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Morgenausgabe 790 alpers012

Nr. 303

A 153

48.Jahrgang

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Der Borwärts erscheint mochentag. lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abendausgabe für Berlin und im Handel mit dem Titel Der Abend" Jlustrierte Beilage Bolt und Zeit". Ferner Frauenstimme". Technik"," Blick in die Bücherwelt", .Jugend- Borwärtsu Stadtbeilage

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Vorwärts

Beeliner Bolksblatt

Donnerstag

2. Juli 1931

Groß- Berlin To Of

Auswärts 15 Pf.

Die einfpalt. Ronpareillezetle 80 f. Reflamezeile 5,- R.., Kleine An zeigen" das fettgedrudte Wort 25 Bi. ( zuläffig zwei fettgedruckte Borte), jedes weitere Bort 12 Pf. Rabat ( ti. Tarif. Stellengesuche das erste Wort 15 Pf. jedes weitere Wort 10 Pt. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Borte. Arbeitsmarkt Seile 60 Bf. Familien. anzeigen Beile 40 Pf. Anzeigenannahme im Hauptgeschäft Lindenstraße 3, mochen täglich von 8 bis 17 Uhr. Der Berlag behält sich das Recht bez Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor

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Studentenkampf gegen Rowdys.

Für die Lehr- und Lernfreiheit auf der Berliner Universität.

In der gestrigen Kundgebung im Lehrervereinshaus haben die sozialistischen Studenten folgende Entschließung gefaßt:

Die Sozialistische Studentenschaft erhebt schärfffen Protest gegen die Borgänge an der Universität. Die Terroratte national­fozialistischer Studenten an der Berliner Universität und anderen deutschen Hochschulen beweisen eine

planmäßige Vorbereifung gemeiner Ueberfälle gegen die andersdenkenden Studierenden. Das Verhalten der fom­munistischen Studenten diente nur als Borwand zu diesen syste­matischen Ausschreitungen.

Die von dem Rektor der Berliner Universität getroffenen Maß­nahmen waren in einer Weise geeignet, dem Rowdytum der Nationalsozialisten wirksam entgegenzutreten. Vielmehr förderte die Unentschloffenheit und Nachgiebigkeit des Reftors gegenüber dem Terror der Nationalsozialisten die Entstehung und die Ausdehnung diefer Krawalle.

Die sozialistischen Studenten werden sich wie bisher gegen das faschistische Rowdytum zu wehren wissen. Mit der Mehrheit der Studierenden woollen sie die Universität als Stätte geistiger Arbeit erhalten und werden jeden Bersuch bekämpfen, diese zu einem Tummelplak randalierender Elemente zu machen. Die sozialistische Studentenschaft protestiert daher gegen das Verhalten des Retters.

Wir fordern

die Anwendung schärffter disziplinarischer Maßnahmen gegen die Berantwortlichen der letzten Kramalle und verlangen die Auf­lösung der nationalistischen Gruppen an der Universität. Wir fordern ferner die Einsetzung aller disziplinarischen und staat­Wir fordern ferner die Einsetzung aller disziplinarischen und staat­lichen Mittel durch die Universitätsbehörden zur Aufrecht­erhaltung eines geordneten Lehr- und Lernbetriebes und zur Ber­

hütung meiterer Ausschreitungen."

Die Polizei auf Universitätsboden.

Es hat in den letzten Krawalltagen besonderes Befremden ermeckt, daß die Polizei in Wien den brutalen lleberfällen auf linksstehende Studenten und Studentinnen tatenlos zu gesehen und an reichsdeutschen Universitäten bft erst viel zu spät eingegriffen hat. In Desterreich wie im Reiche spielt dabei die Vorstellung eine Rolle, als ob die Universität das Recht habe, die Polizei aus ihren Mauern fern- und sie von ihrer Aufgabe abzuhalten, für Ordnung zu sorgen.

Mehr Geld?

Hochkonjunktur für Wunderdoktoren.

Von Georg Decker .

