Einzelbild herunterladen
 

BERLIN Freitag 24. Juli

1931

Der Abend

Erscheinttäglich außer Sonntags. Sugleich Abendausgabe des Vorwärts". Bezugspreis beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, 3,60 M. pro Monat. Redaktion und Expedition: Berlin SW 68, Lindenstr.3 Fernsprecher: Donhoff( A 7) 292-297

66

Spälausgabe des Vorwärts"

10 Pf.

Nr. 342

B 171

48. Jahrgang

Anzeigenpreis: Die einspaltige Nonpareillezeile 80 Pf., Reklamezeile 5 M. Ermäßigunaen nach Tarif. Bosscheckkonto: Vorwärts- Verlag G.m. b... Berlin Nr. 37 536. Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor!

-P

Von Stalin zum Stahlhelm

Das kommunistische Aufgebot für Prinz Auwi

Regierung des Mondes.

Der geistige Banfrott der Kommunistischen Partei.

"

Das Zentralfomitee der KPD. erläßt einen Aufruf für den Bolfsentscheid des Stahlhelm und der Hafenfreuzler. Dieser Aufruf ist das grotesfeste Fabrikat, das jemals die fommunistische Parolenfabrik verlassen hat! Es gibt nur einen Ausdrud, um diese Politit" und diese Begründung zu bezeichnen: Krampf! Wie sie sich drehen und winden, um die Stahlhelmattion auf fommunistisch zu frisieren! Wer den tommunistischen Arbeitern solches zuzumuten wagt, der muß fie verachten wie Ruth Fischer , die sich höhnend rühmte, fie fönne fommunistischen Arbeitern die Parole Regierung des Mondes" vorjeßen, und sie würden fie fressen!

Hier sind einige Glanzpunkte der neuen ,, Regierung des Mondes":

Mit ihrer Politik sind Braun und Severing die Bahn

brecher des Faschismus geworden."

Deshalb müssen sie von Kommunisten und Stahlhelmern Arm in Arm gestürzt werden, damit der Stahlhelm regieren fann. Wunderbare Logif!

Der jeßige Preußen- Landtag, dieses Werkzeug Brauns und Severings, muß verschwinden!"

... damit ein Landtag zustande kommt, der ein Werk­zeug der Hitler, Hugenberg und Düsterberg ist!

Die Kommunistische Partei reicht bei der Durchführung des Boltsentscheids den sozialdemokratischen Arbeitern die Bruder­hand.

indem sie gemeinsame Sache mit den schlimmsten Feinden der Arbeiterschaft macht und sie hinter 1918 zurück­werfen will! Diese Bruderhand für die sozialdemokratischen Arbeiter umflammert fest den Stimmzettel für den Stahl­helm, für die kaiserlichen Generäle und die Hohenzollern­prinzen.

,, Sie zeigen, daß nur die Kommunistische Partei der Todfeind der Hitlerschen Reaktion ist."

Natürlich, nur aus Todfeindschaft will die KPD . Hitler zur Herrschaft in Preußen verhelfen! Wir bedauern die kommunistischen Arbeiter, die sich plötzlich für den Faschisten marsch auf Berlin begeistern sollen! Wir bedauern sie, wenn wir an die geistige Hilflosigkeit denken, in die sie versetzt werden! Am 10. April rief ihnen die Rote Fahne " zu: ,, Kein Werktätiger darf sich verleiten lassen, ge. meinsam mit den Mord. und Streik. brecherbanden der Nazis und des Stahl. helms, gemeinsam mit den Börsen fürsten, Zunkern und Inflationsgewinnlern für deren Volksbegehren aufzumarschieren!" Heute heißt es: macht gemeinsame Sache mit den Mord und Streifbrecherbanden der Nazis und des Stahlhelms, gemeinsam mit den Börsenfürsten, Junkern und Inflations gewinnlern!

Jetzt ist es an der Zeit, in allen Betrieben die fommu­nistischen Arbeiter über den hilflosen Krampf der tommunistischen Politit aufzuklären! Wir möchten den kommunistischen Arbeiter sehen, der auch nur ein Wort der Entgegnung zu stammeln weiß auf die einfache Feststellung, daß er auf Befehl der Thälmann , Heinz Neumann und Münzenberg feinen Stimmzettel abgeben soll für den Prinzen Auwi!

