Morgenausgabe
Nr. 511
A 257
47.Jahrgang
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Vorwärts
Berliner Bolesblatt
sid
mehill Freitag
Freitag! 31. Oftober 1930
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Metallarbeiterstreif beendet.
Mehrheit für Vereinbarung.- Die Lehren des Streifs.
Die Urabstimmung der streikenden stehenden Arbeiter die Mehrheit. Trotzdem wurde überall| wird, man darf aber wohl annehmen, daß diese geschlossene Metallarbeiter im Berliner Metall- die Arbeit fast restlos niedergelegt. Fonflikt hatte folgendes Ergebnis: An der Ab. stimmung beteiligten sich 73278; für Fortführung des Streiks stimmten 32 847 und für Annahme der Vereinbarung zwischen den Metallindustriellen und den Gewerkschaften stimmten 40 431. An der Ab. den Gewerkschaften stimmten 40 431. An der Abstimmung haben sich 62 165 Streifende nicht beteiligt. Damit ist der Streik beendet und die Wiederaufnahme der Arbeit sicher.
Gestern abend waren die Obleute der Streitleitungen im Berbandshaus der Metallarbeiter in der Linienstraße zusammengelom men, um auf Grund des Ergebnisses der Urabstimmung in den BBMJ.- Betrieben die weiteren notwendigen Maßnahmen zu beschließen. Der Bevollmächtigte des Metallarbeiterverbandes Genoffe ich gab zunächst das Abstimmungsergebatutarijd, notwendige Dreiviertelmehrheit für die Beiterführung des Streiks ergeben, auch
nicht, wenn man die Betriebe außer Betracht läßt, die sich an der Hrabstimmung nicht beteiligt haben. Der Streifist also be
endet.
In der anschließenden Debatte tamen zwar verschiedene gegen fäßliche Meinungen über die Tattif der Streifbeendigung zum Ausdrud. Ueberall stellten die Obleute jedoch die gewerkschaftliche Einig feit, mit der die Bewegung begonnen wurde und mit der sie auch beendet werden muß, wieder her.
Genosse Ulrich betonte zum Schluß der Konferenz, daß jede Differenz, die wegen der Wiederaufnahme der Arbeit in den Betrieben entstehen sollte, sofort der Organisations Teitung mitgeteilt werden muß, damit sie unverzüglich in Berhandlungen zur Beilegung dieser Differenzen treten können. Urich erflärte weiter, daß über die Taftit der Streitführung sowie über die Frage der Urabstimmung noch in einer großen Funktionärfonferenz gesprochen werden wird, aber zu einem Zeitpuntt, an dem die Bewegung, die noch nicht abgeschlossen ist, nicht mehr zu ihren Ungunsten beeinflußt werden kann.
Mit einer zündenden Ansprache, in der er die Notwendig feit des strafferen gewertschaftlichen Zusammenschlusses der Berliner Metallarbeiter zum Ausdruck brachte, schloß Urich die Obleutefonferenz.
Die Betriebsräte müssen sich jetzt mit den Betriebsleitungen in Berbindung setzen, damit die Arbeit alsbald in jedem Betriebe mieder aufgenommen wird, so geschlossen wie sie am 15. Ottober eingestellt worden ist.
Zwei Wochen standen die Arbeiter im Streif. Die Unternehmer hatten noch am Abend vor dem Streit hoch mütig erklärt, daß der Metallarbeiter- Verband ohnmächtig ei gegen den Schiedsspruch etwas zu unternehmen, weil noch nicht ein Drittel der Arbeiterschaft seiner Streifparole folgen würde. Die Arbeiterschaft hat aber nicht nur geschlossen die Arbeit niedergelegt, sie hat auch durch ihre Vertreter im Reichstag, durch die sozialdemokratische Reichs tagsfrattion das Gewicht ihres politischen Einflusses in die Wagschale geworfen. Sie hat darüber hinaus durch die sozialdemokratische Presse die Oeffentlichkeit mobil gemacht, und es ist ihr gelungen, die Sympathien der Deffentlichkeit für die Arbeiter und Arbeiterinnen der Ber liner Metallindustrie zu gewinnen. Die gesamte Oeffentlich feit ist sich darüber klar geworden, daß dieser Lohnabbau nicht gerechtfertigt ist und daß er, wenn er zur Wirflichkeit würde, ein weiteres Ab jinten her kauftraft und eine weitere Berschärfung der Arbeitslosigkeit zur Folge
haben müßte.
