1931
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Der Abend
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Spätausgabe des„ Vorwärts"
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Nr. 126 B 63
48. Jahrgang
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Kommunist von drei Hakenkreuzlern erschossen/ Einer der Mörder früher Polizist/ Organisierter Meuchelmord
Das Lommunistische Bürgerschaftsmitglied Henning ist in der Nacht zum Sonntag gegen 12.40 Uhr in einem Autobus, der von Zollenspieker nach Hamburg fährt,
kurz hinter Ochsen wärder erschossen worden.
Henning befand sich in Begleitung seines Parteigenossen Gahubley. In Fünfhausen bestiegen drei Männer den Omnibus, die zunächst ruhig Plak nahmen. Plötzlich erhoben sie sich, zogen Pistolen hervor und riefen den Fahr gästen zu:„, Hände hoch!" Dann fragten sie Henning, ab er das kommunistische Bürgerschaftsmitglied Andre sei und forderten ihn auf, seine Papiere zu zeigen. Als Henning hierauf seinen Namen nannte, erwiderten sie: ,, Dich suchen wir gerade." Im gleichen Augenblick gaben sie eine Anzahl Schüsse auf Henning ab, sprangen alsdann aus dem Wagen und schossen auch von draußen weiter in den Wagen hinein. Henning war sofort tot. Eine im Wagen befindliche Lehrerin erhielt
zwei Beinschüsse. Die Täter entkamen im Dunkel. Der Ermordete ist am 12. Oktober 1892 in Magdeburg geboren und gehörte seit 1928 der Hamburger Bürgerschaft an.
Zwei Mörder stellen sich...
Auch der dritte verhaftet.
Samburg, 16. März.( Eigenbericht.) Die Nachforschungen der Hamburger Kriminalpolizei nach den Mordbuben sind während des Sonntags in größtem Umfange aufgenommen und durchgeführt wor den. Nachdem sich der Verdacht auf bestimmte Personen immer stärker verdichtet hatte, und als bereits alle zur Festnahme der Haupttäter erforderlichen Maßnahmen getroffen waren, stellten sich zwei der Täter in der Nacht vom Sonntag zum Montag um 2.30 Uhr bei der Kriminalpolizei im Hamburger Stadthaus. Sic wiesen sich aus als der am 16. Februar 1909 in Seege berg geborene ledige Albert Ernst Jansen und Otto Ernst Heinrich Bammel, geboren am 27. Mai 1905 in Wittingen , Kreis Jsenberg( Preußen). Jansen war früher Polizeiwachtmeister und ist wegen nationalsozialistischer Betätigung entlassen worden. Bammel ist Handlungsgehilfe.
Am Sonntag fand in 3ollenspieker im gofal von Albers eine kommunistische Führerbesprechung statt, in der das Verhalten der Kommunisten bei einer späteren in der das Verhalten der Kommunisten bei einer späteren nationalsozialistischen Kundgebung in Geesthacht fest. gelegt werden sollte. Den Inhalt dieser Be. sprechung sollte ein in Zollenspieker bekanntes Mitglied der Nationalsozialistischen Partei in Erfahrung bringen. Zu seinem Schutz waren die in Zollen. spieker nicht bekannten Mörder in das Lokal von Albers gegangen. Jansen sagt aus, daß et Hen ning für das Bürgerschaftsmitglied André gehalten habe und plötzlich in sinnloser Wut auf ihn geschossen hätte. Bammel will sich ohne Ueber legung an dieser Schießerei beteiligt haben. Beide bestreiten, daß eine Verabredung vorgelegen hätte. Die Burschen suchen sich also nach allen Regeln ihrer Partei herauszulügen.
Samburg, 16. März. 1 Uhr mittags. Der dritte Täter des Attentats auf das fom. munistische Bürgerschaftsmitglied Henning, Hans Alvis Höckmeyer, ist, wie die Polizei soeben mitteilt, im Stadt teil St. Georg auf offener Straße festgenom
men worden.
