur unter der Rübenzucker überall, nicht nur in den Gebieten des träfte zur Verfügung; die Technit des Rübenbaues und brochen und gestört werden könnte. Deutschlands Produktion Rübenbaues, den Kolonialzucker Schritt für Schritt der Zuckerfabrikation ist hier verhältnißmäßig auf eine ist nach den letzten vorliegenden Schäßungen zurück zurückgedrängt. Von 75 pCt. der Weltproduktion im hohe Entwicklungsstufe gelangt. Über Desterreich zahlt gegangen von 18,31 Millionen Doppelzentnern im Jahre 1860 ist der Rohrzucker auf noch nicht 40 pet. durchaus feine wesentlich höhere Prämie wie wir. Betriebsjahre 1894/95 auf 16,1 Millionen im Jahre herabgegangen; fast überall steht der Zuckerrohraubau vor Es hat seine Ausfuhrzuschüsse auf fünf Millionen 1895/96, mithin um ein Neuntel. Nicht etwa, weil andere einer Katastrophe. Es kommt daher auch sehr wenig darauf Gulden fest beschränkt( kontingentirt). Steigt also die Staaten uns im Wettbewerb zurückgedrängt und überflügelt an, ob augenblicklich der Rückgang der fubanischen Pro- Ausfuhr, so sintt ganz automatisch der Zuschuß für die hätten! Der Produktionsrückgang ist vielmehr gerade in duftion etwas überschätzt ist. Als auf Kuba noch fein Gewichtseinheit, für den Doppelzentner Zucker. Vor einem anderen Ländern, die als unsere gefährlichsten Nebenbuhler Aufstand wüthete, stellte der Bericht des Konsuls Jahre mochte die österreichische Prämie über Mark be­dargestellt werden, verhältnißmäßig noch viel beträcht der Vereinigten Staaten aus Habana bereits den tragen. Die Ausfuhr braucht wahrhaftig noch keine irgend­I ich er gewesen: in Defterreich von 10,43 Millionen nahen Zusammenbruch der einst so reichen Zucker- wie für uns beängstigenden Dimensionen anzunehmen und die auf 7,48, also um ein volles Viertel, in Frankreich von plantagen in Aussicht, weil der Rübenzucker den Zucker- österreichische Prämie gleitet ganz von selber der deutschen von 7,45 Millionen auf 6,28, also fast um ein Sechstel. Von markt vollständig revolutionirt habe zu gunsten Europa's 1,25 M. zu und sinkt selbst unter diese herab. Hier liegt also 1894/95 abgesehen, überragt unsere Produktion von 1895/96 und zum Ruin der alten Kolonialländer unter den Tropen. vollends kein Anlaß vor, unseren politischen Bundesgenossen noch weit die aller Vorjahre. In der That tonnte es auch nur ein nationalliberaler durch Kampfprämien zur Raison zu bringen.

Diese Beschränkung aus dem Innern der Produktion Hedner im Reichstage fertig bringen, die neuen Liebesgaben Die Erhöhung unserer Prämien wäre zweifellos auch selbst heraus hat, neben dem Verjagen der Zufuhr aus mit dem Schlagwort: Rampf gegen den Kolonialzucker!" das untauglichste Mittel hierzu. Soweit bis jetzt der Ein­Kuba, die Preise in ganz naturgemäßer Weise wieder auf zu empfehlen. Dieser Kampf ift ohne Prämien- druck der deutschen Vorlage auf das Ausland festzustellen eine zufriedenstellende Höhe gebracht. Somit versagt gerade vermehrung längst zu unserem Vortheil entschieden. ist, ist er genau der entgegengesetzte von dem, den man zu im entscheidenden Moment der Hauptgrund, der vor einem Den Siegern zu ihrer üblichen Beute noch das Geld der erzielen beabsichtigte oder doch zu beabsichtigen vorgab. Jahre noch manchen Abgeordneten bewog, den Antrag heimischen Steuerzahler nachzuwerfen, dazu hat der Reichstag Nicht die überall vorhandenen Strömungen für die Ab­Paasche, den Vorläufer des heutigen Gesezentwurfes, in wahrhaftig keinen Anlaß. schaffung der Prämien hat die deutsche Regierungsvorlage turzsichtiger Sentimentalität mit zu unterzeichnen.

