Der Abend
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Nr. 28 B 14 48. Jahrgang
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Gestern abend hielt der nationalsozialistische Gauleiter, Ab. geordneter Goebbels, im Kriegervereinshaus eine Rede, in der er unter stürmischem Beifall seiner Freunde der herrschenden Recht lofigteit einen Entscheidungstampf ankündigte. Er führte aus: Wir werden nicht Urlaub nehmen. Unser Weg ist legal und wird alle Möglichkeiten der Legalität ausschöpfen, wenn wir an das Regime tommen. Wir vergessen aber nicht, was geschehen ist: Rache ist ein Gericht, bas talt ge nossen wird. Bielen geht der Umstellungsprozeß zu langsam Sie möchten ein Husarenstück von uns. Wir werden uns aber nicht zu Unüberlegtheiten hinreißen lassen. Was wir fun fönnen, wird getan, um die Maffen zurückzuhalten, aber über feine Kraft fann niemand. Die Spannung und Empörung in unseren Reihen ift bis zur Siedehige gestiegen. Die Zeit ist vorbei, wo man in Deutschland ungestraft über uns lügen fonnte. Heute fühlen sich davon Millionen Menschen betroffen.
Vielleicht befindet sich darunter einmal einer, der seine persönliche Ehre identifiziert mit der Ehre der Partei und sie in der Weise, wie es ihm seine Ehre gebietet ,,, wiederherstellt". Ich fordere nicht dazu auf, aber was der einzelne tut, können wir nicht kontrollieren,
wenn die Gegenseite weiter so gegen uns auftritt, wie es ihr bis jetzt beliebt. Wir werden auf streng gefeßmäßigem Boden bleiben und werden unser Ziel erreichen oder zerschellen. Läßt man uns nicht gesetzmäßig arbeiten, dann kommen die Folgen nicht auf uns, sondern auf die anderen, die Deutschland zu einer Einöde der Rechtlosigkeit gemacht haben. Jeder Nationalsozialift ist innerlich überzeugt, daß das Jahr 1931 die Entscheidung bringen wird. Man hat die Frage aufgeworfen, ob wir foalitions- und regierungsfähig feien. Die Frage allein ist eine freche Unver= schämtheit. Regierungsfähig ist jeder, der das Volk hinter sich bringt. Gibt das Volk uns die Macht, dann werden wir sie auch gebrauchen. Wer uns verfassungswidrig daran hindert, wird von uns, wenn wir die Regierung haben, als och ver räter nach Leipzig geschickt werden. Das Jahr 1931 wird von uns unerhörte Opfer an Gut und Blut fordern, aber es gibt für uns fein Zurück mehr.
Herr Goebbels ist trotz allem intelligent genug, um zu wissen, daß die von ihm gebrauchte Wendung ,, Ich fordere nicht dazu auf, aber was der einzelne tut, tönnen wir nicht kontrollieren" eine offene Aufforderung zur blutigen Gewalt ist. Opfer, die daraufhin fallen, wird Goebbels auf sein Konto nehmen!
Die
Magdeburg , 17. Januar. ( Eigenbericht.)
In der überfüllten Stadthalle in Magdeburg sprach der Bundes führer des Reichsbanners Hörsing über die Reichsbannerparole: marschfertig am 22. Februar für die Befreiung Deutsch lands von politischen Glücksrittern."
Deutschland habe, so führte Hörsing aus, seit der Wahl vom 14. September viel stärker unter der Wirtschaftskrise zu leiden als früher. Seit dem 14. September gebe es rund 1,5 Millionen Erwerbslose in Deutschland mehr, und zwar hauptsächlich durch die Schuld der Natio nalsozialisten. Insgesamt seien seit der letzten Reichstagswahl rund 1% Milliarden Mark furzfristiger Gelder zurückzuzahlen gewesen. Hörfing beschäftigte sich dann eingehend mit dem Programm der Nationalsozialisten und erflärte zum Schluß:„ Wir wollen den Bürgerkrieg nicht, wir wollen auch das Köpferollen nicht. Wenn aber die Feinde der Republik sich erdreisten sollten, ihre schmutzigen Finger gegen die Republik zu erheben, so fönnen fie sicher sein, daß man ihnen mit derselben Art und Methode, mit der fie uns angreifen, entgegengetreten wird. Wir werden fie zurückdrängen, werden sie, wenn es nicht anders geht, niederschlagen und, wenn das Interesse Deutschlands es erfordert, vernichten. Wir stehen in der Defensive, aber wir sind gerüstet."
