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BERLIN Mittwoch 30.September 1931

Der Abend

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Nr. 458

B 229 48. Jahrgang

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Die Kapitalisten provozieren

Reichsregierung für Unternehmermanifeft?

Die ,, B. 3. am Mittag" hat in dem ultimativen Manifest der Wirtschaftsverbände die Einleitung eines Sturms auf Brüning sehen wollen. Sie ist dabei von der Tatsache ausgegangen, daß vor allem die rheinisch­westfälische Schwerindustrie einen entscheidenden Sturm auf Brüning vorbereitet. Ueberraschenderweise wird zu dieser Auffassung der B. 3. am Mittag" von zuständiger Seite eine Stellungnahme verbreitet, die wie Beifall für das

Unternehmermanifest wirkt.

Man erklärt, die B. 3." sei falsch orientiert, wenn sie glaube, daß diese Verlautbarung einen Sturm auf Brüning darstelle. Im Gegenteil erblicke die Regierung darin eine weitgehende Unterstützung. Die Regie­rung sehe in diesem Programm eine Stügung und feinesfalls eine Kampfansage, wie auch die Verfasser dieses Programmes es ansehen. Die Regierung lege großen Wert auf die Erklärung des Manifests, daß die Selbsthilfe der Wirtschaft den Regierungsmaßnahmen voraufzugehen habe. Mit diesem Brogramm jei eine Förderung der Regierungsabsichten gegeben.

Diese Erklärung von zuständiger Seite fönnte von größter Bedeutung sein, wenn sie die Auffassung des ver­antwortlichen Regierungschefs, des Reichskanzlers Dr. Brü­ning, wiedergeben würde. Wäre dies der Fall, so würde eine solche Stellungnahme der Reichsregierung zu den uiti mativen Forderungen der Unternehmer geeignet fein, grundlegende Veränderungen der inner politischen Lage herbeizuführen. Sie würde eine offene Rampfansage an die gesamte deutsche Arbeiterschaft ohne Unterschied der Partei bedeuten.

Der Reichskanzler wird auf das schnellste die Frage flären müssen, ob diese Stellungnahme gewissen Ressort wünschen entspricht, oder ob sie seine eigenen Auffassungen wiedergibt!

Hundert Jahre rückwärts! Hauptmanns Weber" als deutsches Unternehmerideal.

Zu der gemeinsamen Erklärung der deutschen Wirtschafts-( lies: Unternehmer-) Berbände, die wir im Morgenblatt veröffentlichten, scheint ein grundfäßliches Wort notwendig. Wohin steuern eigentlich die deutschen Unternehmer? In Bunit 3 ihrer Erklärung wenden sie sich dagegen, daß man einen Kapitalismus für die Wirt­fchaftstrife verantwortlich mache, den man eines großen Teils seiner Wefensart entfleidet habe". Und unter Punkt 4 wird gefordert, daß alle Handlungen zu vermeiden seien, die im Widerspruch zum individualistischen Wirt seien ,,, die schaftssystem stehen".

So lesen wir es schon seit Wochen in der Unternehmerpresse. Die schwerindustrielle DA3." erklärte erst neulich, daß wir uns den Glauben abzugewöhnen hätten, wonach der Vater Staat für jeden Volksgenossen aufzukommen hätte"( was aber nur auf arbeits loje Proletarier, nicht auf bantrott gewirtschaftete Banten und Industrieunternehmungen zu beziehen ist!). Gleichzeitig murde gegenüber der demoralisierenden Staatshilfe" die Selbsthilfe des einzelnen verlangt, und wenn diese Selbsthilfe" felbst im verschämten Bettel bestünde!

Lohndiftat im Ruhrrevier.

Abbau mittels Artifel 48.

Bon unferrichteter Seite wird mitgeteilt: Der

Reichsarbeitsminister hat den gestern

ergangenen Schiedsspruch über die Arbeitszeit im Ruhrkohlen. bergbau im öffentlichen Intereſſe für verbindlich erklärt. Eine Verbindlichkeitserklärung des Cohnschiedsspruches ist nicht erfolgt. Es ist jedoch anzunehmen, daß die Frage der Cohnregelung im Ruhrbergbau durch eine voraussichtlich noch heute ergehende Notverordnung des Reichspräsidenten geregelt werden wird.

stammen. Man vermutet jedoch, daß sie für ein Eisen= bahnattentat bestimmt waren. Eine amtliche Be­stätigung dieser Meldung liegt noch nicht vor.