Wie macht man Weltrevolution? Man verhilft den alten Generalen und den Hohenzollernpringen zur Macht in Preußen. Es heißt nicht mehr heil Moska u!", sondern ,, heil Prinz Aumi!"

Am 10. April 1931 schrieb die ,, Rote Fahne ": ,, Wie wenig dieses faschistische Volksbegehren eine Angelegenheit der werftätigen Massen ist, zeigt die Tatsache, daß einer der eifrigsten Propagandisten für diese Stahlhelm- Aktion neben der Presse des Großkapitalisten und Inflationsgewinnlers Hugenberg ,, Berliner Börsenzeitung", das Organ der von den Razis jo bekämpften" Bank fürsten Börsenjobber ist."

-

die

und

Wieder Sparer- Schlangen

Die Erhöhung der Auszahlungsgrenze von 5 auf 10 Prozent

Die feit gestern etwas geloderte Zahlungsweise hat heute wieder bei den Sparkaffen zu einem außerordentlich lebhaften Geschäfts­bei den Sparkaffen zu einem außerordentlich lebhaften Geschäfts­verkehr geführt.

Wie in der vergangenen Woche und am letzten Montag stellten sich in den frühen Morgenstunden schon zahlreiche Sparer vor den einzelnen Filialen der Städtischen Spartasse an. So standen heute früh selbst vor denjenigen Zahlstellen wieder Schlangen, die in den vergangenen Tagen einen fast normalen Zahlungsverkehr aufzuweisen hatten. Infolgedessen mußte die Polizei zur reibungslosen Regelung der Auszahlungen heut wieder Doppelposten stellen. Auch vor der Haupttasse a m Mühlendamm sind die Ansammlungen von Sparkunden wieder stärter, reichen allerdings nicht an den Massenandrang heran, wie er in der vorigen Woche noch zu beobachten war. Algemein find die Sparer enttäuscht, daß die Freigrenze nur von 20 auf 30 Mart

=

erhöht worden ist und nicht, wie ursprünglich beabsichtigt war, auf 50 Mart. Es muß hierzu allerdings gesagt werden, daß bei der Vielzahl der kleinen Konteninhaber, die nur über den allernotmen­digsten Spargroschen verfügen, die 30- Mart- Grenze nicht das Ent­scheidende ist, sondern die jetzt auf 10 Pro3. herausgesezte Repartierung der Auszahlungen. Wer also ein Sparguthaben von 250 Marf besitzt, fonnte bis Mittwoch nur 12,50 Mart ab­heben, ab heute auch nur 25 Mart. Die fleinen Sparer erreichen also ohnedies die 30- Mart- Grenze nicht. Es wird darauf hingewiesen, daß auch in der Zeit vom Donnerstag bis zum Dienstag nur einmal Abhebungen gemacht werden dürfen.

Auch im Berliner Banten viertel herrscht heute ein

lebhafterer Verkehr. Einesteils werden Summen für Löhne und

Gehälter abgehoben, andererseits fönnen ab heute wieder Schecks torgelegt merden. Allerdings unterliegt die Einlösung der Schecks noch den allgemeinen Beschränkungen des Zahlungsverkehrs.

Rongreßbeginn in Wien

Büro und Frauenkonferenz

Wien , 24. Juli.

Unter dem Vorsiz Banderveldes trat gestern das Büro der Sozialistischen Arbeiter Internationale zusammen. Anwesend waren: Brace Frankreich, Wels- Deutschland , Gillies England, Albarda- Holland, Moeller- Schweden, Grimm- Schweiz, Modigliani­Stalien, Abramowitsch- Rußland, Bauer- Desterreich, Adler( Sekretär) und van Roosbroed( Kassierer). Das Büro beriet über die Orga­nisation und das Arbeitsprogramm des Kongresses.

An dem heutigen Beginn des Internationalen Sozialistischen Frauenfongresses nahmen etwa 300 Frauen, Delegierte von

Bericht von der

Arbeiler- Olympiade

im Sportteil

27 Ländern, teil. Nationalrätin Adelheid Popp hielt im Namen der sozialistischen Frauen Desterreichs die Begrüßungs­ansprache an den Kongreß, in der fie u. a.' auf den Aufstieg der fozialistischen Frauenbewegung hinwies, deren Vertreter in zahl reichen Ländern auch wichtige Ministerposten besetzen fonnten und der Ende 1930 1 282 586 Frauen angehörten. Das Ziel der fozialistischen Frauenbewegung müßte sein: noch mehr Einfluß zu gewinnen als bisher und insbesondere auf die Gestaltung des Mutterschutzes und die Verbesserung der Lage der Ar­beiterinnen hinzuwirken. Sodann begrüßte Bürgermeister Seiß beiterinnen hinzuwirken. Sodann begrüßte Bürgermeister Seiz im Namen der Sozialdemokratischen Partei Desterreichs den Kongreß.

