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Morgenausgabe 1910

Rr. 507

A 255

47.Jahrgang

Böchentlich 85 pt. monatlich 3,60 TR. im voraus zahlbar, Boftbezug 4,32 M. einschließlich 60 Pfg. Poftzeitungs- und 72 Bfg. Boftbeftellgebühren. Auslands. abonnement 6,- M pro Monat.

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Vorwärts

Berliner Bolksblatt

Mittwoch

29. Oftober 1930

Groß- Berlin 10 Pf. Auswärts 15 Pf.

Ote eta paltige Nonpareillezeile 80 Pfennig. Reflamezeile 5,- Reichs. mart Kleine Anzeigen das ettge. brudte Wort 25 Pfennig( zulässig zwei fettgebrudte Borte), jebes weitere Bort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Pfennig, jedes mettere Wort 20 Pfennig. Borte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Beile 60 Pfennig. Familienanzeigen Zeile 40 Pfennig. Anzeigen annahme im Haupt geschäft Lindenstraße 3, wochentäglich von 8 bis 17 Uhr.

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Einigung im Metallstreif.

Arbeitsaufnahme zu alten Bedingungen.-

Die Verhandlungen im Reichsarbeitsministerium zur Beilegung des Konflikts in der Berliner Metallindustrie, die geftern unter Vorsitz des Reichsarbeitsministers Dr. Stegerwald stattfanden, wurden in später Abendsfunde mit folgender Bereinbarung zwischen den Parteien beendet:

1. Die Arbeit wird sofort zu den alten Bedingun gungen wieder aufgenommen. Maßregelungen aus Anlaß dieses Streifes finden nicht statt.

2. Die Entscheidung der im Schiedsspruch vom 10. Ofto­ber behandelfen Fragen erfolgt durch Schiedsspruch einer Schlichtungsstelle. Sie besteht aus drei Unpartei­ischen, die vom Reichsarbeitsminister nach Benehmen mit

beiden Parteien ernannt werden.

Bindender Schiedsspruch.

4. Heute, Mittwoch, den 29. Oftober, fehen sich die Betriebsräte mit den Firmen wegen der wieder aufnahme der Arbeit in Verbindung.

Das Ergebnis des großen Abwehrkampfes der Berliner Metallarbeiter, das durch die vorstehende Bereinbarung fest gelegt ist, bedeutet, daß der Schiedsspruch, der die Löhne um 8 bzw. 6 Prozent fürzt, weder verbindlich erklärt wird, noch zur Durchführung fommt.

Dieser Erfolg des Abwehrkampfes ist um so höher zu be­werten, wenn man das leider immer noch ungenügende Dr­ganisationsverhältnis in Berlin in Betracht zieht. Dank der entschlossenen und geschickten Führung durch den Deutschen Metallarbeiter- Berband ist es troß des hartnäckigen Wider­3. Die Verhandlungen vor der Schlichtungsstelle find standes der Berliner Metallindustriellen gelungen, den An möglichst bald zu beginnen. Die Entscheidung hat spätestens schlag auf die Löhne, die nach dem Willen des Berbandes der in der ersten Woche des November zu erfolgen und ist end- Berliner Metallmduftriellen um 15 Broz. gefürzt werden gültig follten, abzu mehren o

Der Kampf der Berliner Metallarbeiter hat darüber hinaus eine große Bedeutung. Er hat aufgezeigt, daß trot der fürchterlichen Krise, troz der ungeheuren Arbeitslosigkeit, troß der Quertreibereien der Rommunisten und der unsicheren Haltung der Wirtschaftsfriedlichen es möglich ist, die gesamte 130 000 Arbeiter und Arbeiterinnen der Berliner Metall­Arbeiterschaft in den Kampf zu führen. Die Tatsache, daß industrie geschlossen Widerstand geleistet haben, während Hunderttausende in Berlin vergebens nach Arbeit suchen, chne daß sich Streitbrecher fanden, ist von bleibendem Wert und wird sich über den Streif hinaus auswirken. Auch das Schiedsgericht, das, wie wir hören, voraussichtlich unter dem Vorsitz des früheren Reichsarbeitsministers Dr. Brauns zusammentreten wird, muß dieser Tatsache Rechnung tragen.

