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BERLIN Mittwoch 22. Juli

1931

Der Abend

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48. Jahrgang

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Günstiger Stand in London

Eine gemeinsame Resolution ausgearbeitet- Morgen Schluß der Konferenz

V. Sch. 2ondon, 22. Juli. ( Eigenbericht.)

In der heutigen Vormittagssitung, die bis kurz vor 1 Uhr dauerte, ist eine grundsätzliche Einigung über die wesentlichen Punkte einer Resolution erzielt worden, in der die Ergebnisse der Konferenz festgelegt werden sollen. Auch die Franzosen haben sich, wie auf deutscher Seite unterstrichen wird, durchaus positiv zu den Vorschlägen verhalten, die im wesentlichen dem neuen Hoover- Plan entsprechen und die Stärkung der Kredite Deutschlands und der Welt aussprechen.

In der Einleitung der Resolution wird der Satz auf gestellt, das die Aufrechterhaltung der finanziellen Stabilität Deutschlands im wesentlichen den Interessen der gesamten Welt entspricht. Es wird sich dabei um Empfehlungen der Regierungen an die Zentralnotenbant handeln.

Ueber gewisse Einzelheiten, insbesondere über die Modalitäten des Rediskont- Kredits werden die Finanz­minister heute nachmittag noch beraten und an die Plenar. Konferenz morgen vormittag berichten. Man hofft, daß die Konferenz morgen abend zu Ende gehen wird, so daß die deutschen Minister zusammen mit Macdonald, Henderson und vielleicht auch Stimson abreisen können.

Auf deutsche Anregungen hin dürften internationale Finanzkapazitäten von der Konferenz beauftragt werden, unverzüglich an Ort und Stelle, d. h. in Berlin , zusam menzutreten und zu prüfen, inwieweit die in London be­schlossenen Maßnahmen ausreichen und welche weiteren Maßnahmen den Regierungen evtl. empfohlen werden müßten.

Aus den heutigen Mitteilungen gehr hervor, daß die Londoner Konferenz nur zu einem vorläufigen Ergebnis gelangen wird, die jedoch in deutschen Kreisen als vor. Iäufig ausreichend angeschen wird. Eine spätere Regierungskonferenz ist aber in Aussicht

genommen.

Absage an die Stahlheimisten.

Die gebührende Antwort an die Bundesgenossen Hitlers .

Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, hat der preußische Innenminister auf das Schreiben der kommunistischen Landtagsfraktion folgende Antwort an den Abg. Schwent erteilt: ,, An die Landtagsfraktion der Kommunistischen Partei, zu Händen des Abg. Schwent, Berlin . Auf Ihr Schreiben vom 1. Juli teile ich Ihnen mit, daß die preußische Staatsregierung es ablehnt, Maßnahmen zum Schuße der öffentlichen Ordnung und Sicherheit zum Gegenstand eines politischen Tauschhandels zu machen. gez.: Severing."

Autokatastrophe in Frankreich .

Drei Personen im Auto verbrannt.

Paris , 22. Juli.

Das große Radrennen der Tour de France war am Sonntag indirekt die Ursache eines schweren Automobilunglüds bei Besancon .

Drei junge Leute fuhren in einem Kraftwagen den Rennfahrern entgegen. Der Unglüdswagen wollte einem Motorradfahrer aus­weichen und rafte dabei gegen einen vor ihnen fahrenden Castwagen. Der Anprall war so heftig, daß der Benzinbehälter des Personen­wagens platte und der Brennstoff sich über den heißen Motor ergoß. Im Nu stand der ganze Wagen im Flammen. Die drei 3afaffen verbrannten bei lebendigem Ceibe, da wegen der ungeheuren Higeentwicklung niemand die Berunglückten aus dem Wagen befreien fonnte.

Morgen wieder Lohnzahlungen

Beruhigung der Sparer

zahlungen in Handel und Industrie glatt erfolgen tonn- Durch diese Beruhigung des Sparerpublikums wird es aller Vor. Nachdem in der vergangenen Woche die fälligen Lohn-| haben, 37 000 von 900 000 Sparern sich Geld auszahlen ließen. ten, steht am morgigen Donnerstag der zweite Lohnzahltag im aussicht nach möglich sein, am Freitag Beträge bis zu 50 M. Zeichen der Notverordnung vor der Tür. Wie uns die beiden größ- auszahlen zu können. Die entsprechenden Verhandlungen mit ten Gewerkschaften Berlins , der Deutsche Metallarbeiter- den Sparkassen sind eingeleitet. den Ortsverwaltungen dieser Verbände keine Nachrichten von den verband und der Gesamtverband, mitteilen, liegen auf zahlreichen Betriebsvertrauensleuten vor, daß irgendwo die Lohn­zahlungen etwa nicht erfolgen sollen. Beim Deutschen Bau­gewerksbund sind zur Stunde die Gewerkschaftsangestellten auf den einzelnen Baustellen noch unterwegs, um sich neben anderem auch über die Lohnzahlungen zu vergewiffern.