Je unerträglicher der Druck der Wirtschaftskrise, um so ftärker wird in den breitesten Schichten die Sehnsucht nach der Erlösung und der Glaube daran, daß es ein Mittel geben muß, mit dem man eine schnelle Abhilfe, ja, einen voll­tommenen Umschwung bewirken fann. Ein Wunderglaube? Gemiß, aber ein Wunderglaube, der psychologisch geradezu zwangsläufig entsteht und den einfachsten Ueberlegungen ent­springt. Es sind doch keine Naturkräfte, sondern menschliche Handlungen, die die Wirtschaft in Unordnung gebracht haben, es muß also in der menschlichen Kraft liegen, die Folgen der falschen Handlungen gutzumachen und durch richtige Handlungen die Wirtschaft wieder in Ord­nung zu bringen und den allgemeinen Wohlstand herbeizu­führen. Man braucht nur die Wurzel des Uebels richtig zu erfernen und sie dann zu beseitigen.

Von der Autonomie der Hochschule wird in einem ganz falschen Sinne gesprochen; man denkt dabei an eine Selb­ständigkeit der Universität gegenüber der Polizei und den anderen Organen des Staates. Das ist falsch. Seit Jahrhunderten ist diese Autonomie versch munden. Die Universitäten sind wie die übrigen Einrichtungen des Staates nichts als staatliche Organe mit allen daraus folgen- Diese Ueberlegung ist an sich gar nicht falsch, sie enthält den Pflichten. Die akademische Selbstverwaltung bezieht sich vielmehr einen ganz richtigen und sehr gefunden Gedanken. nur auf innere Dinge, auf Studienpläne, Vorlesungen, Die Wirtschaftskrisen werden durch menschliche Hand­Doktorprüfungen, Zulassung der Privatdozenten, aber auch Iungen verursacht, und sie können nur durch die grund­das nur, someit der Staat durch seine Gesetze der Universität diese Rechte verleiht. Der Staat kann sogar das höchste Hoch- legende Aenderung der Handlungsweise der Menschen, näm Handlungsweise schulrecht, das Promotionsrecht, jederzeit einer Faful- lich ihrer wirtschaftlichen tät oder einer Hochschule entziehen, wenn er glaubt, daß überwunden werden. Die große Frage ist aber die, wie man dafür ein Grund vorläge. Der Rektor der Hochschule hat als diese grundlegende Aenderung der wirtschaftlichen Hand­Leiter dieser inneren. Selbstverwaltung mie jeder andere lungsmeife vermirflichen ran, nämlich wie man die Menschen Hausherr das Recht, die Hausordnung auszuüben; er dazu bringt, daß sie sich in ihren wirtschaftlichen Handlungen. fann also von sich aus oder mit Zustimmung der akademischen nach einem der gesamten Gesellschaft gemeinsamen Ziel erlassen und kann Studenten, die gegen die Hausordnung Gesichtspunkt des gemeinsamen Ziels überhaupt zwischen Organe Vorschriften. über die Wahrung der Hausordnung richten. Denn nur in diesem Falle würde es möglich sein, vom verstoßen, durch die Disziplinargerichte der Universität be­strafen lassen. Aber seine Machtmittel enden natürlich, wenn Sonst fann man nicht einmal einen Dieb überzeugen, daß er Ber- strafen falschen und richtigen Handlungen zu unterscheiden. es sich nicht um leichte Vergehen gegen die Disziplinarordnung handelt, sondern um schwere Berstöße gegen die all falsch" handelt, indem er seinen Beruf ausübt. Wirtschaft­gemeinen staatsbürgerlichen Pflichten. Um es ganz deutlich liche Handlungen, die zu einer Krise führen, müssen nicht in auszudrüden: Der Polizeipräsident von Berlin fann selbst dem Sinne falsch sein, daß sie nicht zwedentsprechend verständlich jeden Augenblick die Universitäts - find, sie können vielmehr den 3weden, die in der gegen­gebäude besegen lassen und für Ordnung sorgen, wärtigen, d. h. in der kapitalistischen Wirtschaft von den ein­wenn die Machtmittel des Rektors versagen. Der Polizei zelnen gestellt werden, vollkommen entsprechen und trotzdem präsident hat sogar die Pflicht, das zu tun, wenn er es in ihrer Wirkung auf das Schicksal der breiten Massen ver­für notwendig hält. Bei früheren Unruhen hieß es, daß das Rultusministerium dem Innenministerium gegenüber auf die Autonomie der Universität Berlin " aufmerksam gemacht und das Innenministerium gebeten hätte, die Polizei nur dann einzusetzen, wenn der Rektor ausdrücklich den Einsatz der Polizei wünschte. Eine solche Auffassung würde dem geltenden Recht widersprechen, die notwendige staatliche Ord­unung gefährden und die Universität mit einer Verantwortung belasten, die ihr zu schwer ist. Es ist die höchste Zeit, daß die Staatsregierung in aller Deffentlichkeit feststellt, daß die Krawalle an den Universitäten nicht nur das deutsche Ansehen in der Welt empfindlich schädigen, sondern auch die öffentliche Ruhe und Ordnung stören und deshalb von der Polizei ver­hindert werden müssen. Die Regierung darf randalierende junge Leute, die auf Kosten des Staates studieren, nicht anders behandeln als andere Unruhestifter. Die Polizei darf sich nicht einreden lassen, daß im modernen Staat Rechtsauffaffungen herrschen, die im Mittelalter ihre Berechtigung gehabt haben mögen. Während die deutsche Arbeiterschaft schwerste Opfer für den Bestand des Staates bringen muß, darf sich eine übermütige Jugend nicht erlauben, sich gegen die Autorität des Volksstaates in der schwersten Weise zu vergehen.

