Nr. 108.
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Vorwärts
13. Jahrg.
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Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2.
Die Generalkommiffion Der deutschen Gewerkschaften. Die Verhandlungen in dem jetzt beendeten Gewerkschaftstongreffe zu Berlin drehten sich in der Hauptsache um die Frage, ob eine Zentralinstanz für die gesammten Gewerk schaften beizubehalten, wie sie zu gestalten und mit welchen Befugnissen sie auszustatten sei.
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Sonnabend, den 9. Mai 1896.
Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3.
wähnten Punkte hatte sich der Kongreß eine Meinung| Industrieverbänden, wie die der Metallarbeiter und Holzdarüber gebildet, wie die Generalkommission zu gestalten arbeiter, durchaus empfehlenswerth sein, so muß eine und was für Aufgaben ihr neu zuzumessen seien. derartige Konzentration doch aus dem empfundenen Be Troß der sehr ausführlichen Erörterungen, die leider dürfniß der Einzelorganisationen selbst hervorgehen. Drängt mit einer Anzahl recht überflüssiger Geschäftsordnungs- eine Zentralinstitution, der doch allen Arten von Organis debatten durchsetzt waren, ist die gründliche Berathung fationen gegenüber eine neutrale Stellung zuzuweisen ist, einiger der wichtigsten Punkte durch voreiligen Debatten auf solche Konzentrirungen hin, so kann sie sehr leicht als schluß verhindert worden. So ist es häufig zu Zufalls- Partei in die leidigen Organisationskonflikte hineingerathen. Mit der bisherigen Thätigkeit der bestehenden Zentral- beschlüssen gekommen, über deren Tragweite sich die be- Diese Gefahr ist durch den neuen Passus des Organisationsinstanz, Generalfommission genannt, war so treffenden Kongreßmehrheiten im Augenblicke nicht klar Statuts für die Generalkommission heraufbeschworen worden. recht niemand zufrieden; die Mitglieder der General- geworden sein konnten. Dieser Uebelstand trat sofort nach Nicht minder bedenklich ist eine andere Bestimmung des tommission selbst nicht, weil ihrer Ansicht nach Durchberathung und Annahme des Organisationsstatuts zu Statuts, die dem an sich durchaus gerechtfertigten Wunsche deren Befugnisse bisher zu beschränkt gewesen waren, Tage, indem auf Verlangen gerade der größten und ihr Entstehen verdankt, die Generalkommission mit den um ersprießliches leisten zu können; eine große An- wichtigsten Gewerkschaften, die gegen dieses Statut gestimmt Einzelgewerkschaften in engere und dauernde Beziehungen zahl von Gewerkschafts Vertretern nicht, weil sie hatten, einige soeben angenommene Bestimmungen aufs zu bringen. glaubten, daß die bestehenden Befugnisse nicht in der neue zur Debatte gestellt und eine von ihnen auch nach- Der erste Absatz des Statuts lautet nämlich: richtigen Weise zur Anwendung gekommen seien. Wenige träglich umgestoßen werden mußte. Der Gewerkschaftskongreß wählt einen aus 5 Mitgliedern. nur gingen indeß so weit, die Zentralinstanz überhaupt ab- Troß dieses Reparaturversuches eröffnet leider die Neu- bestehenden Gewerkschaftsausschuß, welcher den Namen„ General Zur schaffen zu wollen. Von den fünf Vertretern, die dafür schöpfung gegenüber dem bisherigen Zustande und den bis- fommission der Gewerkschaften Deutschlands " erhält. stimmten, gehörten vier der Gewerkschaft der Schuhmacher herigen Bestimmungen unseres Erachtens keine Aussicht auf unterstützung desselben werden von den Zentrals vorständen der Gewerkschaften, die regelmäßig an, die somit allein in ihrer Mehrheit nur ein Schuh- gründliche Besserung. Beiträge an den Ausschuß zahlen, und den dazu berechtigten macher stimmte anders fich gegen jedwede Zentral- Weniger Bedeutung messen wir in diesem Zusammen- Lokalorganisationen je ein Vertreter ernannt. Die Bu inftanz ausgesprochen hat. hange der Herabsetzung der vierteljährlichen Beitragsleistung ziehung dieser Vertreter zu den Berathungen des Ausschusses Für die gesammten übrigen Gewerkschaften handelte es zu den Zwecken der Generalfommission von 5 Pf. auf 3 Bf. bat nach Bedarf, mindestens aber vierteljah. sich um ein Mehr oder Minder der Befugnisse bei der Aus- für jedes Mitglied der Einzelorganisationen bei, da diese lich einmal zu erfolgen. geftaltung der Kommission. Herabjegung