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BERLIN Sonnabend 18. Oftober

1930

Der Abend

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Nazi- Schlacht in Bernau

Ueberfall auf Kommunisten Versammlung/ Acht Personen durch Schüsse verletzt

In den geftrigen fpäten Abendsfunden wurde in Bernau bei Berlin ein offenbar regelrecht vorbereiteter Ueberfall nationalsozialistischer Sturmabteilungen auf mit­glieder einer öffentlichen tommunistischen Bersammlung verübt. In der Dunkelheit entspann sich auf der Wandliher Chauffee, unweit des Wafferturmes, ein erbittertes Handgemenge. Acht kommunisten blieben mit Schußverletzungen auf dem Plate. Glücklicherweise handelt es sich in den meisten Fällen um leichte Arm- und Beinschüffe. Einer der Getroffenen hat einen Cungen­und Rüdenstedschuß davongetragen, so daß für sein Aufkommen Be­fürchtungen gehegt werden.

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Die Kommunistische Partei hielt gestern abend im Restaurant ,, Bellevue" eine öffentliche Versammlung ab, die von einigen Hundert Zuhörern bejudyt war. Die Kundgebung verlief pöllig störungslos. Zu derselben Zeit hatten sich im Restaurant Elysium" in der Huffitenstraße in Bernau die Nationalsozialisten es handelt sich vermutlich um eine SA- Sigung verfammelt. Sturz nach 10 Uhr formierte sich die Horde und marschierte durch die Stadt in Richtung des Restaurants Bellevue". Die nationalsozialistischen Rowdies hatten zweifellos beabsichtigt, die kommunistische Kundgebung, die auch von vielen Frauen besucht war, zu sprengen. Unweit des Restaurants ,, Bellevue", an der Wandlizer Chaussee, trafen die an­rüdenden Hatenkreuzfer mit den Kommunisten, die nach Beendigung der Bersammlung den Heimweg nach dem Stadtinnern antreten wollten, zusammen.

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Auf ein Kommando prasselte auf die Kommunisten ein Stein­hagel nieder. Laute Hilferufe ertönten in der Dunkelheit, einige Frauen waren von den Steinen getroffen und leicht verletzt worden. Das heilloje Durcheinander, das im Augenblic entstand, war für das verbrecherische Werk der Hafenfreuzler noch besonders günstig. Mit Schlagringen und Stahlruten schlugen die Angreifer auf ihre lintsraditalen Gegner ein. Einige Kommunisten wurden durch eine Handvoll Pfeffer geblendet. Als auf die Meldung von dem feigen, völlig unermarteten Ueberfall aus dem Restaurant fommunistische Berstärkung anrüdte, zogen sich die Nationalisten langsam zurüd

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Manöver der Unternehmer

3rreführende Meldungen- Berbindlichkeitserklärung doch beantragt

jedoch nicht beantragt habe.

Ob diesem Spiel bestimmte Absichten zugrunde lagen, läßt sich leider nicht genau feststellen.

Wie wir vom Metallarbeiterverband erfahren, haben die Berzmar den Schiedsspruch angenommen, dessen Verbindlicherklärung liner Metallindustriellen nicht nur den Lohnabbau­schiedsspruch des Sonderschlichters Dr. Boelters angenommen, fondern noch gestern nachmittag beim Reichsarbeitsministerium seine Berbindlichkeitserklärung beantragt. Das Reichs­arbeitsministerium hat zu dem Antrag bis jetzt noch nicht Stellung genommen. Seine Entscheidung über den Antrag der Unternehmer it taum vor Montag zu erwarten.

Der Berband Berliner Metallindustrieller teilt hierzu mit, daß er die Verbindlicherklärung des Schiedsspruches bei dem Reichs­arbeitsminister bereits mit Schreiben vom 16. Oftober beantragt hat.