Dieser Bombenfund im oberen Ennstal, dem Gebiet des jüngsten Heimwehrputsches, ist sehr verdächtig. Gerade dort sind Wiener Staatspolizeibeamte energisch gegen die Butschisten vorgegangen, allerdings hat das Landesgericht Graz , wohin die Verhafteten ge­bracht werden mußten, sie zum größten Teil bald wieder frei­gelaffen. Immerhin hat das Scheitern des Putsches, dem zwei Sozialdemokraten zum Opfer gefallen sind, der Heimwehrherrschaft in Obersteiermart einen fühlbaren Stoß verjeßt. Da nun a 15. Oftober die Volkswahl des Bundespräsidenten bevorsteht und die Sozialdemokratie mit ihrem Kandidaten Dr. Karl Renner sehr gute Aussichten hat, so mag es den Faschisten schon sehr erwünscht sein, eine e te gegen die löhnen und Mangel jeder Hilfe im Falle der Krankheit und der Invalidität die Arbeiterklasse in einen Hausen ausfähiger Arbeiterbewegung zu entfesseln, indem man die Roten als Barias verwandelte. Alles, was inzwischen geschehen ist, um das Morderfolg ausgeübt haben. So betrachtet, erscheint dieser recht­Berüber jenes Terrors hinstellt, den die Faschisten mit vielfachem Proletariat vor der unmittelbaren förperlichen und seelischen Berzeitig entdeckte Bombenfund in eigenartigem Zwielicht Grund für die je Sei sein, das bellagt der jegige elendung zu schützen, das soll nach jetziger Unternehmeransicht der

Aufruf als zabilaje, die Leistungsfähigter der Privat. Die Vorgänge in der Partei.

mirtschaft zerstörende gesetzgeberische Maßnahmen". Und warum? Weil sie die Privatwirtschaft in ihrer freien Beweglich feit gehemmt" hätten.

Der Unternehmeraufruf spefullert offenbar darauf, daß heute zahlreiche Arbeitnehmer gar nicht mehr wissen, welches Los die Arbeiterflaffe zu tragen hatte, als die Privatwirtschaft in ihrer freien Beweglichkeit noch durch feinerlei Sozialgejekgebung gehemmt hunderts gibt die Antwort darauf. Es ist bezeichnend, daß es war. Das Weberefend der vierziger Jahre des vorigen Jahr damals der preußische Militarismus war, der sich gegen die schrankenlose Ausbeutung des Proletariats durch das Unternehmertum zur Wehr feizen mußte, weil die Industriebezirke mit ihrer ausgemergelten, rachitischen, durch Schnaps und Syphilis degenerierten Arbeiterschaft das erforderliche Kontingent militärtauglichen Refruten nicht mehr stellten.

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an

Und trotzdem angesichts dieser historischen Tatsachen wagt die Unternehmer- ,, DA3." die Kundgebung der Verbände mit folgenden

Worten zu begleiten:

Alle diejenigen, die mur von der privatwirtschaftlichen Wirt­schaftsform Aufstieg und allgemeinen Wohlstand erwarten, müssen fich ja immer wieder dagegen mehren, daß böswillige Agitatoren ader fritiklose Naivlinge dem Kapitalismus die Fehler des Sozialismus, dem wir den Großteil unseres heutigen Elends verdanken, zur Last legen.d Gegen solche Dreiftigkeit versagen die Ausdrucksmöglichkeiten der deutschen Sprache. Der Sozialismus ist am Versagen des Rapi­talismus schuld! Nur kritiklose Naivlinge" und böswillige Agi­talismus schuld! Nur kritiklose Naivlinge" und böswillige Agi­tatoren" fönnen dies leugnen! Wer aber war an dem tapi talistisch erzeugten Massenelend schuld in jener früh­fapitalistischen Periode, die noch kaum das Wort Sozialismus, geschweige denn eine sozialistische Partei oder eine Sozialgesetzgebung fannte, die uns als die grauenvollste der menschlichen Geschichte überliefert ist, und die uns jetzt das Unternehmertum als Ideal­zustand vorſetzen möchte?!

Bombenlager entdeckt.

Eisenbahnattentat verhindert.

Graz , 30. September.

Funktionsenthebung in Breslan.

Breslau , 30. September. ( Eigenbericht.)

Der Erweiterte Vorstand" des Ortsvereins Breslau sigenden Rechtsanwalt Este in eine Entschließung angenommen, der Partei hatte am Montagabend nach dem Referat des Vor­die sich gegen die weitere Tolerierung der Regierung Brüning richtet und zum Schlusse versichert, daß die Breslauer Parteiorganisation werde: Die Breslauer Sozialdemokratie wird denen folgen, die weiter für eine Aenderung des Kurses der Sozialdemokratie fämpfen gewillt sind." die deutsche Arbeiterklasse auf diesem Wege zu führen

In einer Jugendversammlung hat am Dienstagabend der Parteivorsitzende Edstein erklärt, daß er sich hinter die aus­geschlossenen Seydewitz und Rosenfeld stelle. Der Abg. Ziegler hat sich dieser Erklärung angeschlossen.