mit dem Verzicht auf die Unterstützung von Was für ein ungefüger Apparat der erweiterte AusIm Verlaufe der Debatte und bei der Abstimmung Streits durch die Generalfommission motivirt wurde. Für schuß oder die Kontrollbehörde, wie man sie nenuen will, fann man sich vorstellen, wen.n man stellte es sich nun aber auch heraus, daß eine von der bis- die sonstigen Zwecke werden also etwa die bisherigen Mittel sein wird, etwa daß herigen Kommission beanspruchte wichtige Erweiterung der zur Verfügung stehen. Ebenso macht es wenig aus, daß erwägt, 60 verschiedene Korporationen Tritt dieser Befugnisse nur wenige Freunde unter den Kongreßvertretern die Zahl der Kommissionsmitglieder von 7 auf 5 herab- dazu ihre Vertreter entsenden tönnen. gefunden hatte. Die Kommission hatte vorgeschlagen, durch gesetzt wurde, da ihnen die Möglichkeit gegeben ist, sich im Ausschuß in Hamburg , dem Sitze der Kommission, in regelmäßige Beiträge der einzelnen Gewertschaften einen Bedarfsfalle Ersatzmänner heranzuziehen. Bedenklich da- Thätigkeit, so wird er ein Seitenstück zu der lokalen Gewerk Bentral Streitfonds zu bilden und ihn der Ver- gegen sind einige andere Bestimmungen. schaftskommission bilden. Da er aber nicht fortdauernd waltung der Generalkommission" zu unterstellen. Von Bei der Ausgestaltung des Statuts bekämpften fich wöchentlich zusammentreten soll und kann, also doch nicht einer Kritik der Einzelheiten dieses Planes, die in zwei annähernd gleich starke Gruppen, die der größeren und regelmäßig die Geschäftsführung zu verfolgen im stande dem Kongreßberichte ausführlich erörtert sind, können der kleineren Gewerkschaften. Im Interesse der kleineren ist, wird er entweder zu einem schwerfälligen bekorativen wir hier um so eher Abstand nehmen, als der Gewerkschaften war ein Paffus in das Statut hineingebracht Beiwerk herabsinken, oder, wenn er seine Aufgabe ernst Vorschlag unseres Erachtens mit Recht gegen worden, der den größeren eine Vertretung durch mehr nimmt, die Quelle für zahlreiche Mißverständnisse werden. eine geringe Minderheit abgelehnt wurde. Keinenfalls als sechs Delegirte auf den Kongressen abschneiden sollte. Geht die Kommission vor, ohne den Rath des Ausschusses würde bei dem gegenwärtigen noch höchst unentwickelten Die größeren hatten ihrerseits es durchgesetzt, daß der einzuholen, so wird sie sich mit ihm bald verfeinden; unterStande der Gewerkschaftsbewegung in Deutschland ein Generalkommission die Aufgabe zugewiesen wird, den Zu- breitet sie feiner Berathung alle wichtigen Angelegenheiten, das zu einer unerträglichen Verschleppung solcher Plan mit Erfolg zur Durchführung zu bringen sein. sammenschluß der kleinen Verbände und Lokalorganisationen so wird Tas Beispiel der englischen Gewerkschaftsbewegung zeigt zu Industrie- Verbänden anzustreben." Die größeren Orga- führen. Wir meinen, daß der Kongreß die nothwendige obendrein, daß gerade bei der Ausreifung der einzelnen nisationen haben, nachdem ihnen die Revision des bereits und erwünschte Kontrolle besser durch die Bestallung einer Verbände sie mehr und mehr sich auf ihre angenommenen Statuts bewilligt war, die Streichung geringen Anzahl besonders auserwählter Personen für diese eigene Kraft und ihre eigenen Mittel zur Durch jener Einschränkung der Einzelorganisationen auf 6 Delegirte Aufgabe hätte erreichen können. führung von Streiks stüßen müssen. Verweist man von durchgesetzt. Das ist durchaus zu billigen, da jene Einvornherein die heranreifenden Organisationen auf die Unter- schränkung gerade die größeren und leistungsfähigeren Orgastützung durch irgend eine Zentralbehörde, so lähmt man nisationen der Gefahr der Majorifirung auf den Kongressen ihnen das Gefühl der Verantwortlichkeit für die wirth- aussetzte. Zu bedauern ist es aber, daß sie nun ihrerseits schaftlichen Kämpfe, die sie durchzufechten haben. Nur aus einem Wunsche der kleineren Organisationen, der sich in Arbeiterbewegung nothwendige und heilsame, daß man vers diesem Gefühl der Verantwortlichkeit heraus kann und darf aber eine Organisation die Entscheidung treffen, ob sie in einen Streit eintreten will oder nicht. Weit weniger entschieden als über die beiden er
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( Nachdruck verboten.)