Amerikabanken gegen Sofina- Projekt/ Ein Sofortkredit von 75 Millionen Mark
folgende wichtige WIB.- Meldung vor: Aus New York liegt zu den Berliner Anleiheverhandlungen
Betreffs der Finanzierung der Berliner Städtischen Elektrizitätswerke 2-6. wird in Wallstreet ein plan bekannt, der als Grundlage für die Verhandlungen mit der Stadt Berlin dienen dürfte und der die Errichtung einer mit 240 millionen Mart Allientapital ausgestatteten Berliner Kraftwerte 2-6. vorfieht, in die die Stadt ihre Elektrizitätserzeugung und Verteilungsanlagen einschließlich der Bewag, die best hen bleibt, einbringen foll.
Die Aktien dieser Gesellschaft sind eingeteilt in 160 Mill. m. A- Attien und 80 miu. M. mit doppeltem Stimmrecht aus. gestatteten B- Attien. Von den A- Attien sollen 80 mil. m. durch ein unter Führung des New- Yorker Bankhauses Harris Forbes u. Co. stehendes Bankenkonsortium, 40 Mill. M. durch eine von J. Henry Schröder u. Co. geführte europäische Banken gruppe und die restlichen 40 Mill. M. durch ein deutsches Bankentonsortium, bestehend aus der Preußischen Staatsbant, der ReichsKredit- Gesellschaft und anderen deutschen Banten, übernommen werden. Von den mit doppeltem Stimmrecht versehenen B- Aftien soll die Stadt Berlin fostenlos 30 Mill. M. erhalten, ferner die Elettromerte A.-G. und die Preußische Elektrizitäts 2.-G. je 25 Mill. M. gegen Barzahlung. Durch diese Aktienverteilung bleiben von insgesamt 320 000 Stimmen 220 000, und damit die Kontrolle der Gesellschaft, in Deutschland , wobei der öffentlichen Hand durch den Besitz der 80 mill. M. zweifachen Stimmrechts. attien praktisch die Generalversammlungs majorität verbleibt. Da die neue Gesellschaft auch die Schulden der Stadt gegenüber der Be mag in Höhe von etwa 277 Mill. M. übernehmen soll,
fließen der Stadt aus dieser Transaffion insgesamt etwa 517 Millionen Mark Ju,
davon 210 Millionen Mark in bar, 30 Millionen Mark in B- Aftien und der Rest durch Ablösung der Bewag- Schulden. Abgesehen hier
Anti- Mordgesetz verlangt!
beschlossen, am Ende der heutigen Tagesordnung einen AnDer Reichstag hat bei Beginn seiner heutigen Sigung frag Breitscheid ( S03.) zu beraten, der die Reichsregierung auffordert, ein Gesetz vorzulegen, wonach die Aufforderung zum Mord wirksamer als jetzt bestraft werden und die Möglichkeit des Verfaufs von Waffen start eingeschränkt werden soll. Berbunden damit werden kommunistische Anträge, das Berbot des Rofen Frontbundes und alle Demonstrationsverbote aufzuheben.
Bericht eines Augenzeugen.
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von erhält die Stadt neben der Dividende auf die B- Attien cine Ronzessionsabgabe von 14 Millionen Mark jährlich, die später erheb lich steigen dürfte. In Erwartung eines Zustandekommens der Transaktion, bei der es sich bisher nur um einen Verhandlungsvorschlag handelt, hat das Banfenfonsortium der Stadt einen leberbrüdungstredit von 75 millionen Martan
geboten.
Diese Meldung bestätigt unsere Erwartungen über die erfolg reiche Verhandlungsführung Preußens und des Reichs mit den größten amerikanischen Bantgruppen. Das Projekt hat den Vorteil, daß die stimmenmäßige Mehrheit für die öffentliche Hand ( Berlin , Preußen und Reich) gesichert wäre, besonders da erwartet werden kann, daß Breußen und Reich von den 40 Millionen Aktien, die das deutsche Banktonsortium übernehmen soll, einen größeren Teil noch erwerben. Das Projekt ist auch tapitalmäßig günstiger als die bisher bekanntgewordenen Sofina vorschläge; Berlin würde aus den projektierten Attienabgaben( die Aktien zu pari gerechnet) sofort 210 bis 250 Millionen Mark erhalten, während bei der Sofina taum mehr als 100 Millionen Mark bald zur Verfügung stehen würden. Der überwiegend öffentliche Einfluß wäre auch bei der Bewag gesichert, da diefe als Betriebsgesellschaft von der neuen Gesellschaft übernommen und aufrechterhalten würde. Begrüßenswert wäre die sofortige Zurverfügungstellung von 75 Millionen kurz. fristiger Kredite; die Berliner Finanzen würden durch die Zahlung von besonderen Konzessionsabgaben ebenfalls in der Zukunft unterstützt werden.
