Nr. 106.
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Vorwärts
13. Jahrg.
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Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2.
Donnerstag, den 7. Mai 1896.
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Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3.
österreichischen Gegenaktion wahrnehmen. Der öster Die Interessentenvereinigungen haben natürlich überall reichische Zentralverein für Rübenzucker- Industrie" ähnliche Forderungen in Beschlüssen und Petitionen wir wissen ja, was solche einflußreiche wirthschaftliche geäußert. Doch auch im österreichischen Parlament ist die Interessenverbände politisch zu bedeuten haben begann Strömung schon offen hervorgetreten. Eine eingebrachte Zentrumsabgeordnete, und zwar in erster Linie die sofort eine Agitation für die Steigerung der österreichischen Resolution des böhmischen Abgeordneten Sehnal verlangt: füddeutschen Mitglieder des Zentrums, haben besonderen Prämie. Die österreichisch ungarische Zuckerindustrie habe" Die Regierung wird aufgefordert, in der fürzesten Zeit, Werth darauf gelegt, Desterreich, unseren politischen Bundes- bisher hoffen können, in sich selbst Kraft genug zur Be- ficher aber im Laufe dieser Session, nach Uebereinfunft mit der genossen, nicht durch Ueberspannung der deutschen Ausfuhr- kämpfung der Krise zu finden.... eine Erhöhung der gl. ungarischen Regierung zum Schuge unserer Zuckerprämien zu reizen und zu Gegenmaßregeln herauszufordern. deutschen Prämie wäre aber das Signal zu einem Ver- industrie vor fremder Konkurrenz einen Gesezentwurf auszuIn der Zuckerſteuer- Kommission waren es daher auch die nichtungskampf gegen die unter viel ungünstigeren arbeiten, welcher als Hauptpunkte enthalten würde: 1. Die Erhöhung der Exportprämie für Rohzucker von Angehörigen dieser ausschlaggebenden Partei, die den An- Bedingungen arbeitenden Zuckerindustrien der anderen 1,60 fl. auf 3,25 fl. und eine angemessene Prämienerhöhung für trag stellten, die deutsche Prämie etwa in ähnlicher Höhe Staaten." Der Verein ersucht daher zunächst, der deutschen Zucker von mehr als 99,5 pet. Polarisation ohne jede Einwie die österreichische festzusetzen. Regierung die Rückwirkungen auf Desterreich zur Kenntniß schränkung." Ueberraschender Weise ignorirte der Vertreter der zu bringen. Wolle trotzdem Deutschland wirklich zum An- Das geht mithin noch über die Hodel'schen Wünsche Reichsregierung- allerdings kein Vertreter des aus- griff vorgehen, so bleibe für Desterreich nur der Ausweg, hinaus. Wie weit die österreichische Regierung bereits für wärtigen Amtes, auch nicht Süddeutschlands - ganz und gar seine Ausfuhrvergütungen denselben Betrag wie diese Pläne gewonnen ist, wissen wir natürlich im Augendiese zweifellos sehr beachtenswerthen Gesichtspunkte. Er Deutschland zu erhöhen. Es scheint, als sei die blick nicht zu sagen. Bezeichnend ist jedenfalls, daß die erklärte vielmehr gerade eine möglichst hohe Prämie für deutsche Regierung damals auch noch vor dem offenen Deutsche Tageszeitung", das Organ unseres wünschenswerth, um andere Konkurrenzstaaten zur Herab- Abbruch aller Verständigungsversuche mit Desterreich zurück- Bundes der Landwirthe, vor ein paar Wochen( in einer setzung und Aufhebung ihrer Prämien geneigter zu geschreckt; die dilatorische Behandlung des Antrages Paasche Wiener Korrespondenz vom 18. März) die Prämien- Vermachen. Es war die alte Spiegelfechterei, die wir schon dürfte mit darauf zurückzuführen sein. mehrung seitens Desterreichs bereits wie eine feststehende schilderten.( S. Nr. 98.) Thatsache behandelte zu derselben Zeit, in der die geschäftskundigeren Parlamentarier des Bundes das deutsche Gesetz noch als Vorläufer der allgemeinen Abschaffung aller Prämien anpriesen.
