Morgenausgabe
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stem Sonntag 13. September 1931 Groß- Berlin 15 Pf.
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Morgen Sportpalast!
Abrechnung mit der KPD.!
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In einer sozialdemokratischen Versammlung im Sport| Moskau im April 1928 den französischen Kommunisten-| ,, Partei von Arbeiterverrätern entlarven"? Jeder palast wird morgen abend Genosse Künstler sprechen. Er führern aufoftroyierte. Nur der von Moskau anbefohlenen ältere Genosse kennt die Quelle dieses gemeinsamen Sprachwird Anklage erheben gegen die Kommunistische Partei Aufrechterhaltung finnloser kommunistischer Splittertandida- gebrauchs. Sie fließt aus den Schriften des Reichsverbandes wegen der Verbrechen, die sie an der Arbeiterklasse begeht. turen verdankt die französische Rechte ihren Wahlsieg. Wenn zur Bekämpfung der Sozialdemokratie", die vor dem Kriege Der angegriffenen Partei soll Gelegenheit gegeben werden, heute der Kriegsminister Maginot die Abrüstung zu ver- vom Unternehmertum mit schwerem Gelde bezahlt wurden. sich zu verteidigen. Der Eintritt ist, soweit der Raum reicht, hindern versucht oder der Finanzminister Flandin die KürDie KPD. ist heute objektiv genau so eine für jedermann frei. zung der Löhne und Unterstützungen zur Bedingung einer Schuhtruppe des Finanzkapitals und des Finanzhilfe für Desterreich macht, so haben das die Befehls- Scharfmachertums, wie es die SA. Adolf haber der Kommunistischen Internationale auf dem Gewissen.
Sozialdemokratische Versammlungsdisziplin ist bewährt. Wir möchten aber an die fommunistischen Gäste appellieren, daß auch sie Disziplin halten mögen. Daß sie das tun, fordert das Interesse der gesamten Berliner Arbeiterschaft. Geistige Kämpfe sind unvermeidlich und müssen ausgefochten werden. Turbulente Auseinandersegungen zwischen Arbeitern verschiedener Gesinnung rufen den Spott der bürgerlichen Gegner hervor.
Wie es scheint, wälzt die Berliner Bezirksleitung der KPD. verschiedene strategische Pläne, um aus der sozialdemofratischen Bersammlung eine fommunistische zu machen. Diese Pläne werden scheitern, sie sind auch ganz findisch. Jeder Berliner weiß, daß die Sozialdemokratie allein mit ihren eingeschriebenen Mitgliedern den Sportpalast vier bis fünfmal füllen fann. Mit den Theatervorstellungen, bei denen angebliche sozialdemokratische Arbeiter unter begeisterten RotFront- Rufen zur KPD. hinübermarschieren, betrügen die Kommunisten nur sich selbst.
Der Tag dieser Versammlung ist der Gedenktag eines der erfolgreichsten Selbstmordversuche, die jemals von einer Nation begangen worden sind. Morgen ist es nämlich genau ein Jahr seit den letzten Reichstagswahlen. Jener 14. September 1930, an dem der Unverstand der Massen ebenso schlimme Orgien feierte wie bei den Inflationswahlen vom Frühjahr 1924, brachte neben dem großen Sieg Hitlers auch einen fleinen Sieg Thälmann s. 107 von den 577 Reichstagsplätzen fonnte Hitler besetzen, 77 Pläge auf der äußersten Linken beherrscht Thälmann .
Gewiß, die Weltwirtschaftskrise ist nicht durch den Wahlausfall entstanden, vielmehr war dieser von der Krise bedingt. Das ändert aber nichts an der Tatsache, daß die Wahl von rechtsradikalen oder linksradikalen Schreihälsen unter den gegebenen Umständen das Dümmste war, was überhaupt getan werden konnte. Die Wähler, die in ihrer Berzweiflung und Berirrung dem deutschen Volk zu allem anderen Unglück auch noch einen arbeitsunfähigen Reichstag bescherten, haben der Wirtschaft Milliardenver I uste zugefügt, sie haben die Krise verschärft und dadurch den Angriff der Sozialreaktion auf alle Positionen der Arbeiterklasse erleichtert.