Man kann auch, schon nach den mitgetheilten Zahlen, niemandem mehr einreden, daß Deutschland der höheren Prämien bedürfe, um seine errungene führende Stellung auf ( Nachdruck verboten.) Roman von Nicolaus Rrauß.

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Tene.

Als Lene aus der Frühmesse zurückkehrte, fand sie schon das zu ebener Erde gelegene, nach der Baumschule schauende Staatszimmer" voll fremder Männer; es waren Lehrer, die zwei, drei Stunden weit zum Feste her­gekommen waren.

"

Sie saßen in kleinen Gruppen beisammen, plauderten und kosteten das Raubersbier", das ihnen Jakob Weiß in seiner schufferigen, hin und herfahrenden Art immer und immer wieder anbot. " Ist ein Bierl!"

" Ein recht sauberes, braves Bierl!"

" Da liegt was drinn', meine Herrn!"

In der wachsenden Verlegenheit greift man nunmehr verstärkt, sie hat vielmehr allerwärts im Auslande und mit Vorliebe auf ein altes, manchen auf den ersten Blick ganz besonders in Desterreich wie ein Signal bestechendes Argument zurück: die deutsche Prämienerhöhung, zur allgemeinen Prämienerhöhung gewirkt. heißt es, solle die konkurrirenden Staaten mürbe machen, Doch davon ein anderes Mal.

und fanden, daß sie ein vollständiges Orchester besetzen Dir Deine Freud', Jakob. Aber die dritte Maß Fett fonnten. Und so boten sie sich Weiß als Kirchenmufitanten hab' ich verbraucht, allein für die Holzbirn"", und für diesen Tag an, gleichsam auch zum Ersatz für den ich weiß noch immer net g'wiß, ob's langen wird..." Festschmaus. Dem Lehrer zitterte vor Ueberraschung und Is gut! Is gut! Wenn die Predigt net 3' lang wird, Freude das Herz. So würde er doch wenigstens auch ein- tommen wir in einer Stund' zum Essen," schrie der Lehrer mal das haben, nach dem er sich Zeit seines Lebens gesehnt, und war zur Thür hinaus. eine anständige" Kirchenmusik. Sofort willigte er Die alte Rosel kümmerte sich weder um die schöne ein. Aber einen harten Strauß gab es noch. Die Musik noch um die kräftige Predigt. Predigen kann ich mir Bauern, die bisher bei allen Hochämtern die selbst, war ihre Meinung, und dies Singen, Blasen und Instrumente gehandhabt, wollten durchaus nicht, so mir Geigen empfand sie im grund genommen nur als Störung nichts, dir nichts, von ihrem Privilegium lassen. Endlich, beim Beten. Und Beten mußte sie an diesem nach langen Bitten, gaben sie sich; nur zwei blieben ver- Tage, einen höheren Festtag gab es für ste stockt, der erste Flöten- und der erste Klarinettenbläser; der nicht. Deshalb hatte sie schon am frühen Morgen all' eine hatte sich zum Feſte einige neue Triller und Läufe ihre Kostbarkeiten hervorgesucht und ihr ganzes gutes ausgedacht, der andere meinte, er müsse unter jeder Be- Wesen" angelegt: die berühmten Strümpfe, die bocksteifen dingung blasen, von wegen des Tursikriegens. Und jetzt geschmierten Schuhe, das Wams mit den unbändig großen hob eine Mufit an, wie sie die Mühlefsener noch niemals Buffärmeln und die Urmutter- Haube, von der das Raunen in ihrer Kirche gehört hatten und wohl schwerlich jemals ging, daß drei plündernde Schweden vor ihr davon wieder hören werden. Schon nach dem Credo legten auch gelaufen wären anno Dazumal. Ihr größter Stolz aber die beiden Verstockten ihre Instrumente weg, um zuzu war ihr Gebetbuch. Ein zweites gab's in der ganzen Gemeinde hören. Unter und auf den Chören waren alle Hälje nicht wieder. Es war ein geschriebenes, die einzelnen Seiten gereckt und alle Ohren gespitzt, und der alte Kirchenvater mit rothen, blauen und grünen Kränzen geziert, die Anfangs­Spengler griff sofort nach seinem Klingelbeutel, um einen buchstaben herzhaft ausgemalt. Eigentlich war es kein Gebetbuch, guten Zug zu thuen. zwei Dritttheile des Jubalts beschäftigten sich mit dem