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Unterdeß ist die preußische Regierung durch den agraDenn der Haupt- Konkurrenzstaat ist Desterreich, und rischen Lärm derart eingeschüchtert worden, daß sie um gerade in Desterreich stellt sich von Woche zu Woche und jeden Preis den Antrag Paasche zur Verwirklichung zu von Tag zu Tag immer schlagender heraus, daß das Vor- bringen strebt. Entsprechend ist auch in Desterreich die Begehen deutscherseits dort beantwortet werden wird nicht wegung für Erhöhung der Prämien angeschwollen. mit einer zerfnirschten Einladung zur gemeinsamen Ab- Die dortige Stimmung kommt vielleicht am besten zum schaffung jeder Prämie, sondern mit einem verzweifelten Ausdruck in einer Schrift von G. Hodet, dem Führer Anlauf zu neuen Prämienzuschüssen. Verzweifelt, weil der nordböhmischen Zuckerfabrikanten( Bur Buckersteuerdie österreichischen Konsum- und Finanzverhältnisse frage anno 1896. Prag ). Es heißt da in dem Abschnitt ein solches Opfer an die Zuckerausfuhr viel schwerer empfinden über die Prämieuerhöhung": Lassen würden.
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In der letzten Sigung der Zuckersteuer- Kommission ist nunmehr auch diese schillernde Seifenblase in nichts zerplatzt. Hier widersetzten sich nämlich die Zuckeragrarier selbst dem Antrag Müller- Fulda, das Gesetz und mithin auch die neue deutsche Prämie mit dem Jahre 1903 enden zu lassen. Die Zuckerinteressenten erklärten ausdrücklich, daß ihnen das Aufhören der Prämien mit dem Jahre 1903 allzu ge Wenn die vor Jahren schon, sowie noch heute und zwar fährlich erscheine. Der Reichs- Schatzsekretär bekämpfte ebenDiese Brüskirung Desterreichs ist doppelt verlegend, hüben ebenso wie drüben ausgegebene Parole Gleiche da Desterreich bisher mindestens dieselbe Bereitwilligkeit Waffen" feine bloße heuchlerische Phrase ist, sondern falls den Endtermin, weil man die Prämien als Kampfzur Abschaffung der Prämien bewiesen hat wie Deutsch - als ein Postulat der einfachen Billigkeit und Gerechtigkeit an- mittel- beim Abschluß der neuen Handelsverträge zu Anfang Die= land. gefehen werden muß, dann ist die Antwort( Desterreichs) schon des nächsten Jahrhunderts nicht entbehren könne! Bekanntlich find die ersten Anregungen zu einer ge- gegeben. selben maßgebenden Personen, die mit meinsamen Verständigung in dieser Frage ausgegangen Daß übrigens eine solche Rücksichtnahme unserer dem Köder der raschen internationalen vom Weltmarkte, der geAufhebung der Prämien nach parlamen nicht von Berlin , sondern von Wien . Die deutsche Regie- größeren Entfernung rung hat hier bisher keinerlei Initiative entwickelt. Der ingeren Ausbeuten 2c. selbst in dem deutschentarischen Stimmen für das Gesetz angeln, österreichische Finanzminister Plener war es, der im Vor- Gefeße vom Jahre 1891 ihre legislative Bekräftigung glauben somit im Innersten ihres Herzens fand, indem man in demselben unserer im Jahre 1888 jahre die Wiener Verhandlungen zu stande brachte; eine ftipulirten Prämie pr. 1,60 fl. eine von 1,25 M. entgegengestellt auch an den Fortbestand des erhöhten dent. solche Aktion gar feinen Sinn schen Ausfuhrzuschusses im Jahre 1903! gehabt hatte, ist bereits erwähnt worden. haben, wenn auf der Seite Desterreichs nicht die Wenn nun die deutsche Prämie in Zukunft( nach der Re- Damit find alle beschönigenden Vorwände in sich zugrößte Bereitwilligkeit zu einer entscheidenden Verein- gierungsvorlage) 4, M. betragen soll, so entspräche