Erst gestern nachmittag, also einen Tag später, ließ der BBMI. die Mitteilung verbreiten, daß er den Schiedsspruch angenommen hat. Dem Metallarbeiterverband übermittelte er die Abschrift eines Schreibens an den Reichsarbeitsminister, worin lediglich die An­nahme des Schiedsspruches erklärt wird, nicht aber deffen Berbind­lichkeit beantragt wird.

Gestern abend verbreitete WIB. die Meldung, daß der VBMI.

Sympathiekundgebung.

Die Leunawert Arbeiter gegen RØD. Treiberei.

Der Zentralftreitleitung der Berliner , Metallarbeiter ist heufe von der Arbeiterschaft der Leuna - Werke in Merseburg folgendes Telegramm zugegangen:

,, Ceuna- Belegschaftsversammlung beschließt heute einstimmig: Sendet streifenden Metallarbeitern brüderliche Grüße, wünscht voll­ften Kampferfolg, verurteilt verräterisches Treiben der RGO., die bei Schwächung der Kampffront Hilfsdienst leiftet für Unternehmer. Kampfführung durch Gewerkschaften verbürgt allein den Sieg." ( Weitere Streitnachrichten 2. Seite.)

Noch heute Abstimmung

und eröffneten auf ihre Verfolger ein wildes Pistolenfeuer. Regierung verlangt Uebergang zur Tagesordnung über alle Mißtrauensanträge

Auf der Landstraße wurden später allein 20 bis 25 leergeschossene Batronenhülsen gefunden. Acht der Mörderfugeln erreichten ihr 3iel. Es ist geradezu als ein Wunder zu bezeidhmen, daß von den Kommunisten niemand tödlich verlegt worden ist. Bei ihrem Rüd­zug durch die Stadt übte die faschistische Bande noch einen heillofen Terror auf mehrere Bürger, die friedlich ihres Weges gingen, wurden mißhandelt; einige fommunistische Stadtverordnete wurden über­fallen und zu Boden geschlagen.

Leider wurde die Polizei zu spät alarmiert. Alle zur Ber­fügung stehenden Polizeifräfte wurden daraufhin in aller Gile zu sammengezogen und gegen die Nazis aufgeboten. Leider gelang es einem Teil von ihnen zu entkommen, nur zehn konnten festge­nommen und in Gewahrjam gebracht werden.

In Bernau herrscht über diese neueste faschistische Heldentat Empörung. Es besteht die Bermutung, daß an dieser Aktion auch auswärtige Nationalsozialisten, vielleicht sogar Berliner , teil­genommen haben. Die Unterfuchung, die von Beamten der Landes­friminalpolizei geführt wird, wird darüber näheren Aufschluß geben.

Vor der Vertagung. Abstimmung über die Mißtrauensanträge- dann Bertagung. Der Aeltestenausschuß des Reichstags tagte heute vormittag. An den Dispositionen des Reichstages wurde nichts geändert. Man hoffte, die Abstimmungen über die Mißtrauensanträge, die nach Wunsch der Regierungsparteien durch llebergang zur Tages ordnung erledigt werden sollen, und die dritten Lesungen des Schuldentilgungsgefeßes( Ueberbrüdungskredit) und des Busages zum finnischen Handelsabkommen in der heutigen Boll figung zu erledigen,

Die Anträge auf Aufhebung und Aenderung der Rotver­ordnungen sollen dem Haushaltsausschuß zur weiteren Be­ratung überwiesen werden.

Dann tritt eine Bause in den Beratungen des Reichstages ein, über deren Länge noch nicht Beschluß gefaßt murde.

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Interessant ist es jetzt nur noch hinter den Ku lissen. Es wird nämlich ein Antrag vorbereitet, monach der Reichstag die Regierungserklärung einfach zur Kennt nis nimmt und über alle acht oder zwölf Mißtrauensanträge ( die Zahl steht noch nicht fest) zur Tagesordnung über­geht. Findet dieser Antrag Annahme, so ist für ein paar Wochen Luft geschaffen, die Krise zunächst vermieden.

