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BERLIN Freitag 31. Juli 1931

Der Abend

Erscheinttäglich außer Sonntags. Sugleich Abendausgabe des Vorwärts". Bezugspreis beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, 3,60 M. pro Monat. Redaktion und Expedition: Berlin SW68, Lindenstr. 3 Fernsprecher: Donhoff( A 7) 292-297

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Nr. 354

B 177 48. Jahrgang

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80 Pf., Reklamezeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. Poftfcheckkonto: Vorwärts- Verlag G. m. b... Berlin Nr. 37 536. Der Verlag behält sich das

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Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor!

Programm im Dementi

Ein unglaublicher Mißgriff des Auswärtigen Amts

Die Presseabteilung der Reichsregierung hat auf Grund der Pressenotverordnung der B. 3. am Mittag" die B. am folgende Entgegnung geschickt:

,, Die B. 3. am Mittag". versucht in ihrer Ausgabe vom 30. d. M. in einem Artikel., Wirtschaftsplan der Reichs= regierung" den Eindruck zu ermeden, als ob gegenüber Frank reich durch ,, Aufgabe einer mißverstandenen Prestigepolitit" Kredite für Deutschland ftüffig gemacht werden könnten.

Dieser Versuch der Irreführung der öffentlichen Meinung ist aufs schärffte zurückzuweisen.

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Die Reichsregierung treibt feine Prestigepolitit", auch nicht Frankreich gegenüber. Die Politik der Reichsregierung dient ledig­lich dem Frieden, den deutschen Interessen und der Verständigung unter den Bölkern. Sie gründet sich auf die Tatsache, daß eine ausländische Anleihe als Hilfe aus den durch den Kapital­entzug entstandenen Schwierigkeiten nicht möglich ist. Die für eine Deutschlandanleihe geforderte Staatsgarantie Frankreichs , Englands und Ameritas ist in teiner Weise zu erhalten.

Die Ausführungen der B. 3. am Mittag" gefährden daher den Willen des deutschen Boltes zur Selbsthilfe und schwächen das Vertrauen auf seine eigene Straft, durch das in diesen Zeiten allein die Ueberwindung der Wirtschaftsnöte möglich ist."

Das ist nicht mehr fachliche Entgegnung, sondern politische Polemit, und noch dazu in der übelsten Form! Wenn die Gedankengänge, die in dieser Entgegnung mit so viel Selbstherrlichkeit und Ueberheblichkeit entwickelt werden, wirklich das Programm der Reichsregierung dar­stellen würden, so würde es schlimm um Deutschland stehen! Wir warnen auf das entschiedenste vor einem derartigen Mißbrauch der Breffenotverordnung! Der Verfuch, mit ihrer Hilfe die Presse zu uniformieren, wird die heftigste, nicht zu unterbindende Abwehr hervorrufen.

Wir protestieren gegen den unerhörten, ungezogenen und schulmeisterlichen Ton dieser Entgegnung, der bürokratische Selbstherrlichkeit ohne politisches Berständnis offenbart! Bir fordern, daß die Deffentlichkeit erfährt, wer die Verantwor tung für diesen unglaublichen Mißbrauch der Pressenotver­ordnung trägt!

Krause Gelahrtheit

Berfaffungsfeier verboten- Stahlhelmentscheid erlaubt!

Wie wir erfahren, hat der Reftor der Berliner Universität den Deutschnationalen, Stahlhelmern und dem Bölkischen Studenten­ring, unter dessen Flagge die Nazistudenten jetzt ihre Anschläge veröffentlichen, Aufrufe für den Boltsentscheid zum Anschlag in der Universität ausdrücklich genehmigt. Seit mann fühlt sich der Rektor an seine eigene Berordnung vom 5. Juni 1931 nicht gebunden? In dieser heißt es ausdrücklich: ,, An den Anschlag­brettern der studentischen Verbände dürfen nur die laufenden Mitteilungen dieser Verbände an ihre Mitglieder angeheftet werden", weiterhin der Anschlag von Flugblättern, Zeitungsab schnitten, Bildern, Karikaturen und anderem Propagandamaterial ist unzulässig".