Sind nun auch die Aussichten für die demnächstige Thätigkeit der Generalkommission weniger erfreulich als man hätte wünschen können, so ist doch die Gewerkschaftsbewegung an sich eine so gesunde und für die große trauen darf, daß die gemachten Mißgriffe bei nächster Gelegenheit gut gemacht werden. Die Erfahrung ist auch für gewerkschaftliche Organisationen die beste Lehrmeisterin.
den Befehlen ihrer Brotherrin" nachzukommen, so gut es ging. Es wurde ihr herzlich schwer.
dem Antrage Brinkmann auf Streichung der erwähnten Befugniß- Klausel ausprägte, nicht entgegenkamen, sondern den Antrag zu Fall brachten. Mag auch in vielen Fällen der Zusammenschluß kleiner Organisationen zu größeren Während die Wirthin die Losung des vorigen Tages auf- zufegen. Als sie damit fertig war, ging der Krawall von zählte, und in den Kleidern ihres Mannes nachstöberte, neuem los. Roman von Nicolaus Krauß. ob er nicht einige Gulden gedrückt", befriedigte Lene Frau,' s ist fein warmes Wasser da, zum Gläserdie Kinder. Der ganz Kleine wies den Mehlbret waschen." Jetzt erst konnte Lene ihr Lager aufsuchen. Droben in zurück und schrie nach Muttermilch; Hans wehrte Dumme Nocken! Geht das mich was an? Bu der Ecke zwischen Stiege und Tanzsaal hatte man ihr ein sich gegen das Waschen mit Händen und Füßen. Ehe es was bist denn in ein' Dienst gangen? Heh!? Zum fressen Bett aufgeschlagen, einen Strohsack hineingeworfen mit sich das Mädchen versah, schlug der dreijährige Bengel ihm und faulenzen?" einem weißen Betttuch, auf dem es fich lag, als wären mit der Faust auf die Nase und zwischen die Augen, und Und wieder verbiß Lene die Thränen und beeilte sich, tausend Knoten darin, und ein Ueberbett, schwer wie Blei, sofort schrie er:„ Mutter! Die Lene zwickt mich!" das bald so hoch, als das Mädchen lang war. Bis zur Wie eine Furie kam die Frau angestürzt. Und ohne Nasenspize vergrub sich Lene ins Bett und versuchte den sich erst zu überzeugen, ob sich das Mädchen auch wirklich Seit jeher hatte sie den Geruch des Tabaksaftes nicht versäumten Schlaf nachzuholen. Aber kaum hatte sie zu etwas hatte zu Schulden kommen lassen, faßte sie es an den ausstehen können. Was sie aber in Zettenberg in dieser träumen begonnen, da riß es sie schon wieder empor. Schultern, riß und schüttelte es hin und her und brüllte: Beziehung bereits hatte einathmen müssen, erschien ihr wie Drunten in der Nebenstuben weinten und schrieen die kleinen ,, Saumensch, dreckiges! Wenn Du Dir noch einmal ein Hauch der Pest. Die Bauern und Fuhrleute, die in Kinder, und von der ersten Treppenstufe her zeterte die was unterstehst, schmeiß' ich Dich' naus, daß D' daliegst dem Wirthshause verkehrten, rauchten alle aus Miltigauer Wirthin: wie ein geprellter Frosch." Holzpfeifen, die für ein Menschenalter berechnet waren. Und " Jeffas! Jeffas! Hat man schon so was erlebt! Das Durch den Lärm war der Wirth wach geworden. Sein je älter der Raucher, desto verjauchter die Pfeife. Der