liner Metallindustrie den Kampf geführt haben, werden sie Geschlossen wie die Arbeiter und Arbeiterinnen der Ber­entsprechend dem Ruf des Metallkartells in die Betriebe zurüdtehren, in dem Bewußtsein, daß ihr Abwehrkampf nicht vergebens gewesen ist.

Kampf dem Faschismus! unplan und Berländigung.

Stärkste Aktivität der Sozialdemokratischen Partei.

Der Parteiausschuß hielt am Dienstag eine Situng ab, die sich mit Fragen der Agitation beschäftigte. Die Vertreter aus den Bezirken berichteten überein stimmend, daß unter den Parteigenossen die beste Kampfstimmung herrscht. Nach der Reichstagswahl ist keine Müdigkeit eingetreten, die Massen im Reiche drängen im Gegenteil nach vermehrter Aktivität.

Die Versammlungen der Sozialdemokratie er freuen sich eines überaus starten Zuspruches, von überall wird die lebhafteste Anteilnahme an den Arbeiten der Organisation gemeldet. Trok der großen Arbeits. losigkeit hat die Partei dauernd an Mitgliedern zu= genommen.

Es herrschte im Parteiausschuß Uebereinstimmung darüber, daß die Partei jetzt die Aufgabe hat, die nationalsozialistische Demagogie zurück.

Polnische Tendenzjustiz.

Arbeiterführer wegen Versammlungsreden verurteilt.

Warschau , 28. Oktober. ( Eigenbericht.) Vor wenigen Tagen hat der Generalrat der britischen Gewerkschaften gegen die Verfolgung der freien Gewerk schaften in Polen protestiert. Jetzt hat das Gericht in Sosnowice den Vorsitzenden der polnischen freien Gewerk. schaften und gewesenen Abgeordneten Kwapinski wegen ,, aufrührerischer Reden" im vorigen Jahr zu einem Jahr Festung verurteilt. Das Lodzer Gericht verurteilte den Chefredakteur der Lodzer Volkszeitung" und ge­wesenen deutschsozialistischen Abgeordneten 3erbe zu 6 Monaten Gefängnis, weil er einen Geheimpolizisten aus einer Versammlung hinausgewiesen hatte! Ein hoher Richter Spießgeselle der Wahlgaunerei. Warschau , 28. Oftober.

Gegen die Mehrheitsentscheidung der Hauptwahltommiffion, die die Sejmkandidaturen der eingeferferten Oppo­fitionsführer Liebermann( Sozialist) und Bitos ( Bauernpartei Biaft) als gültig anerkannte, hat der Borsigende ber Rommission, Richter Gizidy, beim Obersten Gericht in Warschau Beschwerde eingelegt. Der Hauptmahlkommission waren aus

zuweisen und die gesamte Oeffentlichkeit über die Gefahr des Faschismus für das deutsche Volt aufzuklären.

Die Beratungen des Parteiausschusses haben den Be­weis erbracht, daß die Sozialdemokratie bis auf den letzten Mann für die kommenden Kämpfe gerüstet ist. Genosse Wels schloß die Verhandlungen des Partei­ausschusses mit einer begeistert aufgenommenen An­sprache.

Ein Notopfer für arbeitsloje Genossen.

Der Parteiausschuß stimmte ferner einer Verein barung zu, nach der die Angestellten der Arbeiter organisationen ein monatliches Notopfer leisten, damit arbeitslosen Genossen im kommenden Winter eine Beihilfe gegeben werden kann.

der Festung Brest Erklärungen der beiden Parteiführer über Zurüd ziehung ihrer früher angemeldeten Kandidaturen zugegangen. Diese Berzichterflärungen wurden jedoch von der Kommission nicht berücksichtigt, da sie eine freie Willensäußerung der Berhafteten nicht als einwandfrei festgestellt betrachtete. Der Mandatsraub.

