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Gebrüder Lahusen verhastet

Vom Schloß in die Zelle/ Konkursverbrechen und Betrug aufgedeckt

veium Sonnabend IS.M 1931

10 Pf. Nr. 332 B 166 48. Jahrgang

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mikllungen des Uutersuchungsrichlers ergaben nicht nur zahl- reiche verstöhe gegen die Bestimmungen des Handelsgesehbuches, sondern auch konkursverbrechen. Betrug durch Zührung von Geheimkonten, falschen Buchungen und Einstellung fingierter Konten in die Bücher und Bilanzen. Cr handelt sich hier hauptsächlich um die Schiebungen mit der Amsterdamer Gründung Ultra Ulare, die das Sammelbecken für Kapitalslucht und Steuer­hinlerziehungen des Konzerns geworden war. Hoch nicht aufgeklärt sind die Beziehungen der Ultra ZNare zur argentinischen Firma tahusen. Unbekannt ist auch, wo mindestens 100 Millionen von den verlorenen Geldern geblieben sind. Die Bevölkerung Bremens nahm die Meldung von der Ber- Haftung der Grohschieber und Grohbelrügec mit Genugtun ng auf und erwartet, daß das verfahren ohne Rücksichtnahme auf die wirtschaftliche Stellung der verhafteten und ihre zahlreichen einflußreichen verwandten in hohen und höchsten Stellungen der Gesellschaft des Staates und der Justiz rück- sichlslos dur chgefühul mkj. Oer jüngste Lahusen nicht verhastet. Die Staatsanwaltschaft hat bisher davon abgesehen, auch Friedet Lahusen, den dritten Bruder, in Haft nehmen zu lassen. Dieser Lahusen war nur in der Verkaufsorganisation tätig. Der Verdacht, daß auch er an den Straftaten seiner Brüder beteiligt war, scheint der Staatsanwaltschast noch nicht genügend ge- kräftigt.

Wahrscheinlich trüber Sonntag Unter dem Einfluß eines von Irland nach dem Osten vorge- drungenen Tiefdruckgebietes, das heute früh mit seinem Hauptkern über der Nordse elagerte, ist abermals eine erhebliche Wetter- Verschlechterung zum Wochenende eingetreten. Seit heute vormittag regnete es unaufhörlich und erst in der Nacht zum Sonntag dürften die Nkederschläg« auf- hören. Zur Zeit sind aber erneut ozeanische Luftmassen, die an der Südseite der Depression entlanggleiten, im Anmarsch. Für Sonntag ist daher mit wechselnd bewölktem Himmel bei ver- einzelten Schauern zu rechnen.

Achtung, Arbeiterolympiade! Am 23. Juli treten die Ausreisegebühren in Kraft. Die Reichsregierung plant heute die Herausgabe einer Verordnung gegen die Kapitalflucht, um den Devisen- abstrom, der durch den starken deutschen Reiseverkehr nach dem Auslande entsteht, einzuschränken. Es ist die Er- Hebung einer Ausreisegcbühr von Ivv M. für jede Person in Aussicht genommen. Wenn es auch Ausnahmen von dieser Vorschrift gibt, so soll durch diese hohe Gebühr doch erreicht»verden, daß der, der nicht aus zwingenden Gründen ins Ausland fahren muß, in Deutschland bleibt und auf diese Weise Beträge von mehreren hundert Millionen Mark an ausländischen Zahlungsmitteln erspart bleiben. Diese Bestimmung der neuen Kapitalfluchtverordnung wird a m 2 3. Juli in Kraft treten. Alle Teilnehmer der Arbeiterolympiade in Wien , die bis zu diesem Tage mittels Eisenbahn oder anderer Verkehrs» mittel die deutsche Grenze passieren, werden also ohne- dies von dieser Gebühr nicht betroffen. Da einige Sonderzüge aber erst am 22. abends den Ausgangsort verlassen und eventuell erst am 23. früh die deutsche Grenze passieren, so wird der Reichsfinanzminister an- ordnen, daß die Teilnehmer mit diesen Zügen ge» bührenfrei die deutsch « Grenze überschreiten dürfen. Dasselbe ist für die mit Festtcilnehmerkarten ausge- statteten Personen geplant, die zu Fuß oder mit anderen Verkehrsmitteln nach Wien gehen. Immerhin tun diese Teilnehmer gut, die Grenze biszum2 2. Julizu über- schreiten. (Siehe auf Sportteil!)