Aktion der Arbeiterschaft nicht ohne Einfluß auf ihn bleiben wird. Es wäre freilich besser gewesen, wenn eine neue Lohnvereinbarung noch vor Wiederaufnahme der Arbeit zustandegekommen wäre. Der Deutsche Metallarbeiter- Berband mar sich aber bewußt, daß der Streit nur dann erfolgreich abgeschloffen werden kann, wenn er auf seinem Höhepunkt steht. Die sogenannten Wirtschaftsfriedlichen und der Stahlhelm hatten beschlossen vielmehr Anweisung be fommen, die Arbeit wieder aufzunehmen. Außer diesem moralischen Druck von der Unternehmerseite her standen die Unorganisierten unter dem materiellen Druck der wirtschaftlichen Not.
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Auch für die gewerkschaftlich Organisierten ist ein Streif immer ein Opfer. Die Streitunterstügung ersetzt ihnen nur einen Teil des Lohnes. Die Streitunterstützung ist aber ausreichend, um die Streifenden über Wasser zu halten. haben bei biejem Streit einmal erproben, tönnen, was es Anders ist es mit den Unorganisierten. Diese bedeutet, die Gemertſchaftsbeiträge zu sparen". Gie haben auch erproben fönnen, was es bedeutet, wenn man sich auf das soziale Empfinden" der Unternehmer verläßt.
Obwohl die Unternehmer, sowohl durch den Verband Berliner Metallindustrieller, wie durch den Gesamtverband Die im Metalfartell vereinigten Gewerkschaften mußten der Metallindustriellen und die Vereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände, ihren ganzen Einfluß aufgeboten haben, also voraussehen, daß die Widerstandskraft der Unorganium die Verbindlichkeitserklärung des Schieds- fierten bald ihre Grenze erreicht haben würde. spruches zu erzwingen, obwohl vom Gesamtverband der Auch eine Sammelaktion hätte nur ganz notdürftig helfen Metallindustriellen mit Gegenmaßnahmen, d. h. mit Austönnen. Nichts zeigt besser als die Bettelsuppen der kommuperrungen, gedroht wurde, ist es dank der Disziplin nistischen Partei, daß nur eine auch finanziell gut fundierte der Arbeiter und Arbeiterinnen der Berliner Metallindustrie Gewerkschaftsorganisation in der Lage ist, erfolgreich den vereinten Anstrengungen der Gewerkschaften und der den Kampf zu führen. Die Unorganisierten mögen diese Sozialdemokratischen Partei gelungen, die Verbindlichkeits- harten Tatsachen im Gedächtnis behalten und danach handeln! erklärung zu verhindern und den ersten Schiedsspruch zu beseitigen.
Es wird ein neuer Schiedsspruch gefällt werden müffen. Niemand kann heute voraussagen, wie er ausfallen
Bei diesem Streit hat es sich auch gezeigt, was es bedeutet, eine Tageszeitung zur Verfügung zu haben, die von den Arbeitern gelesen wird und diesen die Beschlüsse der Organisation und der Streifleitungen zweimal am Tage
Weltkampf gegen Arbeitslosigkeit.
* Die Kölner Beschlüsse der Amsterdamer und der Züricher Internationale.
Achtung, Bergmann , Seestraße! Arbeitsaufnahme am Montag, chaftsbundes und der Sozialistischen Arbeiter
dem 3 November.
Die Streilleitung. Dr. Paul Meyer. Die Arbeit wird heute Freitag um 9 Uhr wieder aufgenommen. Die Streifleitung. Achtung! Borfig- Belegschaft! Arbeitsbeginn heute Freitag früh 7 Uhr. Der Arbeiterrat..
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Achiung, AEG. Hennigsdorf! Wert L. F. und J. F. nimmt heute, Freitag früh, 7 Uhr, die Arbeit auf. Die Streitleitung. BES.- Blodwerk! Kollegen, die noch nicht eingestellt wurden, melden sich am Sonnabend, dem 1. November, um 13.30 Uhr bei Lange, Siemensstadt . Der Arbeiterrat.
AEG. Treptow. Eine Betriebsversammlung findet nicht statt. Die Arbeit wird heute zu den üblichen Zeiten aufgenommen. Der Betriebsrat.
