Der Abend
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Spätausgabe des„ Vorwärts
10 Pf.
Nr. 229
B 115
48. Jahrgang
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Zweite Lohnabbauwelle?
Die fächsischen Metallindustriellen fordern 20 Proz. Lohnabbau
Dresden , 19. Mai. ( Eigenbericht.).
Die sächsischen Metallindustriellen treiben strophenpolitik. Sie haben, obwohl am 2. Januar 1931 im Zuge der allgemeinen Lohnabbauwelle auch eine Her absetzung der Löhne in der sächsischen Metallindustrie um 4 Prozent für Lohnarbeiter und um 5 Prozent für
Die franzöfifchen Militärflugzeuge auf dem Flugplatz von Schweinfurt
Affprdarbeiter erfolgt ist, einen neuen Angriff eingeleitet, und zwar ist das Lohnabkommen und das Busahabkommen für die Hüttenbetriebe und bas Gießereiabkommen für den 31. Mai 1931 gekündigt wanden. Die Forderungen der Unternehmer bedeuten einen Abbau von rund 20 Prozent Gleich unverschämte Forderungen werden für die Er. neuerung des Zustandekommens über die Arbeitszeit in den Hüttenbetrieben aufgestellt.
Ju Würdigung der allgemeinen Erbitterung, von der die Arbeiter, Angestellten und Beamten auf Grund der langfristigen Arbeitslosigkeit und solch unerhörter Angriffe auf ihre Lebenshaltung erfaßt sind, muß er wartet werden, daß der Reichsarbeitsminister sein wieder holt gegebenes Versprechen einlöst und alles aufbietet, um wenigstens die jezige Kauftraft der Massen zu er halten.
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Die für Montag, den 18. Mai, vorgesehene Ver handlung über Erneuerung des Lohnabkommens in der sächsischen Metallindustrie ist bereits im Vorstadium gescheitert, weil die Unternehmer unbedingt auf weiteren Abbau bestanden und es ablehnten, für die Ber handlung eine ernst zu nehmende Grundlage zu schaffen.
Der Ueberfall auf den Autobus.
Die Haupttäter entkommen.
Der Wildwest- Ueberfall auf den Ausflugs- Autobus hinter Bernau tonnie bisher noch nicht reftlos geflärt werden, da die Haupttäter, die den Chauffeur niederschlugen, beim Herannahen der Gendarmerie und des Ueberfallautos in die Wälder flüchteten und entfamen.
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Kiel , 19. Mai. ( Eigenbericht.)
Die Taufe des Panzerkreuzers ,, Deutschland " erfuhr insofern eine peinliche Unterbrechung, als noch während der Worte des Reichskanzlers, vermutlich durch das Lösen einiger Taue, das Schiff sich vorzeitig Iöste und zu Wasser ging. Infolgedessen konnte der eigentliche Taufakt durch den Reichspräsidenten nicht vorgenommen werden.
Eine Rede des Reichskanzlers.
Stel, 19. Mai.( Eigenbericht.). Heute miting 12 Uhr fand auf den Deutschen Werfen ber Tauf aft des Panzertreuzers Deutschland" statt, den der Reichstanzier mit einer Rebe einleitete, in der er u. a. ausführte, daß es galte zu betennen, was ber Bau des Banzerfreuzers bedeuteund aus melcher Gesinnung er geschaffen wurde. Er glaube nicht, daß es irgendeinen mahren Friebensfreund in ber Welt stören fönne, menn dieser Stapellauf feierlich begangen wird, während in Genf der deutsche Außenminister als Borsigender des Bölferbundsrats dem hohen Biel des Weltfriedens und der europäischen Berständigung dient.