Eine ähnliche Entschließung aller freiheitlichen Studentengruppen wurde gestern dem Rektor überreicht. Sie ist unterzeichnet von: Akademische Fliegergruppeim Sturmvogel"; Deut scher Studentenbund, Kreis Berlin ; Demokratische Studentengruppe; Deutscher Republikanischer Studentenbund; Freiheitliche Studenten­schaft an der Universität; Hochschulgruppe der Volksnationalen Aftion; Jungdeutsche Studentengemeinschaft; Paneuropäische Studen­tengruppe; Studiengemeinschaft der 3entrumsstudenten; Sozialistische Studentenschaft; Sozialistischer Hochschulausschuß; Studentengruppe der Freien Turnerschaft, Volkskonservative Studentengruppe; Hochschul­gruppe der Deutschen Volkspartei "

Der Kampf der sozialistischen Studenten.

In einer überfüllten Kundgebung im großen Saal des Lehrervereinshauses, die von den sozialdemokratischen Studenten am Mittwoch einberufen war, protestierten ein öfter reichischer und ein deutscher Redner unter dem stürmischen Beifall der Versammelten gegen die Krawallszenen der letzten Tage, die sich an der Wiener und Berliner Universität abgespielt haben.

Genosse Hisinger- Wien, der Leiter der österreichischen Settion der sozialistischen Studentenschaft, ging besonders auf Sektion der sozialistischen Studentenschaft, ging besonders auf die nun fast zehnjährige Geschichte der Wiener Hochschulframalle ein. Die Nazis demonstrieren seit dem Bestehen der österreichischen Republik besonders gern an der Wiener Hochschule gegen die sozia listische Landesregierung von Wien , gegen ihre Maß­nahmen der Studienreform, die Tausenden von Arbeitern die Hoch­schule eröffneten, gegen Verjudung und anderes mehr. In diesem Jahre war die Ablehnung des neuen Studentenrechts durch den Verfassungsgerichtshof nur ein Vormand. Vor allem sollte dem im Juli in Graz stattfindenden Bundestag der sogenannten deut­ schen Studentenschaft ein würdiger Auftakt bereitet werden. Dester­reicher waren es ja auch gewesen, die überhaupt die Rassenfrage und ähnliche wichtige Probleme in die Diskussion der Studententage hineingeworfen hatten. Mit dieser Rassenfrage sollen die Röpfe der bürgerlichen Intellektuellen, die feine gesicherte Eristenz mehr haben, vernebelt werden. Es soll verhindert werden, daß

diese Schichten, die jetzt auch weiter nichts als Lohnempfänger find, sich der Klassenbewegung der Arbeiterschaft anschließen. Um diese Schichten müssen wir immer von neuem einen erbitterten Kampf mit der Reaktion führen.

Genosse Berlowitz, der Vorsitzende der deutschen sozialisti schen Studentenschaft. Hagte insbesondere die Unschlüssigkeit und 3aghaftigkeit des Rektor der Berliner Universität an. die nationalsozialistischen Krawalle ermöglicht und begünstigt zu haben. Der Rektor ist aber nur ein Vertreter des gesamten deutschen Bürgertums, das im Zeitalter der Notverordnung mit unerhörter Gleichgültigkeit der Not der Boltsmassen und dem Verzweiflungs produkt der notleidenden Kleinbürger, dem Faschismus, gegenüber­teht. Angebliche Sozialisten verhetzen die studierende Jugend. Gegen fie richtet sich unser Kampf um eine wahrhaft sozialistische Gesinnung und um den Gedanken der sozialen Gerechtigkeit, der auch auf den Hochschulen durchgesezt merden muß.