Die Reichstagsfigung begann heute 11 Uhr mit einer neuen Mahnung Löbes. Der Präsident spricht väterlich, wie ein Lehrer und seine geduldige Erziehungsarbeit scheint nicht ohne Erfolg. Ganz ohne Krach vollzieht sich die dritte Lesung Des deutsch finnischen Handels vertrages. Dann sieht man plöglich Herrn Molden hauer auf der Tribüne. Er ist aber nicht etwa wieder Finanzminister, sondern spricht nur als Berichterstatter über den Ueberbrückungskredit. Es folgt Herr Quaaz in Firma Hugenberg mit einer Rede über den Young- Plan, die man bestimmt schon einmal irgendwo gehört hat. Leicht über­raschend wirkt nur eine plößliche Liebesertlärung des Vertreters des Großfapitals an die Rommunisten, fie feien eben in wirtschaftlichen Dingen viel einfichtiger als die Sozialdemokraten. Sodann erscheint schon wieder der unvermeidliche Mißtrauensanträge gegen Curtius, Wirth, Groener und Feder und hält eine Agitationsrede gegen die großen Schieber, gegen die kleinen des eigenen Formats sagt er aber gar nichts.

Dann kommt Herr Frid und überreicht den drei Lieb­lingen der Nazis in Form von motivierten Mißtrauens anträgen ihre Zensuren. Curtius hat in Genf versagt, irth ist ein Schrittmacher des Marrismus, Groener hat eine wehrmachtfeindliche Einstellung und züchtet De­hat eine wehrmachtfeindliche Einstellung und züchtet De­nunzianten. Da rührt Löbe leise die Glode. Und der grim mige Frid erklärt verbindlich, das mit den Denunzian ten fönne ja noch geändert werden. Für die Deutschnatio­nalen erhebt sich nun Gottheiner und verliest auch drei Mißtrauensanträge. Einen gegen Wirth, einen gegen Cur­tius und einen gegen Treviranus!

Weitere Mißtrauensanträge sind für den Augenblick nicht gestellt", verkündet Löbe verbindlichst und leise animierend.

Die Heiterfeit schwindet und der Saal wird leer, als Herr Döbrich vom Landvolk emporsteigt, um über die Regierungserklärung zu sprechen.

Inzwischen spricht im Saal Herr Simpfendörfer vom Christlichsozialen Volksdienst und dann mit großer Selbstgefälligkeit der Jungdomann Abel. Ein paar ver lorene Demokraten figen als trauernde Hinterbliebene weit im Hintergrunde.

Ruhe im Reichstag.

Treviranus.

Zu Beginn der heutigen Reichstagssigung um 11 Uhr teilt Präsident Löbe mit, daß Abg. Dr. Leber( Soz.) sein Bedauern darüber ausgesprochen hat, daß er gestern in der Erregung einent unparlamentarischen Ausdruck gebraucht habe. Der Präsident be­grüßt diese Erklärung und bittet die Abgeordneten, die Ordnungs maßnahmen aller Präsidenten nicht durch Erregungsausbrüche über den Anlaß solcher Maßnahmen zu stören. Alle Fraktionsführer be­mühen sich, das Haus vom Toben zur fachlichen Arbeit zu bringen. ( Beifall.)

Es folgt die dritte Lesung der Abänderung des deutsch - finnischen Handelsvertrages.

Abg. Kah( Komm.) erklärt den Bertrag für eine Schädigung der Meinbauern und eine Verhöhnung der um ihre Lebenshaltung fämpfenden Metallarbeiter. Die Nationalsozialisten unterstützen diese Ausbeuterpolitit.( Geschrei der Nationalsozialisten, Beifall der Kom­

munisten.)

Abg. Dr. Agena( Dnat.): Die Schweinemast wird künstlich über­entwickelt durch den Preissturz des Roggens, der im Osten Deutsche lands verfüttert werden muß. Die Futtermittelzölle erhöhen die