Immerhin ist nicht zu verkennen, daß das neue Projekt doch meniger günstig für Berlin ist, als man erwarten durfte. Der private Einfluß wäre, wenn audy zersplittert, doch viel größer als es für Berlin und die deutsche Kraftwirtschaft gewünscht werden darf. Das Projekt verlangt die allerernsteste Prüfung, wobei nicht außer acht zu lassen ist, daß die Zeit für Berlin arbeitet, nachdem sich der deutsche Kredit im Ausland zunehmend bessert.
Cahnblen marf sich nach den ersten Schüssen auf den Boden und stellte sich tat. Er erhielt lediglich einen ungefährlichen Streifschuß. Wagen verlassen und flüchten. Die verletzten Frauen sowie einige Eine weitere Dame wurde durch einen Schuß am Dau= men verlegt. Die drei Täter konnten in der Aufregung den andere Passagiere verließen den Wagen, der daraufhin im schnell. sten Tempo weiterfuhr und auf der nächsten Polizeiwache Bericht erstattete. Es sollen insgesamt etwa 13 Schüsse abgefeuert worden fein. Dem Kontrolleur war es aufgefallen, daß die jungen Leute nicht selbst für sich bezahlt hatten, sondern daß ein Einwohner aus Ochsen wärder ihnen die Fahrt bis Hamburg bezahlte. Außer dem getöteten Henning find vier weitere In
fassen des Autobus mehr oder minder schwer verletzt worden, dar unter zwei Frauen und ein Kind.
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Die Nationalsozialistische Partei hat in Hamburg ihr wahres Gesicht enthüllt. Ihre Angehörigen haben in rascher Aufeinanderfolge zwei politische Attentate verübt. Das eine ist das Attentat auf den Regierungsrat Lafsally, der Täter ist ein national= fozialistischer Polizeibeamter. Das andere ist die Ermordung eines fommunistischen Führers durch eine organisierte nationalsozialistische Mörderbande. Der Führer der Mörderbande war ein wegen nationalsozialistischer Umtriebe entlassener Bali 3ei beamter.
Zu der Bluttat in einem Autobus der Linie Zollenspieler- Hamburg, der der kommunistische Bürgerschaftsabgeordnete Henning zum Opfer gefallen ist, berichten die Hamburger Morgenblätter weitere Einzelheiten: Ein Augenzeugenbericht im„ Hamburger Fremdenblatt am Montag" besagt, daß der Autobus OchsenwärderHamburg etwa mit 10 Berfonen besetzt war. Auf der hinteren Sigreihe hatten drei Männer Blaz genommen, die auf der Station Fünfhausen eingestiegen waren. Bor ihnen saß Parteigenosse Cahnblen aus Altona , die von einer politischen Verfation der Nationalsozialistischen Partei hat bisher den fleinen der kommunistische Bürgerschaftsabgeordnete Henning und fein Diefe Attentate eröffnen ernste Aussichten. Die Militärorgani sammlung in 3ollenspieler famen. Auf der langen Strede von Annenhof nach Spadenland erhoben sich die drei hinzugekommenen Fahrgäste und riefen dem Autobusführer zu: alten oder wir schießen!" Im gleichen Augenblic trachten auch bereits mehrere Schüsse. Henning wurde getroffen und fant bewußtlos einer neben ihm sigenden Lehrerin in den Schoß. Die Lehrerin wurde von drei bis fünf Schüssen in die Beine getroffen Hennings Begleiter
Kommunisten, bandenmäßig politische Gegner überfiel. Sie geht Bürgerkrieg auf der Straße geführt, indem sie, ebenso wie die jetzt zum Einzelterror über, zum organisierten Atten= tat auf den politischen Gegner. Damit find wir wieder in jene Periode der politischen Morde eingetreten, die Deutsch;- land von 1919 bis 1922 durchmessen hat!
Die Mörder von damals find die Kameraden der National