Böllige fommunistische Reorganisation. Eine Versammlung kommunistischer Studenten im Nordi­fchen of am Stettiner Bahnhof wurde gestern abend von der Polizei ohne Schwierigkeiten aufgelöst.

Charakteristisch für die kommunistische Studentenschaft ist es, daß die Berliner Leitung der Roten Gruppe" von der Reichslei­tung abgesetzt wurde, weil sie angeblich zu reformistisch vorging. Wie wir erfahren, hatte ein mit dem weiteren antifaschistischen Kampf beauftragter Kommunist, der bezeichnenderweise tein Student ist, die Absicht, die Unruhen in der Universität mit den allgemeinen Unruhen außerhalb der Universität zu ver­binden. Diese politische Kinderei wurde von allen Studenten von Linksgruppen einschließlich der Roten Studentengruppe stritte ab­gelehnt. Im Berlauf einer Funktionärbesprechung zwischen den roten Studenten und KPD. - Leuten entstand dann eine Schläge rei, die mit einem wilden Durcheinander in der Roten Studenten gruppe endete. Durch wüste Beschimpfungen der bisherigen Funt tionäre und durch unsinnige Kampfforderungen haben die KPD.­Leute also erreicht, daß die ohnehin schon uneinheitlichen fünf tommunistischen Studentengruppen an der Universi­töt nölliger Auflösung überliefert find. Das find die Einheitsfront parolen tapferer fommunistischer Revolutionäre!

heerend sein.

Mit der Frage nach der Möglichkeit, die Wirtschaftskrisen zu überwinden, wird das ganze Problem der Verwirklichung einer neuen Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung aufgerollt. Damit gewinnt man aber kein Patentmittel für die unverzüg= liche Aenderung der unerträglich gewordenen Lage. Indessen wollen viele diese Umgestaltung der Wirtschaftsordnung gar nicht, weil sie an dem kapitalistischen System in ihrem, richtig oder falsch verstandenen Interesse festhalten, die anderen wollen zwar diese Umgestaltung, verzweifeln aber, da sie ent­weder keinen Weg sehen oder vor den Schwierigkeiten des Weges erschrecken. Sehr viele sehen das ganze Problem über­haupt nicht, sondern lassen sich durch den Glauben leiten, daß es ein prompt und sicher wirkendes Mittel gegen das gegen­wärtige Elend geben muß. Sie sind es vor allem, die den Wunderdoktoren nachlaufen, die jetzt geradezu massenweise mit ihren Patentmitteln auftreten. In dieser furchtbaren Krise hat sich eine Hochkonjunktur für die Wunderdoktoren

entwickelt.

Der Wunderglaube unserer Zeit, aus einer tiefen Tragik des menschlichen Schicksals entstanden, darf fein Gegenstand der Verhöhnung sein. Von den Wunderdoktoren sind jedoch diejenigen als schlimmste Feinde zu bekämpfen, die diesen Wunderglauben zu dunklen politischen Zweden mißbrauchen. Das ist aber nur ein Teil der vielköpfigen und sehr bunt zusammengesetzten Schar. Mancher andere wird durch den Ehrgeiz getrieben, als Retter aus der Not zu erscheinen. Man wird auf einmal populär, wenn man einen verblüffenden Rettungsplan veröffentlicht. Das Risiko, nach­träglich blamiert zu werden, existiert für diese Wunderdoktoren aus Eitelkeit nicht, weil auch die Gefahr, daß ihre Pläne ner­mirklicht werden, nicht existiert. Es gibt aber noch eine dritte Gruppe, nämlich diejenigen, die selbst an ihre Entdeckungen" oder Erfindungen glauben, die, von ihrem eigenen Wunder­glauben getragen, zum Sprachrohr der Massen der Gläubigen werden, die den vagen Vorstellungen eine äußerlich flare Form und eine angebliche wissenschaftliche Begründung geben.

Wir beobachten dabei die Wiederholung einer schon Jahrhunderte alten Geschichte. Die Rettung wird fast aus­nahmslos auf einem Gebiete gesucht: sie muß von der Geldseite fommen, durch irgendwelche Geld bzw. Kredit­reform. Dies entspricht wiederum ganz primitiven und nahe­