M

De Broudere entbot die Grüße der Sozialistischen Inter­nationale, wobei er u. a. ausführte: Die gegenwärtigen Ber­hältnisse zeigen, daß die menschliche Gesellschaft mehr 3u­fammenhalt, mehr Liebe, mehr Familiengeist braucht. Den Frauen steht hier eine große Aufgabe bevor. Zum ersten Thema: Die Wirkung der politischen Reaktion auf die Frei­heit der Frau" sprach Toni Sender Deutschland, die am Schluß dem Kongreß eine Resolution vorlegte, die u. a. besagt: Der Faschismus bedroht nicht nur die allgemeinen sozialen und politischen Errungenschaften, sondern er gefährdet auch im besonderen die politischen Rechte der Frau und ihre Unabhängigkeit in Gesellschaft und Beruf. Er peitscht die nationalistischen Leiden­schaften auf. Die in der Sozialistischen Arbeiter- Internationale zu­sammengeschlossenen Frauen sind sich daher ihrer Pflicht bewußt, im Kampfe gegen Faschismus und Reaktion in vorderster Front stehen zu müssen.

Kein Hubertusstock .

Außenminister Simson am Sonnabend hier Der amerikanische Außenminister Stimson wird am Sonn­abendnachmittag um 5.06 Uhr in Berlin eintreffen. Der Besuch gilt als inoffiziell.

Der englische Außenminister Henderson wird am Montag vormittag 8.38 Uhr in Berlin eintreffen. Ministerpräsident Mac= donald wird im Flugzeug auf dem Luftwege am Montagnach­mittag im Flughafen Tempelhof eintreffen. Die englischen Minister werden im Hotel Kaiserhof absteigen und bis Mittwoch in Berlin bleiben. Der Besuch von Hubertusstod fällt aus.

nistische Partei in der heutigen Situation, einer Situation von revo lutionärem Charakter, als selbständige Kraft ausgeschaltet und da durch zugrunde gerichtet wird."

Das war ganz richtig! Heute aber hat sich zu der Presse entscheid organisieren. Es ist dies ihre Pflicht, wenn sie des Herrn Hugenberg und dem Scharfmacherorgan ,, Bernicht wollen, daß die kommunistische Bewegung, daß die Kommu liner Börsenzeitung" nach eine weitere Propagan­distin für den Stahlhelm gesellt: die ,, Rote Fahne "! Sie schwört nicht mehr auf Stalin, sondern auf den Stahlhelm! Sie sind nicht mehr Stalinisten, sondern Stahlhelmiften!

Wir verstehen die Verzweiflung der kommunistischen Ar­beiter, denen jetzt von allen Ecken und Enden der Ruf: Stahlhelmiste n! entgegenſchallen wird. Boller Ver­zweiflung fordert das Organ der Rechtskommunisten, die Arbeiterpolitit", eine Aftion gegen den Stahlhelm­voltsentscheid und gegen die Stahlhelmisten von der KPD. ­Zentrale.

,, Die Mitglieder der KPD. müssen von sich aus eine Attion gegen die Beteiligung am Bolts.

Die sozialdemokratischen Arbeiter müssen jetzt den kom­ munistischen Arbeitern zeigen, wohin sie eine Politik führt, die mit der Parole ,, Regierung des Mondes" sie einst verhöhnte und die sie heute zum Stimmvieh für den Prinzen Auwi, den General von Madensen und den Ertronprinzen machen will! Wer die sozialdemo= kratische Erziehung vergißt, wer den soliden Boden der deut­fchen sozialdemokratischen Arbeiterbewegung verläßt, der wird von Stufe zu Stufe weiter heruntergestoßen, und schließ­lich heißt es dann, auf Befehl der kommunistischen Zentrale: Bon Stalin zum Stahlhelm!