Der gemeinsame Aufmarsch der Kommunisten mit Stahlhelmern und Hakenkreuzlern. am 9. August hat feine neuen Zusammenhänge geschaffen, er hat nur alte, längst vorhandene in ein helles Licht gestellt. Ein Jahr arbeitsunfähiger Reichstag, ein Jahr frisenverschärfender Maulradikalismus hat den Beweis erbracht, daß jede Stimme, die am 14. September vorigen Jahres für die KPD. abgegeben wurde, der politischen und der sozialen Reaktion zugute gekommen ist.
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Das Verbrechen des Kommunismus an der Arbeiterklasse vollzieht sich nicht nur in nationalem, sondern auch im internationalen Maßstab. Wenn man heute sieht, wie das französische Finanzkapital seine lebermacht im Interesse der internationalen Sozialreaktion mißbraucht, wie das gegenwärtig sowohl gegen die englische wie gegen die österreichische Arbeiterklasse geschieht wer denkt noch daran, wer denkt noch daran, daß auch hier die Schuld der Moskauer Inter= nationale riesengroß und nachweisbar ist! Die plutofratisch- reaktionäre französische Regierung, die politisch und finanziell ihren Willen den anderen Völkern aufzwingt, ist ein Kind der Komintern . Denn wenn seit dem Frühjahr 1928 nur eine Rechtsregierung in Frankreich möglich ist, so verdankt man das ausschließlich dem verbrecherischen Utas, den
Freilich sind seither den meisten kommunistischen Wählern in Frankreich die Augen aufgegangen. Die fommunistische Bewegung hat in Frankreich ausge= spielt, sie erfüllt heute nur noch ihre traditionelle Rolle als Popanz für Spießbürger. Wir haben die fefte Zuversicht, daß die Wählerschaft der deutschen Kommunisten sich nicht an Erkenntnisfähigkeit von der französischen beschämen lassen wird. Sie wird aus dem Verbrechen vom 9. August 1931 die gleichen Konsequenzen ziehen, wie die französischen Arbeiter aus dem gleichen Verbrechen vom April 1928.
In Deutschland hat inzwischen die Sozialdemokratie ihre Massen zum Kampf gegen die Diftatur des Finanzkapitals aufgerufen. Sie fordert die Unterstellung des Bankwesens und der kartellierten Schlüsselindustrien unter die Staatsgewalt. Wen wundert es, daß die Sozialdemokratie auch in diesem Kampf, der doch um die Verwirklichungsozia listischer Prinzipien geht, feine Unterſtügung bei den Kommunisten findet, daß diese vielmehr frampfhaft bemüht sind, die sozialdemokratischen Kampfparolen zu entwerten und unwirksam zu machen?
Und wen wundert es, wenn der Angriff" des Herrn Goebbels mit Worten, die genau aus der Roten Fahne" abgeschrieben sind, die Ankündigung erläßt, im Reichstag würden die Nationalsozialisten die Sozialdemokratie als
Wie lange wird es der KPD. noch gelingen, hinter dem Geschwätz über eine Weltrevolution, an die sie selber nicht glaubt, und hinter blutigen Abenteuern, die sie duldet oder anstiftet, ihren wahren Charakter zu verbergen? Ihr wahrer Charakter innerhalb der gewaltigen Umwälzung, die fich vollzieht, ist der eines konterrevolutionären Elements, und wo die Arbeiterschaft ihre wirklichen Klassenkämpfe führt, da steht die KPD . nicht zu ihr, sondern sie fällt ihr in den Rücken. Die 3erschlagung der Gewerkschaffen- gibt es überhaupt ein niederträchtigeres Geschäft, das im Dienste des Unternehmertums ausgeführt werden könnte!? Und doch bemühen sich die Kommunisten mit ihrer RGO. es zustande zu bringen!