Zieht man nun in Betracht, daß der Rektor auf Grund vor­stehender Berordnung politisch lintsgerichtete Studenten gruppen zahlreiche Anschläge verboten hat, darunter unglaublicher­weise die Ankündigung der Verfassungsfeier, in der Kultusminister Genosse Grimme sprach, und die für den Film Im Westen nichts Neues", so ist dem Rektor der Vorwurf nicht zu er sparen, daß er seine Amtstätigkeit in immer steigendem Maße zu einseitiger Begünstigung der rechtsraditalen Studenten ausnutt. Es wird nötig sein, daß das Kultus ministerium den Reftor ein wenig an seine eigene Berordnung er innert.

Teils heiter, teils wolfig

Für das Wochenende ist nach den bisher vorliegenden Anzeichen mit feils heiterem und teils woltigem Wetter zu rechnen. 3m großen und ganzen besteht aber die Tendenz zu einer weiteren Befferung.

Zur Zeit ist die Situation so, daß über dem südlichen Teil des Reiches hoher Drud liegt, der sich noch zu verstärten scheint. Morgen wird unser Gebiet auf der Nordseite dieses vielversprechen den Hochdruckgebietes liegen. Ob es schon zu einer völligen Auf­heiterung des Himmels tommen wird, ist allerdings noch zweifelhaft, da aus dem Westen noch immer leichte feuchte Luftströme heran­fließen. Die Temperaturen lagen heute wesentlich höher

Die Entlarvten schreien

Berlegenes Geschwäß der Stahlhelmisten

Die Photomontage, die der geftrige ,, Abend" auf seiner Titel| verurteilt, dagegen die verantwortlichen höheren Offiziere, die seite brachte, hat im Lager der kommunistischen Stahlhelmknechte Anstifter der Tat, freigesprochen. Als Ausgleich war hier ein wie eine Bombe eingeschlagen. Die ,, Rote Fahne " bricht in ein Gnadenakt angezeigt. faffungsloses Butgeschrei über die Kennzeichnung der KPD. als Hilfstruppe der Reaktion aus. Obwohl sie selber das Ganze als Photomontage, als Zusammenstellung verschiedener Photos zu einem gemeinsamen Sinn, erkennt, hat sie die Dreistigkeit, von Bild­fälschung"(!!) zu reden. Dabei passiert ihr selber allerhand Unglüc.

Frage an die Kommunisten

Und Du?

Volkbentscheid 9.Oluguft

Werbeplatat des Stahlhelm

Aber warum schweigt die Rote Fahne " darüber, daß wenige Monate später durch ein gemeinsames Amnestiegesetz der Natio­nalisten und kommunisten die eigentlichen Fememörder, die Häupter der Feme , nämlich Oberleutnant Schulz, Leutnant Heines, Feldwebel Klapproth und Fahlbusch amnestiert wurden?! Sie behauptet zwar, daß Oberleutnant Schulz im Oktober 1923 aus der Zitadelle Spandau freien Abzug erhalten habe. Aber Schulz hat zur Zeit der Kapitulation sich gar nicht in der Zitadelle aufgehalten. Dagegen ist folgendes Tatsache: Der jezige Gauleiter der NSDAP . für Berlin- Brandenburg verdankt der Zustimmung der Kommunisten für die Fememörderamnestie, daß er heute auf freiem Fuß die faschistischen SA. Bataillone formieren fann. Weiter verschweigt die Rote Fahne",

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daß kommunistische Landtagsabgeordnete sich für eine Begnadi­gung der rechtsradikalen Bombenleger aus Holstein, der Klaus Hein und Konsorten eingesetzt hat.

Das Bündnis zwischen Kommunisten, Fememördern und Bomben legern hat aber jegt beim Bolfsentscheid durch die Hereinnahme des Stahlhelms nur eine Erweiterung erfahren.

Bor den Schaufenstern der Borwärts"-Expedition und vor den Vorwärts" Filialen stauten sich gestern dichtgedrängte Be. schauermassen, die mit Heiterkeit und Befriedigung die Thäl­ mann - Photomontage betrachteten. Man hörte lebhafte Zustimmung, daß die kommunistische Verräterei hier einmal treffend angeprangert sei. So sehr es die Rote Fahne " schmerzen wird, müssen wir mit­teilen, daß für eine noch viel weitere Verbreitung der verdienten Charakteristik Sorge getragen ist.