dies in fammengefallen, welche die neue Vorlage manchem sonst barung bestanden hätte. Ueber die Haltung Deutschlands unserem Gelde einer solchen von 2,40 fl. und wenn wir auch Widerstrebenden annehmbar erscheinen ließen. Es bleibt dagegen ist noch immer der undurchdringliche Schleier des die im Jahre 1891 bestandene Differenz zwischen den nichts mehr übrig wie die Liebesgabe, nicht an die Land0,75 ff. heute nicht mehr wirthschaft im allgemeinen, sondern an den verhältnißGeheimnisses gebreitet. Wir bezweifeln, daß diese Haltung beiderseitigen Prämien von die Verständigung zu fördern geeignet war. Doch gleich anz in Anspruch nehmen wollen, so müssen wir als Aus- mäßig noch am günstigsten dastehenden Zweig derselben. gleich unserer besonderen Lage zum wenigsten 60 fr., viel, jedenfalls ist der mit der neuen deutschen Zuckersteuer- und Wir sind gespannt, ob sich im Reichstag und Bundes. als Ausfuhrzuschuß somit drei Gulden Vorlage eingeschlagene Weg ein solcher, daß wir in den als gerecht und nothwendig bezeichnen, unter welche rath unter diesen Umständen noch eine Mehrheit für das nächsten Jahren weiter vom Ziele entfernt sein werden, herabzugehen von dem Grundsaße: Gleiche Waffen" abzugehen Ergebniß der Kommission finden wird. Auf jeden Fall hieße. wie jemals früher. wird dieselbe nicht mehr leugnen können, daß sie den Es muß wiederholt werden: Krieg, nicht den Frieden unter den prämiengewährenden Gleiche Waffen Staaten bringen und fördern wird.
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Schon als der Antrag Paasche im Reichstag eingebracht war, ließen sich die Anfänge einer entsprechenden
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Zwanzig."
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drei Gulden Prämie.
Glafe, ihm allein fiel feine Karte. Er wechselte den Stuhl, aber Habt's ös in der Egerstadt ansg'macht untereinander, daß ( Nachdruck verboten.) auch tas half nichts. Alle Mittel versuchte er, setzte bald' s mi heut' aussackeln wollt'?" auf die geraden, bald auf die ungeraden Augen", Die anderen Bauern thaten, als hörten sie die Stiche Roman von Nicolaus Krauß. wartete ab, ob ihm das rechte oder das linke Auge jucken leien nicht, um so sorgsamer aber spielten sie. Gegen acht Uhr meldete sich der Hunger. Man machte Als ihn der Bankier zagend und zweifelnd ansah, fuhr würde, hob den rechten Fuß über den linken, dann wieder er mit der Hand in die innere Tasche seines Jankers und diesen über den rechten, das Resultat war immer dasselbe: eine Pause, um Abendbrot zu essen. Reiner that sich legte eine große lederne Geldtasche auf den Teller. Jetzt Ab und zu gewann er eine Kleinigkeit, schon aber das etwas zu gute. Beim Spiel, ja, da konnte man schnellte ihm der Bankier die Karte hin; während sie nächste Spiel fraß wieder den Gewinn und noch mehr etwas ristiren, das tam wieder herein; was man aber dem noch flog, sagte der Hetsch schon Rest!", falt und dazu. Längst waren die verwuzelten Gulden, die er in der Wirth einmal gezahlt hatte, das war weg, wie's Würstel gleichgiltig, als ginge das Spiel um Nußferne. Da Weste getragen, fortgeflogen, und immer wieder hatte er vom Kraut. Nur der dicke Muck aß etwas Warmes, geer tlein war und gauz zusammengeduckt basaß großes" Geld herausnehmen müssen. Sein Verlust hatte tochtes Rauchfleisch, die Anderen begnügten sich mit einigen der Bankier aber von oben herabgab, hatte er durch einen ihn fahrig gemacht; das eine Mal setzte er einen