Im Laufe des heutigen Mittwoch hat sich das Sparer publitum meiter beruhigt. Vor der Haupttasse am Mühlendamm sind die Ansammlungen nur noch gering und nicht mehr mit denen vom Montag zu vergleichen. Ebenso ist das Bild vor den einzelnen Filialen der Städtischen Sparkasse. Wie uns von der Direktion mitgeteilt wird, haben am Dienstag insgesamt 31 000 Kunden Beträge bis zu 20 m. abgehoben. Das sind 6000 Bersonen weniger als am Montag, wo, wie wir gemeldet

Das Kabinett berät.

Wegen Finanzierung der Ernte.

Das Reichstabinett befaßte sich am Dienstagabend in einer Sigung, die bis nachts ein Uhr dauerte, u. a. mit der Finan zierung der Ernte und den in dieser Frage, durch die Ser auffezung der Lombardzinsen auf 15 roz., auf­getauchten außerordentlichen Schwierigkeiten.

Die Beratungen werden heute fortgefeßt. Es ist zu er warten, daß die Regierung in diesen Tagen zur Behebung der Schwierigkeiten mit einem bestimmten Programm vor die Deffent­lichkeit tritt.

Auslandsreiseverkehr lahmgelegt

Leere Auslandsschalter auf den Reisebüros

Durch die Notverordnung über die Erschwerung des Grenzüber­trifts ift feit geffern nacht 12 Uhr der Reiseverkehr deutscher Staatsangehöriger nach dem Ausland so gut wie

lahmgelegt.

Wie wir von der Direktion des Mitteleuropäischen Reisebüros erfahren, werden vom deutschen Reisepublikum fast teine Fahr. farten nach dem Ausland mehr verlangt. Allerdings fann man nicht von einem völligen Stilliegen der einzelnen Auslands­schalter sprechen, da ja immer noch eine ganze Reihe von Ausländern zur Zeit in ihre Heimatländer zurückreisen; diese Personen fallen

Genoffe Walter Scherenels generaljekretär des Internationalen Gewerkschaftsbundes , amtiert jetzt in Berlin

nicht unter die 100- Mart- Verordnung. Wer von Reichsdeutschen im Auslande zu tun hat, benutzte die bis Dienstagmittag abgehenden 3üge, um noch vor 12 Uhr nachts die entsprechenden Grenzstationen überschreiten zu fönnen. Go haben große Maschinenfabriken, die Montagen im Auslande auszuführen haben, ihre Monteure bereits am Montag oder Dienstag früh ins Ausland geschickt, um für diese Arbeiter nicht noch die 100 Mark zu zahlen. Das Mitteleuropäische Reisebüro hat sich zusammen mit den anderen großen Institutionen des Fremdenverkehrs fofort an das Reichsverkehrsministerium ge­wandt, um eine Aufhebung der 100- Mart- Verordnung durchzusezen. Man steht in diesen Kreisen auf dem Standpuntt, daß die Er. schwerung des Grenzübertritts nur die kleinen Leute schädigt, wer von vermögenden Personen zu irgendwelchem 3wed ins Ausland fahren will, wird es nicht schwer fallen, die Gebühr von 100 Mark zu entrichten.

Die Berliner Gebührenstelle.

Für die Entgegennahme dieser Gebühren hat das Berliner Polizeipräsidium im Zimmer 38a feines Ge. bäudes am Alexanderplatz eine besondere Dienst stelle eingerichtet. Provisorisch ist ein Teil des großen Saals, in dem sich die Baßstelle des Fremdenamts befindet, für die Abstempelung der Reisepässe nach Zahlung der 100 Mark eingerichtet worden. Wie am gestrigen Diens­tag, also furz vor dem Eintritt der Grenzsperre, herrscht auch am heutigen Mittwoch ein lebhafter Publikumsverkehr in dieser neuesten Dienststelle des Polizeipräsidiums. In der Hauptsache handelt es sich um Auskünfte, die verlangt werden, ob nicht die drafonische Verord nung doch nicht irgendwo eine Lücke gelassen hat, um ohne die 100 Mart über die Grenze zu kommen. Diese Möglichkeiten sind aber nur außerordentlich gering. Wie zu beobachten war, versuchen Auss verschiedene Reiselustige sich als Auswanderer zu tarnen. wanderer brauchen bekanntlich die 100- Mart- Gebühr nicht zu ent­richten. Im Laufe des gestrigen Dienstag haben immerhin noch 89 Reichsdeutsche ihre Pässe abstempeln lassen und die 100 Mart bezahlt.

Bildungsreisen unterbunden.

Ganz außerordentlich schwer ist das Reisebürodes Reichs. ausschusses für sozialistische Bildungsarbeit durch die Reisesperre betroffen worden. Während für den Monat Juli glüdlicherweise alle Reisegesellschaften sich schon im Ausland befinden, ist die Lage für den kommenden August noch völlig ungeklärt. Am