Das große Tiefdrudgebiet vor der standinavischen Küste, das Zentralflughafen bis auf die Strecke Danzig- Königsberg, die wegen auf seiner Vorderseite gewaltige warmluftmassen schlechten Wetters gesperrt war, reibungslos abgewickelt werden heranführte und dadurch in der Nacht vom Donnerstag zum Freitag| tonnte, mußte heute vormittag Startverbot erlassen einen außerordentlich schnellen Wetterwechsel hervorrief, hat ge- merden, da der Sturm unentwegt mit 20 Setundenmetern waltige Stürme ausgelöst. Das Unwetter tobt feit über 24 Stunden weiter tobt. über großen Teilen Deutschlands . Von der gesamten Nord- und Offseeküste werden schwere we st stürme gemeldet. Im nord. deutschen Tiefland beträgt die mittlere Windgeschwindigkeit etwa 70 Stundenkilometer. Sehr stark waren auch die Niederschläge, die innerhalb der letzten 24 Stunden im Tiefland durchweg in Form von Regen gefallen sind. In der Reichshauptstadt wurden in der vergangenen Nacht 9 millimeter Regen gemessen, seit Freitag vormittag 15 millimeter, eine für diese Jahreszeit recht beträchtliche Menge,
Nach den letzten Meldungen heitert der Himmel im Nordwesten auf, und es ist anzunehmen, daß sich das Wetter langsam wieder bessern wird, zumal der. Luftdruck über Westeuropa steigt. Von den Gipfelstationen der deutschen Mittelgebirge werden übrigens nach wie vor Temperaturen unter Null gemeldet; das Tauwetter ist also lediglich auf die tiefer liegenden Landesteile beschränkt.
Hannover , 17. Januar. Der schwere Sturm hat in der vergangenen Nacht in Hannover In Berlin richtete das Sturmwetter auch zahlreiche Schäden und Umgebung großen Schaden angerichtet. Eine der gean. Vielfach mußte die Feuerwehr in Aftion treten, um Da chwaltigen Böen erreichte eine Geschwindigkeit von 140 Gleichzeitig entlud sich ein DOR schäden zu beseitigen. In der inneren Stadt wurden mehrfach Stundenkilometern. Hagelschauern begleitetes Wintergroße Firmenschilder von den Hauswänden gerissen, Dachziegel heftigen Regen- und Hagelschauern stürzten prasselnd auf die Straßen. 3ahlreiche starte gewitter. In der Defreggerstraße wurden vom Sturm mehrere Bäume sind vom Sturm umgerissen worden. In den Außen- Dächer abgedeckt und die Trümmer über 50 Meter weit forts bezirfen machte sich das Unwetter naturgemäß am stärksten be- geschleudert. Am frühen Morgen waren die Straßen mit aba merkbar. Der Sturm rüttelte derart an den Fensterläden, daß viel- gerissenen Baumästen besät. fach an Schlaf überhaupt nicht zu denken war. Gegen 5 Uhr wurde die Berliner Feuerwehr nach Neu- Kölln am Wasser gerufen, wo ein großer Laftfahn infolge des Sturms led gesprungen war und zu finken drohte. Die Feuerwehr ist bemüht, den Untergang des Kahns zu verhindern.
Auch im Luftverkehr macht sich das Unwetter störend bemerkbar. Während noch am Freitag der Flugverkehr vom Berliner
Wilhelm verleiht Orden
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Notieren Sie weiter: JCH verleihe Herrn Goebbels die Brillanten zum Weißen Mäusefließ, dem Rechtsanwalt Galty Pintuß IV. die höchfte Klaffe der Abfindungsmedaille, MEINER erlauchten Gattin Hermine das Hohenzollernsche Hausfreuz..."
Orfan raffe auch über England.
London , 17. Januar. Ein furchtbarer Sturm, der zeitweise eine Stundengeschwindigfeit bis zu 120 Kilometer aufmies, mütete am Freitag zunächst über Schottland , dehnte sich dann nach Mittel england aus und erreichte schließlich in den Nachtstunden Südengland . In den Häfen an der Westküste war die Schiffahrt vollständig lahmgelegt. Die großen Dampfer wurden durch die Gewalt des Sturmes so fest gegen die Anlegepläge gepreßt, daß selbst schwere Ein Schlepper sie nicht von der Kaimauer frei machen konnten. neuer Fischdampfer lief an der Nordwestküste Schottlands auf einen Felsen. Nur unter größten Anstrengungen der Mannschaften mehrerer Rettungsboote gelang es, die Besagung zu retten. In Hull wurde ein Mann durch einen Windstoß auf die Eisenbahnschienen geworfen, als ein Zug heransauste. Dem Unglücklichen wurde ein Bein abgefahren. In London richtete der Sturm großen Gebäude schaden an.
Ein wolkenbruchartiger Regen rief am Freitag eine schwere leberschwemmung in Algier hervor. In wenigen Augenblicken erreichten die Wasserfluten in der Vorstadt Carree die Höhe von 1,92 Metern. In aller Eile mußten sich die Einwohner der bedrohten Häuser flüchten. Das Rathaus von Carree und zahlreiche Geschäfte erlitten schwere Beschädigungen. Mehrere Eingeborene ertranten in den Fluten. Auch unter den Bichherden find schwere Verluste zu beklagen.
Sturm wirft Kleinbahnzug um.
Zugführer getötet, mehrere Perfonen verletzt. Perleberg , 17. Januar. Auf der kleinbahnlinie Perleberg -& yrik ereignete sich am Sonnabend um 7,15 Uhr ein schwerer Bahnunfall. Zwischen den Stationen Garz und Hoppenrade entgleiffe infolge des Sturmes der von Perleberg kommende Personenzug. Der Zugführer 3iggel war fofort fot. Mehrere Perfonen wurden verletzt. Der Materialschaden ist bedeutend. Die Strede ift gesperrt. Der Sturm hat in der ganzen Priegnitz riesigen Schaden verursacht. In der Stadt Perleberg allein wurden über 30 große Bäume entwurzelt. Die Schäden in den Brieg. niger Forsten find unübersehbar.