Gulden Streifen Gallert, die sie„ Gestandenes" nannten, der Hetsch Blick erspäht, was für eine Karte er bekommen würde. Jetzt auf ein AB, gewann, wie es vorauszusehen war, und ärgerte zog eine Knackwurst aus der Tasche und forderte vom Der junge Streicher aß zog der Bantier ab, eine Sekunde nur" gustirte" er, dann sich, weil es nur ein Gulden war, den er heraus Wirth ein Stück trockenes Brot. warf er jubelnd die Karten auf. gestochen; gleich darauf warf er einer lumpigen Sieben eine feinen Bissen; mit den Händen in den Hosentaschen und Behnerbanknote nach, und fluchte, als er verloren hatte. weit auseinander gespreizten Beinen saß er da und Während die andern mit Verstand" spielten, genau über- spekulirte und simulirte, wie er seinen Verlust wieder Das verspielte Geld hatte legten, ob sie noch kaufen" und was sie setzen sollten, nach hereinbringen sollte. den bereits gefallenen Blättern kalkulirten und kombinirten, er Brauer int der Stadt für gelieferte was noch herauskommen könnte, wirthschaftete der junge Gerste erhalten. Zinsen wollte er davon bezahlen, und Bauer aufs Gerathewohl in den Nebel hinein. So mußte das, was der Alte" an baarem Gelde auf seinen Auser verspielen. Und dann schimpfte und fluchte er, schlug mit der zug" zu kriegen hatte. Ta hatte ihn der Teufel wieder Faust auf den Tisch, daß die Biergläser eine Polka tanzten, ins Bettenberger Wirthshaus führen müssen. Er hatte es that groß, jammerte und trant dabei eine halbe Maaß nach gewußt, daß der Muck und der Hetsch und die anderen reichen Bauern, wie nach jedem Getreidemarkt, auch heute der anderen. wieder Einundzwanzig" spielen würden. Schon einige Mal hatte er mitgehalten und stets hatte er verspielt. Vor acht Tagen noch hatte er seiner Mutter die Hand darauf ge geben, feine Karte mehr anzurühren, und jetzt saß er trotzdem wieder unter den ausgepichtesten Spielern des ganzen Egerlandes, und das Geld, das er so nothwendig brauchte, war zum allergrößten Theil fort, weg, als wäre es niemals in seinen Händen gewesen. Er mußte es wieder gewinnen, unter jeder Bedingung. ( Fortsetzung folgt.)
" Dins!" kam die Antwort. Was schaust mi denn so an? Eeit die Welt steht, macht die Sau und der Zehner einundzwanzig
Der Streicher Franz fuhr sich mit beiden Händen an den Kopf, der wie ein rothes Tuch braunte, erraffte danu die beiden Karten, mit denen er verspielt hatte, riß sie in Fegen, warf sie in die Stube und feuchte:
Bald begann er auch, seine Mitspieler zu häufeln, zu frozzeln, zu papierlu.
Die verfluchten Saukarten, die verdammten!" Während der Wirth ein neues Spiel holte, meinte der Hetsch, der die gewonnenen Banknoten ruhig und gelassen, eine nach der anderen in die verschiedenen Fächer seiner Brieftasche legte: Wirth, bring Licht, der Muck kann nig mehr sehen Wärst D' hamgangen mit Deiner Bank... Aber mit seinen Glogern." ich hab' mir's ja gleich denkt, daß D' net spielen kannst."" Hetsch, ös müßt's entweder an Glückshummel in Jetzt wollte der Franz erst recht nicht nachgeben, extra enfern Geldbeutel hab'n, oder a Beinl von an unschuldigem net. Aber so viel er auch nachsetzte, eine anständige" Kindl." Bank bekam er nie mehr zusammen. Von den Anderen ging Wenn der Markgraf i amal so d' Kart'n austheilt, der eine mit zweihundert, ein anderer mit fünfhundert Gulden thu' i nimmer mit." Na ja. Fünf über ein! Göll ist a Kunst!... „ heim". Der Wirth hatte schon zwei Zehnernoten in seinem
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