Deutschland tonne mit größtem Recht mit tiefstem Ernst von sich fagen, daß es in gewissenhafter Erfüllung seiner A brüstungsverpflichtungen nichts von dem versäumt hat, was ihm die Berträge auferlegen. Wir warten darauf, daß, wenn aus diesen foll, unsere Abrüstung Nachahmung findet. Daß wir Berträgen überhaupt eine Hoffnung für die Menschheit entstehen bemüht sind, unferem Bolte das geringe Maß von Sicherheit zu ver bürgen, das uns die Berträge zugebilligt haben, ist selbstverständlich. Auch das liegt im Interesse Europas und der Welt. Nicht dadurch dient man dem Frieden, daß man den Völkern zweierlei Recht und gmeierlet Sicherheit schafft. Rur eine Gemeinschaft freier, gleich berechtigter Bäller, ihre Zufriedenheit, ihr eigenes Beranimportungs gefühl und ihre fraimillige Unterordnung unter den Bebanten frieb nichen Ausgleich Lönnen sichere Bürgschaft für den Weltfrieden sein. In blefet Stunde fireden mir in theffter Wahrhaftigkeit benen bie Sanb entgegen, die uns die gleichen Rechte zugestehen wollen mie fich felbst. Biel Leib fann vergessen werben, menn uns die anderen bie gleiche Vaterlandsliebe unb ben gleichen Nationalstolz zubilligen, die sie für sich und ihr eigenes Land in Anspruch nehmen. Für folche Gesinnung möge dos ftalze Schiff, das jegt von der Hand bes Reichspräsidenten die Taufe empfangen wird, Sinnbild und Bürgschaft werden.
Der Konflift schärfer als je
p
Die Zollunion soll auch nach dem Haag verhindert werden
Geuf. 19. Mai.( Eigenbericht.)
Wie am Montag Briand , fo fuchten heute Benesch und Marintowicz die Entscheidung des Haager Gerichtshofes nur als juristisch bedeutsam zu erklären, wogegen der Rat später die politischen und wirtschaftlichen Folgen der Zollunion zu prüfen hätte. Curtius antwortete wiederum ablehnend, während Briand auf den Ausweg zwischenzeitlicher Verhandlungen zur Aufgabe der Zollunionsidee hinwies. |
In der heutigen Sigung des Bölferbundsrates sprach als erster zur deutsch österreichischer Zollunion der tschechische Außenminister Benesch, der sich Hendersons Auffaffung anschloß, hier nur die juristische Frage zu prüfen. Wirtschaftliche und politische Be merfungen müffe er jedoch machen, um teine Unflarheit auffommen zu laffen. Juristisch sei nach seiner Ansicht der Vertrag den be stehenden Berpflichtungen Desterreichs entgegengesezt. Deutschland fei niel mächtiger als Desterreich. Beide gehörten der gleichen Raffe an, wodurch die Berbindung die rein juristische Bedeutung über schreite.
Selbst wenn der Buchstabe des Genfer Protokolls erfüllt werde, fel der Zollverein eine Berlehung der Verpflichtungen. Die Unabhängigkeit Desterreichs werde verlegt, da es entschieden Deutschland einseitige Vorteile einräume.
Es fet ein großer Schaden für die Tschechoslowakei , da ein großer Teil ihrer Ausfuhr nach Deutschland durch österreichische Baren ersetzt werde und umgekehrt. Auch der Durchgangsverfehr ischechoslomatischer Waren durch beide Länder sei erschmert. Das muffe man alles bedenten, wenn man den juristischen Standpuntt Die 16 festgenommenen Personen, die zu dem Sportparèin der Tschechoslowakei verstehen wolle. Der Rat merde nach dem „ Glüdstern und dem Musikverein In Treue feft" ge- furiftischen Spruch des Hagger Gerichts vom politifchen hören, fino inzwischen wieder entlassen worden. Obgleich ihre Mit Standpuntt eine Entscheidung treffen, die der Tschechoslomatei täterschaft erwiesen ist, be fi reiten fie fämtlich, mit dem lleber teinen Schaden und dem Frieden feine Erschütterung bringen laffe. fall etwas zu tun zu haben. Da zu der Schurterei der Kolonne Sehr deutlich trat auch Marintowicz Jugoflamien ber tein Anlaß zu ersehen ist, bleibt nur die Erflärung, daß der leper. Ansicht von Curtius entgegen, das der Rat sich nicht mit der poli fall unter Einwirtung des Alkohols erfolgt ist. Die Burschen führtischen Seite des Abkommens zu befaffen habe. Jebe mirtschaft ten auf ihrem Bastauto mehrere Fässer Bier und zahlreiche Flaschenliche Handlung fei auch politisch. Der Rat und jedes feiner Mit Autohol mit. Bepor es zu dem Ueberfall auf den Autobus tam, Tag der größte Teil ber Bande im Chauffeegraben unb trant. Als die Polizei die Täter einige Zeit später am Ufer des Liepnisfees ermittelte, tam es zu turbulanten Szenen und die Beamten mußten sehr energisch vorgehen, um die Stolonne in Schach zu halten. Die Berliner Kriminalpolizei mird die weiteren Nach foridhungen mit aller Energie betreiben,
glieber hätten das Recht, sich mit jeder Frage zu befasien, bie geelgnet fei, biè guten Beziehungen zwischen den Stationen zu stören Die Entscheidung im Haag gebe die juristische Grundlage, aber be nach müsse die Frage vom Rat auf ihre politischen Folgen unter fucht merben.