auss Mädel ist ja im stand und verschläft den jüngsten Tag!... erster Blick galt seinen Hosen. Sofort sah er, daß jemand gegossene Tabaksaft stant geradezu mörderisch. Jezt, wennst net machst, daß D' auf d' Beiner kommst, darüber her gewesen. Und nun brach er los. Und all sein Als Lene die Thür zu dem Zimmer, in welchem die dann komm' ich mit'm Besen und einem Topf Wasser." Zorn und Groll ergoß sich über seine Frau. Die Antwort Bauern in der vergangenen Nacht gespielt hatten, öffnete, Lene mußte aufstehen. Ihre Arme und Beine waren erfolgte fast gleichzeitig unter Weinen, Schreien und schlug ihr ein Dunst entgegen, daß sie beinahe umgefallen ihr wie eingeschlafen, ohne jedes Gefühl; mehr hinabkriechen Schluchzen: wäre. Sie mußte die Fenster aufreißen, um aufräumen zu als gehen mußte sie die Stiege. Die Wirthin saß hinter„ ich unglückliches Weib! Ein Hund hat's net so fönnen. Als sie sich bückte, um ein kleines Silberstück aufihrem Raffeetopf und stupfte eine Semmel nach der andern schlecht wie ich.. Hättst D' mich in Eger bei meiner zuheben, das einer der Spieler, ohne es zu merken, hinabin das dampfende Getränk. Gräfin g'laffen... Ich bin Dir net nachg'laufen... Aber geworfen hatte, kam die Katastrophe. Der Tabakssaft fuhr
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Der Wirth lag noch laut schnarchend im Bette. Lene Du hast net g'ruht, ja, ja, bis ich nachgeben hab und auf ihr mit solcher Schärfe in die Nase, daß ihr der leere fand taum Zeit, sich Antlig und Hände in faltes Wasser die Einschicht rauszogen bin, wo die Füchs einander gute Magen rebellisch wurde. Sie eilte vor das Haus und zu tauchen, da ging schon die tägliche Kommand irerei los. Nacht sagen... Ja, und glaubst D' denn, ich bin blind? lehnte ihren Kopf an die Wand der kleinen angebauten " Lene, zuerst kriegt'' s Girghal sein Brei; affa ziehft Mit einer andern hältst Du's. Kein bisst gern haft D' mich Schupfe. Alsbald stand die Wirthin, die das Zuschlagen an Hans'l an, effen thuet er mit sein' Vattern. D' Schants mehr, jedesmal giebst D' dem Mädel da recht, dem laufigen. der Thür vernommen hatte, neben ihr. stub'n muß ausg'fehrt werd'n, und die Gläser sein auch no net g'spült. Wannst fertig bist, räumst drüben auf, wo die Bauern waren. Dann kannst D'essen, u affa treibst D' d' Ziegen aus.
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Lene wirbelte der Kopf von den vielen Aufträgen.
D, wenn i das vor vier Jahren g'wußt hätt'!..." Mit einem Wuthschrei sprang der Wirth aus dem Bette, stürzte nach dem Schantzimmer und goß dort in einem Zuge ein Glas Schnaps hinunter, das beinahe einen Viertel liter hielt. Lene hatte sich schon früher entfernt, um aus
" Ah, da schaut her! Statt zu arbeiten, faullenzt und trozt die! Na wart' ich werd's meinem Mann sagen."
Der tam und sab sofort, wie viel es geschlagen. Lene erhielt ihr Frühstück und konnte ihre Ziegen austreiben. " Damit sie an die frische Luft kommt", sagte der Wirth