Warschau , 28. Ottober.( Eigenbericht.) Auf Anordmung der Regierung sind noch mehr wahllisten der Oppositionsparteien annulliert morden, und zwar neuerdings in einer Reihe Bezirke, in denen die Opposition besonders start ist. Außerdem läßt die Regierung einen Spigen tandidaten der Opposition nach dem anderen verhaften.

Die Kölner Beratungen.

der

Köln , 28. Oftober.( Eigenbericht.) Heute wurde die Tagung der beiden vom Borstand des 3nternationalen Gewerkschaftsbundes und Sozialistischen Arbeiterinternationale gewählten Kommissionen zur Beratung der Arbeitslosenfrage fortgefeht. morgen treten die Borstände der beiden Internationalen zusammen. Ueber die Berhandlungen wird nur eine offizielle Mitteilung ver­öffentlicht werden.

Um die Zukunft der deutschen Außenpolitif.

Der Auswärtige Ausschuß des neuen Reichstags tritt heute vormittag zu seiner zweiten Sigung zufammen, an der, mie verlautet, neben dem Außenminister Curtius auch der Reichskanzler Brüning und der Reichsfinanzminister Dietrich teilnehmen werden. Es wird eine Reihe von Anträgen zum Young Plan zur Beratung stehen, die dem Ausschuß vom Reichstag zur Beratung überwiesen sind.

Ueber die Verhandlungen wird nicht berichtet werden fönnen, weil sie nach der Verfassung nicht öffentlich sind. Doch fann aus alter Erfahrung jezt schon gesagt werden, daß die Dinge in der vertraulichen Verhandlung des Auswärtigen Ausschusses gewöhnlich ganz anders aussehen als in der öffentlichen Propaganda. In Versammlungen zum Beispiel tann man mit der fommunistischen Forderung, die Young- 3ahlungen sofort einzustellen, auf naive Leute Eindruck machen. Das Rezept, sich das Leben zu verschönern, indem man seine Schulden nicht bezahlt, ist von bezwingender Einfachheit leider aber zumeist wenig erfolgreich. Einstellung der Young- 3ahlungen wäre gleich­bedeutend mit einem teilweiſen Staatsbankerott, dem der voll­ständige auf dem Fuße folgen mürde. Ueberdies würden sich aus einer Weigerung Deutschlands , seine Verpflichtungen zu erfüllen, außenpolitische Komplitationen schwierigster Art er­geben.

Mit größerem Ernst wird man Anträge behandeln müssen, die ein Moratorium empfehlen oder eine neue Re= vision des Zahlungsplans fordern. Zum Unterschied vom Dames- Plane gibt der Young- Plan Deutschland das Recht, im Falle besonderer Schwierigkeiten von sich aus den größeren( geschütten) Teil der Leistungen bis auf weiteres schuldig zu bleiben. Doch fann die Inanspruchnahme dieser Moratoriumsklausel eine Schädigung des deutschen kredits und mit ihr wirtschaftliche Nachteile nach sich ziehen, die den vorübergehenden Vorteil des Zahlungsauf­schubs mehr als aufwiegen.

Was schließlich die Revision betrifft, so pflegen unsere nationalistischen Gegner die Dinge so darzustellen, als ob der Wunsch nach Revision nur bei ihnen vorhanden wäre und als ob die anderen, die sogenannten ,, Erfüllungspolitiker", sich ein sadistisches Bergnügen daraus machten, das deutsche Volk möglichst viel bezahlen zu lassen. Gegenüber diesem blöd­finnigen Schwindel genügt der Hinweis darauf, daß erstens Die deutsche Sozialdemokratie mit den Parteien der Inter­nationale in der prinzipiellen Forderung nach Streichung aller internationalen Kriegsschulden einig ist