Curtius antwortete ebenso bestimmt, burch Hendersons Antrag fei ber Rern des Problems herausgeschält worden, nämlich die
Dölferrechtliche Verpflichtung Desterreichs. Er sei fein Formenjurist und wiffe, daß hinter den Formen das Leben stehe. Man tönne es aber den Richtern im Haag überlassen, wie weit sie das politische und wirtschaftliche Leben hinter der juristischen Form für ihren Spruch berüdsichtigen wollen. Es fönne sich aber immer nur um die völkerrechtliche Berpflichtung Desterreichs und nicht um wirt. fchaftliche Rücfichten handeln. Wenn der Haag erklärt, daß die völkerrechtlichen Berpflichtungen erfüllt sind, so geht es nicht an, den Leiden Bölkern eine Berlegung des Friedens vorzuwerfen.
zurück. Alle regionalen Zusammenschlüsse tönnten und müßten fich Curtius mies den Vorwurf der Prestige- oder Machtpolitik einfügen in die europäische Zusammenarbeit.
Dagegen lehne er es ab, die beiden Staaten vor ein Forum
ziehen zu laffen als Störer des Friedens.
Briand hielt es für michtig. zu vermeiden, daß man mit einem Mißverständnis auseinandergehe. Durch Hendersons Borschlag sei bie Dordringliche juristische Frage geregelt. Durch die wichtigen Er flärungen Curtius' und Schobers jei eine wichtige Entscheidung gegeben. Maritomicz habe eine grundsäßliche Frage aufgeworfen. Tatsächlich ständen alle Handlungen von Staaten unter der Garantie des Pattes, wonach jedes Mitglied jede Gefahr einer Störung der guten Beziehungen vor den Rat bringen tönne.
Alles merde gleichberechtigt behandelt. Hier stehe die Solidarität Dieses Recht sei unbestritten. Es gebe dabei fein Prestige. in Frage. Werbe ein wichtiger Bertrag geschlossen, so set es ein Problem, das alle angehe. Dant der Aussprache sei der Fall schon nicht mehr die alleinige Sache der beiden Staaten. Da Curtius ertlärt habe, er münsche nichts mehr, als mit allen gemeinsam zu arbeiten, so erscheinen sofort größere Möglichkeiten für einen Blan gemeinsamer Zusammenarbeit. Man perzichte auf Pläne, die Unruhe hervorrufen tönnten und versuche, es zu gemeinsamen
fungen zu bringen. Er hätte Bertrauen zum Haag. In der 3mifchenzeit tönnten Wege gefucht werden zur gemeinsamen Solidarität. Nach dem Spruch müsse sich der Wille zeigen, die guten Beziehungen nicht zu trüben.
Rach einer turzen Ertlärung Marinfomicas, er habe nichts als die grundsägliche Frage flären mollen, antwortet Curtius noch mafs auf Briands gefchichtliche Zitate mit rein geschichtlichen Gegengitaten. Henderson marf unter größter Heiterkeit ein, daß bar Haager Gerichtshof über die geschichtliche Diskussion be finden töne.
5ymans stellte unter erneuter Heiterteit feft, man habe