Jetzt hat nun der Bezirksvorstand der Partei beschlossen, den Vorstand des Ortsvereins und den örtlichen Partei­sekretär Rausch ihrer Funktionen zu entheben, da sie sich mit den ausgeschlossenen Seydewiß und Rosenfeld soli­darisch erklärt haben. Die Geschäfte des Ortsvereins wird bis auf weiteres der Bezirkssekretär Genosse Bretthorst führen. cont

Die für Freitagabend angefeßte Parteiversammlung, in ber Sendewig referieren sollte, ist von der neuen Ortsvereinsleitung jetzt offiziell abgefagt worden. Daß die sogenannte Oppofition" in Breslau mit einer Abfpaltung von der Partei rechnete, geht aus der Tatsache hervor, daß bereits in voriger Woche zwei Redakteure der Volkswacht gefragt wurden, ob fie eventuell bereit seien, ein neuzufchaffendes Oppositionsblatt zu redigieren. Die beiden Ge­noffen haben dieses Anfinnen jedoch abgelehnt.

Warnung vor Splitterarbeit.

Der Berliner Bezirksvorstand der Sozialdemo­frafischen Partei veröffentlicht folgende Warnung:

Nach Berichten der bürgerlichen Preffe planen die aus der Partei ausgeschloffenen Abgeordneten Kurt Rosenfeld und

eine Reichsfonferenz der oppositionellen Parteigenossen zweds Gründung einer neuen Partei.

Wir machen darauf aufmerksam, daß die Teilnahme von Parteigenoffen an dieser Konferenz mit der Zugehörigkeit zur Sozialdemokratischen Partei unvereinbar ist.

Mit anderen Worten: Das Unternehmertum will auf die Zeit 3wanzig Bomben an einer Bahnstrecke gefunden.- Neues Mar Sendewih für Sonntag, den 4. Oktober 1931, in Berlin hinaus, wo es weder Staatshilfe noch Arbeiterschuh, noch Sozial­versicherung, noch irgendeine Art Einschränkung des Unternehmer­individualismus gab, es will in die Zeit, die für Deutschland um zmci bis drei, für England um drei vis vier Menschenalter zurück­liegt. Es erstrebt jene Periode des Frühkapitalismus als Idealzuftand, deffen grauenhafte Verheerungen Friedrich Engels in feinem Buch ,, Lage der arbeitenden Klaffen in England", Start Marg im ersten Bande des Kapital" missenschaftlich geschildert haben, dem Gerhart Hauptmann in feinem Beber" Drama bas tünstlerische Spiegelbild entgegengehalten hat.

Drei Menschenalter hat die Arbeiterflasse, haben mehr oder weniger einfichtige Reformer aus dem Bürgertum darum gefämpft, die Welt aus dem Elend des Frühkapitalismus zu befreien, der bei vierzehn- bis sechzehnstündiger Arbeitszeit, bei ungehemm ter Frauen und Kinderarbeit, bei niedrigsten Hunger

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Im Bahnhof von Rottenmann wurden heute früh zwischen Stämmen und Brettern versteckt zwanzig Bomben gefunden. Die Sprengkörper bestehen aus Mannesmannröhren von 16% Zentimeter Länge und 35 Millimeter Durchmesser. Sie sind mit hochexplo jiblem Sprengstoff gefüllt und an beiden Enden mit Korken feft verschlossen. An einem Ende befindet sich eine 3ündschnur, die durch eine Papphülle ge­schütt ist. Die Bomben gleichen im allgemeinen jenen, die bei den Eisenbahnattentaten in Deutschland und Ungarn verwendet wurden. Die Erhebungen haben bisher noch nicht ergeben, woher die Explosivkörper

Eine blamable Angelegenheit.

Die Reichspreffeftelle schickt eine Auflagenachricht an die falsche Zeitung.

Die Deutsche Zeitung" hat von der Preffeabteilung der Reichsregierung im Auftrag des Reichsernährungsministeriums eine Auflagenachricht erhalten, die nach den Bestimmungen der Presse­netverordnung unverzüglich zu veröffentlichen war. Am nächsten Tage stellte die Deutsche Zeitung" fest, daß die Auflagenachricht

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