Auf Wilhelms Spuren. Die Scharfmacher steigen zum Volle herab. Am 11. September 1918, genau zwei Monate vor dem Zusammenbruch, ließ Wilhelm IL die Kruppschen Arbeiter versammeln, um eine Rede an den schlichten Mann aus der Werkstatt zu halten. Der Zusammenbruch war bereits un- vermeidbar, in der letzten Verzweiflung stieg Wilhelm zum Volke herab.Schon lange hat es mich in diesem Kriege zu Ihnen hingezogen", so begann er.E s h ä t t e m a n ch e s anders gemacht werden können, und daß darüber hie und da Miß st immung herrscht. i st kein Wunder" mit diesen Worten wollte er den heraufziehenden Sturm beschwören.Es ist jetzt keine Zeit f ü r P arte i u n gen, w ir m ü sse n un s jetzt alle zusammenschließen zu einem Block" so warb er um die Arbeiter. Mit der Anrede S i e begann er. Aber er konnte nicht aus seiner Haut. Seine Rede schloß: Und nun lebt wo hl, Leute!" Die rheinisch-westfälische Schwerindu» st r i e, die Scharfmacher von der Ruhr, fürchten den Sturm. Der Ruf der deutschen Sozialdemokratie an das deutsche Volk, die Schuldigen zu erkennen und entschiedene Umkehr herbeizuführen, hat sie hart getroffen. Wie Wilhelm im September 1918, so wenden sich jetzt die Scharfmacher von der Ruhr an die Arbeiterschaft ihrer Betriebe. Sie haben in ihren Werken einen Gegenaufruf gegen die Kundgebung der Sozialdemokratischen Partei anschlagen lassen, in dem es heißt: An unsere Angestellten und Arbeiter! Schwere Wirtschaftsnot lastet auf allen Schichten der Bevölke- rung. Aufs äußerste bedroht ist die Lebensgrundlage jedes einzelnen. Im Kampf um den wirtschaftlichen Wiederaufstieg sind wir um Jahre zurückgeworfen. Die in den Dienst politischer Machtbe- strebungen gestellten rücksichtslosen Kreditkündigungen seitens unserer ausländischen Gläubiger haben die Blutleere unseres Wirtschafts- körpers verhängnisvoll offenbart. Selbst diese Stunde bitterster Not nützt die Sozialdemokratie aus, parteipolitische Geschäfte zu be- treiben, um ihre Selbscherrschaft zu stärken. In einem Kampfe, in dem Wertsleitung und Arbeiter mehr denn je auf Gedeih und Verderb zusammengehören, ruft sie in ihrer KundgebungAn das deutsche Volk!" zu einem verhetzenden und zerklüftenden Klassen- kämpf auf... Mit aller Entschiedenheit weisen wir es zurück, daß einzelne von uns selbst aufs schärfste verurteilte Auswüchse privatkapitalistisch-r Betätigung aus durchsichtigen Gründen verallgemeinert und der Ge- samtwirtschaft zur Last gelegt werden. Solche unehrlichen Methoden brandmarken sich selbst als ein Versuch, die Schuld auf den anderen abzuwälzen nach dem Motto: Haltet den Diebl Mit einzelnen Fehlhandlungen und Zusammenbrüchen einer mißhandelten Privatwirtschaft will man die tausendfach größeren Fehler und Mißstände der halbsozialisti- schen öffentlichen Wirtschaft verdecken. Es ist nicht wahr, daß das private Unternehmertum nach Rettung durch den Staat und nach der Hilfe des Aus- landes ruft... Nicht ein Kampf aller gegen alle, der die aufbauwilligen Kräfte lähmt und zerstört, sondern ein Kampf aller für alle ist dringendes Gebot der Stunde. Nur wenn wir, anstatt gegenein- ander zu hetzen, miteinander und füreinander zu- sammenhalten, dürfen wir hoffen, die deutsche Wirtschaft und damit das ganze deutsche Volt gegen den- Ansturm von draußen zu sichern. Verein für die bergbaulichen Interessen. Nordwestliche Gruppe des Vereins Deutscher Eisen- und Stahlindustrieller. Verein zur Wahrnehmung der gemeinsamen wirtschaftlichen Inter­essen in Rheinland und Westfalen . Es hätte manches anderes gemacht wer» den können, und daß darüber hie und da Mißstimmung herrscht, ist kein Wunder" so Wilhelm. Die Scharfmacher von der Ruhr reden jetzt von Auswüchsen privatkapitalistischer Betätigung", von ein- zelnenFehlhandlungen", die sieauf das schärfste ver-

Bremen , 18. Juli. Die Ermittlungen des Untersuchungsrichters in Sachen des Zusammenbruches der Norddeutschen Woll- kämmerei und Kammgarnspinnerei in Bremen G. C. La­husen haben nunmehr zu dem Ergebnis geführt, daß dringender Tatverdacht besteht, daß nicht nur, wie bisher angenommen. Vergehen gegen die Be- stimmungen des Handels gesehbuches, sondern darüber hinaus Konkursverbrechen und Betrug durch F ü h r u ng von Gcheimkonten, falsche

Buchungen und insbesondere Einstellung sin- gierter Forderungen in Frage kommen. Darauf- hin ist am Freitagnachmittag auf Antrag der Ttaatsan- Waltschaft der Haftbefehl gegen die Angeschuldigten Karl und Heinz Lahusen erlassen und voll- streckt worden, weil nunmehr Fluchtverdacht gesetzlich begründet ist. Auf Schloß Hohehorst verhastei. Bremen , 18. Juli. (Eigenbericht.) Das Belastungsmaterial beim Untersuchungsrichter hatte sich derart angehäuft, daß eine Verhaftung der Brüder Lahusen nicht mehr zu umgehen war, da selbst der Untersuchungsrichter zu der Ueberzeugung kam. daß nunmehr v e r- dunkelungsgesahr und Fluchtverdacht vorliegen. Die beiden Brüder Gustav Karl und Heinz Lahusen wurden um 9 Uhr früh verhastet. Gustav Karl befand sich, als die Kriminalbeamten mit dem Haftbefehl vorsprachen, aus seinem Herrensitz Hohehorst gerade bei der Feier seines 44. Geburtstages. welch eine romantische und romanhuste Verhastungsszene! vom Prunkschloß mit den 117 Zimmern und den 12 marmornen Ladesluben in die Zelle des Unlersuchungs- gefängnisses! Heinz Lahusen wurde in feiner Bremer Wohnung verhaftet. Leide folgten bereitwilligst den Kriminalbeamten und gaben auch por dem Untersuchungsrichter bereitwillig Auskunft. Die Er-

ßuslav(Karl Jßahusen