Die im Verlauf der Kölner Beratungen von einer gemeinsamen Kommission des Internationalen Gemert .Internationale ausgearbeitete Entschließung Befämpfung der Arbeitslosigkeit hat folgenden Wort
laut:
zur
mehr gegen die soziale Reaktion muß sie ihren Kampf um die Ber sorgung der Krisenopfer und um die Verminderung der Arbeitslosigkeit verbinden. Hier liegen die dringlichsten Gegenwartsaufgaben im Rahmen des großen Kampfes der Arbeiter flaffe zur Ueberwindung des Kapitalismus und zur Berwirklichung des Sozialismus. IGB. und SAJ. gemeinsam rufen die Arbeiter
in allen Ländern auf, die folgenden Forderungen mit Einsatz aller Energie zu vertreten, um den Druck der Krise zu überwinden med
die Leiden ihrer Opfer zu mildern:
1. Abwehr jeder Senfung des Reallohns, da durch Berminderung der Maffenkaufkraft die Zahl der Arbeitslosen weiter wachsen müßte.
2. Erhöhung der Massenkauftraft und dadurch Verninderung der Arbeitslosigkeit durch Bekämpfung der Maßnahmen kapitalistischer Wirtschaftsverbände, die die Anpaffung der Preise von Fertigwaren an die gesunkenen Rohstoffpreise verhindern. Kampf gegen die fünftliche Hochhaltung der Kleinhandelspreise gegenüber den gefunkenen Großhandelspreisen.
3. Einführung, Erhaltung und Ausbau einer hinreichenden Sicherung der Lebensmöglichkeiten der Arbeits
" Die Wirtschaftskrise, die in fast allen Ländern mit ungeheurer Bucht wütet, hat mehr als 12 millionen Arbeiter in Europa und in den Vereinigten Staaten Ameritas sowie weitere Millionen in den anderen Weltteilen, zur Arbeitslosigkeit verdammt; fie bedroht das Lebensschicksal der gesamten Arbeiterschaft in einem früher nicht gefannten Maße. Der Fluch des fapitalistischen Wirtschaftssystems, das periodisch neue Krisen erzeugt, die geringe Stabilität des Friedens, die Vorstöße des Faschismus und andere politische Störungen sind die Hauptursachen des gegen wärtigen Notstandes der arbeitenden Massen. Die herrschenden Klassen tun nicht nur nichts, um die Krisenfolgen für die ArbeiterEntsprechend den Beschlüssen des Metallfartells sind die schaft zu lindern, sondern tragen durch eine tolle Politik der SchupBerliner Arbeiter und Arbeiterinnen der Metallindustrie, zölle, durch ökonomischen Nationalismus und zahlreiche andere Maßnahmen noch zur Verschärfung der Notlage bei. Die Unter soweit sie in den Betrieben des Verbandes Berliner Metall- nehmertlaffe versucht in Berkennung ihrer Verantwortlich; felt industrieller beschäftigt waren, am 15. Oktober in den Streit die hohen Löhne als die Ursache der Krise auszugeben. Die getreten. Dieses Ereignis hat deshalb in der Deffentlichkeit Tatsachen widerlegen offen diese Behauptung: im Laufe der letzten so großen Eindruck gemacht, weil unter den Arbeitern und Jahre ist der Lohnanteil an den Produktionskosten gefallen, während Arbeiterinnen sich eine große Anzahl von Unorgani- gleichzeitig die Zahl der Arbeitslosen fast eine Berdoppelung erfahren hat. 3ynisch schlagen die Unternehmer eine Herabsehung sierten befand, ja fogar von solchen, die den sogenannten der Löhne und der Arbeitslosen unterstüßung vor, flopfen, gilt es, alle Kräfte für die Sicherung des Friedens Wirtschaftsfriedlichen angehören oder beim Stahlhelm und den Nationalsozialisten organisiert sind. ohne sich um das furchtbare Elend zu fümmern, das auf diese Weise für die Arbeiterklasse entstehen würde. Gegen diese Angriffe des In einzelnen Betrieben ist das Verhältnis zwischen Dr Unternehmertums muß die Arbeiterschaft in allen Ländern durch ganisierten und Unorganisierten besonders ungünstig. Dort die Gewertschaften und die sozialistischen Parteien haben die Unorganisierten oder die im gegnerischen Lager den Abwehrtampf mit aller Kraft führen; mit der Ab
losen.
4. Gerechtere Berteilung der Arbeitsgelegenheit während der Krise durch Berkürzung der Arbeitszeit. Zum Ausgleich der verschärften Anspannung der Arbeitskräfte in der rationalisierten wirtschaft ist die dauernde gesetzliche Verkürzung der Arbeitszeit infernational anzustreben.
5. Um die politischen Quellen der Krisenverschärfung zu verunter den Völkern zu mobilisieren, durch die internationale Abrüstung, durch die allgemeine Streichung der Kriegsschulden, durch die Bekämpfung des Faschismus und der Diktatur, in welcher Form fie immer auftreten mag, durch die Sicherung der Demokratie, die die Grundlage jeder sozialen und freiheitlichen Politit ift.