Allweil und immer. Der Weiß ist doch ein Hauptter!!" So lauteten die Urtheile. Und immer noch stellten sich Nachzügler ein, die sofort bereitwillig nach dem Glase oder Kruge griffen. Die Geistlichen, welche nicht am Hochamte betheiligt waren, tamen aus dem Paterstübel herunter, und ihr Durst war nicht weniger gesegnet, als der der Lehrer. Nach zehn Uhr begannen alle Glocken zu läuten, und Als die Festpredigt begonnen, fonnte es Weiß nicht Leben und Treiben der Räuber auf deni Kulmier Berge, erst alles strömte nach der Kirche. In den Häusern und Höfen mehr aushalten, auf den Behenspitzen schlich er die Chor- ganz zum Schluffe tamen einige kräftige Gebetlein, bestimmt blieben nur die Hausfrauen zurück und diejenigen, welche stiege hinab und eilte nach Hause. Seine Frau stand mit und gut für ganz bestimmte Gelegenheiten: Für Wassers­ihnen beim Kochen helfen sollten. An diesem Kirchenfeste glühendem Ropf am Herde und fischte mit einem großen noth, gegen Versuchungen des Fleisches und gegen Viehsterben. erlebten die Mühleffener Kirchkinder" zwei Ueberraschungen. Löffel aus einer Pfanne Suppenklößchen, die man Holz- Als man zur Wandlung läutete, war die Rosel gerade Nicht wie sonst hielt und sang das Hochamt ein Pfarrer, birnen" nennt. Weiß riß seine Frau an die Brust und an die Stelle gekommen, wo ein Räuber, der ein Burg­noch im letzten Augenblick war der Bezirksvikar angefahren sagte, schier närrisch vor Freude: fräulein entführt, um sich ihren Schmuck anzueignen, dieses gekommen, und er celebrirte unter Assistenz zweier Pfarrer, Marie! Marie! Go was war no net da. Ein Bikar auherrscht: die ihm als Diakone dienten. Man wollte dem Lehrer und ein Dalmatiken- Amt! Und die Musik! An das Fest Jakob Weiß eine Auszeichnung bieten, weil er sich stets werden die Mühlefsener denken, und' s ganz' Egerland wird als treue Säule der klerikalen Partei bewährt, während sich davon reden... Ich muß Dir rein a Schmatzerl geben, bei so manchem anderen Lehrer schon der Geist des Wider- aus lauter Freud ', Du Hundigh, Du..." spruchs gerührt.

Kaum hatten das die Lehrer bemerkt, als auch sie sich zu einer That aufrafften. Sie überblickten ihre Reihen

Die Lehrerin wischte sich mit ihrer Kochschürze den Mund und meinte, aber bedeutend weniger froh:

D Jakob!' 3 ist ja alles gut und schön, und ich gönn'

Ruie' nieder und verricht' Dein letztes Gebet, denn Du mußt sterben!"

Demüthig sant die alte Magd auf die Knie, und während fie fich dreimal an die Brust schlug, daß es ordentlich töscherte, flüsterte sie:" Jesus, Dir leb ich, Jesus, Dir sterb ich, Jesus , Dein bin ich im Leben und Tod! Amen!" ( Fortsetzung folgt.)