Kommunisten überfallen Reichsbanner Blutige Saalfchlacht auch zwischen Kommunisten und Nazis

Kommunistische Prügelfolonnen überfielen gestern nacht wieder an zwei Stellen Reichsbannerleute und verletzten zwei von ihnen erheblich. In einem anderen Fall gerieten sie mit Haken­freuzlern schwer aneinander.

Der erste Ueberfall spielte sich gegen Mitternacht vor dem Hause Prenzlauer 211ee 176 ab. Etwa 20 Kommunisten fielen über drei Reichsbannerleute, die sich auf dem Nach­hauseweg befanden, her. Nur mit Mühe konnten sich die Reichs. bannerkameraden der llebermacht erwehren. Als die Polizei erschien, flüchteten die kommunistischen Rowdys und entkamen. Das zweite Opfer der fommunistischen Wegelagerer wurde der 45jährige Reichs. jugendliche Kommunisten schlugen nach Verbrecherart auf Hartmann ein und brachten ihm erhebliche Verlegungen am rechten Auge bei. Auch in diesem Falle ist es den Burschen leider gelungen, zu entkommen.

Sie meint, daß im Bild die Lustgartendemonstration des Stahl held dargestellt sei, die der Sozialdemokrat Grzesinstt gestattet habe. Es ist aber in Wirklichkeit die Lustgartendemon- bannermann Paul Hartmann aus der Kafanienallee. Meist ftration der Kommunisten, auf der Thalmann als Redner Nr. 3" durch das Platat des neben ihm fnienden Kommu­risten gefennzeichnet ist Ein mißiger Einfall unseres Photomonteurs hat den diden Eitel Schieberich in Stahlhelmuniform als Korrefe renten neben ihn gestellt, wie sich das für einen gemeinsamen Bolts­entscheid von Kommunisten und Stahlhelm eben gehört.

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Um von ihrer schmeren Blamage abzulenten, zählt die Rote Fahne" dann eine Reihe von Schandtaten" der Sozialdemokratie auf, über die in den Betrieben diskutiert werden soll. Wir wollen zu diesen ,, Schandtaten" gern Diskussionsmaterial liefern. Als solche ist beispielsweise bezeichnet, daß die sozialdemokratische Reichstags­fraftion am 7. Juli 1927 für das Arbeitslosenversiche. rungsgefet gestimmt hat. Wenn das eine Schandtat mar, warum brüllen dann jetzt die Kommunisten dauernd über den Raub" der Arbeitslosenversicherung? Geraubt werden kann doch den Arbeitern nur, was sie gern besigen!

Der Höhepunkt aber ist, daß sich die Rote Fahne" sogar auf das Glatteis der Fememörderamnestie begibt. Es ist richtig, daß zu Weihnachten 1929 die Preußenregierung vier unter geordnete Mittäter begnadigt hat, die nicht zu der eigentlichen

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Steine gegen Vorwärts" Filialen.

Die Propaganda des Abend gegen den rechtsradikalen Boltsentscheid, dem sich die Kommunisten angeschlossen haben, hat bei den Mostauanhängern begreifliche Nervosität ausgelöst. In ihrer ohnmächtigen Wut schleudern sie zur Abwechslung wieder ein­mal Pflastersteine gegen die Scheiben der Bor­märts" Filialen. In der Wattstraße wurden zwei Scheiben eingeworfen und in der Prinzenstraße die Scheibe eines Konfitürengeschäftes. Die Steine galten natürlich der daneben­liegenden ,, Borwärts"-Filiale. In der Wattstraße fonnten zwei der Täter, obgleich sie auf Fahrrädern zu entkommen versuchten, fest­genommen werden. Die Steine waren mit Papier umwickelt, auf dem gefchrieben stand: Die Antwort des R. F. B. an den Abend." Die Scheiben aller ,, Vorwärts"-Filialen sind versichert.

Saalschlacht in Brit.

em e gehörten, sondern nur in einem Einzelfall( Banier) durch die Drohung ihrer vorgesetzten Offiziere, daß es ihnen sonst selber an Einen blutigen Ausgang nahm gestern abend eine Versamm­den Kragen ginge, zu der Mordtat gezwungen worden waren. lung, die von Hakenkreuzlern in einem Lofal in Briz einberufen Die berüchtigte Bombe- Rammer hatte seinerzeit nur diese Werkzeuge worden war. Als die Versammlung um 21 Uhr eröffnet wurde,

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