Die sozialdemokratische Versammlung morgen im Sportpalast wird keine kommunistische Versammlung werden, sondern eine sozialdemokratische Versammlung bleiben. Die Kommunisten, die ihr als Gäste beiwohnen werden, werden erfahren, wie die übergroße Mehrheit der deutschen Arbeiterklasse über die Verbrechen ihrer Führer denkt. Einheitsfront des Proletariats? Sie wird in dem Augenblick da sein, in dem die kommunistischen Arbeiter den Betrug erkennen werden, dem sie zum Opfer gefallen, und die Dinge sehen werden, wie sie sind!
Nazi- Krawalle im Westen.
Kurfürstendamm unter Hakenkreuz- Terror.
In den gestrigen späten Abendstunden fam es im Westen der Stadt zu wiederholten Ausschreitungen der nationalsozialistischen
Rüpelgarden.
Kurz nach neun Uhr abends begannen sich größere Trupps von Nationalsozialisten am Kurfürstendamm zusammen zurotten. In der folgenden Zeit wurde der Zuzug von Hatenfreuzlern immer stärker, so daß um 10 Uhr ungefähr tausend
zertrümmert. Gegen 11 Uhr abends war die Polizeiaktion im wesentlichen beendet und die Ruhe am Kurfürstendamm wieder
hergestellt.
Insgesamt hat die Polizei 50 der Ruhestörer ergriffen und der Abteilung IA im Polizeipräsidium eingeliefert.
offenbar um eine planmäßige Aktion der Hakenkreuzler, die den 3wed haben sollte, das jüdische Neujahrsfest zu stören. Ohne daß die rechtsradikalen Horden anfangs daran gehindert wurden, zogen fie randalierend den Kurfürstendamm entlang. Fortgesetzt ertönten die Rufe: Deutschland erwache!" und„ Juda verrecke!" Dabei wurden jüdisch aussehende Passanten von jugendlichen Rowdies angepöbelt und teilweise schwer verprügelt.
Am bedrohlichsten wurde die Situation, als furz vor 10 Uhr das jüdische Gotteshaus in der Fasanenstraße geschlossen wurde. Hier hatten sich inzwischen die Haupttrupps der Hafenfreuzler versammelt, die die aus der Synagoge kommenden Befucher erwarteten. Als die Massen herausströmten, wurden sie von Krafeelern mit wüsten Schmährufen empfangen und auch tätlich angegriffen. Nebenher liefen noch die Skandalfzenen auf dem Kurfürstendamm , so daß schließlich die Passanten in die Nebenstraßen flüchteten.
Eine Massenfundgebung der Sozialdemokratie. Hamburg , 12. September. ( Eigenbericht.) Die Hamburger Sozialdemokratie eröffnete den Wahlkampf um eindrucks= Hamburg dieser Tage mit einer außerordentlich vollen zentralen Kundgebung unter freiem Himmel. Aus allen Stadtteilen waren zehntausende Männer und Frauen in endlosen Zügen heranmarschiert. Zu den Massen sprachen Reichstagsabgeordneter Sollmann und der Hamburger Fraktionsführer Podeyn. Sollmanns Rede war eine unerbittliche Kampfanjage an den Kapitalismus, der das Elend unserer Tage verursacht habe, ein leidenschaftlicher Kampfruf gegen Nazis und Kommunisten, die nichts getan haben, um dem deutschen Arbeiter zu helfen, aber alles, um die Krise bis an den Rand der Katastrophe und die Not
der Arbeiterschaft bis zur Verzweiflung zu treiben. Der sozialdemokratische Fraktionsführer Podeyn rief zum Kampf gegen eine Politit der Revolver und der Revolverfchnauzen und für eine Politik des sozialistischen Aufbaues auf.
Die Polizei, die sofort alarmiert wurde, rückte umgehend mit einem großen Aufgebot an. Unter Zuhilfenahme des Gumminüppels wurden der Kurfürstendamm und die angrenzenden Nebenstraßen von den Hakenkreuz- Rowdys fyftematisch gefäubert. Am schwersten hatte der Mob vor der Konditorei Reimann am Kurfürstendamm gehaust. Die im Borgarten stehenden Tische und Stühle wurden demo Liera, ebenso wurde die große Schaufensterscheibe der Konditoreiter schtbaren Beweis stellte.